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Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie
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Zähneknirschen

Nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) kommt sehr häufig vor und steht offensichtlich in keiner Verbindung zu ernsthaften physischen oder psychischen Erkrankungen. Ist aber häufig ein Zeichen vermehrter innerer Anspannung. In schwerwiegenden Fällen können kieferorthopädische Maßnahmen (Aufbißschiene) zur Vermeidung einer starken Abnutzung der Zähne beitragen.

Zahnfleischhypertrophie

Zahnfleischwucherungen kommen auch spontan vor, sie können allerdings auch eine Nebenwirkung einer medikamentösen Behandlung sein. Beobachtet wurde dies zuerst bei Phenytoin das in der Behandlung der Epilepsie eingesetzt wird. Etwa 50% der Patienten die mit diesem Medikament behandelt werden haben abnorme Zahnfleischwucherungen. Bei dem Immunsuppressivum Cyclosporin sollen 25-80% der Patienten betroffen sein. Auch Calciumkanal- Antagonisten wie Nifedipin, Felodipin, Amlodipin scheinen diese Nebenwirkung auszulösen. Diese Nebenwirkung tritt meist mehrere Monate nach Beginn der Medikamenteneinnahme auf, fängt zwischen den Zähnen an und nimmt dann in alle Richtungen zu. Oft sind die Wucherungen entzündlich verändert, sie bluten leicht. Zahnfleischwucherungen treten besonders dort auf, wo auch Plaques zu finden sind. Professionell unterstützte Zahnpflege verringert das Risiko. Meist sind die Medikamente, die auslösend sind bei gleicher Wirksamkeit ersetzbar. B.A. Taylor Management of drug-induced gingival enlargement, Aust Prescr 2003;26:11-3)
 

Zahlen-Verbindungs-Test (ZVT)
Beim Test sind die Zahlen 1 bis 50 (oder in anderen Versionen auch 30 oder 90) zufällig auf einem Blatt Papier verteilt und müssen so rasch als möglich durch Striche verbunden werden. Ziel ist die Prüfung der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit. Für die einzelnen Versionen gibt es Normierungen, teilweise werden mehrere Durchgänge gefordert.

 

Zange-Kindler-Syndrom
Nach dem Grazer Arzt J. Zange (1880--1969) benanntes Syndrom mit Hinterhauptschmerzen, Nausea und Emesis, Schwindel, Ataxie, Dysdiadochokinese etc. bei raumfordernden Prozessen der hinteren Schädelgrube

Zecken

Zecken leben in fast allen unseren Wäldern, Parks und Gärten. Die wichtigste Zeckenart in Mitteleuropa, der sogenannte Gemeine Holzbock benötigt eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen über 10 bis 15 Grad um aktiv zu werden. Diese Wetterbedingungen finden sich in unseren Wäldern vorwiegend im Frühsommer und im Herbst (in den trockenen Hochsommerperioden kann die relative Luftfeuchtigkeit meist unter die für Zecken notwendigen Werte absinken). Diese Aktivitätsangaben sind aber stark witterungsabhängig. Auch in warmen Wintern wurden  gelegentlich aktive Zecken beobachtet. Darüber hinaus führt ein milder Winter dazu, dass die Zeckenpopulation und deren Aktivität im folgenden Frühjahr auf besonders hohem Niveau beginnt. Zecken zählen zur Gruppe der Milbentiere, wie alle anderen Spinnentiere haben sie 8 Beine. Zeckenlarven spielen beim Menschen kaum eine Rolle, die Haut ist zu dick. Nymphen sind geschlechtslose Wesen, etwa doppelt so groß wie Larven, sie sind gut in der Lage die Haut des Menschen zu durchdringen. An das Nymphenstadium schließt sich das Erwachsenenstadium, die Weibchen sind mit 4 mm etwa doppelt so groß wie Männchen.  Sie bevorzugen Dickicht und Wildpflanzen, lieben die Feuchtigkeit und schätzen die Wärme. Nie lassen sie sich, wie vielfach angenommen, von den Bäumen auf ihr Opfer fallen. In der Regel sitzen sie geduldig im hohen Gras, auf Büschen oder Sträuchern und heften sich bei passender Gelegenheit an den Körper, auf den sie durch dessen Duft und dessen Wärme aufmerksam wurden. Setzt sich die Zecke auf den Wirt, wandert sie zu  warmen, feuchten und dunklen Stellen des Körpers. Dazu gehören beispielsweise die Achseln und die Schamregion. Aber auch an jeder anderen Körperstelle kann sich die Zecke festbeißen.  Kleidung stellt eine physikalische Barriere gegen Zecken dar (geschlossenen Schuhe, lange Hosen und Hemden). Die Verwendung chemischer Abwehrsubstanzen kann eventuell auch Zecken fern halten. Da die meisten Zeckenstiche nicht bemerkt werden, sollte man sich kurz nach einem Waldbesuch immer auf Zecken absuchen und gegebenenfalls eine Zecke sobald wie möglich entfernen. Die Stichstelle soll in den Tagen nach der Zeckenentfernung sorgfältig beobachtet werden. Allgemeinreaktionen wenige Stunden nach einem Zeckenstich (Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, leichtes Fieber) kommen vor. Es handelt sich meist um eine allergische Reaktion des Körpers auf Bestandteile des Zeckenspeichels.  Die Borrelien gelangen erst nach vielen Stunden über die Saugorgane der Zecke in den Körper des Menschen. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit der Borrelienübertragung umso größer, je länger die Zecke saugen kann. Innerhalb der ersten 12 Stunden findet fast keine Übertragung der Erreger statt. Haben die Zecken aber Gelegenheit, zwei Tage oder länger zu saugen, erhöht sich das Transmissionsrisiko auf fast 100 %.  Auch für FSME gilt, dass das Infektions-Risiko der FSME mit der Dauer der Blutmahlzeit der Zecke am Menschen steigt. Alle anderen blutsaugenden Insekten benötigen für diesen Vorgang des Blutsaugens nur Sekunden bis Minuten. Vermutlich ist dies einer der Gründe, warum über diese Art von Insekten keine Übertragung von Borrelien erfolgen kann. Ob die Zecke aus der Haut in ganz oder nur teilweise entfernt wird, hat auf das Infektionsrisiko kaum einen Einfluss. Um eine lokale Fremdkörperreaktion (nicht das Infektionsrisiko) zu vermeiden, sollte die Zecke allerdings möglichst vollständig entfernt werden. Da der Saugrüssel in die Haut einzementiert ist, gelingt das für diesen Teil des Tieres in der Regel nicht. Die im Volksmund ausgesprochene Empfehlung, das Tier mit Öl oder Nagellack einzudecken, soll dazu führen, dass die Zecke ihren Wirt umgehend loslässt, die Methode wird allerdings von vielen als risikoreicher abgelehnt. Die Befürchtung, dass diese Behandlung das Infektionsrisikos eher erhöht, indem die Zecke nämlich das aufgesaugte Material mitsamt den Borrelien in den Wirtskörper erbricht, kann neueren Untersuchungen zufolge nicht bekräftigt werden, ist allerdings theoretisch möglich.. HW Kölmel, Neuroborreliose Neuro-Transmitter 3 ·2001 

Ineffektive oder gefährliche Methoden um Zecken zu entfernen Am besten gesichert ist die Entfernung
Keine scharfen Gegenstände benutzen.
Die Zecke nicht zerdrücken, punktieren oder zusammendrücken
Lieber kein Öl, Gel, oder Lokalanästhetikum auf die Zecke oder Umgebung aufbringen
Keine erhitzten Gegenstände wie Streichhölzer oder heiße Nadeln oder ähnliches verwenden.
Die Zecke nicht drehen oder kippen, nicht mit bloßen Händen anfassen (Handschuhe)
Mit einer gebogenen medizinischen Zange wird möglichst tief auf der Haut aufgesetzt und vertikal herausgezogen. Anschließend wird Hautdesinfektionsmittel aufgebracht. Spezielle Zeckenzangen oder Werkzeuge sollen sich nicht als effektiver erwiesen haben. In der Regel wird ohne Infektionsverdacht nicht prophylaktisch antibiotisch behandelt. In speziellen Endemiegebieten kann dies aber für Schwangere diskutiert werden.
Nach Tick Removal, MATTHEW GAMMONS, M.D., and GOHAR SALAM, M.D., D.O., Michigan State University College of Human Medicine, East Lansing,Michigan,  AMERICAN FAMILY PHYSICIAN www.aafp.org/afp  VOLUME 66, NUMBER 4 / AUGUST 15, 2002


 

Durch Zecken übertragbare bakterielle Krankheiten
Erkrankung, Erreger: Häufigste Symptome Laborbefunde Behandlung
Borreliose, Lyme- Erkrankung 
Borrelia burgdorferi

häufig

Erythema migrans, (schmerzloser roter Fleck der nach und nach immer größer wird und in der Mitte ausbleicht ), Müdigkeit, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerz, Fieber, Schüttelfrost. Viele Menschen die mit diesem Erreger infiziert werden bekommen keine Symptome. Bei unspezifischen Symptomen kann deshalb die Unterscheidung schwierig sein, ob die Symptome tatsächlich mit dem Erreger zusammenhängen. Heimtückisch bleibt aber, dass auch mehrere Jahre nach dem Biss noch Symptome auftreten können Initiale Untersuchungen sind unspezifisch; die Serologie bestätigt die Diagnose nach 4 bis 6 Wochen. Die Antikörper müssen keine Krankheit beweisen, sie können von einer alten Ansteckung kommen und lassen sich jahrelang im Blut nachweisen. 
Amoxicillin
Doxycyclin (Vibramycin), Rocephin bei Neuroborreliose
Menschliche monozytische Ehrlichiose
Ehrlichia chaffeensis
Ehrlichia ewingii
Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerz, Muskelschmerzen Leukopenie, Thrombozytopenie, erhöhte Transaminasen, die Serologie bestätigt die Diagnose nach 1 bis 2 Wochen  Doxycyclin
Chloramphenicol 
Rifampizin 
Menschliche granulozytische Ehrlichiose
Ehrlichia phagocytophila/equi
Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerz, Muskelschmerzen Leukopenie, Thrombocytopenie, Ehrlichiose,  erhöhte Transaminasen, die Serologie bestätigt die Diagnose nach 1 bis 2 Wochen  Doxycyclin
Chloramphenicol
Rifampizin
Rocky Mountain spotted fever
Rickettsia rickettsii
Fieber, Kopfschmerz, Muskelschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl, Erbrechen, Ausschlag Milde Leukopenie, Thrombocytopenie, erhöhte Transaminasen, Hyponatremie; die Serologie bestätigt die Diagnose nach 1 bis 2 Wochen    Tetracyclin
Chloramphenicol
Doxycyclin
Tularaemie
Francisella tularensis
Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerz, allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit, Husten, Muskelschmerzen, Erbrechen, Halsweh, Bauchschmerzen, Diarrhoe, Hautgeschwüre, Lymphadenopathie Normale oder leicht erhöhte Leukozyten und BKS; die Serologie bestätigt die Diagnose nach 2 Wochen Streptomycin
Gentamicin
Tetracyclin
Chloramphenicol
Fluoroquinolone
FSME-Virus, von dem zwei Subtypen existieren. 

häufig

Man geht davon aus, dass sich etwa 2% der Bevölkerung in deutschen Endemiegebieten mit FSMEV infiziert haben, wobei z.B. Waldarbeiter eine höhere Prävalenz aufweisen. (RKI)

Fieber, Kopf-, Kreuz- und Gliederschmerzen, Schnupfen, Appetitlosigkeit, heftige Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Nackensteife. Bei Hirnbeteiligung  neurologische Ausfälle (z.B. Lähmungen),  Bewusstseinstörung, meningomyelitischen Formen mit Schädigung des Rückenmarks und schlaffen Lähmung der Schultermuskulatur, des Nackens und der Arme,   In Deutschland erkranken jährlich etwa 250 Personen an FSME, rund 30 Prozent davon schwer. Bis zu 30% entwickeln in der Folge ein neurasthenisches Syndrom , selten bleiben auch  Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen, Hörstörungen und psychische Veränderungen als Folge der Infektion.10% behalten bleibende, teilweise schwerste neurologische Schäden, 1 - 2 % Letatiltät..

