Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

    Suche  Inhaltsverzeichnis  Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y

home-brt.gif (1287 Byte)

 

Polyneuropathien

 

 

aktuelle Zusammenfassung Polyneuropathie in der Zeitschrift Ärztliche Praxis, Neurologie  Psychiatrie

 

1. Was ist eine Polyneuropathie?

 Unter einer Polyneuropathie versteht man eine Nervenerkrankung, bei der in der Regel viele Nerven gleichzeitig betroffen sind. (Ausnahmen bilden so genannte Mononeuropathien diese sind selten und geben immer besonderen Anlass eine andere Erkrankung auszuschließen) Bei den Nerven, die dabei gemeint sind, handelt es sich um Nervenstränge- und fasern, die für die Wahrnehmung und Leitung von Empfindungen ( wie Berührungsreize, Wärme, Kälte, Schmerz) unserer Haut und unseren Organen zum Gehirn zuständig sind. Und um die Nerven, über die unser Gehirn den Muskeln vermittelt und wie stark sie sich bei Bewegungen zusammenziehen müssen. Bei diesen Nerven handelt es sich um sichtbare und teilweise auch tastbare Leitungsbahnen, die mit Stromkabeln durchaus vergleichbar sind. An manchen körpernahen Stellen sind diese "Kabel" fingerdick, in ihren Endaufzweigungen sind sie haardünn. Ähnlich wie Stromkabel bestehen sie aus Leitungsbahn und Isolierung, wobei der innere Aufbau etwas komplizierter ist als bei einem Stromkabel. Bei den verschiedenen Formen der Polyneuropathie kann einerseits hauptsächlich die Isolierung (Myelin) Schaden nehmen, bei anderen Erkrankungen eher die eigentliche Leitungsbahn (Axon). 

 

 

 

 

Zeichen und Symptome der Polyneuropathie
Small-Fiber Sensorisch Large-Fiber Sensorisch Autonomisch
Brennende Schmerzen

Cutane Hyperästhesie (Überempfindlichkeit)

Parästhesien

Lanzierende Schmerzen

Verlust der Schmerz- und Temperatur Wahrnehmung

Verlust des viszeral Schmerzempfindens

Fuß- Ulzeration 

 

Verlust der Vibrations- Wahrnehmung

Verlust der Propriozeption

Verlust der Reflexe

Verlangsamte Nervenleitgeschwindigkeiten

Herzrhythmusstörungen

Orthostatische Hypotension

Abnormales Schwitzen

Gastroparese

Neuropathischer Durchfall

Impotenz

Retrograde Ejakulation

 

 

 

Manchmal stehen Schmerzen und autonome Symptome (siehe auch Darstellung in Tabelle unten) und eine gleichzeitigen Störung von Schmerz- und Temperaturempfinden im Vordergrund. Die epikritische Sensibilität ist hingegen weitgehend erhalten. Morphologische Studien zeigten bei diesen Patienten einen bevorzugten Ausfall dünner Fasern im Sinne einer so genannten „small fiber" Neuropathie.

 

Klinische Zeichen einer "Large-Fiber Neuropathie
1.Vermindertes Vibrationsempfinden
2.Schmerz vom A Delta-Typ: tief- sitzend und quälend
3.Ataxie durch Verlust der Propriozeption
4.Schwinden der kleinen Fußmuskeln mit Hammerzehen
5. Schwäche der Hände und Füße
6.Verkürzung der Achillessehnen mit pes equinus
7.Vermehrter Blutfluss und heißer Fuß

 

Klinische Zeichen einer autonomen Neuropathie
  • Kardiovaskulär

 

Ruhe Tachykardie (Herzrasen)
Orthostatische Hypotension (Schwindel bei schnellem Aufstehen)

bei Vasomotorenlähmung der peripheren Arterien, 

Verlust der adäquaten Herzfrequenzanpassung,

stumme Herzinfarkte, Herzinsuffizienz, plötzlicher Tod

Störungen der vaskulären Innervation mit Mirkrozirkulationsstörungen 

und Entwicklung einer Mönckeberg’schen Mediasklerose.

  • Gastrointestinal
Gastroparese (Magenlähmung), 

extreme Instabilität des Glukosestoffwechsels bei Gastroparese,

Diarrhö (Durchfall), Verstopfung (Obstipation).
  • Urogenital
Blasendysfunktion
erektile Dysfunktion (Potenzstörungen)
  • Peripher
gustatorisches Schwitzen
Haar- Abnormalitäten, Störungen der Blutversorgung des Knochens

 mit Entwicklung einer Osteoarthropathie,

neurovaskuläre Durchblutungsstörungen
Ödem, Störungen der Schweißsekretion 

(z.B. Hyperthermie, trockene leicht verletzliche Haut an den Füßen),

  • Metabolisch
unbemerkte Hypoglykaemie, fehlende Autoregulation bei Hypoglykaemie, 

dies stellt ein erhebliches Problem für den Internisten in der Diabeteseinstellung dar, 

einerseits bessert die strenge Einstellung des Blutzuckers vermutlich 

 den Neuropathieverlauf, anderseits lauern hier große Risiken.

 

Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer distal symmetrischen Polyneuropathie
Neuropathische Symptome Abgeschwächte oder erloschene ASR distale Sensibilitäts- störung distale Muskelschwäche Nerven-leitgeschwindigkeiten Wahrscheinlichkeit, dass eine PNP vorliegt
vorhanden vorhanden vorhanden vorhanden nicht normal

++++

fehlt vorhanden vorhanden vorhanden nicht normal

++++

vorhanden vorhanden vorhanden fehlt nicht normal ++++
vorhanden vorhanden fehlt fehlt nicht normal ++++
vorhanden fehlt vorhanden fehlt nicht normal ++++
fehlt vorhanden fehlt vorhanden nicht normal ++++
vorhanden fehlt fehlt fehlt nicht normal +++
fehlt fehlt fehlt fehlt nicht normal +++
fehlt vorhanden fehlt fehlt nicht normal ++
vorhanden vorhanden vorhanden fehlt normal ++
vorhanden* fehlt vorhanden* fehlt normal* +
vorhanden vorhanden vorhanden vorhanden  normal -

*könnte eine small fiber Neuropathie entsprechen. Nach J.D. England, et al., Distal symmetric polyneuropathy: A definition for clinical research Report of the American Academy of Neurology, the American Association of Electrodiagnostic Medicine, and the American Academy of Physical Medicine and Rehabilitation NEUROLOGY 2005;64:199–207

 

 

