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Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
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Nach einem Trauma
erste Hilfe- Ratschläge auf der Homepage
Verwöhnung ein
süßes Gift mit bitteren Folgen

Vorwort
Gut verständliche deutsche Darstellungen der Posttraumatischen
Belastungsstörung (PTBS) findet man selten, ich habe mir deshalb die Mühe
gemacht eine amerikanische Arbeit zu übersetzen. Eine wirkliche
Aufarbeitung des Leidens und der Folgen der deutschen Bevölkerung und der
Soldaten hat nach dem 2. Weltkrieg ja kaum stattgefunden.
Bei den
modernen
Kriegen ging
man beim
Vietnam- Krieg
davon aus, dass
15% der Männer
mit
Gefechtserfahrung
und 31% der
Frauen mit
Gefechtserfahrung
eine solche
Störung
entwickelt
haben, im
Golfkrieg
schwanken die
Zahlen zwischen
5,4% und12,1%.
(Am J Epidemiol.
2003;157:141-148.)
Bereits bei den „Kriegszitterern“ des ersten Weltkrieges aber auch nach den
ersten Eisenbahnunfällen waren Erinnerungslücken für das traumatische
Ereignis, aber auch deren ständige Erinnerung beschrieben worden. Streitpunkt und Mittelpunkt des Interesses blieb in diesem Zusammenhang
hauptsächlich die Schuldfrage, (für Unverbesserliche vielleicht auch die
Heldensichtweise).
Für die Opferperspektive und die daraus resultierenden Folgen
(wohl auch wegen der Entschädigungsansprüche) sah man damals und bis heute wenig
Raum. Die in Kriegen (fast) unbesiegten USA taten sich mit genaueren
Untersuchungen der Folgen für ihre Veteranen leichter. Entsprechend kommen die
meisten Untersuchungen zum Thema von dort. Die sicherlich notwendige und aber
auch oft ideologische Auseinandersetzung um den sexuellen Mißbrauch hat diese
Thema auch bei uns interessanter gemacht. Der Mißbrauch des Mißbrauchs hat
möglicherweise viele seriösen Forscher von einer Beschäftigung mit dem Thema
abgehalten. Dennoch bleibt bestehen, dass Gewalt vor allem auch gegen Frauen
auch in unserer westlichen Kultur häufig ist, und gravierende Folgen hat.
The
physical, sexual and emotional violence history of middle-aged women: a
community-based prevalence study D Mazza, et al. (MJA 2001; 175: 199-201)
Ideologische Auseinandersetzungen machen ernsthafte wissenschaftliche Arbeit
oft unmöglich. Der hier übersetzte Artikel wurde dennoch bewußt in Bezug auf
Kinder ausgewählt. Die Mechanismen lassen sich hier am besten darstellen, solche
Theorien bleiben die nachvollziehbarsten für die Entstehung von Symptomen aus
Kindheitstraumen- mit großer Bedeutung im Erwachsenenleben-. Zumindest ergänzend
vielleicht sogar besser nachvollziehbar als die meisten analytischen Theorien.