Stadieneinteilung

  • leicht:
    - Meningitis
    - minimale Bewußtseinsstörungen
    - leichtes fokales neurologisches Defizit
  • mittelschwer:
    - deutliche neurologische Ausfälle von mindestens einwöchiger Dauer
    - Funktionsstörungen, die zu Einschränkungen bei Verrichtungen des täglichen Lebens führen
    - Anfälle
    - qualitative / quantitative Bewußtseinsstörungen
  • schwer:
    - ausgeprägte Bewußtseinsstörung (Koma)
    - Ateminsuffizienz
    - zentrale Paresen die länger als eine Woche anhalten

 

FSME- Antikörpernachweis im Blut oder der Gehirnflüssigkeit (Liquor) Noch keine spezielle Therapie, da Virusinfekt.  Vorbeugung durch Impfung für im Land- und Forstwirtschaftsbereich tätige in den Donau-Auen, im Bayerischen Wald und einigen Gebieten Baden-Württembergs. Nach einer durchstandenen FSME hält die Immunität wahrscheinlich lebenslang an.
 

 

Zeitmangement

Zeit muss von jedem Menschen individuell nach eigenen Werten und Verpflichtungen eingeteilt werden. Oft ist es schwierig hier ein gesundes Gleichgewicht zwischen dem Notwendigen und den Wünschen zu erreichen. Die Einteilung der Zeit und unser Lebensglück hängen eng zusammen. Um eine gesunde Balance zwischen zwischen den verschiedenen Aktivitäten in Ihrem Leben wie Arbeit und Privatleben, notwendige Verpflichtungen etc. zu finden ist es oft sinnvoll eine Bestandsaufnahme darüber zu machen, wofür Sie derzeit Ihre Zeit verwenden, und zu bewerten in wie weit diese Einteilung mit Ihren derzeitigen persönlichen Wertvorstellungen und Prioritäten übereinstimmt.   Auf dieser Grundlage sind sinnvolle Änderungen möglich. Gegenwärtige Verpflichtungen in Zeit.  Stellen Sie zunächst fest, wie viele Stunden in der Woche sie mit den unten gelisteten Aktivitäten in der Woche verbringen. Beachten Sie, dass mit notwendigen Verpflichtungen alle Aktivitäten wie Überweisungen ausfüllen, Autowaschen, das Haus/die Wohnung in Stand halten... gemeint sind, gemeint sind damit notwendige Verpflichtungen, die Sie erfüllen müssen, ohne dass diese zu Ihrem Leben einen sonst wertvollen Aspekt hinzufügen. Schreiben Sie die gesamte Zeit auf die Sie für eine Aktivität verwenden. Die Zeit für die Arbeit sollte auch den Arbeitsweg, Fortbildung zu hause etc. enthalten.

Wie viele Stunden verbringen Sie derzeit pro Woche mit folgenden Angelegenheiten:

_____ Schlaf
_____ Notwendige Verpflichtungen
_____ Zeit für Persönliche Aktivitäten
_____ Zeit für Paaraktivitäten
_____ Zeit für Familienaktivitäten
_____ Zeit für Aktivitäten mit Freunden
_____ Arbeit, Kariere
_____ Kirche, Gemeinde...
_____ anderes_______________

Stellen Sie sicher, dass Sie auf 168 Stunden kommen.

        

Teilen Sie die Zeit für jede Aktivität durch 168. Zeichnen Sie die Prozentsätze für jede Aktivität in Woche in einen Prozentkuchen ein. Legen Sie daneben einen "Prozentkuchen" in dem Sie nach Ihren Werten aufteilen. Vergleichen Sie und entscheiden Sie ob Sie zufrieden mit dem Ergebnis sind, ob Übereinstimmung zwischen Werten und Realität besteht.  Entscheiden Sie ob Sie etwas ändern wollen. Wenn ja machen Sie eine komplette schriftliche Wochenplanung, Sie sollten den Wochenplan täglich überprüfen und ihn flexibel umgestalten, wenn es notwendig ist und Unvorgesehenes eintritt. Nehmen Sie sich zu Beginn täglich 10 min für die Planung. Die wichtigsten Aufgaben werden zuerst geplant. Zeitmanagement ist am ehesten sinnvoll für Menschen mit unstrukturierter Arbeitsweise, wie Selbstständige, Führungskräfte oder bei Projektarbeit wenn immer wieder andere Tätigkeiten anfallen. Für die meisten Menschen halten kommerzielle Angebote nicht was sie versprechen. Das Bewußtmachen wo die Zeitfresser, Prioritäten usw. sind kann aber generell von Zeit zu Zeit sinnvoll sein und einem Burnout vorbeugen. Perfekte Planung kann auch den Genuss beeinträchtigen, wägen Sie ab. Entscheiden Sie ob Sie Hilfe in Anspruch nehmen wollen.
 

Zeitschriften (medizinische Zeitschriften mit online- Zugang)

Zelle
Kleinste strukturelle und funktionelle Einheit von Lebewesen. Bakterien und manche Algen bestehen aus nur einer Zelle ohne Zellkern, Pflanzen, Tiere und Menschen bestehen aus sehr vielen Zellen mit Zellkern. Zellkern: Im Kern einer Zelle finden sich als wichtigster Bestandteil die Chromosomen als Träger der Erbsubstanz.

Zentralarterienverschluß

Ursache:· Arteriosklerose,· Arteriitis temporalis (mit Kopfschmerz, BSG-Erhöhung und Visusverschlechterung), Befund:· plötzliche, einseitige schmerzlose Sehverschlechterung,· kein Blendungsgefühl,· verengte Netzhautarterien,· diffuses Netzhautödem,· afferente Störung der Pupillomotorik,· weißlicher, ödematöser Bereich im Versorgungsgebiet der verschlossenen Arterie,· kirschrote Fleck im Bereich der Macula (Choroidea schimmert durch),· bei zilioretinaler Arterie in diesem Bereich erhaltene Durchblutung

Zerebralparese

Die infantile Zerebralparese ist als eine nicht-progressive Erkrankung des unreifen Gehirns definiert, der verschiedene Ätiologien der prä-, peri- und postnatalen Periode zugrunde liegen können. Sie beeinträchtigen die Entwicklung der Kinder massiv. Nicht selten besteht gleichzeitig eine Epilepsie, Lernschwierigkeiten, Verhaltensstörungen, Beeinträchtigungen der Sinnesorgane und motorische Störungen von massiven Lähmungen bis zu nur leichteren Störungen der Visuomotorik und Feinmotorik. Eine Heilung ist nicht möglich, durch zeitige Förderung, kann aber die Entwicklung der Kinder und damit auch deren Integration in ein normales Leben erheblich verbessert werden. Meist muss dabei die ganze Familie mit einbezogen werden. Viele Kinder mit infantiler Zerebralparese bedürfen auch noch als Erwachsene der Förderung. Die wichtigste dieser Erkrankungen ist die zystische periventrikuläre Leukenzephalomalazie (PVL), in weiterer Folge kommen intra- und periventrikuläre Hirnblutungen, hypoxische Schädigungen, Gefäßprozesse, Infektionen durch neurotrope Viren während der Schwangerschaft, oder Hirnmißbildungen in Frage. Ursächlich besteht immer eine Schädigung des ersten motorischen Neurons. Zerebralparesen gehören zu den häufigsten "Körperbehinderungen" in der Kindheit. Die Prävalenz der Zerebralparese liegt europaweit bei 2 - 3 auf 1000 Lebendgeburten mit starken Streuungsbereichen in den einzelnen Gewichtsklassen. Bei Frühgeborenen und Zwillingskindern ist die infantile Zerebralparese häufiger. Etablierte klassische Therapiemöglichkeiten umfassen neurophysiologische physiotherapeutische Therapien (Bobath, Vojta, Hippotherapie), ganzheitliche Methoden (Petö), logopädische und ergotherapeutische Maßnahmen (Castillo-Morales, sensorische Integration) sowie heilpädagogische Konzepte (Affolter, Frostig). Hyperbarer Sauerstoff scheint in Studien nicht erfolgreich in der Behandlung der Kinder. Möglicherweise kann die Sauerstoffbehandlung aber schaden. Im unten angegebenen Artikel im BMJ finden sich Tabellen und Kurven, die Auskunft über Einteilung und Prognose geben.

