Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Die klassische Psychoanalyse

   

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"Es gibt ebenso wenig hundertprozentige Wahrheit wie hundertprozentigen Alkohol." (Sigmund Freud)    

Moderne Erklärungen wie es vom Erlebnis zum Symptom kommt finden Sie auch unter Posttraumatische Belastungsstörungen wie Erlebnisse die Struktur des Gehirns verändern unter Synapsen

Als Beispiel siehe auch die Theorien in der Behandlung von Phobien und Angststörungen

Verhaltenstherapie

„Wir haben als unsere ärztliche Aufgabe formuliert, den neurotischen Kranken zur Kenntnis der in ihm bestehenden unbewussten, verdrängten Regungen zu bringen und zu diesem Zwecke die Widerstände aufzudecken, die sich in ihm gegen solche Erweiterungen seines Wissens von der eigenen Person sträuben. ...Die Arbeit, durch welche wir dem Kranken das verdrängte Seelische in ihm zum Bewusstsein bringen, haben wir Psychoanalyse genannt.“ Aus S. Freud (1919). Wege der psychoanalytischen Therapie. S. 24. 1Psychoanalyse ist eine Methode bei der frühe oder weit zurückliegende emotionale Erfahrungen einer Person aufgedeckt werden und deren Rolle und Einfluss das gegenwärtige Erleben eines Patienten untersucht wird. Dies wird mit dem Ziel durchgeführt, Konflikte und Mechanismen aufzudecken, die einem Symptom voraus gingen, oder die für eine Krankheit oder eine Symptom verantwortlich sind. Aus diesen Konflikten und Mechanismen wird auch abgeleitet wie der Patient gesunden könnte, und wie der therapeutische Prozess gestaltet wird. Zum Einsatz kommt die tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie bei Patienten, die nicht zu sehr symptomzentriert sind und Bereitschaft erkennen lassen, sich dem symptomtragenden Konflikthintergrund zuzuwenden. Die Psychoanalyse geht von einem psychischen Determinismus aus, alle psychischen Phänomene haben danach eine Ursache, es gibt keinen Zufall. Wesentlich Bestandteil der Theorie ist, die Rolle des Unbewussten: neben bewussten gibt es unbewusste seelische Inhalte, die sich Träumen, Fehlleistungen und auch (meist indirekt) in beobachtbarem Verhalten äußern. Intrapsychische Prozesse spielen nach analytischer Vorstellung bei der Erklärung psychischer Störungen die wesentliche Rolle.  Nach dem Konzept der Psychoanalyse liegt die Ursache einer Neurose in einem unbewussten Konflikt, der seine Wurzeln in einer traumatischen Situation in der Kindheit hat. Damals mussten die hiermit verbundenen Gefühle und Affekte unterdrückt und verdrängt werden, da sie nicht auszuhalten waren. Wenn dieser unbewusste Konflikt durch eine spätere Lebenssituation aktualisiert wird, kommt es zum Ausbruch der Erkrankung. Hieraus ergibt sich das Behandlungskonzept: Wenn das Unterdrücken von Affekten zur Erkrankung führt, müsste durch die Bewusstwerdung des Verdrängten eine Heilung erzielt werden. Nach Freud kommt es jedoch zu einer wirklichen Veränderung der psychischen Struktur nur, wenn das Erinnern mit Affekten einhergeht; ein allein rationales Wissen um die eigenen Konflikte reicht nicht. Einer solchen mit dem Erinnern einhergehenden "Katharsis" muss dann die bewusste Verarbeitung – im analytischen Sprachgebrauch das "Durcharbeiten" – folgen; ansonsten treten nach vorübergehender Erleichterung die alten Strukturen erneut auf. Der beim Patienten auftretende Widerstand wird als Ich-Leistung anerkannt, den es nicht mit Gewalt zu durchbrechen gilt, sondern an dessen Oberfläche die Therapie ansetzt (das heißt auf manipulative Methoden zu verzichten). Für diese Arbeit ist zwischen Therapeut und Klient eine vertrauensvolle Beziehung unerlässlich. Die therapeutische Beziehung wird in der Analyse auch deshalb als grundlegend angesehen, da in dieser Übertragung und Gegenübertragung ermöglicht wird – das heißt frühere Beziehungsmuster werden im therapeutischen Rahmen wiederholt, so dass mit den hiermit einhergehenden Gefühlen therapeutisch gearbeitet werden kann. Neuere psychoanalytische Konzepte stellen dem Instanzenmodell von Freud (Ich, Über-Ich und Es) das Selbst als intrapsychische Struktur zur Regulierung des Selbstwertgefühls gegenüber. Für dessen Aufbau ist eine konstante Objektbeziehung erforderlich. Fehlte sie in der frühkindlichen Entwicklung, ist der Patient nicht in der Lage, eine Übertragungsbeziehung aufzubauen, mit der wie oben beschrieben gearbeitet werden kann. Bei diesen "frühen Störungen" ist statt einer klassischen Analyse eine stützende und strukturgebende Haltung des Therapeuten erforderlich, um so eine Nachreifung des Selbst zu ermöglichen. (Federschmidt, Dt Ärztebl 1995; 92: A-41–45) Die Methode nutzt überwiegend die freie Assoziation, Erinnerungen, Deutung von Träumen, Deutung von Übertragung, und Widerstand. Diese Art der Therapie ist nur in regelmäßigen Sitzungen von 50 min Dauer mehrmals pro Woche möglich. Daraus abgeleitete Verfahren psychodynamischer, tiefenpsychologisch orientierter oder analytisch orientierter Psychotherapietechniken sind auch in mit längeren Intervallen zwischen den Sitzungen möglich.  Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel länger als ein Jahr. Die Psychoanalyse als Behandlungsmethode wurde von Sigmund Freud entwickelt und von ihm selbst bereits im Laufe der Jahre immer wieder mit neuen Techniken, und Konzepten verändert. Sandler J. Reflections on developments in the theory of psychoanalytic technique. International Journal of Psychoanalysis 1992;73(2):189-98. Zahlreiche Schulen leiten sich von anderen mehr oder weniger bedeutenden Psychoanalytikern ab. Nicht aller sind gleichermaßen anerkannt. Die Konzepte der verschiedenen widersprechen sich teilweise. Manche sind selbst für gute Kenner der Szene schlecht nachvollziehbar oder beinhalten mystische Elemente. Ein wirklich einheitliches Konzept gibt es nicht. Als Krankenbehandlung zielt die Psychoanalytische Therapie auf eine Verringerung des seelischen Leidens ab durch weitgehende Integration des unbewussten Geschehens. Zugleich und meist auch verbunden damit geht es um die Lockerung von unbewussten aber dennoch erlebten Fremdbestimmtheiten, Abhängigkeiten und um die Befähigung, Konflikte in angemessener, konstruktiver und flexibler Weise zur lösen und schließlich um die Förderung eines weiteren, durch die pathogenen Umstände unterbrochenen, emotionalen Wachstums. "Psychoanalyse ist der Name erstens eines Verfahrens zur Untersuchung seelischer Vorgänge, welche sonst kaum zugänglich sind, zweitens einer Behandlungsmethode neurotischer Störungen, die sich auf diese Untersuchung gründen, drittens eine Reihe von psychologischen, auf solchem Wege gewonnenen Einsichten, die allmählich zu einer neuen wissenschaftlichen Disziplin zusammenwachsen" (Freud 1923)     

 

Die eigentliche Psychoanalyse wird in der Krankenbehandlung nur noch selten angewendet. Meist werden von ihr abgeleitete Verfahren mit geringerem Aufwand für Arzt und Patient mit ähnlich gutem Erfolg angewendet. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien (einschließlich Kurz- und Intervalltherapien) streben eine Begrenzung des Behandlungsaufwandes an. Insbesondere die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie leitet sich von der Psychoanalyse ab. Bedauerlicherweise ist die Datenlage bezüglich des Erfolges analytischer Behandlungen im Vergleich zur medikamentösen Therapie aber auch zur Verhaltenstherapie immer noch schlecht. Psychotherapie im allgemeinen hat keine große Forschungstradition. Psychotherapeutische Techniken werden von Praktikern der Methode gelehrt oder vom Lehranalytiker übernommen. Das Verfahren basiert überwiegend auf Texten und Erfahrungen herausragender Persönlichkeiten des Faches. Behandlungsempfehlungen basieren überwiegend auf deren anekdotischen Schilderungen. Dies ist in der Medizin nichts ungewöhnliches, auch am Anfang der Entwicklung von wirksamen Medikamenten stehen solche anekdotischen Erfahrungen, sie würden allerdings heute keine ausreichende Grundlage für eine Zulassung eines Medikamentes sein. Genügend Altmedikamente die auf ähnlicher Grundlage zugelassen wurden sind aber noch wesentliche Basis der Medizin. Noch viel mehr gilt dies für eine Vielzahl chirurgischer Behandlungsmethoden. Auch wenn sie einen Anwalt aufsuchen wird Ihnen dieser nicht eine dezidierte wissenschaftliche Grundlage für jede Art Vorgehen darlegen können. Auch er beruft sich überwiegend auf Erfahrungen in ähnlichen Fällen. Der Mangel an wissenschaftlichen Beweisen ist also nichts ungewöhnliches, wohl aber ein Mangel eines Verfahrens.  In Zeiten in denen Kosten und Effektivität wesentlich sind, kann dies langfristig durchaus eine Methode in den Ruin treiben, damit auch ihre Therapeuten in die Armut. Vielleicht sind wir zufrieden damit, dass es in unserem Bereich Weiterentwicklungen gibt, aber die Psychoanalyse ist der einzige bedeutsame Zweig des Wissens vom Menschen und der Therapie, der sich weigert, auf die Forderung der westlichen Zivilisation nach einem systematischen Nachweis seiner Behauptungen einzugehen. Eine systematische Erforschung der Psychoanalyse müsste größere Hindernisse überwinden, aber nur ein bedauerlich kleiner Prozentsatz unserer Arbeit wird der Entwicklung von Methoden gewidmet, die eine wohldurchdachte Auswahl unter unseren konkurrierenden Positionen erlauben. (Gill MM. Psychoanalysis in Transition. A Personal View.Hillsdale, New York, London The Analytic Press  1994;)  Die hier auf der Seite geäußerte Kritik entspringt  der  Sorge um das Verfahren. (Siehe auch  (The Archives of General Psychiatry 1996 Vol. 53 April: Practice Guidelines and Professional Challenges,James H. Kocsis, MD, Professor of Psychiatry Cornell University Medical Center New York, NY 10021.) Wesentliche Guidelines von Fachgesellschaften in der Depressionsbehandlung kommen beispielsweise nach Sichtung der Datenlage zu dem Schluss: Es gibt keine kontrollierten Studien zum Langzeiteffekt einer analytischen Psychotherapie bei der Behandlung von Depressionen von Erwachsenen (  American Psychiatric Association. Practice Guideline for major depressive disorder in adults. Am J Psychiatry. 1993;150(suppl4):1-26) Eine andere Guideline für Allgemeinärzte sieht dies nach Durchsicht der Weltliteratur sogar so: Es gibt keine kontrollierten Studien zum Langzeiteffekt irgend einer Psychotherapie bei der Behandlung von Depressionen von Erwachsenen ( Depression Guideline Panel. Clinical Practice Guideline Number 5: Depression in Primary Care, 2: Treatment of Major Depression. Rockville, Md: US Dept of Health and Human Services, Agency for Health Care Policy and Research; 1993. AHCPR publication 93-0551.)