Im höheren Alter sind andere Kriterien notwendig
Etwa 3% aller Menschen über 60 leiden unter einer Polyneuropathie. Bei der neurologischen Routineuntersuchung von Menschen über 60 Jahren finden sich allerdings viel häufiger Auffälligkeiten, wie man sie bei Polyneuropathien findet. In einer Metaanalyse der Daten von fast 10 000 Menschen ohne spezielle Beschwerden über 60 Jahren fand sich ein fehlendes Vibrationsempfinden an der Großzehe bei 29 % [95 % CI 18 % to 38%], über den Sprunggelenken bei 15 % [95 % CI 11 % to20%], und fehlende Achillessehnenreflexe bei 23 % [95 % CI 16 % to 30 %]. Ohne typische Beschwerden und ohne weitere Befunde (eingeschränkter Lagesinn, sensible Ataxie, Muskelschwäche, Nervenleitgeschwindigkeiten.......) sollte deshalb bei Menschen über 60 nur mit Vorsicht eine Polyneuropathie diagnostiziert werden. 
Alexander F. J. E.Vrancken et al., The meaning of distal sensory loss and absent ankle reflexes in relation to age A meta-analysis; J Neurol (2006) 253 : 578–589

 

 

Faser- Typ Durchmesser Modalität
A-alpha (I) 13 - 20 Mikrometer

myelinisiert

Gliedmaßen Propriozeption
A-beta (II) 6 - 12 Mikrometer

myelinisiert

Gliedmaßen Propriozeption

Vibration

Druck

A-delta (III) 1 - 5 Mikrometer

myelinisiert

Mechanischer erster scharfer stechender Schmerz, intensiver Druck auf die Haut (über mechanische Nociceptoren) und extreme Temperatur (> 45°C oder < 5°C) (über thermische Nociceptoren) aktiviert diese Fasern
C (IV) 0.2 - 1.5 Mikrometer

Unmyelinisiert

zweiter brennender, andauernder, diffuserer Schmerz, Temperatur ausgelöster Schmerz  Mechanischer brennender Schmerz über polymodale Nociceptoren bei hoher Intensität der thermalen & chemischen Stimuli

 

 

 

Differentialdiagnose der distal symmetrischen Polyneuropathie

Congenital/familiär z.B.: Charcot-Marie-Tooth
Traumatisch Engpasssyndrome
Entzündlich Sarkoidose
Lepra
Lyme- Krankheit (Borreliose)
HIV
Neoplastisch  Karzinom -- paraneoplastische Syndrome
Myelom, Amyloid
Leukämie, Lymphome
Metabolisch/endokrin Diabetes mellitus
Urämie
Perniziöse Anämie (B12 Mangel)
Hypothyroidismus (Schilddrüsenunterfunktion)
Porphyrie (akute intermittierende)
Vaskulär Diabetes, Vaskulitis
Toxisch Alkohol
Schwermetalle (Blei, Quecksilber, Arsen)
Hydrocarbone, Chemotherapie mit Zytostatika,
Autoimmun Diabetes
chronisch entzündliche demyelinisierende Neuropathie
Multifokale Motorische Neuropathie
Guillain Barre Syndrom

 

 

 

Ursachen akuter schwerer generalisierter Peripherer Neuropathien

Ursache Überwiegend motorisch gemischt Überwiegend  sensibel
Guillain-Barré Syndrom + +  ---
Vaskulitis  --- +  ---
Diabetes mellitus  --- + +
Medikamente*  --- + +
Porphyrie +  ---  ---
Diphtherie  --- +  ---
Paraneoplastische Neuropathie  --- + +
Akute idiopathische sensorische Neuronopathie  ---  --- +
Critical illness + +  ---
Nach: Richard A C Hughes; Peripheral neuropathy,   BMJ 2002;324:466-469 ( 23 February )
* z.B.: Nitrofurantoin, Vincristin, Cisplatin, und Reverse Transkriptase Inhibitoren.

 

 

Ursachen PNP allgemein

Diabetes 30-39% HSMN 2,2%
Alkohol 11-12% Paraproteinämie 1,1%
Akutes GBS  6% Toxisch außer Alkohol(überwiegend Medikamente 0,9-6%
Infektiös 5,4%
Vaskulitis  3-4,1% Porphyrie 1%
CIDP  4,1% Amyloidose 0,5 %
Malabsorption 3,8% HNPP 0,2%
Paraneoplastisch 2,7-3% Sonstige 0,9%
Ungeklärt 22-49%, 1/3-1/2 davon werden bei Nachuntersuchungen geklärt (B12-Mangel, Paraproteinämie, Vaskulitis).
Müller-Felber, DNP 12/01, 24 ff., Engelhardt;  Fortschritte Neurologie und Psychiatrie 2008 Teil 1 76;429-439, Ludin Polyneuropathien, Thiemeverlag 1984, S91, M. Baldereschi, NEUROLOGY 2007;68:1460–1467
Differentialdiagnose der demyelinisierenden   Polyneuropathie
Guillain-Barré Syndrom (akute inflammatorische  demyelinisierende  Polyradikuloneuropathie)
Chronische  inflammatorische demyelinatisierende  Polyradikuloneuropathie
Monoklonale Protein–assoziierte Neuropathie
Osteosklerotisches  Myelom
Diphtherie
Perhexilin- maleat Vergiftung
Hereditäre Motorische und Sensorische Neuropathie Typ 1
Hereditäre Neigung zu Druckparesen

2. Was für Beschwerden macht eine Polyneuropathie?

Meistens tritt zunächst an den Füßen, manchmal auch an den Händen ein Kribbeln auf, später stellt sich ein Ameisenlaufen und Brennen oder Schmerzen der Füße ein; Muskelkrämpfe können dazukommen. Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, in seltenen Fällen von Anfang an, kann ein Unsicherheitsgefühl beim Gehen auftreten. Es kann eine Schwäche einzelner Muskeln und ein langsamer Muskelschwund dazukommen. Selten treten Sehstörungen, Schluckbeschwerden, Durchfall, Verstopfung, Herzrhythmusstörungen, Schweißausbrüche beim Essen, Potenzstörungen, Doppeltsehen (kann isoliert als Mononeuritis auftreten, bis zu sicheren Ausschluss aber verdächtig auf Aneurysma, durchgebrochene Sinusitis, Myasthenie usw.) oder andere Sehstörungen auf. Die Beschwerden durch eine Polyneuropathie sind häufig in Ruhe stärker als während körperlicher Belastung. Dies gilt besonders für die Beschwerden an den Beinen. 

3. Ursachen

 

In etwas mehr als der Hälfte aller Fälle lässt sich eine Ursache für diese Nervenschädigungen ermitteln. Die häufigsten Ursachen bei uns in Deutschland sind die Zuckerkrankheit und Alkoholmissbrauch. Alkoholismus ist zwar eine häufige Erkrankung, mit einer Polyneuropathie ist jedoch erst nach einem Konsum von mindestens 100 ml Äthanol/d über drei Jahre hinweg zu rechnen.  Alkoholgenus ohne gleichzeitige Mangelernährung kommt als Ursache einer Polyneuropathie eher selten in Frage. Daneben gibt es eine große Zahl seltener Ursachen für Polyneuropathien, die unten (nicht alle) aufgeführt werden. Es handelt sich dabei um Vitaminmangel, bestimmte Infektionskrankheiten, bestimmte entzündliche - manchmal auch bösartige - Erkrankungen.