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  2. Peter Rosenbaum Cerebral palsy: what parents and doctors want to know BMJ 2003; 326: 970-974.[Full text] [PDF]  
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Zink

Zink ist im Körper essentiell erforderlich. Zink ist Bestandteil vieler verschiedener Enzyme des Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels.  Zinkmangel kann bei rein vegetarischer Ernährung von Kindern vorkommen, dies gilt insbesondere für einseitige kohlehydratreiche Ernährung in den armen Ländern. Weniger gilt dies auch für ärmere Bevölkerungsschichten in den reichen Ländern. Besonders in Entwicklungsländern scheint er ein wichtiger Grund für Minderwuchs zu sein. Er kann zu Zwergwuchs, Hypogonadismus, Verzögerungen in der Wundheilung,  (unterentwickelte Geschlechtsorgane), Hepatosplenomegalie (Leber und Milzvergrößerung), rauer und trockener Haut, psychischer Lethargie, Pica, verminderter Geruchs- und Geschmackssinn, Durchfall, Haarausfall, Nachtblindheit, brüchige Nägel, führen. Die Nahrungsergänzung mit Zn führt nach Mangelzuständen zu vermehrter Stickstoffaufnahme und einem vermehrten Eiweißumsatz in den Organismus. Der Effekt von Zink alleine ist dabei aber nach der Literatur geringer, als wenn anderer Micronährstoffe die fehlen ebenfalls ergänzt werden. Ein Effekt auf das Wachstum lässt sich nur nachweisen, wenn Zn tatsächlich fehlt.  Häufig fehlt den selben Kindern gleichzeitig Eisen und Vit A.  Phytate in Ceralien und besonders in Vollkornprodukten können die Resorption von Zink (wie auch von Magnesium und Kalzium) beeinträchtigen. Es ist beteiligt an der Insulinspeicherung, der Spermabildung und stärkt das Immunsystem.  Zinkmangel schädigt vor allem das Immunsystem und verursacht einen Rückgang der Zahl der B Lymphozyten und T Lymphozyten  (CD4 Lymphozyten besonders) durch gesteigerte Apoptose und schränkt auch deren Funktion ein. Die Funktionen der Makrophagen, die ebenfalls im Immunsystem wichtig sind, da sie Bakterien umschließen und zerstören, wird ebenfalls beeinträchtigt. Die Produktion und Funktionalität einiger Zytokine, der wichtigen Botenstoffe des Immunsystems werden ebenfalls bei Zinkmangel beeinträchtig. Viele dieser Störungen entstehen bereits bei geringem Zinkmangel. Zink spielt ebenfalls ein Rolle bei der Aufrechterhaltung eines gesundes Epithels in der Haut wie im Darm. Es unterdrückt auch hier die Apoptose und fördert das Zellwachstum, wichtig dabei ist seine Rolle als Antioxidans mit Schutz vor freien Radikalen bei Entzündungen.  Insbesondere bei Durchfallerkrankungen kann also Zink durch eine Vielzahl von Funktionen die Intaktheit des Darmes fördern und den Flüssigkeitsverlust vermindern. Ein Effekt bei Darmerkrankungen ist, wenn ein Zinkmangel vorliegt bereits nach 48 Stunden zu erwarten.  Die empfohlene tägliche Dosis von Zink beträgt nur 10 mg elementaren Zinks pro Tag, Viele Menschen haben auch diese geringe Menge nicht in ihrer Nahrung, dies gilt besonders für Entwicklungsländer.  Zinkmangel ist biochemisch definiert als eine Serumkonzentration von weniger als  9 µmol/l. Die Serumkonzentration spiegeln allerdings nicht vollständig den Zinkstatus eines Menschen wieder. Auch Menschen mit normalen Serumkonzentration profitieren möglicherweise manchmal von einer Zinkgabe. Tägliche Zinkeinnahme kann die Wahrscheinlichkeit einer Lungenentzündung um 41% und von Durchfall um 18% vermindern. Bei Kindern verkürzt sie die Dauer einer Durchfallerkrankung um 1/4 der Zeit, auch das Risiko für eine Malariainfektion in Infektionsgebieten scheint zurückzugehen. Auch Babies und Schwangere scheinen nach manchen Untersuchungen von einer Zinkgabe zu profitieren. Zuviel Zinkeinnahme kann allerdings ebenfall ein Problem erzeugen. Zink ist selbst nicht giftig, allerdings beeinträchtigt es die Kupferaufnahme und Eisenaufnahme und kann so zu Mangelzuständen bei diesen Mineralien führen. Dies kann zu Kupfermangel und darüber wiederum zu einer Immunsuppression und anderen auch für Mutter und Kind schädlichen Effekten führen. Mehr als das doppelte der empfohlenen täglichen Dosis von Zink (10 mg elementaren Zinks pro Tag) sollten deshalb auf keinen Fall eingenommen werden. Bei 30mg Substitution bei Kindern wird in einer Studie von einer Beeinträchtigung der mentalen Leistungsfähigkeit bei Kleinkindern berichtet. Der Gesamtgehalt des menschlichen Körpers an Zink beträgt etwa 2 bis 4 g Zink. Die Konzentration im Blutserum beträgt etwa 15 umol/l Zink. Bei Schwangeren sollten Zinksupplemente auch Kupfer enthalten, dies gilt besonders dann, wenn insgesamt wenig Mineralien eingenommen werden. Die Ergebnisse aus Entwicklungsländern bezüglich der Zinksubstitution bei Schwangeren sind widersprüchlich und zumindest für die alleinige Zinksubstitution gibt es auch Studien die eher einen schädlichen Effekt auf die Kinder zeigen. (Jena D Hamadani et al.)Zink vermindert den Kupfergehalt im Köper und ist deshalb bei der Behandlung des M. Wilson nützlich. In therapeutischen Dosen scheint Zink auch in der Behandlung der hepatischen Enzephalopathie, der Sichelzellanämie und von Erkältungskrankheiten nützlich zu sein. Viele Diabetiker scheiden 2-3 mal mehr Zink im Urin aus. Zink beeinflusst Speicherung sowie Ausschüttung des Insulins. Bei schlechter Diabeteseinstellung kann sich außerdem Zink in Erythrozyten anreichern und steht dann für die Aktivierung von exogenem Insulin nicht mehr zur Verfügung. Diabetiker benötigen häufig zusätzliche Zink-Gaben. Bei ausgewogener Ernährung beim Nichtdiabetiker und Nicht-Vegetariern ist Zinkmangel in Deutschland sehr selten. In niedriger Dosis schadet die Substitution allerdings nicht.  Zink-Substitution ist mit Zinksalzen wie Zink.-Aspartat, -Gluconat, -Orotat, -Sulfat möglich.  Auch ein erhöhter Zinkspiegel und erhöhtes Calprotectin (Kalzium und Zinkbindendes Protein = 60% des Gesamtproteins im Zytosol der Neutrophilen Granulozyten, Monozyten und Hautzellen mit antibakteriellen Eigenschaften) kann auf eine seltene neu definierte Erbkrankheit hinweisen. Diese äußert sich in häufigen Infektionen, Hepatosplenomegalie, Anämie, und Hinweisen auf eine systemische Entzündung. In einer Vergleichsstudie zeigten Patienten mit einer Epilepsie eine bessere Geruchs- und Geschmackswahrnehmung für süß und bitter im Vergleich zu Gesunden. Dies traf besonders für Patienten mit fokalen Anfällen zu.  Man nimmt an, dass erhöhte Zinkkonzentrationen und ein erhöhter Zinkstoffwechsel dort die Schwelle für Geruchswahrnehmungen ebenso reduziert, wie die Anfallsschwelle. Auch viele Parkinsonpatienten mit Geruchsstörungen und Sehstörungen scheinen einen Zinkmangel zu haben.  Insgesamt bleibt noch viel unklar bezüglich des Nutzens der Zinksubstitution in den wohlhabenden Ländern wie auch in den Entwicklungsländern.  

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Zisternen

Zwischen den weichen Hirnhäuten Arachnoidea und Pia liegt der von einem bindegewebigen Bälkchenwerk durchsetzte Subarachnoidalraum, der den Liquor cerebrospinalis enthält. Dieser ist im Bereiche von Furchen und Nischen erweitert; besonders weite Abschnitte bezeichnet man als Zisternen.  Cisterna magna (cerebello-medullaris) zwischen Medulla oblongata und Unterfläche des Kleinhirns,  Cisterna basalis (mit verschiedenen Unterteilungen: Cisterna chiasmatis, Cisterna interpeduncularis, Cisterna pontis). Cisterna venae cerebri magnae (um die gleichnamige Vene und das Corpus pineale herum).  Cisterna ambiens (umgibt das Mesencephalon und verbindet die Cisterna venae cerebri magnae mit der Cisterna interpeduncularis.

Zönästhesie

Der Begriff Zönästhesie, zusammengesetzt aus dem griechischen Koine und Aisthesis, bedeutet wörtlich übersetzt: Allgemeine Empfindung oder, als entsprechender deutscher Begriff: „Gemeingefühl". Dieser Terminus war in der Physiologie und Psychologie des 19. Jahrhunderts gängig, um das Leiberleben im Grenzgebiet zwischen Psychischem und Physischem zu beschreiben. In den letzten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts, maßgeblich beeinflußt durch die grundlegenden Arbeiten von Huber und Glatzel u. Huber, wurde der Begriff hauptsächlich in pathologischen Zusammenhängen gebraucht. Als Zönästhesien wurden nun qualitativ eigenartige Leibgefühlsstörungen bezeichnet, welche in verschiedene Teile des Körpers projiziert werden. Die von den Patienten geschilderten bizarren, fremdartigen Sensationen werden mit Vorliebe in das Körperinnere projiziert, in Organe, von denen man normalerweise keine bewußte Empfindung hat. Neben umschriebenen Schmerzsensationen von z.T. bohrenden, reißendem oder brennendem Charakter werden ziehende, kreisende oder steigende Leibgefühle, Elektrisierungs- oder thermische Sensationen, Zug- oder Druckempfindungen im Körperinnern sowie das Gefühl einer Verkleinerung oder Schrumpfung beschrieben. Daneben finden sich häufig Taubheits-, Steifigkeits- und Fremdheitsempfindungen bis hin zu Entfremdungserlebnissen im eigenen Körper sowie Erlebnisse des Nichtvorhandenseins von Organen oder Extremitäten. Die Zönästhesien sind als Symptom zu werten, welches bei verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen auftritt, selten jedoch auch bei neurologischen Erkrankungen, z.B. entzündlichen oder tumorösen Erkrankungen des zentralen Nervensystems beobachtet werden kann. Zönästhesien sind als abnorme Körpermißempfindungen oder leibliche Beeinflussungserlebnisse im Sinn von Leibhalluzinationen definiert, welche in verschiedene Teile des Körpers projiziert werden. Die Patienten klagen häufig über unerträgliche Schmerzen oder Mißempfindungen, welche auch Organe betreffen können, von denen normalerweise keine bewußte Empfindung besteht. Zönästhesien sind als Symptome zu werten, die bei verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen, z.B. Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis, beobachtet werden. Sie können jedoch auch Symptome neurologischer Erkrankungen sein, z.B. von entzündlichen oder tumorösen Erkrankungen des ZNS, weshalb eine ausführliche Differentialdiagnostik erforderlich ist.Während Zönästhesien in späten Krankheitsstadien aufgrund ihres „bizarren" Charakters leicht zu erkennen sind, kann die Einordnung in Frühstadien, in denen häufig nur schwer lokalisierbare Brennschmerzen oder Mißempfindungen berichtet werden, schwierig sein.Trotz der unspezifischen Beschwerdeschilderung werden aufgrund des hohen Leidensdrucks der Patienten nicht selten wiederholt weitreichende, z.T. invasive und manchmal unnötige diagnostische und therapeutische Maßnahmen veranlaßt. Als Therapie erster Wahl gelten in Abhängigkeit von der Grunderkrankung Neuroleptika, wobei sich die therapeutische Beeinflußbarkeit der Symptome schwierig gestalten kann. (siehe unter Schizophrenie)