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Verharren in Dogmen hat der Psychoanalyse viel berechtigte Kritik eingebracht z.B. - Hines, Terence. Pseudoscience and the Paranormal (Buffalo, New York: Prometheus Books, 1990). US $ 23,95. Fest verbunden mit der psychoanalytischen Verdrängungstheorie ist die Annahme, dass die Art, wie Eltern, und vor allem Mütter, ihre Kinder behandeln, die Ursache vieler, wenn nicht aller Probleme des erwachsenen Menschen ist, die von Persönlichkeitsstörungen über emotionale Probleme bis hin zu Geisteskrankheiten reichen. Man kann kaum in Frage stellen, dass Kinder, die man ihre ganze Kindheit hindurch grausam behandelt, in ihrem Leben als Erwachsene wesentlich von dieser Behandlung beeinflusst werden. Es ist jedoch ein großer begrifflicher Sprung, von diesem Faktum ausgehend darauf zu schließen, dass alle sexuellen Erfahrungen der Kindheit im späteren Leben Probleme verursachen werden, oder dass alle Probleme im späteren Leben, einschließlich sexueller, auf Kindheitserfahrungen zurückzuführen sind. Für keine dieser Vorstellungen gibt es einen Beweis.

Wenn man sie wörtlich nimmt können solche Interpretationen auch Familien zerstören,  ohne dass überhaupt eine reale Grundlage dagewesen sein muss. Reaktionen von Eltern auf Kinder mit Schwierigkeiten können leicht mit der Ursache der Schwierigkeiten verwechselt werden. Mit allen daraus resultierenden Folgen (Vorwürfe, zerstörte Familien, Chronifizierung der Erkrankung). "Viele Menschen halten ihre Phantasie für ihr Gedächtnis." (Josh Billings)

 

"Jede der Therapieschulen nimmt nur einen Bruchteil der Möglichkeiten wahr, die nachweislich geeignet sind, Menschen mit psychischen Störungen und Problemen wirksam zu helfen. Sowohl unter dem Wahrheits- als auch unter dem Nützlichkeitsaspekt sind die Therapieschulen daher überholt. Frei nach Schiller könnte man sagen: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Aber er sollte nun auch gehen. Die Zukunft der Psychotherapie liegt in der therapieschulübergreifenden Nutzung der bisher erarbeiteten Erkenntnisse. Eine therapieschulübergreifende allgemeine Psychotherapie kann nicht von Messdienern betrieben werden, die nachbeten, was ihnen die Hohenpriester der Psychotherapie vorgeben. Sie erfordert mündige Therapeuten, die die blinden Flecken der Hohenpriester sehen und in Frage stellen, und die selbst Verantwortung dafür übernehmen, die Fähigkeiten zu erwerben, die es braucht, um ein wirklich guter Psychotherapeut zu sein." Zitat nach   Was sind die wirklich wirksamen Ingredienzien der Psychotherapie?  - K.Grawe  

 

Forderung an eine sinnvolle psychoanalytisch orientierte Behandlung ist, dass der Behandler auch die körperlichen Ursachen der Erkrankungen (z.B. auch bei Depressionen, Schizophrenie, Angstkrankheiten, Zwangskrankheiten) kennt, und in der Behandlung berücksichtigt. Ein Therapeut der grundsätzlich Psychopharmaka ablehnt, muss als in der Regel uninformiert, und als potentiell dem Patienten schadend eingeschätzt werden (dies gilt selbstverständlich für alle Psychotherapierichtungen). Sinnvolle Psychotherapie setzt immer Grundkenntnisse der psychiatrischen Wissenschaft voraus.

Ein Zitat zu einem nicht ganz seltenen Problem bei Psychotherapien (oder von allzu wichtigen Therapeuten): Für die Therapeuten kann der Umgang mit belasteten Partnerschaften manchmal so schwierig sein, dass sie sich offen oder indirekt dazu verleiten lassen, Trennungsempfehlungen auszusprechen.  Vielleicht haben sie sich mit dem partnerschaftlichen Unglück ihrer Patienten identifiziert, weil sie es aus ihrer eigenen Geschichte kennen und weil sie wissen, dass man Lösungen finden und qualitativ bessere Partnerschaften eingehen kann. Vielleicht mussten sie aus narzisstischen Gründen ihren Patienten gegenüber die Rolle des besseren Anderen spielen, der schnell Vorschläge parat hat, sich aus einer unglücklich erscheinenden realen Beziehung außerhalb doch lieber rasch zu lösen, um die so frei werdende Bindungsenergie dann in die therapeutische Beziehung zu investieren. Hier würde der Missbrauch von Abhängigkeit seitens des Therapeuten beginnen. Es ist also als grundsätzliche psychotherapeutische Haltung zu empfehlen, die Patienten in allen Facetten und Schattierungen von Pro und Kontra der Aufrechterhaltung oder Lösung einer Beziehung zu begleiten. Lösungsvorschläge müssen letztlich vom Patienten selbst erarbeitet werden und für ihn auch emotional stimmig sein, so dass sie Ich-synton erlebt werden können. Solchen „Empfehlungen" haftet etwas Grobes, Gewalttätiges, Unempathisches an. Ich würde deshalb Trennungsempfehlungen seitens des Psychotherapeuten während psychotherapeutischer Behandlungen als ethisch bedenkliche Intervention einstufen. In diesem Zusammenhang soll auf eine Äußerung von A. Dührssen verwiesen werden, die immer wieder gesagt haben soll, dass ein Therapeut, der einem Patienten eine Trennung empfehle, diesem dann auch einen neuen Partner besorgen müsse (persönliche Mitteilung U. Rüger)! Wie schon angedeutet, kann das Miterleben einer schwierigen, quälenden Partnerschaft des Patienten auch für seinen Therapeuten belastend sein. Allerdings wird dabei leicht übersehen, welche Bindungskraft auch eine schlechte, objektiv zerstörerisch erscheinende Beziehung haben kann, die das Unglück des Patienten aufrechterhält. (Christian Reimer Gießen Zur Problematik von Trennungsempfehlungen, Psychotherapeut 3·2000 S182ff)

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Zielsetzung der Psychoanalyse ist es, Motive des Verhaltens einer Person zu erkennen und Handlungsweisen zu verstehen. Sie steht damit in der Tradition der Geisteswissenschaften. Die Psychoanalyse versucht zurückschauend das jetzige Verhalten in einen sinnvollen Zusammenhang mit vergangenen Erfahrungen zu bringen. Kann ein solcher Sinnzusammenhang hergestellt werden, gilt das Verhalten als verstanden. Dieses Vorgehen kommt einen großen menschlichen Bedürfnis nach Kausalität und eigener Geschichte entgegen. Sie führen alleine dadurch, auch unabhängig vom Realitätsgehalt der Erklärung zu einer Erleichterung und damit auch zu einer Verbesserung des Wohlbefindens.  Psychodynamische Hypothesen bieten eine Erklärungsidee für Symptome oder ein Scheitern im Leben. Wenn sie in einer für den Patienten annehmbaren Form angeboten werden, können sie beruhigend wirken und einen Lösungsweg aufzeichnen.  Veränderungen von  Vorstellungen und Umgangsweisen können dann zur Symptomlinderung und bis hin zu einer "strukturellen Änderung der Person" führen. Mit Probedeutungen wird meist bereits in den ersten Sitzungen versucht herauszufinden ob der Patient dieser Methode zugänglich ist. Für den analytisch orientierten Therapeuten bedeutet die Tatsache ob sich jemand auf diese Deutungen einlassen kann, die Klärung in wie weit der Patient introspektionsfähig ist, ob er in der Lage ist reflektierend, lösungsorientiert, strukturierend mit dem Patienten zu arbeiten. Ist dies nicht der Fall wird angenommen, dass eher ein stützendes, entlastendes Vorgehen sinnvoll ist. Alleine über den Wahrheitsgehalt der Deutungen sagt dieses Vorgehen ebenso wenig aus, wie über dessen Erfolgsaussicht. Aus dem Vorgehen er gibt sich auch das Nebenwirkungsrisiko.  Die Suchrichtung wird bestimmt durch die psychoanalytische Theorie, die aufgrund vorausgegangener Beobachtungen entwickelt wurde. Der Person nicht bewusste Motive spielen beim Verstehen eine große Rolle. Nicht das Experiment gilt als Erkenntnismethode, sondern die sinnvoll geordnete und im Wechselspiel mit einer Theorie interpretierte Beobachtung. In der Psychoanalyse werden als Ursache von Störungen Konflikte angesehen, deren Lösung die psychischen Fähigkeiten einer Person überforderte. Da Konflikte unangenehm sind, werden sie häufig durch einen Schutzmechanismus in der Person aus dem Bewusstsein ausgeblendet. Solche in der Folge unbewussten Konflikte sind aber weiterhin vorhanden und unterstützen die Symptome. Große Wirksamkeit entfalten nach dieser Theorie Konflikte in der frühen Kindheit, da Kinder weniger als Erwachsenen die Reife fehlt, eigenständig zu einer Lösung der Konflikte zu kommen. Aus diesen Gründen beschäftigt sich Psychoanalyse primär mit den in der Person liegenden Bedingungen für Störungen, während Verhaltensmedizin sich mehr auf die Lebensbedingungen einer Person bezieht. In der Psychoanalyse sind unbewusste Motive und Konflikte das eigentlich Interessierende. Diese Motive können nicht direkt beobachtet, sondern nur erschlossen werden. Die Ergebnisse der eingesetzten Testverfahren  bedürfen daher der Interpretation durch den Untersucher.  Die Tests sollen dem Verständnis der Person dienen, nicht aber der Quantifizierung ihrer Merkmale. Dieses Verständnis kann allerdings zu ungerechtfertigten Schuldzuweisungen und Schuldgefühlen führen. Der Schluss, ich habe ein Symptom, also muss mir ein Trauma widerfahren sein,  ist bei weitem nicht in jedem Fall zutreffend. Die Unterscheidung ob beispielsweise, Eltern mit einem bestimmten Verhalten auf eine Auffälligkeit ihres Kindes reagiert haben oder durch ihr Verhalten diese Auffälligkeit provoziert haben, kann im Einzelfall nicht getroffen werden.   In der Psychoanalyse werden Verfahren eingesetzt, die darauf hinzielen, zu den unbewussten Motiven vorzudringen und diese dem Patienten zu verdeutlichen. Verhaltensweisen werden interpretiert, d.h. es wird ein Bezug zu dem Unbewussten hergestellt. Hierbei spielen die Analyse von Träumen und von Äußerungen des Patienten im therapeutischen Gespräch eine große Rolle. Es wird davon ausgegangen, dass ein Patient, der sich und seine unbewussten Motive besser kennen gelernt hat, auch seine Störungen, die hierauf beruhen, selbst kontrollieren lernt. Allerdings ist davon auszugehen, dass die theoretischen Vorstellungen des Therapeuten den aufdeckenden Weg beim Patienten wesentlich prägen. Die Annahme bestimmter unbewusster Motive geht häufig mit den theoretischen Vorstellungen des Therapeuten parallel, wäre der Patient also zu einem anderen Therapeuten gekommen, würde er sich häufig eine andere Geschichte seiner Symptome geben. Ein direktes Einüben neuen Verhaltens wird nicht als so bedeutend angesehen. Wenn Psychoanalytiker die Interaktionen zwischen Mutter und Kind interpretieren, sind sie gezwungen diese Interpretationen aus der Sicht des Erwachsenen vorzunehmen. Das unmittelbare Erleben des Neugeborenen und des Kleinkindes ist ihnen nicht zugänglich. Die Mitarbeit des Patienten ist eine unabdingbare Voraussetzung für den Therapieerfolg in jedem Verfahren. Um diese Mitarbeit zu sichern, sollte zu Beginn der Therapie ein vorläufiges Modell erarbeitet werden, das die Entwicklung und Aufrechterhaltung der psychischen Störung erklärt. Dieses Krankheitsmodell liefert wichtige Anhaltspunkte für die Therapie, so dass in einem zweiten Schritt ein Behandlungsmodell abgeleitet werden kann, das eben diese Implikationen des Krankheitsmodells für die Therapie verbalisiert. Über die Art, Dauer und Prognose der Therapie entscheidet nicht allein die Symptomatik (zum Beispiel Ausmaß der Behinderung oder Chronizität), sondern daneben auch die aktuellen Lebensumstände (Arbeitslosigkeit, Schulden, andere schwer auflösbare Abhängigkeiten) und vor allem Persönlichkeitseigenschaften von Patient (und Therapeut!). Der Therapeut wird im Verfahren  Ersatz für die vertrauensvolle Beziehung, die in der Kindheit nach der Theorie fehlte, er soll Sicherheit vermitteln, Verständnis, Geborgenheit und Halt geben. Er soll dort wo es notwendig ist auch den Sinn von Grenzen vermitteln und mit seinen Deutungen Anlass zu entwicklungsanregenden Ideen sein. Gleichzeitig soll dem Patienten und Therapeuten bewusst sein, dass die therapeutische Beziehung keine wirkliche Bedürfnisbefriedigung zulässt. Die korrigierende emotionale Erfahrung in der therapeutischen Beziehung ist  allerdings unspezifischer Bestandteil jeder Psychotherapie.  Die Psychoanalyse nimmt für sich in Anspruch, dass dort die therapeutische Übertragungsbeziehung am besten untersucht ist und deren Effekte damit auch am besten (und am ehesten bewusst) genutzt werden. Letzteres, da in ihr die Projektionen und Wiederholungen kindlicher Erfahrungen erkannt und gedeutet werden. Interaktionen zwischen Analytiker und Patient werden auf Erfahrungen zwischen Mutter/Vater und Kind zurückgeführt und interpretiert. Störende Interaktionsmuster sollen so nicht nur erkannt und ursächlich zugeordnet, sondern auch korrigiert werden können.