In der durch Umweltkatastrophen verunsicherten Öffentlichkeit wird immer wieder gewerbliche Chemikalienexposition als Ursache polyneuropathischer Syndrome angeschuldigt. Abgesehen davon, dass sich die Mehrzahl der vorgetragenen Beschwerden weder klinisch noch elektrophysiologisch objektivieren lässt, fehlen in aller Regel epidemiologische Daten zur Untermauerung postulierter Kausalzusammenhänge völlig. Vor unkritischen Übernahme nicht seriös überprüfter Serumspiegel so genannter Unweltnoxen (z.B. Formalin) wird gewarnt. Das Konstrukt einer besonderen individuellen Empfindlichkeit auf Exposition üblicherweise nicht toxischer Substanzen (Multiple Chemical Sensitivity) entbehrt bisher einer allgemein anerkannten wissenschaftlichen Grundlage. Zur Kontroverse darüber siehe Extraartikel.

Laboruntersuchungen

Erstes Screening

Erste Laboruntersuchungen
 
Urin Glukose, Eiweiß
 
Hämatologie Blutbild, Blutkörperchen- Senkungs- Geschwindigkeit, Vitamin B-12, Folsäure
 
Nüchternblutzucker, Nierenwerte, Leberwerte, TSH,,
2. Schritt
 
Neurophysiologische Untersuchung NLG,
 
Serum Eiweißelektrophorese, Serumangiotensin Convertingenzym , HbA1,
 
Immunologisch Antinukleäre Faktoren,  Antineutrophile Cytoplasmiatische Antigenantikörper
 
Röntgen Thorax

 3. Schritt

Urin---Bence-Jones Protein
 
Diabetes? Oraler Glukosetoleranz Test
 
Liquor Zellen, Einweiß, Immunoglobulin oligoclonale Banden, ggf. Borrelien-Index
 
Immunologisch Anti-HIV Antikörper, Borrelien-Serologie, TPHA, Hepatitis-B-Serologie,  Rheumafaktor, Antineuronale Antikörper, Antigliadin Antikörper, Serum Angiotensin Converting Enzym, Antigangliosid Antikörper, Antimyelin associated Glycoprotein Antikörper, Immunfixation im Serum (evtl. MAG-Antikörper)
 
Test für das Sjögren- Syndrom: Speichelflussrate, Schirmertest, Rose- Bengal Test, Speicheldrüsenbiopsie
 
Paraneoplastisch Hämoccult, Knochenszintigraphie, Beckensonographie, abdominale und thorakale Computertomographie, Mammographie,
 
Molekular genetische Tests Peripheres Nerven Myelin Protein 22 Genduplikation (Charcot-Marie-Tooth Typ 1) oder Deletion (hereditäre Neuropathie mit Neigung zu Druckparesen), Connexin 32 Mutation (X linked Charcot-Marie-Tooth Erkrankung), PO Genmutation (andere Ursache von Charcot-Marie-Tooth Typ 1), etc
Beispiele für Ursachen von Polyneuropathien:

Entzündliche« Polyneuritiden.:

Virale Infekte: Enzephalitis epidemica, Grippe, Hepatitis epidemica, Herpes zoster, Masern, Mononukleose, Mumps, Varizellen, Zeckenbiß-Meningo-Enzephalo-Myelitis, Rickettsiosen, Ruhr, Toxoplasmose, Typhus, Paratyphus, Bakterielle Infekte: Bruzellosen, Botulismus, Diphtherie, Lepra, Leptospirosen, Neurolues, Allergische Reaktion: serogenetische Polyneuritis, idiopathische Polyneuritis,  Fisher- Syndrom, neuralgische Schulteramyotrophie,

  1. Brannagan TH, Nuovo GJ, Hays AP, et al: Human immunodeficiency virus infection of dorsal root ganglion neurons detected by polymerase chain reaction in situ hybridization. Ann Neurol 42:368, 1997 [ PMID 9307260]
  2. Suarez GA, Giannini C, Bosch EP, et al: Immune brachial plexus neuropathy: suggestive evidence for an inflammatory-immune pathogenesis. Neurology 46:559, 1996 [ PMID 8614534] HIV (Aids)
  3. Thomas FP, Chalk C, Lalonde R, et al: Expression of human immunodeficiency virus type 1 in the nervous system of transgenic mice leads to neurological disease. J Virol 68:7099, 1994
  4. Said G, Lacroix C, Chemouilli P, et al: Cytomegalovirus neuropathy in acquired immunodeficiency syndrome: a clinical and pathological study. Ann Neurol 29:139, 1991 [ PMID 1849386]
  5. Moulignier A, Authier F-J, Baudrimont M, et al: Peripheral neuropathy in human immunodeficiency virus-infected patients with diffuse infiltrative lymphocytosis syndrome. Ann Neurol 41:438, 1997 [ PMID 9124800]
  6. Peripheral Nerve Function in HIV Infection: Clinical, Electrophysiologic, and Laboratory Findings Archives of Neurology / volume:56 (page: 84)Michele Tagliati, MD; Juliet Grinnell, BA; James Godbold, PhD; David M. Simpson, MD jan. 1999  FULL TEXT   |   PDF (183K)

Borrelien: 

  1. Logigian EL, Steere AC: Clinical and electrophysiologic findings in chronic neuropathy of Lyme disease. Neurology 42:303, 1992 [ PMID 1310529]
  2. Long-term Outcomes of Persons With Lyme Disease Elyse G. Seltzer, MD; Michael A. Gerber, MD; Matthew L. Cartter, MD; Kimberly Freudigman, PhD; Eugene D. Shapiro, MDFebruary 2, 2000 JAMA / volume:283 (page: 609)   FULL TEXT    |   PDF (221K)

Ein akuter Beginn mit rasch fortschreitenden aufsteigenden Paresen bei nur geringen sensiblen Defiziten, Areflexie und erhaltener Blasen-, Mastdarmfunktion läß immer zunächst an eine akute demyelinisierende Polyneuropathie vom Guillain-Barre-Typ denken. Eine Liquoruntersuchung ist hier sinnvoll, um die zytoalbuminäre Dissoziation zu dokumentieren und andere mögliche Ursachen wie eine Borrelien-assoziierte Neuropathie mit Liquorpleozytose auszuschließen. Das Guillain-Barré Syndrom und die chronische entzündliche (oder inflammatorische) demyelinisierende Polyneuropathie sind akute und subakute/chronische Neuropathien die charakterisiert sind durch  immun-vermittelte Demyelinisierung. Sie unterscheiden sich im Verlauf und im Ansprechen auf eine Therapie. Beim Guillain-Barré Syndrom, beabsichtigt die Behandlung möglichst frühzeitig die Entzündung zu bekämpfen um die Morbidität, und das Behandlungsergebnis zu verbessern. Bei der  chronischen entzündlichen demyelinisierenden Polyneuropathie ist das Ziel die im Gang befindliche Immunreaktion zu blockieren. Kortikosteroide verhindern die Verschlimmerung beim Guillain-Barré Syndrom nicht, sie bessern ausschließlich die oft begleitenden Rückenschmerzen. Plasmapherese innerhalb der ersten 2 Wochen ist effektiv und reduziert die Zeit der notwendigen Beatmung. Intravenöses Immunoglobulin (IVIG) stellt eine ähnlich wirksame Alternative dar. Therapieversager jeweils ca. 18%, 10% sprechen zunächst an werden dann aber dennoch schlechter.