Zöliakie = Sprue 

Die Nahrungsrationierungen während des 2. Weltkrieges führten einen holländischen Kinderarzt zu der Beobachtung dass der Mangel Weizenbestandteils Gliadin die Symptome der von Sprue betroffenen Kinder besserte. Die Zöliakie ist eine immunologische Erkrankung des Dünndarms, die bei genetisch prädisponierten Menschen durch den Nahrungsbestandteil Gliadin ausgelöst wird und zu einer Schädigung der Darmmukosa mit anschließender Malabsorption führt, die durch eine gliadinfreie Diät reversibel ist. Ein Versuch die Erkrankung mittels Diät nachzuweisen gilt heute als obsolet, da viele unnötig als krank diagnostiziert würden. Prävalenz 1/130-300. Nach den Ergebnissen des bisher größten Bevölkerungsscreenings (Archives of Internal Medicine 2003; 163: 286–292) beträgt die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung 0,75 % (0.3-1%). Unter den Verwandten ersten Grades beträgt die Prävalenz sogar 4,54 Prozent. Bei 25% wird die Diagnose erst im Alter von über 60 Jahren gestellt. Ein eindeutiger Gendefekt ist bisher nicht nachgewiesen, ebenso gibt es bisher keine gentherapeutischen Ansätze. Allerdings lässt sich bei über 95% der Patienten das HLA-Molekül DQ2 nachweisen, was allerdings die Erkrankung nicht beweist. Die Erkrankung ist assoziiert mit dem HLA-B8, DR3, DQ2 oder DQ8 Haplotyp. 20% der Bevölkerung haben die selbe Genkonstellation und erkranken nicht. Immerhin 70% der eineiigen Zwillinge erkranken auch, wenn der andere Zwilling erkrankt ist. Mit entscheidend ob jemand an Zöliakie erkrankt ist, wann beim Säugling Getreideprodukte zugefüttert werden. Allgemein wird empfohlen, dass Säuglinge bis zum 6. Monat gestillt werden. Säuglinge denen vor dem 6 Monat Getreideprodukte zugefüttert werden haben ebenso wie Säuglinge bei denen dies erst nach Beendigung des 7. Monats erfolgt ein erhöhtes Risiko an Zöliakie zu erkranken. (JAMA. 2005;293:2343-2351) Bei Blutuntersuchungen lassen sich bei fast allen Patienten hochtitrige Endomysium Antikörper und Gliadin Antikörper im Serum nachweisen, was die Erkrankung fast beweist. Einige Patienten mit positiven Antikörpern verlieren diese aber aus unklaren Gründen später wieder. IgA- Mangel kann ein Grund sein, warum die Erkrankung durch die Antikörperbestimmung nicht nachweisbar ist. Nur selten muss eine Darmbiopsie zur Diagnosesicherung durchgeführt werden, in Fällen mit negativen oder unsicheren Antikörpern kann sie aber manchmal beweisend sein. Selten ist die Darmbiopsie auch bei eindeutige Diagnose negativ. Als Basisdiagnostik gilt dabei der Nachweis einer Vermehrung der intraepithelialen Lymphozyten (IEL) um mehr als 40/100 Epithelzellen. Ohne IEL-Vermehrung gibt es keine Sprue. Bei der typischen Sprue besteht nach Marsh 3 a bis 3 c eine Vermehrung der IEL um mehr als 40/100 Epithelzellen, eine Kryptenhyperplasie sowie eine Zottenreduktion (3a: leichte Atrophie, 3b: schwere Atrophie, 3c: völliges Fehlen. Leitsymptome einer Sprue sind schlechtes Gedeihen bei Kindern, Zahnschmelzhypoplasie Gewichtsabnahme, Durchfall, Blähungen, seltener sind Blutarmut ( Eisenmangelanämie), Arthritis und Arthralgien, Knochenbrüche durch Kalziummangel, Osteoporose, Blutungsneigung, Kleinwuchs, Chronische Hepatitis und Transaminasenerhöhung, Polyneuropathien oft mit Beginn im Kindesalter. Oft ist eine Dermatitis herpetiformis Duhring (eine typische Hauterkrankung mit Bläschen)vorhanden. Der Kalziummangel kann Hyperventilationssymptome auslösen, die zur Verwechslung mit Angststörungen Anlass geben kann. Mangelnde Gewichtszunahmen oder gar Abmagerungen können insbesondere bei Kindern und Jugendlichen aber auch bei Erwachsenen zur Verwechslung mit einer Magersucht führen. Einzelne Studien wiesen daraufhin, dass bei Frauen mit Zöliakie vermehrt Infertilität, Fehlgeburten, Frühgeburten und dystrophe Neugeborene zu beobachten sind. Weizen-, Gersten-, Roggen- (Nudeln, Teigwaren) und Haferprodukte Brot, Nudeln, Gries.. müssen vermieden werden, bei Fertigprodukten genau auf die Zusammensetzung achten, Reis-, Mais- und Kartoffelstärke, Sago sind erlaubter Ersatz, eine begleitende Milchzuckerallergie normalisiert sich unter Diät..Gluten-Sensitivität kann sich neben der Gluten-sensitiven Enteropathie und der Dermatitis herpetiforme als neurologische Störung äußern, am häufigsten ist eine cerebelläre Ataxie und eine periphere Neuropathie. Einzelne Berichte über MR-Abnormalitäten in der weißen Substanz, die entzündliche Läsionen nahe legten, liegen vor. Ebenso ein Arbeit die migräneähnliche Symptome (mit neurologischen Ausfällen bei 10 Patienten) und NMR- Auffälligkeiten in diesem Zusammenhang berichtet, die auf Glutenkarenz reversibel waren. Hadjivassiliou M, Grünewald RA, Lawden M, Davies-Jones GAB, Powell TC, Smith CM. Headache and CNS white matter abnormalities associated with gluten sensitivity. Neurology 2001;56:385-388 Eine Zusammenhang zwischen Gluten- Sensitivität und migräneartigen Kopfschmerzen ist möglich. Da es sich bei dem Schädigungsmechanismus der Gluten-Sensitivität um eine humorale und T-Zell-mediierte Entzündungsreaktion handelt, die nicht auf den Darm beschränkt ist, sind möglicherweise auch entzündliche Veränderungen der weißen Substanz im Gehirn recht gut erklärlich. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Migräne-Patienten gehäuft als unspezifisch eingeordnete MRT-Herde haben, muss bei Patienten mit episodischem Kopfschmerz und unerklärlichen Herden in der weißen Substanz an die Bestimmun von Antigliadin-Antikörper gedacht werden. Es sind allerdings noch größere Studien nötig, um den Zusammenhang zwischen Migräne und Gluten-Sensitivität zu klären, wie auch die Frage wie viele unerklärte MRT-Abnormalitäten in der weißen Substanz generell möglicherweise durch diese Erkrankung bedingt sind. Bereits wenige Wochen oder Monate nach einer strikten glutenfreien Diät verschwinden die Symptome und die Morphologie der Dünndarmmukosa bessert sich bis hin zur Normalisierung. Das klinische Spektrum der Sprue des Erwachsenen hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Bei weniger als 50 Prozent der Patienten bestehen keine gastrointestinalen Symptome. Zu den atypischen Formen im Erwachsenenalter zählen: - Dermatitis herpetiformis Duhring  Viele Patienten mit nachgewiesener Sprue haben keine Symptome. Bei leichten Symptomen kann das Syndrom leicht übersehen werden. Leicht untergewichtige Patienten mit häufigerem Durchfall und  leichter Anämie sind ein Beispiel.  Da die Zöliakie auch zu einer schwerwiegenden Malabsorption von z.B. Kalzium führen kann, können dennoch relevante Folgen wie Rachitis und Osteoporose auftreten.. Glutenfreie Ernährung könnte nicht nur die Symptome rasch vermindern sondern auch  schnell die Knochendichte normalisieren. Unter Osteoporosepatienten ist die Häufigkeit der Zöliakie etwa 15x höher als in der Normalbevölkerung. Symptome der Sprue sind schlechtes Gedeihen bei Kindern, Gewichtsabnahme, Durchfall, Blähungen, seltener sind Blutarmut,  Knochenbrüche durch  Kalziummangel, Blutungsneigung, Polyneuropathien oft mit Beginn im Kindesalter. Eine prospektive Untersuchung geht davon aus, dass ein nicht unerheblicher Anteil der idiopathischen Neuropathien bei älteren Erwachsenen auf eine Zöliakie zurückgeht. Untersucht wurden Patienten mit sporadischer axonaler Neuropathie auf Antigliadin, Antiendomysium und Gewebstransglutaminase- Antikörper. Von 215 Patienten mit axonaler Neuropathie hatten 140 eine idiopathische Neuropathie. Positive Immunoglobulin (Ig)G ohne oder mit IgA Antigliadinantikörpern fand man bei 34% (47/140) der Patienten im Vergleich zu 12% Prävalenz bei Gesunden. Bei der Biopsie fand sich eine Prävalenz von mindestens 9% in der Gruppe der Patienten mit idiopathischen Neuropathien verglichen mit 1% in der Durchschnittsbevölkerung, bzw. der Kontrollgruppe der Studie. Das mittlere Alter des Beginns der Polyneuropathie lag bei 55 Jahren.  Eine Gluten-sensitive Enteropathie fand sich bei 29% der Patienten. HLA-Typen die mit einer Zöliakie assoziiert sind fanden sich bei 80% der Patienten. Eine nicht unerhebliche Anzahl der idiopathischen axonalen Neuropathien könnte also durch eine Zöliakie bedingt sein. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2006;77:1262–1266. . [Abstract] [Full text] [PDF]  Studien zur Effizienz einer Diät in der Behandlung solcher Neuropathien fehlen bisher. Erst wenn diese Studien vorliegen lässt sich der Zusammenhang endgültig bestätigen. Säuglinge sind von der Erkrankung am schlimmsten betroffen, sie wachsen und gedeihen nicht, haben Durchfall, Blähungen und Bauchweh, ältere Kinder sind unbehandelt kleinwüchsig mit schlechten Zähnen. Bei Erwachsenen sind 3/4 der Erkrankten Frauen, sie klagen über gastrointestinale Symptome wie Durchfall und Verstopfung, aber auch andere Symptome der Malabsorption, wie Blähungen, Bauchweh.. Müdigkeit, Depression, Fibromyalgie- ähnliche Symptome, aphthöse Stomatitis, Knochenschmerzen, Dyspepsie, gastroösophagealen Reflux, und andere unspezifische Symptome. Oft ist eine Dermatitis herpetiformis Duhring (eine typische Hauterkrankung mit Bläschen) vorhanden.  Der Kalziummangel kann Hyperventilationssymptome auslösen, die zur Verwechslung mit Angststörungen Anlass geben kann. Mangelnde Gewichtszunahmen oder gar Abmagerungen können insbesondere bei Kindern und Jugendlichen aber auch bei Erwachsenen zur Verwechslung mit einer Magersucht führen. Weizen-, Gersten-, Roggen- (Nudeln, Teigwaren) und Haferprodukte Brot, Nudeln, Gries.. müssen vermieden werden, bei Fertigprodukten genau auf die Zusammensetzung achten, Reis-, Mais- und Kartoffelstärke, Sago sind erlaubter Ersatz, eine begleitende Milchzuckerallergie normalisiert sich unter Diät. Bei Patienten ohne Symptome kann es sein, dass eine Diät nicht unbedingt erforderlich ist. Die Sprue scheint das Risiko an einen non-Hodgkinlymphom zu erkranken wesentlich zu erhöhen. Bei Erwachsenen muss aber nicht unbedingt ein Gewichtsverlust oder ein Durchfall vorliegen, es werden auch übergewichtige Zöliakiepatienten berichtet. Eine unklare Anaemie (Blutarmut) ist meist das einzige Hinweissymptom bei diesen weniger Betroffenen.  Carlo Catassi,et al. Risk of Non-Hodgkin Lymphoma in Celiac Disease JAMA. 2002;287:1413-1419,  Feighery C. Coeliac disease [review]. Br Med J 1999;319:236-9., Celiac Sprue Association/United States of America, Inc.*  Celiac Discussion List Archives   National Digestive Diseases Information Clearinghouse   Celiac Disease Resources for Medical Professionals  Deutsche Zöliakiegesellschaft e.V. eine Selbsthilfegruppe, Leitlinie “Zöliakie, Sprue, glutensensible Enteropathie” der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) vom April 2002  K.-M. KellerGlutensensitive Enteropathie (Zöliakie) - ein Krankheitsbild im Wandel Medizin im Dialog, 3/01 Aktuelle Übersicht:Allan McI Mowat  Coeliac disease--a meeting point for genetics, immunology, and protein chemistry Lancet 2003; 361: 1290-92  [Summary] [Full Text] [PDFW F Nieuwenhuizen, R H H Pieters, L M J Knippels, M C J F Jansen, S J Koppelman, Is Candida albicans a trigger in the onset of coeliac disease? Lancet 2003; 361: 2152-54  [Summary] [Full Text] [PDF] Ross McManus, Ph.D., and Dermot Kelleher, M.D. Celiac Disease — The Villain Unmasked? NEJM 348:2573-2574 Shan L, Molberg O, Parrot I, et al. Structural basis for gluten intolerance in celiac sprue. Science 2002;297:2275-2279 Cross, A. H., Golumbek, P. T. (2003). Neurologic manifestations of celiac disease: Proven, or just a gut feeling?. Neurology 60: 1566-1568 [Full Text] William F. Stenson et al., Increased Prevalence of Celiac Disease and Need for Routine Screening Among Patients With Osteoporosis, Arch Intern Med. 2005;165:393-399. R G P. Watson, Diagnosis of coeliac disease, BMJ, April 2, 2005; 330(7494): 739 - 740. [Full Text] [PDF] R M Furse and A S Mee, Atypical presentation of coeliac disease, BMJ 2005 330: 773-774. [Extract] [Full TextDavid S Sanders, David P Hurlstone, Mark E McAlindon, Marios Hadjivassiliou, Simon S Cross, Graeme Wild, and Christopher J Atkins, Antibody negative coeliac disease presenting in elderly people—an easily missed diagnosis, BMJ 2005 330: 775-776. [Extract] [Full Text Jill M. Norris et al,  Risk of Celiac Disease Autoimmunity and Timing of Gluten Introduction in the Diet of Infants at Increased Risk of Disease, JAMA. 2005;293:2343-2351. ABSTRACT  FULL TEXT  PDF    Klinische Bedeutung nichtklassischer Zöliakieformen Zimmer, Prof. Dr. med. Klaus-Peter Sprue – die vielen Gesichter der glutensensitiven Enteropathie Caspary, Prof. Dr. med. Wolfgang F.