Er stell dabei eine auch für Laien verständliche und doch dem Stand der
Wissenschaft entsprechende Verbindung zwischen psychosozialen Traumen und
seelischen wie körperlichen Störungen her, macht damit auch Psychosomatik
allgemein verständlich.- Vielleicht sogar für Betroffene besser annehmbar. Er
ist darüber hinaus, eine in unserer Gesellschaft noch sehr notwendige,
Aufforderung Kindesmißhandlungen zu ächten und wirksam anzugehen. -Mehr als die
Hälfte aller Eltern in Deutschland bestraft ihre Kinder mit Ohrfeigen oder noch
schwerwiegenderen Maßnahmen. Rund 1,3 Millionen Kinder werden regelmäßig
körperlich misshandelt, wie wissenschaftliche Studien belegen. Quelle:
www.bmfsfj.de.- Wichtig wird zukünftig auch
die Vorbeugung sein. wesentlich ist dabei auch spezielle Risikogruppen zu
identifizieren. Eine neue Studie fand z.B.: eine bedrückend hohe Zahl von
schweren Misshandlungen jungendlicher Schwangerer und junger Mütter durch ihre
Partner. Von 570 untersuchten Schwangeren unter 18 Jahren wurden 62%
innerhalb der ersten 2 Jahre von ihren Partnern misshandelt. Am häufigsten
geschah dies in den ersten 3 Monaten nach der Geburt. 75% derer die in der
Schwangerschaft misshandelt wurden wurden auch in den ersten 2 Jahren nach der
Geburt Opfer schwerer Misshandlungen. Nicht selten wechselte der Täter vom Vater
des Neugeborenen zum neuen Lebensgefährten der jungen Mutter. Die
Misshandlungen waren bei mexikanisch- amerikanischen Minderheiten und schwarzen
Minderheiten häufiger, was sicherlich auch mit der sozialen Situation
zusammenhängt. Nicht erfasst wurden in der Studie Vergewaltigungen, oder Schläge
die keine Verletzungen verursachten oder nicht im Zusammenhang mit Streit oder
Alkohol- und Drogenmissbrauch standen. Es ist also für die untersuchten Frauen
eher von einer Unterschätzung des Problems auszugehen. Da man inzwischen
weiß, dass Männer die ihre Frauen schlagen, häufig auch ihre Kinder misshandeln
ergibt sich besonders bei jungen Müttern ein erheblicher Betreuungs- und
Vorbeugebedarf. Sicher sind die Zahlen nicht unbedingt von Texas auf die
Bundesrepublik übertragbar. Dennoch lassen die hohen Zahlen von Misshandlungen
auch für unser Land einiges was hinter zugezogenen Vorhängen passiert vermuten.
Die spezielle Situation von Müttern aus den zahlreichen Minderheiten in
Deutschland bedarf hier ebenfalls besonderen Interesses. Es ist inzwischen
allgemein anerkannt, dass Gewalt gegen Mütter wie Kinder zu erheblichen
Folgeschäden führt.Samantha D. Harrykissoon, MPH; Vaughn I. Rickert, PsyD;
Constance M. Wiemann, PhD, Prevalence and Patterns of Intimate Partner Violence
Among Adolescent Mothers During the Postpartum Period Arch Pediatr Adolesc Med.
2002;156:325-330
ABSTRACT
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TEXT | PDF
| MEDLINE
Der hier übersetzte Artikel zeigt, wenn man ihn genau liest, die Mechanismen
wie Gewalt gegen Kinder, gewalttätige Kinder und Jugendliche erzeugen kann. Da
viele der Fachwörter selbst für manche Psychiater noch ungewohnt sind, werden
sie am Ende in einem Kurzglossar erklärt. Weiteres im Glossar der Homepage. Der
Artikel ist in sich geschlossen. Er wirft manche offenen Fragen nicht auf.
Deshalb seien sie hier zu Beginn zum Teil wenigstens erwähnt. Es ist zu wenig
bekannt, daß neben bestimmten Katastrophen, wie ausgeprägt schweren
Naturereignissen oder Kriegen, andere im Alltag bedeutendere Traumen die PTSD
auslösen können, wie beispielsweise schwere Unfälle, Zeuge eines gewaltsamen
Todes anderer Menschen oder Vergewaltigungen. Eine Folge einer nicht
diagnostizierten und somit auch nicht behandelten PTSD ist die Entwicklung
komorbider Störungen, von denen Suchterkrankungen,
Depression und Angsterkrankungen sehr häufig sind.
Diese Entwicklung kann die Diagnostik erschweren, da eine Reihe von anderen
psychiatrischen Störungen somit in Betracht kommt, zum Beispiel andere
Angststörungen (Panikstörung mit und ohne
Agoraphobie, soziale Phobie, generalisierte Angststörung), wo das
traumatische Ereignis selbst zur diagnostischen Differenzierung beiträgt. Das
häufig von PTSD-Patienten gezeigte Vermeidungsverhalten ist zwar initial
situationsspezifisch, kann jedoch generalisieren und somit beispielsweise eine
Agoraphobie vortäuschen. Das bisher geringe Interesse erstaunt das verschiedene
epidemiologische Studien eine beträchtliche Lebenszeitprävalenz für diese
Störung nachwiesen: Breslau et al. fanden in einer städtischen Stichprobe
(Alter 21 bis 30 Jahren) 6% der Männer sowie 11% der Frauen mit einer PTSD.