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Psychotherapie bedeutet wörtlich übersetzt Behandlung der Seele bzw. von seelischen Problemen. Es geht dabei um die gezielte persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Denken, Handeln und Fühlen. Diese Auseinandersetzung wird unterstützt und begleitet von einem Arzt oder Diplom-Psychologen, der nach dem Studium eine Psychotherapieausbildung abgeschlossen hat.

Erst 1964  mit dem "Neurosen-Urteil" des Bundessozialgerichts wurde die Grundlage für eine Gleichstellung von seelischen und körperlichen Krankheiten geschaffen.

    Leitsatz war damals: Seelische Störungen - neurotische Hemmungen, die der   Versicherte - auch bei zumutbarer Willensanspannung -   aus eigener Kraft nicht überwinden kann, sind eine   Krankheit." (BSGE 21, 189).

Durch die Untersuchungen und die Therapie Ergebnisse am AOK Institut in Berlin  wurde 1967  die erste Psychotherapie-Richtlinie beschlossen die Psychoanalyse und Tiefenpsychologie wurden dadurch bei den Krankenkassen abrechenbar.

 

Es ist eigentlich unvernünftig ist, bestimmte therapeutische Möglichkeiten, die sich als sehr wirksam erwiesen haben, aus der eigenen Arbeit auszuklammern, nur weil sie nicht zu einer bestimmten Therapieschulidentität passen. Im Interesse der Patienten wäre es sicher besser, wenn regelmäßig alle therapeutischen Möglichkeiten in Betracht gezogen würden, die ihnen wirksam helfen könnten. Ihre Aussicht auf einen guten Behandlungserfolg wäre dann objektiv am größten. Aber dazu bräuchte es Therapeuten, die willens und in der Lage wären, so therapieschulübergreifend zu denken und zu handeln. Die Therapieschulen setzen ihrerseits alles daran, um die Entwicklung solcher Psychotherapeuten zu verhindern und zu behindern. Ihnen ist es gelungen, zusammen mit der kassenärztlichen Bundesvereinigung einen Katechismus, den sog. "Richtlinienkatalog'' (Faber und Haarstrick, 1989), in Kraft zu setzen, der dafür sorgt, dass nur therapieschulreine Therapien von den Kassen finanziert werden. Das ist fürwahr ein wirksames Mittel, um die Therapeuten bei der Stange: sprich ihrer angestammten Therapieschule zu halten. Vor den Katechismus, aber hat der Herr den Kommunikations- oder Konfirmationsunterricht und dazu passende Initiationsriten gesetzt, eine therapieschulenbezogenene Scheuklappenausbildung, die oft lebenslange Blickfeldverengungen produziert. Wer erst mal ein paar Jahre auf der Couch gelegen ist, dem ist seine wissenschaftliche Neugier und sein Erkundungsdrang ziemlich sicher in der Nabelschau abhanden gekommen. Deswegen sind Kongresse wie dieser, so fragwürdig sie auch sonst sein mögen, in mancher Hinsicht eine Erlösung und Erquickung. Orthodoxe Repression kann sich unter solchen Bedingungen jedenfalls nicht durchsetzen. Lieber ein Woodstock der Psychotherapie als immer dieselbe Litanei. Was sind die wirklich wirksamen Ingredienzien der Psychotherapie?  - K.Grawe  

 

,Auszug aus den Psychotherapierichtlinien:

Beabsichtigt ein Arzt oder Psychologischer Psychotherapeut tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder analytische Psychotherapie oder Verhaltenstherapie durchzuführen, so veranlasst er, wenn er — ggf. nach der Durchführung probatorischer Sitzungen — eine entsprechende Indikation gestellt hat, den Patienten, einen Antrag auf Feststellung der Leistungspflicht für Psychotherapie bei dessen Krankenkasse zu stellen. Führt die Langzeittherapie innerhalb des von der Krankenkasse genehmigten Umfangs nicht zum Erfolg, kann der Versicherte einen Antrag auf Fortsetzung der Behandlung stellen. Diesem Antrag werden vom Therapeuten die Angaben zur Indikation und die entsprechende Begründung zur Fortsetzung der Behandlung gemäß dem entsprechenden Formblatt bzw. zugehörigem von der Kassenärztlichen Vereinigung zur Verfügung gestellten Informationsblatt  im verschlossenen Briefumschlag beigefügt und an die zuständige Krankenkasse gesandt. Das Gutachterverfahren dient dazu festzustellen, ob die in den Psychotherapie-Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen und in dieser Vereinbarung niedergelegten Voraussetzungen für die Durchführung einer Psychotherapie zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung erfüllt sind. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob das beantragte Psychotherapie-Verfahren nach den Richtlinien anerkannt und im konkreten Behandlungsfall indiziert ist und ob die Prognose einen ausreichenden Behandlungserfolg erwarten lässt. (Die Gutachter sind in der Regel Vertreter des beantragten Verfahrens, sie werden selten ein anderes Verfahren empfehlen. Nachteil ist hier aber auch, dass sie oft wenig Verständnis für die Übernahme im speziellen Fall zweckmäßiger Elemente aus anderen Verfahren haben.) Dem Gutachter dürfen sowohl vom behandelnden Therapeuten als auch von der Krankenkasse nur solche Unterlagen zur Verfügung gestellt werden, auf denen die Personaldaten des Patienten anonymisiert sind. Die Unterbrechung einer laufenden Psychotherapie für einen Zeitraum von mehr als einem halben Jahr ist nur zulässig, wenn sie besonders begründet wird.

 

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Leistungsverhalten privater Krankenversicherungen bei ambulanter Psychotherapie
Alte Oldenburger Keine Beschränkung der Sitzungszahl, kein gesonderter Nachweis der medizinischen Notwendigkeit 
ARAG Nach Nachweis medizinischer Notwendigkeit bis zu 50 Sitzungen im Jahr
Axa Colonia Je nach Tarif ausgeschlossen oder mit begrenzter Stundenzahl, pauschal oder nach medizinischer Notwendigkeit
Barmenia Keine Beschränkung der Sitzungszahl, kein gesonderter Nachweis
Berlin-Kölnische Je nach Tarif 20 bis 30 Sitzungen im Jahr ohne Nachweis
Central In einigen Tarifen nicht erstattungsfähig, andere Tarife erstatten bis zu 30 Sitzungen im Jahr ohne Nachweis.
Concordia Bis zu 20 Sitzungen im Jahr ohne Nachweis, darüber hinaus Nachweis erforderlich
Continentale In einigen Tarifen ist Psychotherapie nicht erstattungsfähig; andere Tarife erstatten bis zu 30 Sitzungen im Jahr ohne Nachweis.
DBV-Winterthur In einigen Beamtenanwärtertarifen Erstattung ausgeschlossen. Andere Beamtentarife erstatten bis zu 30 Stunden im Jahr ohne Nachweis. In anderen Vollversicherungstarifen Erstattung ohne Beschränkung der Sitzungszahl und ohne Nachweis
DEVK Bis zu 30 Sitzungen pro Kalenderjahr werden ohne Nachweis zu 75 Prozent erstattet, darüber hinaus Nachweis erforderlich. 25 Prozent Selbstbeteiligung in allen Tarifen
DKV Psychotherapie wird ohne Nachweis bis zu 30 Sitzungen im Jahr voll erstattet. Von der 31. bis zur 60. Sitzung werden 80 Prozent, ab der 61. Sitzung 70 Prozent erstattet. Familienfürsorge Mit Nachweis medizinischer Notwendigkeit werden in Beihilfetarifen bis zu 50 Sitzungen im Jahr erstattet, in allen anderen Vollversicherungstarifen ohne Begrenzung der Sitzungszahl.
Hallesche-Nationale Bei Behandlung durch ärztliche Psychotherapeuten Erstattung ohne Begrenzung der Stundenzahl und Nachweis
Hanse-Merkur Bei Behandlung durch ärztliche Psychotherapeuten werden in einigen Tarifen bis zu 15 Stunden erstattet, andere Tarife ohne Begrenzung.
HUK-Coburg In einem Tarif wird Psychotherapie nicht erstattet. In allen anderen wird die Behandlung durch ärztliche Psychotherapeuten bis zu 30 Stunden im Jahr übernommen, darüber hinaus keine Erstattung.
Landeskrankenhilfe Bei Behandlung durch ärztliche Psychotherapeuten ohne Begrenzung der Stundenzahl und Nachweis
LVM Bis zu 30 Sitzungen pro Kalenderjahr ohne Nachweis, darüber hinaus mit Nachweis
Signal – IDUNA In einigen Tarifen werden 30 Stunden im Jahr erstattet, in anderen keine Begrenzung der Sitzungszahl. Je nach Tarif ist ein Nachweis erforderlich.
Vereinte Je nach Tarif werden 20 bis 30 Sitzungen im Jahr ohne Nachweis erstattet. Darüber hinaus sind nur Kulanzregelungen möglich, beispielsweise das Vorziehen des Kontingents aus dem Folgejahr. Eine Änderung der Allgemeinen Versicherungsbedingungen zugunsten einer Erweiterung wird geplant.
Stand: März 2001; alle Angaben ohne Gewähr. Die Aufstellung bezieht sich auf den Leistungsumfang der privaten Vollversicherungstarife. In einigen Tarifen ist eine Selbstbeteiligung in unterschiedlicher Höhe vereinbart. Selbstbeteiligungs-Regelungen werden hier nur erwähnt, sofern sie sich ausschließlich auf psychotherapeutische Leistungen beziehen. Es wurden nur Versicherungsbedingungen von aktuell angebotenen Vollversicherungen berücksichtigt. Nach Heim, Thomas; Private Krankenversicherung: Genau prüfen, Deutsches Ärzteblatt 98, Heft 15 vom 13.04.01, Seite A-961

 

 