 

Erkrankungen die mit einer Zoeliakie gehäuft vorkommen

Dermatitis herpetiformis Alopecia areata
IgA Mangel Epilepsie
Hyposplenismus Ataxie
Type 1 Diabetes mellitus Periphere Neuropathie
Autoimmunthyroiditis Autoimmune Lebererkrankungen
Atrophische Gastritis Primär biliäre Zirrhose
Downsyndrom  
Symptome bei Zöliakie Mögliche Ursachen
Epileptische Anfälle, Glutenataxie, ZNS- Symtome Erhöhte Affinität der Zöliakie- Antikörper zu den Hirngefäßen
Müdigkeit, Krankheitsgefühl Anämie, allgemeine Immunsystem Aktivierung
Gewichtsverlust Malabsorption der Nahrung
Durchfall, Bauchschmerzen Beschleunigte Magendarmpassage, Steatorrhoe, Malabsorption
Anämie Am häufigsten Eisenmangel, seltener Vitamin B12 und/oder fölsäuremangel
Knochenschmerzen Osteoporose
Aphthöse oral Geschwüre, Glossitis, Stomatitis Vitaminmangel, "orale" Zoeliakie
Infertilität Vermutete Ursache: Eisen, Folsäure, und/oder Zinkmangel
Impotenz, Libidominderung Peripheres mangelndes Ansprechen auf zirkulierendes Testosteron
Alopezia areata Immunologische Attacke auf die Haarfolikel
Zahnschmelzdefekte Demineralisation während der Zahnentwicklung bei Kindern
Hypoglykämie Verzögerte Glukoseresorption
Blähungen Sekundäre Verdauung von Zucker durch die Darmflora
Nach DAVID A. NELSENCeliac Disease Am Fam Physician 2002;66:2259-66,2269-70.

Zooanthropismus

Menschen, die unter der wahnhaften Vorstellung leiden, in ein Tier verwandelt zu sein, auch Zooanthrophie. Solche Vorstellungen einer Mensch-Tier-Metamorphose sind bei Erwachsenen als eine Variante des Wahnerlebens, die gehäuft bei affektiven und schizophrenen Psychosen vorkommt und hinsichtlich der unbewußten Wahl des Tieres Interpretationen bezüglich des emotionalen Erlebens der Patienten zulässt. Es wurden Mensch-Tier-Metamorphosen in die Tiere Wolf, Hund, Kaninchen, Pferd, Tiger, Katze, Vogel sowie unspezifizierte Tierarten beobachtet. Im Prozeß der Individualentwicklung müssen zooanthrope Verhaltensweisen als psychologische Normvariante aufgefasst werden So verwandeln sich Kinder nicht selten im Spiel auch in Tiergestalten. 
 

Zoophilie,

Teilweise auch als Zoosexualität bezeichnet. Früher im deutschen Sprachraum auch als Sodomie bezeichnet. Der Wandel der Begriffe spiegelt die sich wandelnde Einstellung zum Thema. Krafft Ebing sah 1886 die Ursache  noch in einer tieferstehenden Moralität, einem großen geschlechtlichen Drang und erschwerter naturgemäßer Befriedigung und sprach auch von Bestialität, Zooerastie oder Tierschändung.  Er ging allerdings damals schon davon aus, dass die " Bestialität" keine Seltenheit in Kuh und Pferdeställen sei, die Betroffenen würden sich auch an Ziegen Hündinnen, ja sogar Hennen vergreifen. Auch in den von ihm zusammengetragen und geschilderten Fallberichten findet sich allerdings meist keine oder keine schwere Psychopathologie. Die Stadt am Toten Meer Sodom soll laut dem alten Testament von Gott wegen der zügellosen Lasterhaftigkeit (und Kriminalität jeder Art) die sexuellen Verkehr mit Tieren einschloss mit Feuer, Schwefel und einer Meeresflut zerstört worden sein. Sodom galt als der Ort der schlimmsten Sünde. Hiervon rührte ursprünglich der Begriff Sodomie, der heute nicht mehr verwendet wird. Gemeint war dort aber die allgemeine sexuelle Zügellosigkeit, die Bedeutung des Wortes Sodomie ist deshalb auch in verschiedenen Sprachen unterschiedlich, in Frankreich soll das Wort auch synonym  für homosexuelle Handlungen verwendet werden. Viele Sagen und Mythen erwähnen die Zoophilie. Die alten Griechen unterstellten selbst ihrem obersten Gott Zeus, dass er manchmal die Form eines Tieres annahm um eine Frau zu erobern. Die Königin vor Kreta Persiphae wurde nach der Sage von einem Stier begattet und gebar den Minotaurus.  Hieronymous Bosch (Bild) stellte Sexualität mit Tieren in Abschnitt Hölle als Höllenstrafe in seinem Triptychons Garten der Lüste dar. Möglicherweise ging es Hieronymus Bosch bei dem Bild aber eher um eine Werbung für Toleranz, er hat in verschiedenen Bildern eindeutig die Inquisition und die Verlogenheit in Teilen der Kirche spöttisch aufs Korn genommen. Ob Bosch ein Moralist oder einfach ein genialer Analytiker seiner Zeit war ist strittig. Im Buch und Film Padre Padrone wird die Zoophilie als aus der Not des Hirtenlebens in der Isolation Sardiniens geboren dargestellt. Die auf Tiere bezogene sexuelle Präferenz ist seit 1970 in Deutschland nicht mehr strafbar, wenn es nicht zu Tierquälerei oder Verletzungen von Tieren kommt.  Für Tier- Pornograhie gelten die sonst für Pornograhie auch geltenden Gesetze. Weltweit sind die gesetzlichen Regelungen bezüglich Zoophilie sehr unterschiedlich. Geschätzte Prävalenz der Zoosexualität bis zu 3% der Bevölkerung, es gibt keine einheitliche Ursache. Manche sollen den Wunsch nach Umwandlung ihres Köpers in einen tierischen Körper verspüren. Fantasien über Tiere bestehen oft schon in der Kindheit und werden in der Pubertät erotisch und von intensiven sexuellen Regungen begleitet.  Die Zoophilie soll in ländlichen Wohngebieten oder bei intensivem Bezug zu Tieren nicht häufiger sein als in Städten. Haeberle geht in seinem Handbuch " die Sexualität des Menschen", allerdings davon aus, dass bei Bauernjungen der gelegentliche Kontakt angeregt durch die Beobachtung sexueller Akte der Tiere vorkomme, der sich allerdings selten wiederhole.  Betroffene sehen in ihrer sexuellen Präferenz heute meist keine Störung oder Krankheit mehr. Sie wird meist auch nicht als Ersatz für misslingende Beziehungen zu Menschen gesehen. Tierliebe bei der das Haustier als Lebenspartner (nicht als Ersatz) angesehen wird, fällt ebenso darunter wie eigentliche Sexualität bis hin zum Geschlechtsverkehr mit Tieren. Insgesamt entsteht durch die Zoophilie nur dann ein psychiatrisches Problem, wenn der Betroffene unter dieser Leidenschaft oder deren Auswirkungen subjektiv leidet und Hilfe sucht, per se stellt sie keine psychische Störung dar. Sexuelle Lust an Gewalttätigkeiten mit Tieren bezeichnet man als Zoosadismus, bei letzterem kann, wenn er ausgelebt wird und es zu Tierquälerei oder Verletzungen von Tieren kommt Strafbarkeit vorliegen.
 

Zoster (Herpes Zoster) siehe auch Herpes simplex Virus Typ 1 (HSV-1) Infektion.