Magee et al. sowie Kessler et al. konnten eine hohe Lebenszeit-Komorbidität mit
Agoraphobie (22,6%), einfacher Phobie (19,7%), sozialer Phobie (15,8%) sowie
depressiven Störungen und Suchterkrankung, insbesondere Alkoholmißbrauch oder
-abhängigkeit, feststellen. (Häufigkeiten nach PT Psychopharmakotherapie,
WVG Stuttgart, 1/1998 Die posttraumatische Belastungsstörung, Diagnostik und
Pharmakotherapie, R. J. Boerner und H.-J. Möller, München) Zum
Thema Kindesmisshandlungen und Folgen siehe auch die Informative Webseite der
ArbeitsGemeinschaft für
Sozialberatung und Psychotherapie (AGSP) mit Forum und
Zeitschrift.
Keine Erklärung gibt der nachfolgende Artikel für
folgende Sachverhalte:
Aufgrund epidemiologischer Befunde ist davon auszugehen, daß die
Entwicklung einer PTBS nach einem traumatischen Lebensereignis wie einer
Naturkatastrophe, einem Unfall, einer kriminellen Gewalttat, Folter, Geiselhaft,
Kriegserlebnissen oder einer sexuellen Mißbrauchserfahrung eher die Ausnahme als
die Regel darstellt. So zeigte sich in verschiedenen amerikanischen
Prävalenzstudien, daß ca. 60% aller untersuchten Personen mindestens einem
traumatischen Erlebnis im Verlauf ihres Lebens ausgesetzt sind, die
Lebenszeitinzidenz der PTBS nach einem Trauma jedoch nur bei ca. 15% der
Betroffenen liegt.
Verkehrsunfälle
stellen die
häufigste
Ursache der
PTBS dar, hier
sollen etwa 9%
der Betroffenen
eine solche
Störung
entwicklen. Die
Angaben zur
Prävalenz der
PTBS schwanken
in der
Literatur
zwischen 1,3%
bis 7,8% der
Allgemeinbevölkerung
(Arch Gen
Psych.
1995;52:1048-1060).
Die
Diagnosekriterien
werden sehr
unterschiedlich
genutzt. In
einer
israelischen
Untersuchung
wurde bei nur
3% der
Betroffenen vom
Hausarzt die
Diagnose
gestellt (
Psychol Med.
2001;31:555-560).
.

Hinweise zu speziellen Vulnerabilitätsfaktoren, die nicht die Traumen an sich
betreffen, fehlen.
Hyperaktivitäts- Aufmerksamkeitsstörungen sind
sicher nicht überwiegend auf Traumen zurückzuführen, was der Artikel aber
impliziert
90% aller Patienten mit einer PTBS haben eine Komorbidität mit einer weiteren
psychiatrischen Störung, vorrangig Suchtmittelabhängigkeit und depressiven
Störungen. Häufig kommen auch Angststörungen,
Somatisierungsstörungen, somatoforme Schmerzstörung und
Borderline-Persönlichkeitsstörung vor.
Mißbrauch oder Kriegsteilnahme scheinen jedoch mit einer höheren
Wahrscheinlichkeit zu einer PTBS zu führen als andere Traumata, wie
beispielsweise Naturkatastrophen oder Verkehrsunfälle.
Bei Interesse und Englischkenntnissen läßt sich aber bei
www.trauma-pages.com noch vieles zum
Thema finden.
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die Diagnose zwar Teil aller moderner
psychiatrischer Klassifikationsschemata ist, dabei aber weiter umstritten ist.