Woher sie kommt

Die Psychoanalyse wurde von dem Wiener Neurologen Sigmund Freud (1856-1939) begründet und muss als erste Psychotherapieform bezeichnet werden. Freud hat zunächst versucht, seelische Erkrankungen über Hypnose und Suggestion zu behandeln. Darauf begründete er die bis heute ständig weiterentwickelte, aber im Kern unverändert gültige Theorie der Psychoanalyse. Sie geht davon aus, dass jeder Mensch lebens-, liebes- und arbeitsfähig ist. Jeder hat drei innere Instanzen: Das »Es« als Bereich des Lustprinzips und der Triebbefriedigung, das »Ich« als die Instanz mit dem Kontakt zur Realität sowie das »Über-Ich «als Gewissensinstanz, in die auch die Wertvorstellungen der Eltern eingehen. Aus dem Kampf dieser Instanzen können seelische Konflikte entstehen, die in der psychoanalytischen Therapie bearbeitet werden.  Zeitliche Abfolge von Freuds Entwicklung der Psychoanalyse: Traumatheorie (bis ca. 1900), Energiekonzept (bis ca. 1920), Strukturkonzept (nach 1920),
 

Nach S. Freud bestehen seit der Geburt Triebimpulse, deren Befriedigung Lustgewinn auslöst; in den psychosexuellen Phasen durchläuft der Mensch seine Kindheitsentwicklung. Bei Fixierung (Festhalten) auf eine dieser Phasen kann zu typischen Persönlichkeitsstilen bis hin zu Persönlichkeitsstörungen kommen. An Freuds Phasenmodell der psychosexuellen Entwicklung wurde vielfältige und berechtigte Kritik geübt – es ist sicherlich typisch für die gesellschaftlichen Bedingungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Wichtig ist es jedoch, die Phasen zu kennen, um sie fundiert kritisieren zu können
Freud beschreibt nur diejenigen reflektorischen Prozesse, die Unlustreize zum Ausgangspunkt haben.
Nicht berücksichtigt sind die "reflexähnlichen" Zuwendungsreaktionen des Kindes zur Mutter
Nichts spricht dafür, dass das sogenannte Entropieprinzip, richtig ist.
Ein Problem besteht darin, " (...) dass es lustvolle Spannungen und unlustige Entspannungen gibt" (Freud, 1924), was sich nur mit einer Fülle von Zusatzannahmen erklären lässt.
Es scheint so zu sein, dass das Wohlbefinden bei mittleren Reizgrößen am höchsten ist
Es bleibt die Biologie und Psychologie lustvoller sozialer Interaktionen ungeklärt. Wie kommt es etwa dazu, dass zwei Lebewesen ihre Triebhandlungen synchronisieren?

Lustprinzip

Das 1911 von FREUD formulierte Lustprinzip (also die universelle Tendenz, durch Entladung von Spannungen Unlust zu vermeiden und sich Lust zu verschaffen) bezieht sich ausschließlich auf Triebspannungen und Triebbefriedigungen. Auch das Realitätsprinzip - dieses modifizierte Lustprinzip, wonach bei der Triebbefriedigung die Bedingungen der Realität berücksichtigt werden, so dass unter Umständen ein Aufschub oder andere Modifikationen der Befriedigung notwendig werden - bezieht sich wiederum nur auf die Triebe. Kritik (JOFFE und SANDLER 1967,»Wir glauben, dass die Entwicklung des Individuums von Anfang an nicht nur von dem Streben nach lustvollem Erleben und dem Vermeiden von Unlust bestimmt ist. Unserer Meinung nach kommt dem Bestreben, Zustände zu erreichen, die Gefühle des Wohlbefindens und der Sicherheit einschließen, besondere Bedeutung zu« Dennoch, auch wenn man - energetisch -die affektiven Zustände auf die Triebe zurückführen will, so ist es ein unzulässiger Reduktionismus, wenn man sich weigert, die eindeutigen qualitativen Unterschiede zwischen Triebbedürfnissen einerseits und Bedürfnissen nach Wohlbefinden und Sicherheit andererseits zu akzeptieren. Oft wird das Bedürfnis, den Zustand des Wohlbefindens und der Sicherheit zu wahren, dem Verlangen nach sinnlicher Lust vorgezogen. »Wie wir alle wissen, wird das Streben nach sexueller Lust oft der Aufrechterhaltung eines Gefühls der Sicherheit geopfert. «Das Wohlbefinden bei ausreichendem Selbstwertgefühl und Identität ist etwas ganz anderes als die Entspannung nach Triebabfuhr. Diese Unterscheidung zwischen Triebbedürfnissen und narzisstischen (Selbst) Bedürfnissen ist u.a. deswegen von großer praktischer Relevanz, weil sie uns erlaubt, das gelegentliche Konkurrieren, den Konflikt zwischen beiden zu verstehen. Damit ist keineswegs gemeint, dass diese beiden Gruppen von Bedürfnissen immer in Konflikt stehen. Im Gegenteil. Im Normalfall ist damit zu rechnen, dass Befriedigungen auf beiden Gebieten sich überschneiden, zusammengehören und sich gegenseitig verstärken. »So ist für Verliebte auch und gerade ein narzisstisches Hochgefühl charakteristisch.« So verzichtet das Kind auf bestimmte Triebbefriedigungen, um das Lob der Mutter zu erhalten. Umgekehrt tröstet sich das Kind (oft auch der Erwachsene) für eine narzisstische Kränkung mit Hilfe von Süßigkeiten oder durch die Rückkehr zum Daumenlutschen!
 

Ausgehend von therapeutischen Erfahrungen kam Freud zu einer empirischen Aussage vom Menschen. Zentral ist dabei die Annahme, dass das menschliche Verhalten von biologischen Trieben und angeborenen Instinkten im Sinne der Selbsterhaltung bestimmt ist. Wichtigste Triebe sind für Freud der Sexualtrieb und der Aggressionstrieb. In seinem Persönlichkeitsmodell unterscheidet er drei Funktionsbereiche: ES, ICH und ÜBER-ICH.

ES: Das Es ist von Geburt an da. Es besteht aus dem Bedürfnis nach Nahrung, Wasser, Ausscheidung, Wärme, Zuwendung und Sexualität. Der Sexual- und der Aggressionstrieb sind im Es beherrschend. Die Inhalte des Es sind unbewusst. Die Triebe des Es suchen unmittelbare Befriedigung (Lustprinzip). Erfolgt keine Befriedigung wächst eine Spannung, die das Es so schnell als möglich beseitigen will. Auch beim erwachsenen Menschen sind die Es-Impulse relativ unabhängig von den realitätsorientierten Prozessen des Ich. Angeborene Triebe, Bedürfnisse,  Gehorcht allein dem Lustprinzip,  verursacht (nach dessen Ausbildung) im Ich ein Unbehagen (sog. Triebspannung). Das Es ist  Unbewusst  "Ein Individuum ist nun für uns ein psychisches Es, unerkannt und unbewusst, diesem sitzt das Ich oberflächlich auf. ... Das Ich ist vom Es nicht scharf getrennt, es fließt nach unten hin mit ihm zusammen. ... Es ist leicht einzusehen, das Ich ist der durch den direkten Einfluss der Außenwelt ...veränderte Teil des Es ... Es bemüht sich auch, den Einfluss der Außenwelt auf das Es und seine Absichten zur Geltung zu bringen, ist bestrebt, das Realitätsprinzip an die Stelle des Lustprinzips zu setzen, welches im Es uneingeschränkt regiert. Die Wahrnehmung spielt für das Ich die Rolle, welche im Es dem Trieb zufällt. Das Ich repräsentiert, was man Vernunft und Besonnenheit nennen kann, im Gegensatz zum Es, welches die Leidenschaften enthält." Sigmund Freud, Das Ich und das Es (1923), Studienausgabe Bd. III, S. 283, 284, 292, 293f.
 

ICH: Aus dem Es entwickelt sich in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres das weitgehend bewusste Ich. Das Ich ist jener Teil des Es, der durch die Umwelt beeinflusst wird. Das Ich muss das Lustprinzip in Grenzen halten, denn ein offenes Ausleben der Triebimpulse würde zu Konflikten mit der Gesellschaft führen. Das Ich ist die Instanz die zwischen den Anforderungen der Triebimpulse, der Realität und des Über-Ich vermitteln muss.· Hauptfunktion: Steuerung der Triebe und ihrer Auswirkungen,  Denken, Entscheidungs- und Urteilsprozesse, Gedächtnis, Reizschutz, Gehorcht dem Realitätsprinzip,  Nach Ausbildung des Über-Ichs bekommt es die Funktion einer Vermittlung zwischen Es, Über-Ich und Realität.  Ich-Funktionen sind : Wahrnehmen, erinnern, unterscheiden, denken und die o.g. Triebsteuerung und Vermittlung. Das Ich ist teils Unbewusst, Vorbewusst, Bewusst. Nach dem Realitätsprinzip muss das Ich der Anpassung an von der  Außenwelt auferlegte Bedingungen wie Triebverzicht, Triebaufschub, Einschränkungen, Modifizierung, Sublimierung dienen.  "Man könnte das Verhältnis des Ichs zum Es mit dem des Reiters zu seinem Pferd vergleichen. Das Pferd gibt die Energie für die Lokomotion her, der Reiter hat das Vorrecht, das Ziel zu bestimmen, die Bewegung des starken Tieres zu leiten. Aber zwischen Ich und Es ereignet sich allzu häufig der nicht ideale Fall, dass der Reiter das Ross dahin führen muss, wohin es selbst gehen will. Das arme Ich ... dient drei gestrengen Herrn, ist bemüht, deren Ansprüche und Forderungen in Einklang miteinander zu bringen. Diese Ansprüche gehen immer auseinander, scheinen oft unvereinbar zu sein; kein Wunder, wenn das Ich so oft an seiner Aufgabe scheitert. Die drei Zwingherrn sind die Außenwelt, das Über-Ich und das Es. ... Wenn das Ich seine Schwäche einbekennen muss, bricht es in Angst aus, Realangst vor der Außenwelt, Gewissensangst vor dem Über-Ich, neurotische Angst vor der Stärke der Leidenschaften im Es." Sigmund Freud, 31. Vorlesung (auf der Basis von 'Das Ich und das Es' von 1923), Studienausgabe Bd. I, S. 514, 515.

ÜBER-ICH: Den dritten Part in der Persönlichkeit bildet das Über-Ich. Es ist Träger der moralischen Normen der Gesellschaft und bildet sich insbesondere durch die Verinnerlichung elterlicher Gebote und Verbote. Es bildet das Gewissen, fördert die  Selbstbeobachtung und Idealbildung. Freud setzt das Über-Ich mit dem Gewissen gleich. Verstöße gegen das Über-Ich machen sich durch Schuldgefühle bemerkbar. Positiv getönte Leitbilder im Sinne: ,,so möchte ich sein" (=Ich-Ideal) Ist ,,Gegenspieler" des Es (über das Ich). "Nun, da wir uns an die Analyse des Ichs heranwagen, können wir all denen, welche, in ihrem sittlichen Bewusstsein erschüttert, geklagt haben, es muss doch ein Höheres Wesen im Menschen geben, antworten: 'Gewiss, und dies ist das höhere Wesen, das Ichideal oder Über-Ich, die Repräsentanz unserer Elternbeziehung. Als kleine Kinder haben wir diese höheren Wesen gekannt, bewundert, gefürchtet, später in uns selbst aufgenommen." Sigmund Freud, Das Ich und das Es (1923), Studienausgabe, Bd. III, S. 296, 297, 303."Die Grundlage dieses Vorgangs ist eine sogenannte Identifizierung, d.h. eine Angleichung eines Ichs an ein fremdes, in deren Folge dies erste Ich sich in bestimmten Hinsichten so benimmt wie das andere, es nachahmt, gewissermaßen in sich aufnimmt. ... Die Identifizierung ist eine sehr wichtige Form der Bindung an die andere Person, wahrscheinlich die ursprünglichste...."Sigmund Freud, 31. Vorlesung, Studienausgabe Bd. I, S.501.