Das ursächliche Virus ist 70 Millionen Jahre alt, die von ihm verursachten Krankheitsbilder waren deshalb auch schon in der Antike bekannt. Hippocrates gab dem Herpes (Herpes von griechisch kriechen, Zoster von griechisch Gürtel) den Namen. Dass es sich um eine übertragbare Erkrankung handelt ist bereits 1875 bewiesen worden, der Zusammenhang zwischen Windpocken und Gürtelrose wurde 1892 von dem Wiener Arzt Janos von Bókay erkannt, erst in den 1940ern konnte das Virus dann unter dem Elektronenmikroskop von Helmut Ruska sichtbar gemacht werden.  Mit der Möglichkeit des serologischen Nachweises (Thomas H. Weller 1952) konnte dann bewiesen werden, dass  Windpocken und Gürtelrose vom selben Erreger verursacht werden. Das Varicella-zoster Virus verursacht 2 verschiedene Krankheitsbilder. Bei der Erstinfektion meist im Kindesalter kommt es zu den Windpocken (auch Varicella oder englisch chickenpox), der Windpockenvirus, dieser bleibt nach durchgemachten Windpocken lebenslang in den Nervenzelle (den sensorischen Ganglien) quasi schlafend präsent. Windpocken sind durch eine Impfung vermeidbar geworden, hierdurch wird auch der Herpes zoster bei den geimpften vermutlich seltener. Da die Impfung noch relativ neu ist, bleiben noch Jahrzehnte,  bis eindeutig nachweisbar ist, dass auch der Herpes zoster durch die Impfung seltener wird. Unklar ist auch ob spätere weitere Impfungen bei den primär geimpften Erwachsenen erforderlich werden. Sicher ist, dass durch die Impfung die Mortalitätsrate von Windpocken an sich von  0,41 auf  0,14 pro einer Million Einwohner in den USA zurückgegangen ist (NEJM 2005; 352: 450-8). Windpocken haben eine Inkubationszeit von 8–28 Tagen, meist treten sie 2 Wochen nach der Ansteckung auf. Personen mit Windpocken sind 1–2 Tage vor Auftreten des Exanthems und 5-7 Tage nach Sichtbarwerden der Bläschen ansteckend. Windpocken führen nur in etwa 0,1% der Erkrankungen zu einer Beteiligung des zentralen Nervensystems.  Meist sind es meningeale Reizungen aber auch akute zerebellärer Ataxien mit günstiger Prognose. Ungünstiger verlaufen aseptische Meningitiden, Enzephalitiden, die Myelitis transversa, das Guillain-Barré-Syndrom und das Reye-Syndrom.  Acyclovir vermindert auch bei gesunden Kindern mit Windpocken die Anzahl der Fiebertage und die Anzahl der Hautläsionen, ob Acyclovir bei sonst gesunden Kindern mit Windpocken sinnvoll ist, ist strittig. (Cochrane Reviews 2005,4)  Im Rahmen von Stressfaktoren oder anderen Erkrankungen kann es zum Ausbruch der Gürtelrose kommen.  Der Schmerz geht meist den Hauterscheinungen voraus. Erst Tage nach den Schmerzen treten in einer band- oder gürtelförmiger Anordnung auf einer Körperseite flüssigkeitsgefüllte Bläschen auf.  Die Gürtelrose, klingt nach der sehr unangenehmen Zeit mit Bläschen und Schmerzen nach 2-4 Wochen meist vollständig ab. Junge Menschen haben meist weniger Beschwerden. Etwa die Hälfe aller Menschen die 85 Jahre alt werden erkranken irgendwann in ihrem Leben an Gürtelrose, oder 2 von tausend Menschen pro Jahr oder 400 000 Menschen pro Jahr in Deutschland. Bei Kindern sind es weniger als eines pro Jahr bei Menschen die älter als 65 Jahre sind erkranken bereits 12 pro Jahr.  Grund für die Erkrankung im Alter ist die nachlassende zelluläre Immunität gegen das Virus. Risikofaktoren für den Herpes zoster sind: eine Vorgeschichte mit Windpocken, Alter über 50, Einnahme von Immunsuppressiva, odr Kortisonpräparaten, Krebserkrankungen, HIV- Infektion, lokale Bestrahlung, Traumen, chirurgische Eingriffe.  Patienten mit Herpes zoster sind bis zur Verkrustung der Bläschen ansteckungsfähig (Schmierinfektionen).  Neuralgieforme Schmerzen können in seltenen Fällen auf die Gürtelrose folgen. Besonders häufig sind neuralgieforme Schmerzen bei hohem Alter, schweren Hauterscheinungen, schweren akuten Schmerzen, Prodrome (Kopfschmerz, Schüttelfrost, Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, gastrointestinale Beschwerden, Parästhesien oder Neuralgien in den betroffenen Dermatomen)  vor Auftreten des Zoster.  Die Schmerzen sind dann oft heftig und sprechen nicht selten schlecht auf Behandlung an.  In einer Studie wurden die Daten von 421 Patienten untersucht. Das Lebensalter war signifikanter Prädiktor für das Auftreten von Schmerzen, wobei die Wahrscheinlichkeit mit Abstand vom Exanthem zunahm. Auch Schmerzintensität und -dauer korrelierten mit dem Patientenalter. Unter 60 Jahre war der Verlauf generell günstiger. Das Risiko einer postherpetischen Neuralgie betrug nach 3 Monaten 1,8%, bei > 60 Jahren 20%. Nach 12 Monaten bestanden nur mäßige Schmerzen und 7 von 14 Patienten wurden im Verlauf völlig beschwerdefrei. Das Geschlecht beeinflusste die Neuralgiehäufigkeit nicht. Vier Prozent erhielten zum Zeitpunkt der Hauterscheinungen eine antivirale Therapie, die nach heutigem Kenntnisstand in den meisten Fällen unterdosiert war. Bei Beschwerdefreiheit nach 12 Monaten kam es in keinem Fall zu späteren neurologischen Komplikationen. Bedeutsame Begleiterkrankungen wie Diabetes, Karzinome o.ä. bestanden bei 17 Patienten. Nach Erstmanifestation einer Herpes zoster-Infektion sind postherpetische Neuralgien selten und weniger schwerwiegend als angenommen. Eine antivirale Therapie mit Aciclovir sollte lediglich bei Patienten mit schweren anderen Erkrankungen und über 60-Jährigen erwogen werden. Helgason, S. et al., Prevalence of Postherpetic Neuralgia After a First Episode of Herpes Zoster: Prospective Study with Long Term Follow Up, Brit Med J 321 (2000) 794-796.  Bei mäßiger Studienlage, deuten Studien darauf hin, dass durch Einsatz neuer Virustatika wie des Famciclovir oder des Valaciclovir der akute Zosterschmerz schneller sistiert und die Rate an Post-zoster-Neuralgien sinkt. (Akt Neurol 2006; 33: 257-262) Von postherpetische Neuralgien spricht man, wenn der Schmerz Monate oder Jahre nach dem Ausschlag anhält. Diese wird von der akuten herpetischen Neuralgie, die innerhalb von 30 Tagen nach dem Ausschlag auftritt und der subakuten herpetischen Neuralgie die 30-120 Tage nach dem Ausschlag auftritt unterschieden.  Risikofaktoren für das Auftreten der Postherpetischen Neuralgie sind hohes Alter, schwere akute Schmerzen während des Zoster, schwerer Ausschlag, und bereits vor dem Ausschlag vorhandene Schmerzen.  Patienten mit all diesen Risikofaktoren haben ein bis 50-75%- iges Risiko 6 Monate nach dem Ausschlag noch Schmerzen zu haben.  In wie weit Antivirale Substanzen vorbeugen ist noch nicht völlig gesichert, nach einer Metaanalyse wurde das Risiko aber immerhin etwa halbiert. (Jackson JL, Gibbons  et al 1997) Neben dem Risiko von Neuralgien spielen auch besonders wenn die Stirn betroffenist (Zoster ophthalmicus) die direkten Komplikationen eine Rolle. 5x 800 mg Aciclovir/Tag über 10 Tage senken das Risiko von Komplikationen am Auge nach sechs Monaten von 42% auf 5% (Number needed to treat [NNT] = 3). Gründe von Anfang an eine antiviralen Therapie zu beginnen gibt es älteren Patienten über 50, Zoster im Kopf-Hals-Bereich bei Patienten, einem schweren Zoster (hämorrhagische Läsionen, wenn mehr als ein Segment befallen ist, bei aberrierenden Bläschen, Schleimhautbeteiligung) am Stamm und an den Extremitäten, Zoster bei immundefizienten Patienten, Zoster bei Patienten mit schwerer Dermatitis atopica und ausgedehnten Ekzemen, Zoster bei Kindern und Jugendlichen, die Salizylate oder Kortikosteroide als Dauertherapie erhalten. (Valacyclovir( 3x1 g für 7 Tage) oder Famciclovir (3x750 mg für 7 Tage) oder Acyclovir (5x800 mg für 7–10 Tage). Falls keine Kontraindikationen bestehen, ist eventuell die zusätzliche Gabe von Prednison (60 mg/Tag, ausschleichend über 21 Tage) sinnvoll. Leider kann die antivirale Behandlung nicht in allen Fälle die Entwicklung der gefürchteten neuralgieformen Schmerzen verhindern. Etwa 20% aller Menschen die frühzeitig antiviral behandelt wurden entwickeln dennoch eine Neuralgie, die auch noch nach einem halben Jahr heftige Schmerzen verursacht. Die neuralgieformen Schmerzen werden zunächst mit Anitepileptika (Carbamazepin, Phenythoin, evtl Gabapentin) oder Antidepressiva (Amitryptilin, Nortriptylin, Amitriptylin ist dabei am besten untersucht und in der Regel die erste Wahl bei Beginn der Behandlung, allerdings im Alter sehr problematisch)  oder Lidocain-, Prilocaincreme oder Capsaicincreme (0.025 –0.075 %) behandelt. (Kost et al. in N Engl J Med, Vol. 32 July 4, 1996). Oft ist die Kombination (Antidepressivum+Antiepileptikum) dieser Substanzen sinnvoll und erfolgreicher als nur ein Medikament aus einer Substanzgruppe.  Auch Opiate sind wirksam und werden von den Patienten auch lieber genommen, da sie schneller wirken, sind allerdings mit dem Risiko einer Gewöhnung behaftet. Sind  diese erfolglos kann  Abschätzen der Risiko/Nutzen-Relation die intrathekale (in den Rückemarkskanal) Applikation von Methylprednisolon als wirkungsvolle Therapie der postherpetischen Neuralgie eingesetzt werden. Die Risiken dieser invasiven Behandlung sind aber nach der Literatur noch nicht endgültig abschätzbar. (Kotani, N. et al.,  N Engl J Med 343 (2000);  N. Raja,  et al.  Neurology 2002 59: 1015-1021.) Ein Nachweis der Effizienz von Nervenblockaden oder Sympathikusblockaden bei Neuralgien fehlt bisher, ein Nutzen ist hier nur in den ersten 2 Monaten für Stunden bis Tage zu erwarten. Selten kann ein Herpes zoster allerdings auch schwerwiegende neurologische Komplikationen auslösen. Hierzu gehören Myelitis Enzephalitis, Entzündungen der großen Gehirngefäße mit der Folge von Hirninfarkten (siehe Grafik unten). Andere Komplikationen sind Hornhautnarben mit Sehstörung bei Betroffenheit des ersten Trigeminusastes, Hörstörungen bei Betroffensein des Hörnerven, anhaltende Hautrötungen an der Stelle des Zoster, Sekundärinfektionen, Hauthyperpigmentation und Narben, Arteriitis, Ventrikulitis, Harnverhalt bei Betroffensein der sakralen Dermatome.  Ein Nachweis  des Varicella–zoster Virus gelingt oft nur über die Polymerase chain reaction (PCR), dies ist bedeutsam, da die Bläschen auch fehlen können.  Eine Übersicht über die neurologischen Komplikationen des H. zoster findet sich in (Donald Gilden NEJM). Aus einer anderen Studie war bereits bekannt, dass Kinderärzte seltener als beispielsweise Psychiater an einer Gürtelrose erkranken. Die Theorie, dass der Kontakt mit dem Windpockenvirus, die Abwehr gegen das Herpes zoster Virus verbessert wurde schon mehrfach vertreten. Nach einer neuen Studie haben alte Menschen, die viel in Kontakt mit Kindern kommen ein geringeres Risiko an einem Herpes zoster zu erkranken. Für die Menschen, die Kontakt zu Kindern mit Windpocken haben wird das Risiko 5x geringer. Da durch die Impfung der Kinder der Kontakt alter Menschen zu Windpocken seltener wird, ist es möglich, dass die Häufigkeit der Gürtelrose vorübergehend zunehmen wird. In Ländern in denen Kinder gegen Windpocken geimpft werden, soll deshalb jetzt überprüft werden, ob die Impfung der älteren Menschen der Gürtelrose vorbeugen kann. Den Omas kann jedenfalls empfohlen werden, die an Windpocken erkrankten Enkel zu besuchen. Gegen Windpocken geimpfte Personen erkranken vermutlich seltener an Herpes zoster, da das Impfvirus eine geringere Reaktivierungsrate zu haben scheint.  (Lancet 2002; 360: 678–82. Published online July 2, 2002). Ein Impfstoff zur Impfung der Erwachsenen (zur Vorbeugung gegen den Zoster) hat sich in einer Studie bewährt (New England Journal of Medicine (2005; 352: 2271-2284) und soll bald auf den Markt kommen. Sanofi Pasteur MSD plant die Vermarktung in Deutschland unter dem Namen Zostavax® Anfang 2007.   Bei Patienten mit medikamentöser Immunsuppression oder HIV und Herpes zoster senkt intravenös infundiertes Aciclovir das Risiko der lebensbedrohlichen Zosterausbreitung auf den ganzen Körper. Unter einem Zoster sine herpete versteht man einen lokalisierten radikulären Schmerz ohne erkennbare Zosterbläschen, bei virologischem Nachweis einer VZV- Infection, und Ansprechen auf Acyclovirbehandlung.   http://image.thelancet.com/extras/01art6088web.pdf  Leitlinie der DGN Neuralgie, postzosterische Zoster und Zosterschmerzen Leitlinie Dermatologie P.Wutzler, G. Gross, H.W.Doerr, Antivirale Therapie des Zoster: Frühzeitige Behandlung entscheidend für den Therapieerfolg Dtsch Arztebl 2003; 100: A 858–860 [Heft 13] International Herpes Management Forum (IHMF)  Varicella Zoster Virus Research Foundation (VZVRF)   Robert W Johnson, Robert H Dworkin, Treatment of herpes zoster and postherpetic neuralgiaBMJ 2003;326:748–50 US Pharmacist Postherpetic Neuralgia  RKI -VARIZELLEN.PDF W. Opstelten and M. J W Zaal, Managing ophthalmic herpes zoster in primary care, BMJ, July 16, 2005; 331(7509): 147 - 151.  [Full Text] [PDF]  J. W. Gnann Jr. and R. J. Whitley Herpes Zoster, N. Engl. J. Med., August 1, 2002; 347(5): 340 - 346. [Full Text] [PDF] Tyring S, Engst R, Corriveau C, Robillard N, Trottier S, Van Slycken S, et al. Famciclovir for ophthalmic zoster: a randomised aciclovir controlled study. Br J Ophthalmol 2001;85: 576-81 Jackson JL, Gibbons R, Meyer G, Inouye L. The effect of treating herpes zoster with oral acyclvir in preventing postherpetic neuralgia: a meta-analysis. Arch Intern Med 1997;157:909-12.Donald Gilden, Medical Progress, Neurologic Complications of the Reactivation of Varicella Zoster -Virus,  N Engl J Med Vol. 342 Number 9, 635;  Kotani, N. et al., Intrathecal Methylprednisolone for Intractable Postherpetic Neuralgia,  N Engl J Med 343 (2000) 1514-1519.  N. Raja, J. A. Haythornthwaite, M. Pappagallo, M. R. Clark, T. G. Travison, S. Sabeen, R. M. Royall, and M. B. Max Opioids versus antidepressants in postherpetic neuralgia: A randomized, placebo-controlled trial Neurology 2002 59: 1015-1021. Begründung der STIKO für eine allgemeine  Varizellenimpfung.  M.N. Oxman et al., A Vaccine to Prevent Herpes Zoster and Postherpetic Neuralgia in Older Adults, New England Journal of Medicine (2005; 352: 2271-2284) International Herpes Management Forum (IHMF),   Varicella Zoster Virus Research Foundation (VZVRF) The Cochrane Database of Systematic Reviews 2005 Issue 4 Acyclovir for treating varicella in otherwise healthy children and adolescents Advances in the Treatment and Prevention of Herpes Zoster and Postherpetic Neuralgia US-Pharmacist 2006