Besonders darauf hingewiesen wird, dass Debriefing, und andere Akutbehandlungen
als eher schädlich gelten. Nach einer Cochrane Review von 8 randomisierten
Untersuchungen bei der kein Hinweis auf einen positiven Effekt der Methode
gefunden wurde, empfahlen die Autoren der Metaanalyse dieses Debriefing
zukünftig zu unterlassen. Wessely S, Rose S, Bisson J. A
systematic review of brief psychological interventions ("debriefing") for the
treatment of immediate trauma-related symptoms and the prevention of post
traumatic stress disorder. In: Cochrane Collaboration,ed. Cochrane Library.
Issue 4. Oxford: Update Software, 1999. Sinnvoller scheint die Behandlung
der Betroffenen die tatsächlich (meist später) Symptome entwickeln mit den
üblichen bei solchen Symptomen sinnvollen Behandlungsmethoden. Ob eilig
entwickelte teure publikumswirksame Alternativen (wie man sie nach jeder
Katastrophe im Fernsehen sieht), hilfreicher sind, bleibt abzuwarten. Bisher
gibt es jedenfalls keine psychotherapeutischen Traumaexperten, die wirkliche
Erfolge in der Akuttherapie nachweisen können. Dies gilt nicht für den späteren
Verlauf einer üblichen Behandlung mit Konfrontation, bzw. symptomatische
Behandlungen generell, ob nun medikamentös oder psychotherapeutisch hier gibt es
klare Erfolge. Die katastrophalen Ergebnisse des Debriefing haben aber generell
die Kritik an dem diagnostischen Konzept bestärkt. Es erfolgt hier keine Wertung
in der sicher noch lange offenen Diskussion. Hauptintention bleibt die
gegenwärtigen Konzepte darzustellen. Generell gibt es in der Literatur eine
Tendenz dahingehend, dass entgegen den Erwartungen eine PTBS meist nicht akut,
sondern eher im späteren Verlauf eines Traumas einsetzt. Gefordert wird
inzwischen auch mehr eine Extremtrauma, das allerdings für sich alleine keine
Ausreichende Erklärung für die Entstehung der Symptome bietet.
Zur Glaubwürdigkeit der Opfer
Diskrepanzen zwischen verschiedenen Berichten des Betroffenen über das
Ereignis werden oft als wesentliches Kriterium gesehen um in Asylprozessen die
Glaubwürdigkeit zu beruteilen. Eine englische Studie zeigt aber, dass es bei
PTBS Opfern solche Diskrepanzen auch dann gibt, wenn kein Profit aus der
Fälschung erwartet werden kann. Opfer die schwer traumatisiert wurden, haben
dabei häufigere und auch größere Unterschiede in den verschiedenen Berichten.
Die Unterschiede in den Berichten betreffen dabei meist nicht die für das Opfer
wichtigen Details sondern eher periphere Ereignisse. Diskrepanzen zwischen
verschiedenen Berichten des Betroffenen über das Ereignis bedeuten deshalb nicht
unbedingt dass diese bewusst gefälscht sind. Discrepancies in
autobiographical memories implications for the assessment of asylum seekers:
repeated interviews study Jane Herlihy, psychologist in clinical training
a, Peter Scragg, lecturer in psychology b, Stuart Turner, consultant
psychiatrist BMJ 2002;324:324-327 ( 9 February )
PDF of this article
Kontrovers bleibt (und wird in dem Artikel nicht diskutiert):
- Post-traumatische Belastungsstörungen scheinen insgesamt eine
gesicherte und sinnvolle psychiatrische Diagnosekategorie darzustellen,
diese Störung ist aber nicht die einzig mögliche psychiatrische Folge
eines Traumas.