Bei der chronisch entzündlichen demyelinisierenden Polyneuropathie sind Kortikosteroide in 95% effektiv. Allerdings mit bis zu 75% Rückfällen bei Beendigung der Gabe. Zu Beginn wird Prednison 0.5 to 1.0 mg/kg gegeben und dann nach Symptomen herunterdosiert. Azathioprine (2-3 mg/kg pro Tag) wird oft dazu gegeben um Kortison einzusparen. Plasmapherese und  Intravenöses Immunoglobulin (IVIG) stellen eine wirksame (aber teurere) Alternative dar, Wirksamkeit bei 80%. Intravenöses Immunoglobulin (IVIG) wirkt deutlich schneller als Kortison.  IVIG Dosis  400 mg/kg/d für 5 Tage. Bei Wiederkehr der Symptome wiederum 400 mg/kg alle 2 bis 4 Wochen, je nach Symptomen. Cyclosporin (3-5 mg/kg/d) und Interferon alfa-2a sind Alternativen. (Nebenwirkungen und Wirkmechanismus siehe Tabelle unten)

  1. Guillain Barré Syndrome Steroid Trial Group.Double blind trial of intravenous methylprednisolone in Guillain Barré syndrome.Lancet.1993;341:586-590.MEDLINE  
  2. The Guillain Barré Syndrome Study Group.Plasmapheresis and acute Guillain Barré syndrome.Neurology.1985;35:1096-1104.MEDLINE
  3. French Cooperative Group on Plasma Exchange in Guillain Barré Syndrome.Efficacy of plasma exchange in Guillain Barré syndrome: a role of replacement fluids.Ann Neurol.1987;22:753-761.MEDLINE
  4. Plasma Exchange/Sandglobulin Guillain Barré Syndrome Trial Group.A randomized trial of plasma exchange, intravenous immunoglobulin and combined treatments in Guillain Barré syndrome.Lancet.1997;349:225-230.MEDLINE
  5. van der Meche FGA, van Doorn PA.Guillain Barré syndrome and chronic inflammatory demyelinating polyneuropathy: immune mechanisms and update on current therapies.Ann Neurol.1995;37(suppl 1):S14-S31.MEDLINE
  6. Kleyweg RP, van der Meche FGA.Treatment fluctuations in Guillain Barré syndrome after high dose immunoglobulins or plasma exchange.J Neurol Neurosurg Psychiatry.1991;54:957-960.MEDLINE
  7. Barohn RJ, Kissel JT, Warmolts R, et al.Chronic inflammatory demyelinating polyradiculoneuropathy: clinical characteristics, course and recommendations for diagnostic criteria.Arch Neurol.1989;46:878-884.MEDLINE
  8. Dyck PJ, Litchy WJ, Kratz KM, et al.Plasma exchange vs.immune globulin infusion trial in chronic inflammatory demyelinating polyradiculoneuropathy.Ann Neurol.1994;36:838-845.MEDLINE
  9. Mahattanakul W, Crawford TO, Griffin JW, et al.Treatment of chronic inflammatory demyelinating polyneuropathy with cyclosporin A.J Neurol Neurosurg Psychiatry.1996;60:185-187.MEDLINE
  10. Gorson KC, Ropper AH, Clark BD, et al.Treatment of chronic inflammatory demyelinating polyneuropathy with interferon alpha 2a.Neurology.1998;50:84-87.MEDLINE
  11. Hahn AF, Bolton CF, Pillay N, et al: Plasma exchange therapy in chronic inflammatory demyelinating polyneuropathy: a double-blind, sham-controlled, crossover study. Brain 119:1055, 1996 [ PMID 8813270]
  12. Dyck PJ, Litchy WJ, Kratz KM, et al: A plasma exchange versus immune globulin infusion trial in chronic inflammatory demyelinating polyradiculoneuropathy. Ann Neurol 36:838, 1994 [ PMID 7998769]
  13. Dyck PJ, O'Brien PC, Oviatt KF, et al: Prednisone improves chronic inflammatory demyelinating polyradiculoneuropathy more than no treatment. Ann Neurol 11:136, 1982
  14. Gosselin S, Kyle RA, Dyck PJ: Neuropathy associated with monoclonal gammopathies of undetermined significance. Ann Neurol 30:54, 1991 [ PMID 1656848]
  15. Dyck PJ, Low PA, Windebank AJ, et al: Plasma exchange in polyneuropathy associated with monoclonal gammopathy of undetermined significance. N Engl J Med 325:1482, 1991
  16. Rees JH, Soudain SE, Gregson NA, et al: Campylobacter jejuni infection and Guillain-Barre syndrome. N Engl J Med 333:1374, 1995 [ PMID 7477117]

 

 