Zucker siehe unter Diabetes

Unzweifelhaft ist, dass der Konsum hoher Mengen an Zucker, vor allem über kalorienhaltige Getränke schädlich ist und zu Übergewicht führt. Dies gilt vor allem für Softdrinks bei Kindern. Allerdings sind immer wiederkehrende Behauptungen Zucker sei allgemein ungesund offensichtlich falsch. Der Konsum von Zucker begünstigt nach einer neuen großen Studie auch keinen Diabetes. Sok-Ja Janket, JoAnn E. Manson, Howard Sesso, Julie E. Buring, and Simin Liu  A Prospective Study of Sugar Intake and Risk of Type 2 Diabetes in Women Diabetes Care 2003 26: 1008-1015. [Abstract] [Full Text]

Zwangsdenken

Zwanghaft persistierende Denkinhalte. Charakteristisch ist das Sich-Aufdrängen und Beharren von Vorstellungen, die zwar abgelehnt werden, sich aber doch durch willentliche Beeinflussung nicht abstellen lassen. Zwanghafte Vorstellungen müssen inhaltlich nicht unsinnig sein. Als unsinnig oder jedenfalls ungerechtfertigt kann aber ihre Persistenz und Penetranz empfunden werden. Man faßt hier zusammen: Zwangsideen, -gedanken, -vorstellungen, -erinnerungen, -fragen, -grübeln, -befürchtungen. Sie können die Form von zwanghaften Ideen, bildhaften Vorstellungen oder Zwangsimpulsen annehmen, die fast immer für die betreffende Person quälend sind. Manchmal sind diese Ideen eine endlose Überlegung unwägbarer Alternativen, häufig verbunden mit der Unfähigkeit, einfache, aber notwendige Entscheidungen des täglichen Lebens zu treffen. Die Beziehung zwischen Grübelzwängen und Depression ist besonders eng. Eine Zwangsstörung ist nur dann zu diagnostizieren, wenn der Grübelzwang nicht während einer depressiven Episode auftritt und anhält.

Zwangseinweisungen siehe auch unter Psychisch Kranken Gesetz PsychKG

Deutschland nimmt bei der Zahl der Zwangseinweisungen immer noch eine der Spitzenstellungen in Europa ein. In den 90er Jahren haben sie zugenommen. ( z.B. Deutschland 175/100 000, Portugal 6/100 000, Finnland 218/100 000 Frankreich 11/100 000). 4). Auch zwischen den Bundesländern gab es nach anderen Untersuchungen eine erhebliche Streuung von 9 bis 109 auf (Mittelwerte der erfassten Kliniken). Die Unterschiede könnten nicht nur in den unterschiedlichen Gesetzen, sondern auch in der unterschiedlichen Definition der Zwangseinweisung liegen. Mit ein Grund für die Zunahme könnte auch in der zunehmend kürzeren Aufenthaltsdauer bei den einzelnen Aufenthalten liegen. Auch die seit 1992 stark ansteigende Zahl der unter Betreuung stehenden und die zunehmende Zahl hilfebedürftiger Demenzkranker tragen dazu bei, dass auch die Zahl betreuungsrechtlicher Unterbringungen steigt. Mit Einführung neuer patientenrechtlich orientierter Gesetze stiegen in einigen Ländern die Raten, wohl weil die Rechtsanwender, also Ärzte, Verwaltungen und Justiz, stärker auf die Notwendigkeit achten, diese zu befolgen. Tendenzen einer Verrechtlichung der Behandlung wurden dadurch verstärkt. Hans Joachim Salize and Harald Dressing, Epidemiology of involuntary placement of mentally ill people across the European Union, Br J Psychiatry 2004 184: 163-168. [Abstract] [Full Text Andreas Spengler, Harald Dreßing,  Manfred Koller, Hans Joachim Salize, Zwangseinweisungen – bundesweite Basisdaten und Trends, Nervenarzt 2005 76:363–370
 

Zwangshaltung

Begriff in sozialmedizinischen Gutachten. Eine Zwangshaltung besteht bei länger dauerndem Arbeiten in ungünstiger Körperhaltung verbunden mit statischer Muskelarbeit wie bei Überkopfarbeit, mit Armvorhalten, Bücken oder Knien. Die wegen der vorhandenen gesundheitlichen Störungen zu vermeidenden Zwangshaltungen werden in den Gutachten nach Art, Häufigkeit und Dauer differenziert.

Zwangsimpulse

Immer wieder zwanghaft gegen inneren Widerstand sich aufdrängende innere Antriebe, bestimmte Handlungen auszuführen, z. B. etwas zu kontrollieren, aus dem Fenster zu springen, jemanden zu attackieren, obszöne Worte auszustoßen (Koprolalie), zu zählen, zu rechnen (Arithmomanie).