 

Das Verhalten des Menschen nach Freud ist also ein Wechselspiel dieser drei psychischen Komplexe, von denen jedes eigene, den anderen oft widersprechende, Ziele verfolgt. Für Freud ist der größte Teil der unsere Verhalten bestimmende Kräfte unbewusst. Selbst das Ich, das denkt und plant, hat unbewusste Anteile, nämlich die Abwehrmechanismen, die es vor Angst schützen. "Grundsätzlich sah Freud die wichtigsten Faktoren unseres Verhaltens als unbewusst an."81

Freud sah die Persönlichkeit des Menschen als ein in sich geschlossenes Energiesystem an. Jede psychische Instanz versucht seinen Anteil am gleich bleibenden Energiebetrag zu bekommen.

"Freuds Denken war vollkommen deterministisch. Als Naturwissenschaftler glaubte er, dass jedes noch so geringfügige Verhalten, und sei es auch ein trivialer Versprecher, seine ganz bestimmten - zuweilen unbewussten - Ursachen habe."

Orale Phase im 1. Lebensjahr = der Mund vermittelt die höchste Lustbefriedigung, vor allem das Saugen an der Brust oder am eigenen Daumen vermitteln Lust. In dieser Phase wird das Urvertrauen aufgebaut. Unterschieden werden die oral-erotische (1. Hälfte) von der oral-aggressiven (2. Hälfte) Phase, in der das Kind mit den Zähnchen auch zubeißen kann.
Anale Phase (2.-3. J.) = im Vordergrund stehen die Ausscheidungen, Entleerung wird als lustvoll erlebt. Später wird durch die Gebote der Eltern auch das Zurückhalten der Exkremente als lustvoll erlebt. Das Kind lernt, dass es über seine Ausscheidungsfunktionen Macht über die Eltern hat, es entwickelt Trotz und Kooperationsbereitschaft. Neben der Defäkation steht auch der restliche eigene Körper und die Manipulation daran im Interesse des Kindes.
Phallische (ödipale) Phase (4.-5. J.) = Mädchen und Jungen entdecken ihre erogenen Zonen und stimulieren sie durch Masturbation, bei Jungen gibt es eine Erektion, sexuelle Höhepunkte (Orgasmen) lassen sich herbeiführen und sind völlig normal. Diese Phase kindlicher Sexualität wird zumeist vom Erwachsenen verdrängt.
Phallus = das männliche, erigierte Glied, Phallusobjekte erinnern auf verdeckte Weise an den Phallus (Zigarre, Füllfederhalter, Zeppeline) und können auch bei der Traumanalyse auf latente Trauminhalte deuten. Junge = der Junge verliebt sich in seine Mutter und hasst den Vater, zu dem er sich in Konkurrenz befindet (Ödipuskomplex). Da Mädchen keinen Penis haben, entwickelt der Junge die Angst, er könne vom Vater zur Strafe kastriert werden (Kastrationskomplex). Um dieser Angst zu entgehen, identifiziert sich der Junge mit dem Vater und übernimmt dessen Werte und Anschauungen – so bildet sich das Über-Ich heraus.
Mädchen = das Mädchen verliebt sich in den Vater und konkurriert mit der Mutter (Elektrakomplex). Da Mädchen keinen Penis haben, entwickeln sie den Penisneid und stellen Fragen wie: „Wann wächst mir denn so was?“. Die Identifikation mit der Mutter kommt erst nach der Identifikation mit dem dominanteren Vater (falls dieser dominanter ist).
Latenzzeit (6 J. bis Pubertätsbeginn) = Unterbrechung der psychosexuellen Entwicklung, beide Geschlechter hören mit der Selbstbefriedigung auf, das erotische Interesse am eigenen Körper erlischt, Spiel mit Gleichaltrigen und Leistungsmotivation stehen im Vordergrund.
Genitale Phase (ab Pubertät) = es kommt zur reifen heterosexuellen Betätigung des Erwachsenen. Psychoanalytische Therapie
 

Phase

Zeit

Erogene Zonen

Forderungen der Kinder gegenüber der Erziehung

Orale Phase

Erste Lebenswoche bis _ 1. Lebensjahr

Mund

Lustgewinn am Saugen will sich verselbstständigen

Anale Phase

· _ 2./3.Lebensjahr

After und die Umgebung um den After

Lustgewinn durch zurückhalten und loslassen des Kots. Sog. Trotzphase (Streben nach Autonomie)

Phallische/ ödipale Phase

4./5. Lebensjahr. ist Höhepunkt der Phase

Eigenes und Geschlechtsteile anderer

Manipulation an den Geschlechtsteilen
Ödipuskomplex bzw. Elektrakomplex

Latenzperiode/
Ruhepose

6. - 12.Lebensjahr

keine

Triebe ruhen, Wertätigkeit

Genitale Phase

Ca. ab 11./12. Lebensjahr.

Alle o.g. Zonen

Reintensivierung aller frühkindlichen Phasen nur auf höherem Niveau

 

Fixierungen in einer bestimmten Phase führen nach der klassischen Theorie zu typischen Charakterauffälligkeiten

schizoide Haltung:
durch orale Fixierung (Störung in den ersten Lebensmonaten)--> Verschlossenheit und Misstrauen anderen gegenüber.
depressive Haltung:
durch orale Fixierung (Störung in den ersten beiden Lebensjahren)--> Antriebsminderung, Niedergeschlagenheit (dependent & demanding) .
zwanghafte Haltung:
durch anale Fixierung (Störung zw. 2. und 4. Lebensjahr)--> Geiz und Pedanterie (Anankasmus).
Phallische Haltung: (Konkurrenz)
durch phallische Fixierung (Störung etwa im 4. Lebensjahr)-->leistungsorientierte und konkurrierende Haltung.
ödipale Haltung: (Annäherung)
durch einen nicht gelösten Ödipuskonflikt (etwa im 5.-6. Lj.)--> Hysterische Haltung: Konversion -> Symptombildung
Dissoziation bis hin zur multiplen Persönlichkeit oder Hypochondrie Überbetonung v. Symptomen (moderne Theorien des Dissoziation siehe auch unter posttraumatische Belastungsstörungen)

 

Typenlehre nach Freud
oraler Typ will genährt werden, will alles bekommen, unreif.
analer Typ will alles behalten, ist geizig, pünktlich =anankastisch (zwanghaft)
phallischer Typ will beherrschen, angeben
genitaler Typ ideale neurosenfreie Persönlichkeit

 

Der Strukturbegriff
Als Struktur wird deskriptiv die geordnete Zusammenfügung von Teilen zu einem Ganzen verstanden; zur Erklärung von Strukturen lassen sich Regeln ihres Funktionierens und ihrer Entstehungsgeschichte heranziehen. Da über Funktion, Aufbau und Geschichte von Strukturen stets Hypothesen gebildet werden, haben Strukturen, die nicht dem Augenschein oder der direkten Untersuchung zugänglich sind, den Charakter von Modellen und erklärenden Konstrukten. Diese können nur im Rahmen von theoretischen Annahmen formuliert werden. Daher sind solche Strukturmodelle stets auf bestimmte Theorien bezogen und in deren Begriffssprache abgefasst. Der Umgang mit Strukturbegriffen erfordert daher auch die ständige kritische Überprüfung der sie begründenden theoretischen Annahmen. Strukturen lassen sich meist als Zusammensetzung von Substrukturen und diese ihrerseits als Teil von übergeordneten Gefügen in einem Netzwerk von Einflussgrößen verstehen. Sie stellen ein Ensemble von Informationen dar, das seinerseits Erfahrungen und ihre Verarbeitung organisiert. Hier liegt die Nähe zum Systembegriff, der seinerseits die dynamischen Prozesse des homöostatischen Ausgleichs im Sinne von Regelkreisen und das Wirksamwerden nicht-linearer Prozesse betont. Struktur im psychologischen Sinne bezeichnet das ganzheitliche Gefüge von psychischen Dispositionen. Sie umfassen alles, was im Erleben und Verhalten des Einzelnen regelhaft, repetitiv abläuft (bewusst oder bewusstseinsfern). Struktur begründet den zeitüberdauernden, persönlichen Stil, in dem der Einzelne immer wieder seine intrapsychischen und interpersonellen Gleichgewichte herstellt. Die unbeeinträchtigte Struktur auf hohem Integrationsniveau besitzt die flexible und kreative Verfügbarkeit über Funktionen, die intrapsychisch und interpersonell regulierend bzw. adaptiv wirken. Struktur ist nicht starr und unveränderlich, sondern zeigt lebenslang Entwicklungsprozesse. Gleichwohl ist die Veränderungsgeschwindigkeit dieser Prozesse so langsam, dass der Eindruck von Konstanz überwiegt; hier ist die Berührungsstelle zu Begriffen wie Identität, Charakter oder Persönlichkeit. Um einer allzu statischen Konzeption von Struktur entgegenzuwirken, sei auf die Argumente verwiesen, die es nahelegen, Struktur unter dynamischen Gesichtspunkten zu betrachten: Psychische Strukturen sind, aus einer Entwicklungsperspektive betrachtet, dynamisch, da sie sich lebensgeschichtlich bilden. Zwar gründen sie auf angeborenen Persönlichkeitsdispositionen, werden aber während der Kindheit erst geformt und unterliegen im Verlauf der Lebensentwicklung mehr oder weniger großen Veränderungen. Des weiteren sind psychische Strukturen Dispositionen und als solche nicht beobachtbar; sie realisieren sich nur in konkreten, aktuellen Situationen, von denen aus auf überdauernde Strukturmerkmale zurückgeschlossen wird (situationsdynamische Analyse von Strukturen). Solche Rückschlüsse sind niemals erschöpfend; die Beschreibung von Persönlichkeitsstrukturen ist immer vorläufig und unabgeschlossen (erkenntnislogische Einschränkung der Stabilitätsannahme). Zudem impliziert der Strukturbegriff eine zeitüberdauernde Stabilität, die ihm auf der psychologischen Ebene nur eingeschränkt zukommen dürfte: Auf der Hintergrundsannahme von potentiell lebenslang möglicher Entwicklung und Wachstum der Persönlichkeit beinhaltet der Strukturbegriff auch Aspekte von Entwicklungsdynamik mit einem zeitlichen, wenn auch langsamen Veränderungspotential (slow-Change-Modell). Strukturen verändern sich durch die Integration neuer Informationen, stellen damit erneut Regelhaftigkeit her, bis sie sich durch Integration neuer Informationen erneut verändern.