 Vaskulär bedingte Polyneuropathien

Vaskulitiden in sind in  ca. 4% der Polyneuropathien ursächlich. Darunter obliterierende Gefäßerkrankungen, bei Asthma (Churg_ Strauss-Syndrom eosinophile Angitis die gut auf Cortison anspricht) Periarteriitis nodosa, Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, Sjögren Syndrom, Sklerodermie,  Immunvaskulitiden können primär (ohne erkennbare Ursache bzw. Grunderkrankung) oder sekundär z.B. im Rahmen von chronisch-entzündlichen Erkrankungen (Infektionskrankheiten, Kollagenosen) und auch Neoplasien auftreten. In der Regel ist von einer Vaskulitis entweder das ZNS oder das periphere Nervensystem betroffen. Wenn das Periphere Nervensystem betroffen ist, ist die Mononeuritis multiplex typisch, eine distale symmetrische Polyneuropathie kommt aber auch vor. Besonders häufig ist das periphere Nervenssystem bei der Panarteriitis nodosa betroffen, klinische Auffälligkeiten finden sich hier bei der Hälfte der Patienten, pathologisch anatomisch ist das periphere Nervenssystem fast immer betroffen. Obwohl es sich häufig um eine multifokale asymmetrische motorische und sensible Neuropathie im Sinne einer Mononeuropathia multiplex durch Durchblutungsstörungen an den Nerven und Nervenwurzeln handelt, muss daran gedacht werden, dass auch distal symmetrische Neuropathien vorkommen. Elektrophysiologisch findet sich eine axonale Schädigung. Häufig ist eine Beteiligung des peripheren Nervenssystems auch beim Churg-Strauss Syndrom. Oft ist bei einer Vaskulitis des peripheres Nervenssystem ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Fieber, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit und diffusen Schmerzen vorhanden. Allgemeinsymptome können aber fehlen, wenn keine anderen Organe betroffen sind. Die Diagnose wird mit einer Nerven und Muskelbiospie gestellt. Bei einem Drittel der Fälle einer Vaskulitis des peripheres Nervenssystems sind keine anderen Organe betroffen. Einer Vaskulitis des peripheren Nervenssystems kommt auch bei Bindegewebserkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, der gemischten Kryoglobulinämie, dem Sjögren- Syndrom, der Wegener'schen Granulomatose und der Progressiven systemischen Sklerose vor. Die Behandlung besteht meist ebenfalls in Kortikosteroiden, und immunsuppressiven Medikamenten.  Bei fast allen Formen von Immunvaskulitiden kommt es zur Neuropathie; die unterschiedliche Häufigkeit resultiert aus der Diversität der unterschiedlichen Vaskulitisentitäten.  Bei der Rheumatoiden Vaskulitis ( RV) im engeren Sinne, d.h. der RV bei der Rheumatoiden Arthritis, kommt es in 46 bis 61% der Patienten, die in größeren Kohorten untersucht wurden, zu einer sensiblen akrodistal symmetrischen PNP und in 15 bis 19% zu einer Mononeuritis multiplex. Die PNP bei Wegener’scher Granulomatose ist anfangs meist durch Befall eines Hirnnervs, im Verlauf durch Befall mehrerer Hirnnerven charakterisiert. Bei den Kollagenosen ist das Befallsmuster uneinheitlich. So findet sich eine distal symmetrisch sensible oder senso-motorische PNP bei Lupus erythematodes. Typisch für die PNP bei rheumatoider Arthritis sind Neuropathien der langen Nervenstämme und digitale Neuropathie der Extremitäten sowie sensomotorische Neuropathie. Bei Sjörgren-Syndrom besteht meistens eine distal symmetrisch sensible PNP, bei Sklerodermie werden PNP nur vereinzelt beschrieben. Bei vaskulitischen Polyneuropathien kommt es infolge von entzündlichen, großenteils nekrotisierenden Veränderungen der Gefäßwände von vorwiegend epineuralen Gefäßen zu umschriebenen Gefäßstenosen und -verschlüssen der Vasa nervorum mit nachfolgender ischämischer Läsion der Nervenfasern, was in der Regel zu einer axonalen Degeneration führt. Vaskulitische PNP sind eher selten, finden sich aber in größeren Nervenbiopsieserien bei Abklärung von Polyneuropathien zunächst ungeklärter Ätiologie in bis zu einem Drittel der Fälle. Für die Klinik bedeutsame vaskulitische PNP-Formen sind die nicht-systemische vaskulitische PNP, die PNP bei Polyarteriitis nodosa, das Churg- Strauss-Syndrom, die Wegener’sche Granulomatose, der L.E., die rheumatoide Arthritis und das Sjögren-Syndrom. Grundsätzlich ist bei unbehandelten nekrotisierenden Vaskulitiden von einer ungünstigen Prognose auszugehen, weshalb eine Therapie unbedingt erforderlich ist. Bei der auf das Nervensystem beschränkten Vaskulitis wird eine Behandlung zunächst ausschließlich mit Prednison, bei den anderen systemischen, meist nekrotisierenden Vaskulitiden bevorzugt eine Kombination von Prednison mit Cyclophosphamid empfohlen. Bei den Begleitvaskulitiden zu Infektionskrankheiten bietet es sich an, zunächst die Grunderkrankung therapeutisch anzugehen.

  1. Griffin JW, Cornblath DR, Alexander E, et al: Ataxic sensory neuropathy and dorsal root ganglionitis associated with Sjogren's syndrome. Ann Neurol 27:304, 1990 [ PMID 2327738]
  2. Grant IA, Hunder GG, Homburger HA, et al: Peripheral neuropathy associated with sicca complex. Neurology 48:855, 1997 [ PMID 9109867]
  3. B. Neundörfer · D. Heuss, Die vaskulitische periphere Neuropathie aus neurologischer Sicht, Internist, 2000 · 41:410–417 

     

     

 Vergiftungen

Medikamente und Gifte:  Antabus, Chlorjodhydroxychinolin, Chloroquin,  Gentamicin, Gold, Hydantoin, Hydralazin, Imipramin, Indometacin, INH, Methaqualon,  Nitrofurantoin, Penicillin, Perhexilinmaleat, Phenytoin, Thalidomid,  Vincristin, Vinblastin Gifte: Acrylamid, Allylchloride, Äthylen- oxide, Alkohol, As, Ba, Benzin, Benzol, Blei, Carbon Disulfide, DDT, Dimethylaminopropionitril, n-Hexan,  Methyl-n-butylketon, Methyl- bromide,  Hg, CS2, TI, Trichloräthylen, Triorthokresylphosphat. Arsen-, Blei-, Thallium- und Organophosphatvergiftungen Polychlorierte Biphenyle  Vacor,  sie sind  oft begleitet von anderen Symptomen wie Abdominalkrämpfen, Haarausfall, Nagelveränderungen usw.  

Im Merkblatt zur Berufskrankheit BK 1317 sind folgende humanneurotoxische Einzelstoffe genannt: N-Hexan, n- Heptan, Methylethylketon (2-Butanon), Methylbutylketon, Methanol, Ethanol, Benzol, Toluol, Xylole, Styrol, Monochlormethan, Dichlormethan, 1,1,1-Trichlorethan, Zitat: Typisch für eine neurotoxische Polyneuropathie sind symmetrisch-distale, beinbetonte, sensomotorische Ausfälle mit strumpf- bzw. handschuhförmiger Verteilung. Anamnestisch ist wichtig, daß die Sensibilitätsstörungen von distal nach proximal aufsteigen und daß die Parästhesien häufig nachts zunehmen. Objektiv lassen sich je nach Krankheitsausprägung distal symmetrische Sensibilitätsstörungen für Vibrationsempfinden, Lageempfinden, Ästhesie, Algesie und Zweipunktdiskrimination erkennen. Im weiteren Verlauf werden Reflexabschwächungen oder Areflexie, Störungen der autonomen Nervenversorgung, Verminderung der sensiblen und motorischen Nervenleitgeschwindigkeiten und distalen Latenzen sowie neurogene Schädigungs-Muster im EMG nachweisbar. Diese Polyneuropathien entwickeln sich im engen zeitlichen Zusammenhang mit der Lösungsmittelexposition, d. h. in der Regel mit einer Latenz von wenigen Tagen. Latenzzeiten von mehr als 2 Monaten sprechen gegen einen ursächlichen Zusammenhang. Lösungsmittelbedingte Polyneuropathien heilen in leichten Fällen innerhalb von 10 Monaten vollständig aus; aber auch schwere Verläufe bilden sich spätestens nach 3 Jahren vollständig oder weitgehend zurück. Ein Fortschreiten der Erkrankung nach mehrmonatiger Expositionskarenz schließt eine Verursachung durch Lösungsmittel aus. Die Prognose ist grundsätzlich günstig, da die eindrucksvolle Symptomatik meist zur rechtzeitigen Diagnose führt. Heilungen sind auch nach mehrmonatigem Verlauf möglich. Als Residien verbleiben häufig Reflexabschwächungen, die funktionell aber bedeutungslos sind Merkblatt für die ärztliche Untersuchung zur BK Nr. 1317:  Polyneuropathie oder Enzephalopathie durch organische Lösungsmittel oder deren Gemische    Wissenschaftliche Beründung zur BK Nr 1317 :   über Universität Rostock - Medizinische Fakultät, Institut für Arbeitsmedizin