Zwangsstörung

Wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Patienten immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer quälend, der Patient versucht häufig erfolglos, Widerstand zu leisten. Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt, selbst wenn sie als unwillkürlich und häufig abstoßend empfunden werden. Zwangshandlungen oder -Rituale sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Der Patient erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihr Schaden bringen oder bei dem sie selbst Unheil anrichten könnte. Im allgemeinen wird dieses Verhalten als sinnlos und ineffektiv erlebt, es wird immer wieder versucht, dagegen anzugehen. Angst ist meist ständig vorhanden. Werden Zwangshandlungen unterdrückt, verstärkt sich die Angst deutlich. (Angst?) Unangenehmer beharrlicher „affekt-logischer" Gedanke  Unbehagen, Angst => Zwangsimpuls (bei reinen Zwangsgedanken serienförmig perseverierende und nur allmählich abklingende „Gedankenschleife")  =>Zwangshandlung  =>Abnahme der Angst   =>Gefühl der Entlastung, Entspannung (Minuten bis Stunden)  => unangenehmer beharrlicher Gedanke  =>Angst  => Zwangsimpuls  =>Zwangshandlung evtl. Integration der Zwangshandlungen in alltägliche Routine

Zwangshandlung

Die meisten Zwangshandlungen beziehen sich auf Reinlichkeit (besonders Händewaschen), wiederholte Kontrollen, die garantieren, daß sich eine möglicherweise gefährliche Situation nicht entwickeln kann oder übertriebene Ordnung und Sauberkeit. Diesem Verhalten liegt die Furcht vor einer Gefahr zugrunde, die den Patienten bedroht oder von ihm ausgeht; das Ritual ist ein wirkungsloser oder symbolischer Versuch, diese Gefahr abzuwenden Zwanghafte, evtl. auch gegen den eigenen Willen impulsartig ausgeführte Handlung, die als Ich-fremd erlebt wird u. deren Ausführung nicht mit Lustgewinn verbunden ist, sondern der Vermeidung von Angst dient; z.B. Waschzwang, Zählzwang ; Vork.: u.a. bei Zwangsneurose, psychotischer Depression u. Schizophrenie. Meist wird ein Zwangsritual oder Zwangszeremoniell ausgeführt, z. B. das Zwangsritual des Waschens. Das Ritual muß meistens in genau vorgeschriebener Form, oft in bestimmter Häufigkeit der Wiederholung ausgeführt werden. Wo ein Zwangsritual ausgeführt wird, findet man oft auch ,,folie de doute", das ist der Zweifel, ob das Ritual auch richtig nach ,, Vorschrift" ausgeführt worden ist. Aber auch ohne ,,folie de doute" gibt es häufige Wiederholungen der Zwangsrituale. 

Zwangslachen, Zwangsweinen Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Pathologisches Lachen und Weinen als Enthemmungsphänomene von angeborenen Ausdrucksbewegungen bei zerebralen Krankheitsprozessen, zB. nach Schlaganfällen, Hirnblutungen oder bei MS.
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Zyklothymia

Hierbei handelt es sich um eine andauernde Instabilität der Stimmung mit zahlreichen Perioden von Depression und leicht gehobener Stimmung (Hypomanie), von denen aber keine ausreichend schwer und anhaltend genug ist, um die Kriterien für eine bipolare affektive Störung (F31.-) oder rezidivierende depressive Störung (F33.-) zu erfüllen. Diese Störung kommt häufig bei Verwandten von Patienten mit bipolarer affektiver Störung vor. Einige Patienten mit Zyklothymia entwickeln schließlich  eine bipolare affektive Störung.

Zystizerkose siehe unter Neurozystizerkose

Zytokine

Zu den Zytokinen gehören  Interleukine, Interferone, Wachstumsfaktoren, Monokine, Tumor-Nekrose-Faktor, chemotaktische Peptide. Das körpereigene Immunsystem schützt uns normalerweise gut gegen Infekte. Das Immunsystem besteht dabei aus im Blut gelösten Bestandteilen wie dem Komplementsystem, den akute Phase Proteinen, und den Zytokinen und den zellulären Bestandteilen wie Monozyten, Makrophagen, Neutrophilen, dendritischen Zellen und natürlichen Killerzellen. Interleukine dienen der Kommunikation zwischen den Leukozyten. der Regulation der Immunabwehr, der
Entzündungsreaktion, der Hämatopoese und der Apoptose, sie werden unterteilt in pro-inflammatorische und anti-inflammatorische (die Entzündung fördernde und hemmende). Interferone spielen eine Rolle bei der Immunabwehr viraler Infektionen, der Regulation der Apoptose und der Proliferationshemmung. Chemokine wirken als Migrations-auslösende chemotaktische Faktoren. Alle Zytojine sind Polypeptide mit Molekulargewichten von 15-25 kDa, und werden nach auslösenden Noxen, z. B. Verletzungen, Infektionen oder Stress, freigesetzt und dienen der Kommunikation zwischen Zellen. Sie können alle schnell synthetisiert und sezerniert werden, und werden von verschiedenen Zelltypen produziert, sie haben eine extrem hohe Affinität zu ihrem Rezeptor, wirken auf unterschiedliche Zelltypen über spezifische Rezeptoren auf der Oberfläche von Zielzellen. Sie beeinflussen sich gegenseitig und induzieren die Genexpression, Differenzierung, Proliferation, Migration, und Apoptose der Zielzellen. Sie beeinflussen damit alle wesentlichen Zellfunktionen. Sie steuern beispielsweise die COX-2 und damit die Synthese der Prostaglandine aus Arachidonsäure und spielen damit eine wichtige Rolle in jeder Entzündungsreaktion im Körper. Die Komponenten des Immunsystems müssen gut auf einander abgestimmt arbeiten. Wenn dies nicht geschieht, kann sich unter Umständen der Infekt ungebremst ausbreiten oder die Immunantwort kann übersteigert sein und damit körpereigenes Gewebe verletzen oder zerstören, es kann dadurch zu einem Multiorganversagen oder zu einem Gefäßkollaps kommen. Die Entdeckung der in den Körper eingedrungen Krankheitserreger erfolgt mit speziellen Rezeptoren, die auf der Oberfläche der Zellen des körpereigenen Immunsystems lokalisiert sind. Bestimmte dieser Rezeptoren erkennen dabei Strukturmuster, die bei vielen Mikroorganismen in ähnlicher Form vorkommen. Diese molekularen Strukturen der Krankheitserreger schließen so genannte Endotoxine (Lipopolysaccharide, Bausteine der bakteriellen Zellmembran), Peptidoglykane, Lipoteichoinsäure, Lipopeptide, Flagellin, Mannan, und virale RNA ein. Diese Strukturen sind bei den Mikroorganismen überlebenswichtig und verändern sich deshalb wenig durch Mutationen. Wenn solche Substanzen an die Rezeptoren gebunden sind, aktivieren sie einige Signalwege in der Zelle, dies führt zu einer Aktivierung von  Transkriptionsfaktoren (NF-B, AP-1, Fos, Jun). Die Transkriptionsfaktoren kontrollieren die Expression der Immunantwortgene und führen zur Freisetzung zahlreicher Effektormoleküle darunter den Zytokinen. Zytokine spielen eine sehr wichtige Rolle in der Koordination der Immunantwort des Körpers auf eindringende Krankheitserreger aber auch bei Autoimmunprozessen.  Zytokine spielen im Immunsystem und bei der Infektabwehr generell eine wichtige Rolle. Ein Beispiel ist der Makrophagen-Migrationshemmende Faktor. Dieser spielt eine wichtige Rolle bei der Immunität gegen Krankheitserreger und bei der Entstehung einer Sepsis. Dieser Faktor wird in großen Mengen vom Immunsystem,  endokrinen, und Epithelzellen freigesetzt, eine rasche Freisetzung erfolgt nach Kontakt mit mikrobiellen Substanzen aber auch mit anderen entzündungsauslösenden Zytokinen.  Crit Care Med 2001 Jul;29(7 Suppl):S13-5 Zytokine spielen auch bei der Regulation von Zelltod und Überleben der Zellen eine Rolle, darüber hinaus sind sie bei der Zelldifferenzierung von Bedeutung. Die Zytokinexpression im Nervensystem wurde bisher überwiegend im Kontext autoimmunologischer und entzündlicher Erkrankungen wie der experimentell autoimmunen Enzephalomyelitis und der Multiplen Sklerose gesehen. Dort sind Zytokine an der Entstehung, Ausbreitung und Limitierung der Entzündungsreaktion maßgeblich beteiligt. Zytokine- hemmende oder neutralisiernde Faktoren oder Substanzen die die Produktion von Zytokinen hemmen werden gegenwärtig ebenso erforscht, wie der Einsatz von verschiedenen Zytokinen in der Behandlung. Interferone werden bespielsweise in der Behandlung der Multiplen Sklerose, der Hepatitis C u.a. Krankheiten erfolgreich eingesetzt. Auch bestimmte Wachstumsfaktoren haben schon einen therapeutischen Stellenwert (Stimulation der Hämatopoese).  Auch bei nicht-immunologische Schädigungen im Nervensystem, wie Nervenfaserdurchtrennungen, Hirninfarkten und neurodegenerativen Erkrankungen, kommt es zu einer erhöhten Zytokinexpression im Nervensystem. Erforscht wird derzeit auch ob Zytokine eine Rolle bei der Entstehung von Migräne oder Clusterkopfschmerzen spielen. Ein Hinweis darauf ist, dass Clusterkopfschmerzen auf Kortison anspricht.  siehe auch NWG 4/99. Bestimmte Zytokine sind in besonderem Maße an der Hirnentwicklung beteiligt. Der Nerve Growth Factor (NGF), Neurotrophine und der Brain Derived Neurotrophic Factor (BDNF) spielen auch im Gehirn des Erwachsenen eine Rolle, sie werden als an der Entstehung von bestimmten Krankheiten bedeutsam angesehen und sollen auch für die Neuroneogenese also das Wachstum von Nervenzellen und Synapsen bedeutsam sein. Ihre Bedeutung bei Erkrankungen wie Depressionen und Schizophrenie wird erforscht. A. Schuld, D. Hinze-Selch, Th. Pollmächer Zytokinnetzwerke bei Patienten mit Schizophrenie und ihre Bedeutung für die Pathophysiologie der Erkrankung, Der Nervenarzt 3/2004, 215-226  Zytokine ausführlich auf Englisch bei COPE(Cytokines Online Pathfinder Encyclopaedia)  Cytokine Family Database (dbCFC) Home Page. M. Empl, A. Straube;  Zytokine und Kopfschmerzen, DKMG
 

Zytokin oder Protein Defekt Ergebnis
STAT-4 =Signal transducer and activator of transcription.-4 Überexpression entzündliche Darmerkrankungen
STAT-3 =Signal transducer and activator of transcription.-3 Unterexpression entzündliche Darmerkrankungen
Interleukin-2 Rezeptor Überexpression entzündliche Darmerkrankungen
Interleukin-3 Überexpression demyelinsierendes Syndrom
Interleukin-2 Überexpression entzündliche Darmerkrankungen
Interleukin-10 Überexpression entzündliche Darmerkrankungen
Interleukin-7 Überexpression entzündliche Darmerkrankungen
Interleukin-1 Rezeptor Antagonist Unterexpression Arthritis
Interleukin-10 Rezeptor Überexpression entzündliche Darmerkrankungen
Tumor- Nekrose Factor a Unterexpression SLE
Tumor- Nekrose Factor a Überexpression entzündliche Darmerkrankungen, Arthritis, Vaskulitis,
Transformierender Wachstumsfaktor b Unterexpression entzündliche Darmerkrankungen, systemisches Wasting Syndrom
Transformierender Wachstumsfaktor b Unterexpression SLE
Interferon g Überexpression in der Haut SLE
SLE= Systemischer Lupus erythematodes Nach ANNE DAVIDSON,  BETTY DIAMOND; Advances in Immunology, , M.D.N Engl J Med, 345, 5, 340ff 2001 www.nejm.org

 

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