 

Psychische Traumatisierungen, vor allem sexueller Art in früher Kindheit sind ausschlaggebend für die Entstehung von Neurosen. Freud nennt hier z.B. die Beobachtung der Urszene, also des Geschlechtsverkehrs zwischen den Eltern, der vom Kind als bedrohlich erlebt wird. Für Freud ist die Erinnerung dabei wichtiger als die faktische Realität, da als traumatisch erlebte sexuelle Phantasien (Verführungsphantasien) ebenfalls zu neurotischen Fehlentwicklungen führen können. Es kommt zur Fixierung an das Trauma. In ihren Träumen wiederholen die Patienten, in symbolisch veränderter Form, ständig die traumatisch erlebte Situation. Das traumatische Erlebnis weckt eine Triebregung, deren Befriedigung undenkbar und deren Bewältigung unmöglich ist; es kommt zum späteren Triebkonflikt mit Regression auf eine glücklichere Phase. Hiermit ist die Disposition für eine Neurose gegeben. Durch ein weiteres, aktuelles Trauma im späteren Leben wird die Neurose dann ausgelöst. Auch dieses Trauma ist in der Regel durch den Verlust eines Liebesobjektes gekennzeichnet. (moderne Theorien des Dissoziation siehe auch unter posttraumatische Belastungsstörungen)
Das topographisches Modell unterscheidet bewusste, vorbewusste und unbewusste Anteile der Persönlichkeit, die alle Auswirkungen auf das Verhalten haben können:

Das Bewusste ist das im Moment bewusst erfasste Erleben, augenblickliche Wahrnehmung und Gedanken  Bewusst ist alles, was gerade gedacht wird. Bewusstsein umfasst alle Zustände, die von einem Individuum erlebt werden, und tritt in einer Vielzahl unterschiedlicher Zustände auf. Hierzu gehören a) Sinneswahrnehmungen von Vorgängen in der Umwelt und im eigenen Körper, b) mentale Zustände und Tätigkeiten wie Denken, Vorstellen und Erinnern, c) Emotionen, Affekte, Bedürfniszustände, d) Erleben der eigenen Identität und Kontinuität, e) "Meinigkeit" des eigenen Körpers, f) Autorschaft und Kontrolle der eigenen Handlungen und mentalen Akte, g) Verortung des Selbst und des Körpers in Raum und Zeit, h) Realitätscharakter von Erlebtem und Unterscheidung zwischen Realität und Vorstellung (Wie das Gehirn die Seele macht Prof.Dr.Dr. Gerhard Roth Lindauer Psychotherapiewochen)

Das Vorbewusste umfasst Erinnerungen und Wissensinhalte, die durch aktive Aufmerksamkeit in das Bewusstsein gebracht werden können, Vorbewusst" bedeutet, dass die Inhalte und Vorgänge im Augenblick zwar nicht bewusst sind, aber jederzeit problemlos bewusst gemacht werden können. Vorbewusst ist alles, was aktiv erinnert werden kann.  Unbewusste beinhaltet verdrängte, meist unangenehme Erinnerungen oder nicht erlaubte Triebwünsche. Das System "Ubw" umfasst alle unterbewussten Inhalte und Abläufe. Sie sind in einem zunächst rein beschreibenden Sinne unterbewusst. Insofern spricht man in der Psychoanalyse auch von dem deskriptiven Unbewusstsein. Ein solches deskriptives Unbewusstes wird inzwischen auch von vielen Kognitionswissenschaftlern und Neurobiologen angenommen. Im Unterschied zur kognitionswissenschaftlichen und neurobiologischen Verwendung der Bergriffes eines Unbewussten sind weitergehende Modellannahmen gemeint, wenn Psychoanalytiker von dynamisch Unbewussten sprechen – Modellannahmen, die von den Kognitionswissenschaftlern und Neurobiologen nicht geteilt werden." Dynamisch unbewusst" im psychoanalytischen Sinne bedeutet, dass die Inhalte und Vorgänge einer speziellen Abwehrdynamik unterliegen. Ist dies nicht der Fall, beeinflussen die unbewussten Inhalte und Vorgänge aber dennoch das Bewusstsein, werden sie als "kognitiv unbewusst" bezeichnet.  Als unbewusst gilt was einmal bewusst war, aber ins Unbewusste abgesunken sind und unter günstigen Bedingungen wieder bewusst gemacht ("erinnert") werden können (z. B. nicht-aktivierte Inhalte des deklarativen Gedächtnisses);  vorbewusste Inhalte von Wahrnehmungsvorgängen, die nach hinreichender Aktivierung der assoziativen Großhirnrinde bewusst werden (die geschieht mit einer Verzögerung von durchschnittlich 300 bis 500 Millisekunden nach Reizbeginn);  unterschwellige (subliminale) Wahrnehmungen;  Vorgänge in Gehirnregionen außerhalb der assoziativen Großhirnrinde, die grundsätzlich unbewusst ablaufen;  alle perzeptiven, kognitiven und emotionalen Prozesse, die im Gehirn des Fötus, des Säuglings und des Kleinkindes vor Ausreifung des assoziativen Cortex ablaufen. Man nimmt an, dass sich beim Menschen Ich-bezogene Bewusstseins- und Gedächtnisinhalte erst ab Ende des dritten Lebensjahres entwickeln.

Unbewusste Impulse stellen nach analytischer Theorie bei symptomatischen Individuen die Integrität in Frage, daher besteht gegen das Bewusstwerden unbewusster Inhalte ein erheblicher Widerstand, denn der Kontakt damit ist angstauslösend. Unbewusst ist alles (Motive, Ängste), was nicht unmittelbar erinnert werden kann. Das Unbewusste kann durch Psychoanalyse bewusst gemacht werden.

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Bewusste oder vorbewusste traumatisch-belastende Lebensereignisse werden durch die Abwehrmechanismen ins Unbewusste abgedrängt . Sie sind jedoch dadurch nicht vergessen, sondern beeinflussen das Verhalten des Menschen erheblich. Durch die psychoanalytische Therapie sollen diese Inhalte bewusst gemacht werden. In symbolisch veränderter Form zeigen sich unbewusste Inhalte aber auch außerhalb der Therapie, z.B. im Traum oder in Fehlleistungen (Vergessen, z.B. Termin völlig vergessen, „Freudscher“ Versprecher, z.B. „Guten Tag Herr XY, herabsetzen Sie sich doch.“ im Vergreifen, Verlegen,) oder im Witz.  Das Instanzenmodell trennt das triebhafte, das moralische und das dazwischen vermittelnde, realitätsorientierte: Das Es ist ab der Geburt (wohl auch schon pränatal) vorhanden und funktioniert nach dem Lustprinzip, d.h. es verlangt nach sofortiger Befriedigung aller als lustvoll erlebter Impulse, es ist der Sitz irrationaler Leidenschaften. Alle Vorgänge im Es sind unbewusst, hier finden sich Eros (Liebestrieb) und Thanatos (Todestrieb). Das Über-Ich ist der Sitz des Gewissens und des Ich-Ideals, das sich während der Erziehung durch Internalisierung (Übernahme und Verinnerlichung ) der elterlichen Regeln bildet (z.B. durch Identifikation). Das Über-Ich enthält bewusste, vor- und unbewusste Anteile und ist der Gegenspieler des Ichs. Das Ich ermöglicht die Anpassung der Wünsche des Es und der Gebote des Über-Ichs an die Realität (Realitätsprinzip) und gilt als Vermittler zwischen beiden. Mit Hilfe der Abwehrmechanismen lassen sich ungerechtfertigte Ansprüche beider Instanzen abwehren. Das Ich hat bewusste, vor- und unbewusste Anteile. Freud vergleicht das Ich mit einem Reiter, das Es mit dem Pferd (in diesem Bild wäre das Über-Ich der Schiedsrichter).

Innerhalb der Therapie dient der Therapeut als Projektionsfläche für das Seelenleben des Patienten – etwa so wie die Leinwand für den Diaprojektor. Der Patient projiziert auf den Therapeuten jene Gefühle, Wünsche, Ängste und Gedanken, die eigentlich anderen Personen (beispielsweise der Mutter oder dem Vater) gelten. Dies wird »Übertragung« genannt. Dies löst auch bei Therapeuten Gefühle aus, die er als Gegenübertragungsgefühle erkennt und die Erkenntnis diagnostisch wie therapeutisch verwerten kann. Ihre Deutung und Nutzung in der Psychotherapie ist sicherlich der größte Beitrag der Psychoanalyse für die moderne Psychotherapie. Nach psychoanalytischer Theorie sind die Ursachen für neurotische Störungen immer unbewusst, denn die Erlebnisse, die die Neurose auslösten, sind verdrängt worden. Es wird davon ausgegangen, dass in der therapeutischen Beziehung das Phänomen der Übertragung stattfindet, das heißt, dass die Beziehung von unbewussten Wünschen, Erwartungen und Motiven geprägt wird. Der Patient wiederholt in ihr häufig kindliche Beziehungsmuster zu wichtigen Bezugspersonen. Durch beharrliche Deutungsarbeit des Analytikers können diese Beziehungsmuster offen gelegt werden, so dass der Patient die Möglichkeit erhält, seine zukünftigen Beziehungen unvoreingenommener zu gestalten, da sie nicht mehr im gleichen Ausmaß von unbewussten Konflikten und Vorurteilen beeinflusst werden. Aufgabe des Therapeuten ist somit, den Patienten an die verdrängten Ursachen heranzuführen, bis er sich ihnen stellen kann. Durch nochmaliges Durchleben der damaligen Gefühle (Affekte) ergibt sich eine Katharsis (Seelenreinigung). In der klassischen Analyse wird dies dadurch erreicht, dass der Patient auf der Couch liegt und der Analytiker hinter dem Patienten (ohne Blickkontakt) sitzt; der Therapeut soll als neutrale Projektionsfigur dienen. So kommt es zur Übertragung, d.h. der Patient überträgt früheste Gefühle auf den Analytiker. Im Analytiker entwickelt sich eine Gegenübertragung, die er nicht auslebt sondern dem Patienten so zur Verfügung stellt, dass dieser sich damit auseinandersetzen kann. Die für den Patienten verpflichtende Grundregel besagt, dass er alle Einfälle ungefiltert aussprechen soll; der Analytiker deutet bestimmte Aussagen. Sobald der Patient Gedankengänge aus dem Bereich der traumatisch belastenden Triebregung hat, spürt er Angst. Diese äußert sich in Widerständen, z.B. widerspricht er den Deutungen des Analytikers, schimpft über die hohen Kosten der Behandlung, schweigt lange Zeit oder kommt verspätet. Neben dem Phänomen der Übertragung spielt das Phänomen des Widerstandes in der analytischen Therapie eine wesentliche Rolle. Widerstand sagt aus, dass sich der Patient  der Therapie widersetzt, obwohl er hoch motiviert erscheint. Auch Widerstand wird häufig aus unbewussten Motiven geleistet und kann zum Beispiel zu Rationalisierungen, Verdrängung oder Verleugnung führen, Mechanismen, die hauptsächlich der Abwehr dienen. Durch diese Mechanismen sollen für das Ich inakzeptable Wünsche und Phantasien ferngehalten werden. Die Wünsche bleiben zwar bestehen, können jedoch nicht erfüllt werden, sondern sich allenfalls als neurotisches Symptom äußern. Schließlich wird die Stärke der unbewussten inneren Konflikte häufig unterschätzt. Sie rühren eben daher, dass sie sich einer Kontrolle durch das Ich entziehen und daher nicht modifiziert werden können. Der Betroffene bleibt so alten Schemata verhaftet, in die sich neue Erfahrungen kaum sinnvoll integrieren lassen. Durch weitere Deutungen des Analytikers erkennt der Patient die Funktion der Widerstände, erinnert sich an das traumatische Erlebnis, erleidet einen Affektsturm durch diese Erinnerung und hat nun einige neurotische Symptome gelöst.

 

Konfliktentstehung: auslösende Situation=> aktueller Konflikt => Angst=> Regression=> Reaktualisierung von infantilen Konflikten => Verstärkung der Konfliktspannung (Angst) => Abwehr=> Misslingen der Verdrängung => Kompromissbildung zwischen den Konfliktanteilen => Symptombildung ( Hoffman u. Hochapfel, 1999)

 

Zeitlich überdauernde Konflikte in analytischer Sichtweise 

Abhängigkeit vs. Autonomie

Suche nach Beziehung (jedoch nicht Versorgung) mit ausgeprägter Abhängigkeit (passiver Modus) oder Aufbau innerer emotionalen Unabhängigkeit (aktiver Modus) mit Unterdrückung von Bindungswünschen (Familie/Partnerschaft/Beruf), Erkrankungen schaffen willkommene Abhängigkeit oder sind eine existentielle Bedrohung.

Unterwerfung vs. Kontrolle

Gehorsam/Unterwerfung (passiver Modus) versus Kontrolle/ Sich- Auflehnen (aktiver Modus) bestimmen die interpersonellen Beziehungen und das innere Erleben. Erkrankungen werden bekämpft oder sind ein zu erleidendes Schicksal, dem man sich (wie auch dem Arzt) fügen muss.