siehe auch

 Stoffwechselerkrankungen:

Akromegalie, Amyloidose, Diabetes mellitus, Hypoglykämie, Hypothyreose, Porphyrie (Bei akuten proximal betonten rein motorischen Paresen und heftigen Abdominalschmerzen muß auch eine Porphyrie laborchemisch ausgeschlossen werden). Schwangerschaft, Urämie Mangelernährung: Beriberi (B1-Mangel), Hungerdystrophie, Malabsorption,

 Bei verschiedenen Krebserkrankungen

durch die Erkrankung an sich wie durch die Zytostatika.

 

Chalk CH, Windebank AJ, Kimmel DW, et al: The distinctive clinical features of paraneoplastic sensory neuronopathy. Can J Neurol Sci 19:346, 1992 [ PMID 1393844]

Mit zunehmendem Alter werden bei der PNP-Abklärung häufiger monoklonale Gammopathien identifiziert, die sowohl axonale sensomotorische als auch eher demyelinisierende Polyneuropathien (z.B. anti-MAG-IgM) ganz unterschiedlichen Schweregrades verursachen können. Unter einem POEMS- Syndrom versteht man das gemeinsame Vorkommen von Polyneuropathie, Organomegalie, Endocrinopathie, M-Protein, und Hautveränderungen. Unter MGUS versteht man eine monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz.

PNP bei Paraproteinämien

 

Plasmozytom (Multiples Myelom)

M. Waldenström

Gammopathie unklarer Signifikanz

Häufigkeit bei der Grunderkrankung

10-20%

10%

Bis 30 %

Klinischer Typ

Sensomotorisch, distal symmetrisch

Mononeuritis multiplex

Sensomotorisch, distal symmetrisch

Histologie

axonal

Gemischt axonal demyelinisierend

axonal oder demyelinisierend

Therapie

Prednison 1mg/kg tgl für 4 Wochen, dann Reduktion um 5-10mg /Woche bis zur Erhaltungsdosis, Immunsuppression mit Azathioprin 100-150 mg/Tag für 2-3 Jahre, Thalidomid ?( Wu KL,)

In schweren Fällen Plasmapherese und Immunsuppression mit Azathioprin

Prednison 1mg/kg tgl für 4 Wochen, dann Reduktion um 5-10mg /Woche bis zur Erhaltungsdosis, Immunsuppression mit Cyclophosphamid

  • Vital A.Paraproteinemic neuropathies, Brain Pathol 2001 Oct;11(4):399-407 [Medline].
  • Meier C.Polyneuropathy in paraproteinaemia.  J Neurol 1985;232(4):204-14 [Medline]
  • Bosch EP, Smith BE. Peripheral neuropathies associated with monoclonal proteins Med Clin North Am 1993 Jan;77(1):125-39 [Medline]
  • Schindler OS, Briggs TW, Gillies SA: Bilateral demyelinating neuropathy in a solitary lytic and sclerotic myeloma of the proximal humerus: a case report. Int Orthop 1997; 21(1): 59-61[Medline].
  • Aalto Y, Nordling S, Kivioja AH, et al: Among numerous DNA copy number changes, losses of chromosome 13 are highly recurrent in plasmacytoma. Genes Chromosomes Cancer 1999 Jun; 25(2): 104-7[Medline].
  • Iwashita H, Ohnishi A, Asada M, et al: Polyneuropathy, skin hyperpigmentation, edema, and hypertrichosis in localized osteosclerotic myeloma. Neurology 1977 Jul; 27(7): 675-81[Medline].
  • Pasqualetti P, Festuccia V, Collacciani A, Casale R: The natural history of monoclonal gammopathy of undetermined significance. A 5- to 20-year follow-up of 263 cases. Acta Haematol 1997; 97(3): 174-9[Medline].
  • Delauche-Cavallier MC, Laredo JD, Wybier M, et al: Solitary plasmacytoma of the spine. Long-term clinical course. Cancer 1988 Apr 15; 61(8): 1707-14[Medline].
  • Dimopoulos MA, Moulopoulos LA, Maniatis A, Alexanian R: Solitary plasmacytoma of bone and asymptomatic multiple myeloma. Blood 2000 Sep 15; 96(6): 2037-44[Medline].
  • Dimopoulos MA, Kiamouris C, Moulopoulos LA: Solitary plasmacytoma of bone and extramedullary plasmacytoma. Hematol Oncol Clin North Am 1999 Dec; 13(6): 1249-57[Medline].
  • Frassica DA, Frassica FJ, Schray MF, et al: Solitary plasmacytoma of bone: Mayo Clinic experience. Int J Radiat Oncol Biol Phys 1989 Jan; 16(1): 43-8[Medline].
  • Frizzera G: Castleman's disease and related disorders. Semin Diagn Pathol 1988 Nov; 5(4): 346-64[Medline].
  • Galieni P, Cavo M, Avvisati G, et al: Solitary plasmacytoma of bone and extramedullary plasmacytoma: two different entities? Ann Oncol 1995 Sep; 6(7): 687-91[Medline].
  • Galieni P, Cavo M, Pulsoni A, et al: Clinical outcome of extramedullary plasmacytoma. Haematologica 2000 Jan; 85(1): 47-51[Medline].
  • Holland J, Trenkner DA, Wasserman TH, Fineberg B: Plasmacytoma. Treatment results and conversion to myeloma. Cancer 1992 Mar 15; 69(6): 1513-7[Medline].
  • Hu K, Yahalom J: Radiotherapy in the management of plasma cell tumors. Oncology (Huntingt) 2000 Jan; 14(1): 101-8, 111; discussion 111-2, 115[Medline].
  • Hussong JW, Perkins SL, Schnitzer B, et al: Extramedullary plasmacytoma. A form of marginal zone cell lymphoma? Am J Clin Pathol 1999 Jan; 111(1): 111-6[Medline].
  • Huvos AG: Multiple myeloma including solitary osseous myeloma. In: Bone Tumors: Diagnosis, Treatment, and Prognosis. Philadelphia, Pa: WB Saunders Co; 1992:653-667.
  • Jackson A, Scarffe JH: Prognostic significance of osteopenia and immunoparesis at presentation in patients with solitary myeloma of bone. Eur J Cancer 1990 Mar; 26(3): 363-71[Medline].
  • Knowling MA, Harwood AR, Bergsagel DE: Comparison of extramedullary plasmacytomas with solitary and multiple plasma cell tumors of bone. J Clin Oncol 1983 Apr; 1(4): 255-62[Medline].
  • Kyle RA: Monoclonal gammopathy of undetermined significance and solitary plasmacytoma. Implications for progression to overt multiple myeloma. Hematol Oncol Clin North Am 1997 Feb; 11(1): 71-87[Medline].
  • Liebross RH, Ha CS, Cox JD, et al: Solitary bone plasmacytoma: outcome and prognostic factors following radiotherapy. Int J Radiat Oncol Biol Phys 1998 Jul 15; 41(5): 1063-7[Medline].
  • Liebross RH, Ha CS, Cox JD, et al: Clinical course of solitary extramedullary plasmacytoma. Radiother Oncol 1999 Sep; 52(3): 245-9[Medline].
  • McLain RF, Weinstein JN: Solitary plasmacytomas of the spine: a review of 84 cases. J Spinal Disord 1989 Jun; 2(2): 69-74[Medline].
  • Mendenhall CM, Thar TL, Million RR: Solitary plasmacytoma of bone and soft tissue. Int J Radiat Oncol Biol Phys 1980 Nov; 6(11): 1497-501[Medline].
  • Mill WB, Griffith R: The role of radiation therapy in the management of plasma cell tumors. Cancer 1980 Feb 15; 45(4): 647-52[Medline].
  • Miralles GD, O'Fallon JR, Talley NJ: Plasma-cell dyscrasia with polyneuropathy. The spectrum of POEMS syndrome. N Engl J Med 1992 Dec 31; 327(27): 1919-23[Medline].
  • Moulopoulos LA, Dimopoulos MA, Weber D, et al: Magnetic resonance imaging in the staging of solitary plasmacytoma of bone. J Clin Oncol 1993 Jul; 11(7): 1311-5[Medline].
  • Read D, Warlow C: Peripheral neuropathy and solitary plasmacytoma. J Neurol Neurosurg Psychiatry 1978 Feb; 41(2): 177-84[Medline].
  • Reilly MM, Adams D, Booth DR, et al: Transthyretin gene analysis in European patients with suspected familial amyloid polyneuropathy. Brain 118:849, 1995 [ PMID 7655883]
  • Wiltshaw E: The natural history of extramedullary plasmacytoma and its relation to solitary myeloma of bone and myelomatosis. Medicine (Baltimore) 1976 May; 55(3): 217-38[Medline].