Versorgung vs. Autarkie

Die Wünsche nach Versorgung und Geborgenheit führen zu starker Abhängigkeit (dependent and demanding, passiver Modus) oder werden als Selbstgenügsamkeit und Anspruchslosigkeit abgewehrt (altruistische Grundhaltung, aktiver Modus). Bei Krankheit erscheinen diese Menschen passiv anklammernd oder wehren Hilfe ab. Abhängigkeit und Unabhängigkeit stehen jedoch nicht als primäre Bedürfnisse im Vordergrund.

Selbstwertkonflikte (Selbst- versus Objektwert)

Das Selbstwertgefühl erscheint brüchig bzw. resigniert, aufgegeben (passiver Modus) oder die kompensatorischen Anstrengungen zur Aufrechterhaltung des ständig bedrohten Selbstwertgefühls dominieren (pseudoselbstsicherer, aktiver Modus). Erkrankungen führen zu Selbstwertkrisen, können aber auch einen restitutiven Charakter für das Selbstbild haben.

Schuldkonflikte (egoistische vs. prosoziale Tendenzen

Schuld wird bereitwillig bis hin zu masochistischer Unterwerfung auf sich genommen und Selbstvorwürfe herrschen vor (passiver Modus), oder es fehlt jegliche Form von Schuldgefühlen, diese werden anderen zugewiesen und auch für Krankheit sind andere verantwortlich (aktiver Modus).

Ödipal- sexuelle Konflikte

Erotik und Sexualität fehlen in  Wahrnehmung, Kognition und Affekt (passiver Modus) oder bestimmen alle Lebensbereiche ohne dass Befriedigung gelingt (aktiver Modus). Nicht gemeint sind hier allgemeine sexuelle Funktionsstörungen anderer Herkunft.

Identitätskonflikte

Es bestehen hinreichende Ich- Funktionen bei gleichzeitig konflikthaften Selbstbereichen (Identitätsdissonanz): Geschlechtsidentität, Rollenidentität, Eltern-/ Kindidentität, religiöse und kulturelle Identität u.a. Der Annahme des Identitätsmangels (passiver Modus) steht das kompensatorische Bemühen, Unsicherheiten und Brüche zu überspielen, entgegen (aktiver Modus).

Eingeschränkte Konflikt- und Gefühlswahrnehmung

Gefühle und Bedürfnisse bei sich und anderen werden nicht wahrgenommen und Konflikte übersehen (passiver Modus) oder durch sachlich- technische Beschreibung ersetzt (aktiver Modus).

 

 

Verarbeitungsmodus

Vorherrschen einer passiven (Selbstrücknahme, Anpassung und Resignation) oder einer aktiven (aktiv, abwehrbetont, und kontraphobisch) Verarbeitung von Lebensbestimmenden oder Aktual- Konflikten.

 

 

 

 

ein typisches wie analytisch Konflikte gesehen werden nach OPD , Beispiel:

Autonomie vs Abhängigkeit  

passiver Modus

 

Aktiver Modus

Der Patient nimmt in Familie und Partnerschaft freiwillig einen nachgeordneten, nicht aktiven Part in Beziehungen ein und bleibt in dieser Stellung sowohl regelhaft als auch in besonderen Konfliktsituationen. Änderungsvorschlägen wird ein Charakteristischer Widerstand oft mit Hinweis auf die Bedürftigkeit des Anderen entgegengesetzt („Ich kann meinen Mann nicht alleine lassen“- CAVE: hier sind nicht die Schuldgefühle sondern die Bedürfnisse angesprochen

In der Partnerwahl wird eine ausgeprägte Unabhängigkeitsposition angestrebt, abgewehrte Abhängigkeitswünsche sind jedoch spürbar. Durch diese Haltung sind Familie und Partnerschaft in der Regel konfliktreich. Im Extremen werden Beziehungen als gefährlich, verschlingend und übermächtig erlebt und vermieden. Die Umwelt leidet nicht selten unter der ständigen Aktivität solcher Personen.

Es besteht ein psychisches „Nicht- Erwachsen- Werden“. Dieses kann sich ausdrücken in real verlängerter Wohnzeit im Elternhaus, bis hin zu einem „Muttersohn- Bleiben“. Der familiäre Kontext wird unter Inkaufnahme schwerer Nachteile erhalten. Durch das passive „Zur- Verfügung- Stellen“ werden Probleme auf die nächste Generation übertragen.

Häufig findet sich eine forcierte Loslösung unter Mitnahme der inneren Werte der Ursprungsfamilie. Auch eigene Kinder werden forciert verselbständigt und in die Unabhängigkeit entlassen.

Die Patienten üben im Beruf meist eine nachgeordnete Tätigkeit aus. Sie sind bestrebt Verantwortlichkeit zu vermeiden (der ideale zweite Mann; CAVE: Hier ist nicht die Vermeidung von Konkurrenz durch Unterwürfigkeit angesprochen), ohne dass dieses mit beruflicher Insuffizienz einhergeht. Ein passives Leistungs- und Arbeitverhalten überwiegt.

Unabhängig von der hierarchischen Position werden Berufsnischen mit Autarkie angestrebt. Konflikte entstehen insbesondere in Kooperations- und Abhängigkeitsbeziehungen. Das Lern- und Leistungsverhalten ist in der Regel dem Wunsch nach Unabhängigkeit nachgeordnet.

Die Besitzverhältnisse werden der Beziehungssetzung untergeordnet und dienen - wenn überhaupt – der Erhaltung der eignen passiv abhängigen Position. Oft besteht Bedürfnislosigkeit, weil Eigentum eher zu Verantwortung verpflichtet.

Es werden sichere finanzielle Verhältnisse als Basis der Eigenständigkeit bevorzugt. Manchmal aber wird Besitzlosigkeit zum Ideal der völligen Unabhängigkeit („mea propria mecum porto“)

Im gesellschaftlichen Umfeld werden Gruppenzugehörigkeit mit Ein- und Unterordnung bevorzugt. Wichtig ist das Gefühl des „Dazugehörens“.

Gruppenzugehörigkeiten werden eher selten gesucht. Es werden Weltanschauungen und Ideologien mit dem Ideal der Unabhängigkeit bevorzugt; manchmal sind zynische Haltungen zur Entlastung von sozialen Bindungen zu beobachten.

Erkrankungen schaffen die Möglichkeit, Abhängigkeit nun verstärkt und „zurecht“ auszuleben, z.B.: gegenüber Ärzten oder den nächsten Angehörigen. Die Patienten erscheinen sich ihrem Krankheitsschicksal zu ergeben.

Krankheit ist eine zentrale Bedrohung der Möglichkeit zur Unabhängigkeit, dementsprechend wird die Arzt- Patient- Beziehung versachlicht und distanziert (bis hin zum häufigen Wechsel von Behandlern) gestaltet. Formal sind diese Menschen „mündige Patienten“.

 

 

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Der Therapeut hütet sich jedoch davor zu erziehen, zu regeln, zu bewerten, zu bestrafen, zu kränken, seine eigenen Wertvorstellungen auf den Patienten zu übertragen. Er trägt lediglich dazu bei, dass dem Patienten dessen seelische Innenwelt klar wird. Die Beziehung zwischen Patient und Therapeut spielt also eine wesentliche Rolle in der Therapie : Sie wurde so erstmalig selbst zum heilenden Faktor. Psychotherapie bietet Hilfe bei Störungen des Denkens, Fühlens und Handelns. Häufige Anlässe für Psychotherapie sind Depressionen, Ängste und Zwänge. In der Regel leidet der Mensch, der therapeutische Hilfe sucht, stark unter seinen Beschwerden. Oft leiden auch die Angehörigen oder FreundInnen unter seinem Verhalten und wünschen eine Veränderung. Die Probleme können eine Reaktion auf konkrete Ereignisse darstellen oder auch ohne einen konkreten äußeren Zusammenhang erlebt werden oder auftreten.

Freud fand damals nicht nur zahlreiche Gegner, sondern auch bedeutende Mitstreiter. Sie entwickelten später ihre eigenen Theorien, was teilweise zum Bruch mit Freud führte. So entstanden neben der so genannten klassischen Psychoanalyse Freuds die von C.G. Jung begründete »Analytische Psychotherapie« und die »Individualpsychologie« nach Alfred Adler.

Während einer klassischen Analyse liegt der Patient heute wie damals auf einer Couch. Der Analytiker sitzt am Kopfende und deutet das, was der Patient im freien Gedankeneinfall mitteilt. Diese Therapieform wird heute weiterhin – vor allem bei den früher so genannten neurotischen Störungen – angewendet und dauert mehrere hundert Stunden. Später wurden auf der Basis der Psychoanalyse auch Therapietechniken entwickelt, bei denen der Patient dem Therapeuten gegenüber sitzt. Diese Techniken sind oft mit einer sehr viel geringeren Stundenzahl meistens genauso gut wirksam (Psychoanalytische Kurztherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie).

Schon in den fünfziger Jahren wurde das analytische Verfahren in modifizierter Form auch bei Menschen mit einer psychotischen Symptomatik systematisch angewendet, so von Frieda Fromm-Reichmann, die in dem bekannten Buch von Hannah Green »Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen als »Dr. Fried« auftaucht. Eine Heilung von Psychosen durch irgend eine Psychotherapie ist aber ausgeschlossen, Psychotherapie ersetzt hier auch nie eine medikamentöse Behandlung. Ein Therapeut der dies behauptet, sollte von Patienten, die von einer Psychose betroffen sind, gemieden werden. Freud war der Meinung, dass die Psychoanalyse nicht bei gar Psychosekranken anzuwenden ist.

Bundesgerichtshof: "Übersieht der Arzt veröffentlichte neue Behandlungsmethoden und hält er an Überholtem fest, so handelt er  pflichtwidrig (BGH NJW 1978 587), Dies bedeutet Ihr Therapeut muss sie auch über medikamentöse Behandlungsmethoden ihrer Krankheit informieren, dies gilt in besonderem Maße für Psychosen, da Medikamente hier vorrangig sind, gilt aber auch für andere psychische Störungen wie Angst- und Zwangskrankheiten, Depressionen, Hyperaktivitäts- Aufmerksamkeitsstörungen (ADD), Tic- Störungen, usw.

 

 

Neuere Selbst- und Narzissmustheorien  (nach Mentzos, Neurotische Konfliktverarbeitung, Fischerverlag)
Je mehr und je redlicher sich die Psychoanalytiker bemühen, den Begriff Narzissmus zu vertiefen, zu erhellen und differenzieren um so anziehender wird er - auch für die Alltagssprache - wodurch er ein so hohes Maß an Vieldeutigkeit gewonnen hat, dass er für eine präzise psychoanalytische Begriffsbildung kaum mehr zu gebrauchen ist ALICE MILLER, Das Drama des begabten Kindes, S. 7
  Erik Erikson (1950/1957) hat auf das Urvertrauen aufmerksam gemacht, welches sich nur dann im Kinde zu entwickeln vermag, wenn das frühe Familienmilieu als sichernd, bergend und ,,warm" erlebt wird. Ist ein Kind gezwungen, in einer Umgebung zu leben, die diese Gefühlswärme nicht zu vermitteln vermag, so wird es dieses Urvertrauen sowie ein konsistentes Selbst nicht zu entwickeln vermögen. Dabei sind beide für eine ungestörte Entwicklung unabdinglich. In seinem Buch ,,Die Urform der Liebe und die Technik der Psychoanalyse" weist M. Balint (1965) darauf hin, dass die klassische Theorie der Psychoanalyse eigentlich eine ,,Einkörper-Psychologie" ist. Er führt aus: ,,Fast alle unsere Bezeichnungen und Begriffe stammen aus dem Studium pathologischer Formen und gehen kaum über die Region der Ein-Körper-Psychologie hinaus. Deswegen kann sie nur eine grobe, annähernde Beschreibung dessen liefern, was in der psychoanalytischen Situation geschieht, die doch im wesentlichen eine Zwei-Personen-Situation ist".   Die psychoanalytische Entwicklungspsychologie hat ihr Forschungsinteresse in immer stärkerem Ausmaß den frühen Objektbeziehungen zugewandt.
In seinem Buch ,,Die Urform der Liebe und die Technik der Psychoanalyse" weist M. Bahnt (1965) darauf hin, dass die klassische Theorie der Psychoanalyse eigentlich eine ,,Einkörper-Psychologie" ist. Er führt aus: ,,Fast alle unsere Bezeichnungen und Begriffe stammen aus dem Studium pathologischer Formen und gehen kaum über die Region der Ein-Körper-Psychologie hinaus. Deswegen kann sie nur eine grobe, annähernde Beschreibung dessen liefern, was in der psychoanalytischen Situation geschieht, die doch im wesentlichen eine Zwei-Personen-Situation ist".  Die psychoanalytische Entwicklungspsychologie hat ihr Forschungsinteresse in immer stärkerem Ausmaß den frühen Objektbeziehungen zugewandt.  Balint (1970) spricht deshalb von ,,zwei Ebenen der analytischen Arbeit", die sich einerseits mit Hilfe der ’ klassischen analytischen Technik - durch Deutung von Übertragung und Widerstand - auf der Ebene der Ödipalproblematik bewegt, andererseits aber in frühe Bereiche der symbiotischen Mutter-Kind-Beziehung vorzustoßen sucht. Er nennt diese Ebene die der ,,Grundstörung" und beschreibt sie wie folgt: ,,Die Hauptmerkmale der Ebene der Grundstörung sind,
1. dass alle in ihr sich abspielenden Vorgänge zu einer ausschließlichen Zwei-Personen-Beziehung gehören - es gibt dabei keine dritte Person;
2. dass diese Zwei-Personen-Beziehung sehr eigenartig und gänzlich verschieden ist von den wohlbekannten menschlichen Beziehungen auf der ödipalen Stufe;
3. dass die auf dieser Ebene wirksame Dynamik nicht die Form eines Konfliktes hat
Die Grundstörung entwickelt sich nach Balint auf einer sehr frühen Ebene der ,,Objektbeziehung", die er , ,primäre Liebe" genannt hat. Diese ist dadurch charakterisiert, dass die Mutter vom Säugling noch nicht als eigenständige Person, sondern als ein bedürfnisbefriedigendes Wesen wahrgenommen wird, das noch ein Teil des kindlichen Selbst ist. Da jedoch die Entwicklung dieser frühen Objektbeziehung zwischen Mutter und Kind ein dynamischer Prozess ist, entspricht der primären Liebe des Kindes auf der Seite der Mutter eine ,,primäre Mütterlichkeit", die Winnicott (1958) beschrieben hat. Balint (1970) meint, dass Arzt und Patient manchmal auf diese Ebene regredieren müssen, der Arzt dem Patienten einen ermöglichenden Raum schaffen sollte, damit der Patient einen ,,Neubeginn" wagen kann. Er schreibt: ,,Wenn es dem Analytiker gelingt, auf die primitiven, unrealistischen Wünsche des Patienten auf die rechte Weise zu antworten, kann ihm geholfen werden, die bedrückende Ungleichheit zwischen sich und seinem Objekt zu verringern. Mit dem Schwinden dieser Ungleichheit kann auch die Abhängigkeit vom Primärobjekt, die der Patient in der Phase des ,,Neubeginns" wieder aufleben ließ, ebenfalls beträchtlich nachlassen oder sogar gänzlich aufhören. Wenn die Ungleichheit und die damit zusammenhängende Abhängigkeit reduziert werden, ist die Abwehr gegen sie nicht mehr nötig, der Hass kann weitgehend aufgegeben werden, und die aggressiven, destruktiven Impulse lassen nach. " H. Thomä meint im Gegensatz zu Balint, zu dem Schluss, dass der ,,Neubeginn" kein plötzliches und einmaliges Ereignis, sondern Teil eines kontinuierlichen, immer wiederkehrenden therapeutischen Prozesses sei, den man dem Durcharbeiten an die Seite zu stellen habe.
Heinz Kohut (1971,1977) hat narzisstische Persönlichkeitsstörungen beschrieben, welche durch ein inkonsistentes Selbst gekennzeichnet sind. Diese Individuen haben in ihrer frühen Kindheit nicht genügend Liebe, Wärme, Bestätigung und Stimulation erhalten. Sie neigen zu Kompensationen im Sinne eines Größenselbst sowie einer Fusion mit einem idealisierten Selbstobjekt und zu verschiedenen Formen der Spiegelübertragung auf der Basis eines mangelnd ausgebildeten Selbst -worunter eine zentrale Repräsentation der Selbstliebe und des Selbstrespektes verstanden wird -, sind also das Produkt insuffizienter, frustrierender, früher Kindheitserfahrungen. Man spricht deshalb in diesem Zusammenhang von narzisstischen Neurosen (Battegay 1977). Sigmund Freud (1916/1963) hat indes als narzisstische Neurosen jene Manifestationen bezeichnet, in welchen sich die Patienten total von ihrer Umgebung zurückgezogen haben, wie er dachte, auf ihren eigenen Narzissmus. Dieser totale Unterbruch in der Kommunikationsfähigkeit würde sich nur in Fällen von  Psychosen ergeben, wobei dadurch auch eine Unmöglichkeit zur   Psychotherapie resultiere. Narzisstische Neurosen werden nun aber als neurotische Entwicklungen gezeichnet, welche auf einem grundlegenden Mangel im frühkindlichen protektiven Milieu der primären Familie beruhen. Das Selbst ist jener Inhalt des Ich, Es und Über-Ich, der kompassartig dem Individuum eine - dauerhafte - Richtung und eine konstante Selbstrepräsentanz vermittelt. Das Selbst ist in dieser Sicht Sitz des Narzissmus, der ,,Eigenliebe", wobei eine Voraussetzung zum Gesundsein ein normaler Narzissmus wäre. Eine Fehlentwicklung kommt unter diesem Aspekt aus der physiologischen Eigenliebe heraus zustande, dann nämlich, wenn das Selbst infolge ungenügender Erfahrung von elterlicher Zuwendung, Liebe und Stimulation rudimentär bleibt und deshalb entsprechende Kompensationen und Abwehrvorgänge notwendig werden. Im Volksmund wird dann häufig von egoistischen Menschen gesprochen. Von wissenschaftlicher Warte her müssen wir sagen, dass diese Menschen deshalb ihre gesamte narzisstische Aufmerksamkeit sich   selbst zuwenden müssen, weil sie nur ungenügend Narzissmus zur Verfugung haben. Kohut spricht von einem Körperselbst, das dem körperlichen Selbstgefühl entspreche. Bei einer gewissen Selbstschwäche gelingt es den Betroffenen offenbar nicht mehr, ihre verschiedenen Körperfunktionen und/oder die verschiedenen Teilbereiche ihrer Persönlichkeit narzisstisch zu besetzen.  Kohut erwähnt in diesem Zusammenhang das fragmentierte Körperselbst. Nach Grunberger (1976) hat der Narzissmus seinen Ursprung im pränatalen Leben. Hier erlebt jeder Mensch ,,eine Situation, aus der er auf traumatische Weise vertrieben wurde und die er sein Leben lang wieder zu finden versucht. Dieser fundamentale Wunsch ist die Basis unserer Narzissmus-Hypothese"  Grunberger macht den Vorschlag, den Narzissmus als ,,autonomen Faktor im topischen Rahmen des Freudschen Systems" anzuerkennen und ,,in den Rang einer psychischen Instanz wie das Es, das Überich und das Ich zu erheben" . Die gelungene Synthese zwischen Narzissmus und Triebentwicklung, die ,,narzisstische Vollständigkeit" wird nach Grunberger im Unbewussten durch das Bild des ,,Phallus" repräsentiert, das keineswegs mit dem männlichen Sexualorgan, dem Penis, identisch ist. ,,Das Phallische Bild " drückt die Integrität in all ihren Erscheinungsformen aus und die Kastration all die Schwierigkeiten des Subjektes, sich im Zeichen dieser Integrität zu konstituieren".   ,,Jede Triebbefriedigung oder Ich-Bereicherung des Kindes, die zur Steigerung seines Wertgefühles beiträgt und als solche bekräftigt wird, nimmt in seinem Unbewussten Phallischen Charakter an, während umgekehrt das Fehlen von Bestätigung oder die Abwertung ohne anschließende narzisstische Kompensation als Kastration erlebt wird". Demnach gibt es nach Grunberger nicht nur eine sexuelle Kastration, sondern ebenso eine anale (den Verlust von Kot, materiellen Verlust oder Herrschaftsverlust), eine orale (die Entwöhnung) und schließlich die Geburt als ,,Urkastration".
Narzissmus als Schutz- bzw. Abwehrvorgang impliziert einen Rückzug vom Objekt weg und eine Zuwendung zum Selbst hin (Selbst-Liebe«). In diesem ersten (und ursprünglichen) Sinne werden alle diejenigen Tendenzen, Phantasien, Befriedigungen usw. narzisstisch genannt, die durch eine Bewegung vom Objekt weg zum Selbst hin charakterisiert sind, die also eine Vermehrung der libidinosen Besetzung des Selbst bedeuten (die ursprüingliche Formulierung FREUDS war freilich libidinöse Besetzung des Ichs« -
. Narzissmus als System des Selbst meint dagegen alle Bedürfnisse, Befriedigungen, Affekte, Mechanismen usw., die bei der Selbstkonstituierung, Selbstentfaltung und insbesondere der Regulation des Selbstwertgefühls beteiligt sind. Mit dem Adjektivum narzisstisch werden in dieser zweiten Bedeutung des Terminus z.B. Objektbeziehungen, die zur Erhöhung des Selbstwertgefühls oder Selbstidentität beitragen, benannt. Als narzisstisch werden auch Ereignisse, die das Gegenteilige bewirken (narzisstische Kränkungen) bezeichnet. Die dabei entstehende Wut, also ein Affekt, wird ebenfalls narzisstisch genannt. In der ersten Bedeutung steht also das Narzisstische im Gegensatz zum Objektbezogenen. In der zweiten Bedeutung ist dem Narzisstischen das Triebbezogene entgegenzusetzen. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn das Narzisstische in diesem zweiten Sinne kann oft objektbezogen sein: So ist z.B. die narzisstische Homeostase (die Regulation des Selbstwertgefühls) sehr stark von der narzisstischen Zufuhr, also von den Objekten, abhängig. Dies gilt auch für den psychologisch gesunden Erwachsenen, der »weiterhin die Spiegelung des Selbst durch Selbstobjekte (um genau zu sein: durch die Selbstobjekt-Aspekte seiner Liebesobjekte) brauchte. Sowohl narzisstische (im zweiten Sinne) als auch Triebbedürfnisse können entweder im Rahmen einer Objektbeziehung oder auch narzisstisch (im ersten Sinn) befriedigt werden. Das zweite ist z.B. der Fall, wenn Minderwertigkeitsgefühle mit Hilfe von Größenphantasien oder wenn Triebspannungen durch autoerotische Handlungen gemindert werden. 
Die Regulation des Selbstwertgefühls
Eine der wichtigsten Funktionen des Selbstsystems ist die Aufrechterhaltung der narzisstischen Homeostase, also die Aufrechterhaltung eines optimalen Niveaus des Selbstwertgefühls. Die narzisstische Homeostase wird durch narzisstische Kränkungen, durch Entzug der gewohnten narzisstischen Zufuhr, durch Misserfolge und  anderes gefährdet. Welche M