 

Bei Intensivstationspatienten: Critical Illness Polyneuropathie
Die Critical illness-Polyneuropathie ist eine bei Intensivpatienten häufig anzutreffende Komplikation, deren Ursache noch nicht eindeutig geklärt werden konnte und für die bisher leider noch keine wirkungsvolle Prophylaxe und Therapie bekannt ist. Besondere Bedeutung hat die differentialdiagnostische Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen, die z.T. spezifisch behandelbar sind. Die "Critical illness Neuropathie" (CIP) ist eine vorwiegend motorische axonale Polyneuropathie, die bei intensivmedizinisch behandelten Patienten, besonders nach Sepsis und Polytrauma gehäuft auftritt. Critical Illness Polyneuropathie  ist gekennzeichnet durch eine gute Rückbildungstendenz trotz einer überwiegend axonalen Schädigung, wenn der Patient die akute Erkrankungsperiode übersteht. Siehe auch:
  1. Zochodne DW, Bolton CF, Wells GA, et al: Critical illness polyneuropathy: a complication of sepsis and multiple organ failure. Brain 110:819, 1987 [ PMID 3651796]
  2. Lacomis D, Giuliani MJ, Van Cott A, et al: Acute myopathy of intensive care: clinical, electromyographic, and pathological aspects. Ann Neurol 40:645, 1996 [ PMID 8871585]
  3. Critical Illness Neuropathy and Myopathy Ludwig Gutmann, MD; Laurie Gutmann, MDArchives of Neurology / volume:56 (page: 527)May 1999 FULL TEXT    PDF (82K)
  4. THOMAS PROBST, ALEXANDER WOLTERS, MATTHIAS WITTSTOCK, ERWIN KUNESCH, Critical illness Polyneuropathie und -Myopathie: Pathophysiologie und Klinik
    mit neurophysiologischer Diagnostik, Das Neurophysiologie-Labor, 2002 / Heft 3
  5. KLAUS GARDILL und HORST WIETHÖLTER, Elektrophysiologische Diagnostik bei Critical illness-Polyneuropathie (CIP),  Das Neurophysiologie-Labor, 2002 / Heft 3




     

 Erblich

Bei einer Symptomdauer von mehr als fünf Jahren und sehr langsamer nicht schubförmiger Progredienz wird eine hereditäre Form der Polyneuropathie wahrscheinlich: In erster Linie ist die Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (CMT) zu nennen. Viel seltener sind die Amyloid-Neuropathien und die Fabry-Erkrankung.

Charcot–MarieTooth Erkrankung

Neurophysiologie Erblichkeit

Genlocus

Gen  

Type 1A

Demyelinisierend Autosomal dominant

17p11.2

PMP22 häufigste Form

Type 1B

Demyelinisierend Autosomal dominant 1q22 MPZ  

Type 1C

Demyelinisierend Autosomal dominant 16p13.1–p12.3 LITAF  

Type 1D

Demyelinisierend Autosomal dominant 10q21.1–q22.1 EGR2  

Type 2A1

Axonal Autosomal dominant 1p35–36 KIF1B  

Type 2A2

Axonal Autosomal dominant p35–36 MFN2  

Type 2B

Axonal Autosomal dominant 3q21 RAB7 Ulcera an den Füßen häufig

Type 2C

Axonal Autosomal dominant 12q24  noch nicht bekannt betrifft auch die Stimmbänder und das Zwerchfell

Type 2D

Axonal Autosomal dominant 7p15 GARS Hände sind mehr betroffen als die Füße

Type 2E

Axonal Autosomal dominant 8p21 NEFL  

Type 2F

Axonal Autosomal dominant 7q11–q21 HSPB1  

Type 2

Axonal Autosomal dominant 1q22 MPZ (CMT2I) Pupillen betorffen

Type 3A

Demyelinisierend Autosomal dominant 17p11.2 PMP22 Dejerine–Sotta Erkrankung

Type 3B

Demyelinisierend Autosomal dominant 1q22 MPZ  

Type 3C

Demyelinisierend Autosomal dominant 10q21.1–q22.1 EGR2  

Type 4A

Axonal oder Demyelinisierend Autosomal rezessiv 8q13–21.1 GDAP1  

Type 4B1

Axonal oder Demyelinisierend Autosomal rezessiv 11q22 MTMR2  

Type 4B2

Axonal oder Demyelinisierend Autosomal rezessiv 11p15 MTMR13  

Type 4C

Axonal oder Demyelinisierend Autosomal rezessiv 5q32 noch nicht bekannt  

Type 4D

Axonal oder Demyelinisierend Autosomal rezessiv 8q24 NDRG1  

Type 4E

Axonal oder Demyelinisierend Autosomal rezessiv 10q21.1–q22.1 EGR2  

Type 4F

Axonal oder Demyelinisierend Autosomal rezessiv 19q13 PRX  

Type X

Axonal oder Demyelinisierend X-chromosomal Xq13.1 GJB1  
PMP22 =peripheres Myelinprotein 22, MPZ Myelinprotein Zero, LITAF Lipopolysaccharid-induzierter Tumornekrosefaktor α, EGR2 early
growth response 2, KIF1B Kinesinmotorprotein 1B, MFN2 Mitofusin 2, RAB7 kleines Guanosintriphosphatase spätes endosomales Protein RAB7, GARS Glycyl–transfer RNA Synthetase, NEFL Neurofilament Leichtkette, HSPB1 Hitzeschockprotein beta-1, GDAP1 Gangliosid-induzierte Differenzierungs- assoziiertes Protein 1, MTMR2 Myotubularin-bezogenes Protein 2, MTMR13 Myotubularin-bezogenes Protein 13, NDRG1 N-myc downstream- regulatiertes Gen 1, PRX Periaxin, und GJB1 Gap-junction beta-1 Protein (Connexin 32).Verändert nach William J. Triggs et al., n engl j med 354;24

 

 

Weitere Formen selten Aktuelle Übersichten:

  1. The Many Faces of Charcot-Marie-Tooth Disease ARCHIVES OF NEUROLOGY May 2000Vol 57, No 5, pp 621-768   Jeffery M. Vance, MD, PhDhttp://archneur.ama-assn.org/issues/v57n5/full/ned8531.html
  2. Neuropathy, Heredity, and Monoclonal Gammopathy    Norman Latov, MD, PhDhttp://archneur.ama-assn.org/issues/v57n5/full/ned8624.html
  3. Hereditary Motor and Sensory Neuropathy Type 2C Is Genetically Distinct FromTypes 2B and 2D Masaaki Nagamatsu, MD; Robert B. Jenkins, MD, PhD; niel J. Schaid, PhD; Diane M. Klein, MT(ASCP);  Peter James Dyck, MDhttp://archneur.ama-assn.org/issues/v57n5/full/noc8450.html
  4. Three Families With Polyneuropathy Associated With Monoclonal Gammopathy     Sanne M. Manschot, MD; Nicolette C. Notermans, MD;  Leonard H. van den Berg, MD;     Jan J. G. M. Verschuuren, MD; Henk M. Lokhorst, MDhttp://archneur.ama-assn.org/issues/v57n5/full/nob8419.html
  5. Murakami T, Garcia CA, Reiter LT, et al: Charcot-Marie-Tooth disease and related inherited neuropathies. Medicine (Baltimore) 75:233, 1996 [ PMID 8862346]
Die Multifokale motorische Neuropathie ist charakterisiert durch eine assymmetrische, distale Schwäche. Bei der Multifokalen motorischen Neuropathie bestehen normalerweise kein Sensibilitätsstörungen, die Arme sind meistens stärker betroffen als die Beine, die distalen Muskeln stärker als die proximalen, die Verteilung der elektrophysiologischen Abnormalitäten geht parallel  mit schwachen Muskeln  Diese Störung geht eventuell auf  anti-GM1 Antikörper als immunopathogenetischen Mechanismus zurück. Elektrophysiologisch findet man Leitungsblocks in den motorischen Nerven, Faszikulationen, und myokyme Entladungen. Schwäche korreliert mit der Demyelinisierung und dem Verlust von Axonen in den Nerven der Arme und Beine. Oft werden auch in klinisch nicht betroffenen Muskeln und Nerven Veränderungen gefunden. Die meisten Studien haben kleine Patientenzahlen. Plasmapherese and Kortikosteroide scheinen eher schädlich. Intravenöses Immunoglobulin (IVIG) und Cyclophosphamid scheinen wirksam. Diskutiert wird, ob auch dann wenn klinisch eindeutige Symptome vorliegen aber elektrophysiologisch keine eindeutigen Blocks nachweisbar sind, IVIG indiziert sind. (J Neurol Neurosurg Psychiatry 1999;67:15–19) (Nebenwirkungen und Wirkmechanismus siehe Tabelle unten) Angesichts des gutartigen Verlauf kann meist auf eine Behandlung verzichtet werden.
  1. Donaghy M, Mills KR, Boniface SJ, et al.Pure motor demyelinating neuropathy: deterioration after steroid treatment and improvement with intravenous immunoglobulin.J Neurol Neurosurg Psychiatry.1994;57:778-783.MEDLINE
  2. Pestronk A, Cornblath DR, Ilyas AA, et al. A treatable multifocal motor neuropathy with antibodies to GM1 gangliosides.Ann Neurol.1988;24:73-78.MEDLINE
  3. Azulay JP, Blin O, Pouget J, et al.Intravenous immunoglobulin treatment in patients with motor neuron syndromes associated with anti-GM1 antibodies: a double blind placebo controlled study.Neurology.1994;44:429-432.MEDLINE
  4. Van den Berg LH, Kerkhoff H, Oey P, et al.Treatment of multifocal motor neuropathy with high dose intravenous immunoglobulin: a double blind placebo controlled study.J Neurol Neurosurg Psychiatry.1995;59:248-252.MEDLINE
  5. Azulay JP, Rihet P, Pouget J, et al.Long term follow up of multifocal motor neuropathy with conduction block under treatment.J Neurol Neurosurg Psychiatry.1997;62:391-394.MEDLINE
  6. Nobile-Orazio E, Meucci N, Berberi S, et al.High dose intravenous immunoglobulin in multifocal motor neuropathy.Neurology.1993;43:537-544.MEDLINE
Die idiopathische autonome Neuropathie ist eine schwere subakute Störung. Wie z. B. bei der Myasthenia gravis können Autoantikörper, die spezifisch an neuronale nikotinsaure Azetylcholinrezeptoren binden, die cholinerge synaptische Transmission stören und dadurch die autonome Fehlfunktion hervorrufen. Ein bereits entwickeltes Assay ermöglicht den Nachweis dieser Antikörper, die als serologische Marker zur Krankheitserkennung äußerst spezifisch sind. Ein positiver Nachweis von Antikörpern