- Die Prävalenz in der Bevölkerung wird auf zwischen 1% und 7.8%
geschätzt, je nach Untersuchung
- In einer Untersuchung bei 14- bis 24-jährigen Deutschen zeigte sich
eine etwas niedrigere Lebenszeitprävalenz mit einer posttraumatischen
Belastungsstörung (beziehungsweise eines PTBS-Teilsyndroms) bei Männern
von 0,4 Prozent (0,7 Prozent) und bei Frauen von 2,2 Prozent (3,5 Prozent)
(Perkonigg A, Kessler RC, Storz S, Wittchen HU:
Traumatic events and post-traumatic stress disorder in the community:
prevalence, risk factors and comorbidity. Acta Psychiat Scand 2000; 101:
46–59)
- Die meisten Menschen mit dieser Störung haben auch andere psychische
Störungen (psychiatrische Komorbidität),
- Post-traumatische Belastungsstörungen führen zu Behinderungen der
sozialen und beruflichen Funktionen. Umgekehrt haben soziale Faktoren
unzweifelhaft einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung solcher
Störungen.
- Post-traumatische Belastungsstörungen kann man immer besser von
anderen psychiatrischen Diagnosen biochemisch, neuroanatomisch, und nach
phänomenologischen Characteristika unterscheiden. Dennoch bleiben die
hauptsächlichen Diagnostischen Kriterien die Schilderungen des Patienten,
versicherungsrechtlich bringt dies Patienten und Gutachter oft in
schwierige Situationen. Die diagnostischen Kriterien sind dennoch
eindeutig und ermöglichen so eine klare wissenschaftliche Kommunikation.
- Eine psychiatrische Diagnose entspricht nicht immer notwendigerweise
einer Krankheit und dies ist im Falle der PTBS in besonderem Maße
strittig. Die Entwicklung der Diagnose hat teilweise mehr soziale und
politische Hintergründe gehabt, als psychiatrische.
- Leiden als Folge einer Belastung ist nicht immer eine Krankheit und
entspricht nicht immer einer Psychopathologie. Es gibt auch normale
Trauer, Angst, Wut usw.
- Die Diagnosis der Post-traumatische Belastungsstörungen wurde
entwickelt als Versuch die Symptome von Opfern als normale Reaktion auf
eine Traumatisierung verstehbar zu machen, nicht als eine Krankheit. Damit
sollte die Verantwortung statt dem Opfer unterstellt zu werden, klar dem
Täter zugewiesen werden. Sinn war das Bemühen, dass sich Opfer nicht
schuldig fühlen sollten, sich sich für die Symptome schämen sollten und
diese nicht als eigenes Versagen erleben sollten. Dennoch sind die
Erfolgsraten in den bisherigen Therapien nach Studien noch bescheiden im
Vergleich zu manchen anderen Störungen, es gibt viele Therapieabbrecher,
nur wenige Patienten mit dem Syndrom kommen überhaupt in Behandlung. Als
negativ haben sich sowohl eine negierende Haltung den psychischen
Problemen („So schlimm war es doch gar nicht!“; „Es ist doch nichts
passiert!“) als auch verstärkende Äußerungen erwiesen („Da werden Sie
lange nicht drüber hinweg kommen!“; „Das werden Sie nie verkraften!“).
- Die beabsichtigten Vorteile der Diagnose für die Opfer sind damit eine
geringere Stigmatisierung als bei anderen psychiatrischen Störungen. Dies
soll auch die Aufnahme einer Behandlung erleichtern. Dies macht die
Diagnose mit "Vor- und Nachteilen attraktiver" für die Betroffenen.
- je vulnerabler ein Individuum vor dem Trauma ist, umso
wahrscheinlicher die Entwicklung einer solchen Störung.
- Lediglich ein Viertel der von einem massiven Trauma Betroffenen
entwickelt das Störungsbild einer PTBS, wobei die größte Häufigkeit für
Vergewaltigungen angegeben wird. Bei etwa einem Drittel dieser betroffenen
Personen mit PTBS-Symptomen kommt es zu einer langjährigen chronifizierten
Störung.
- Post-traumatische Belastungsstörungen sind in ihrer Definition
mindestens genau so von soziopolitischen wie von psychiatrischen Ideen
beeinflusst.
- Die Zunahme der Diagnose Post-traumatische Belastungsstörung in den
westlichen Gesellschaften hat ihre Ursache auch in Veränderungen des
Verhältnisses von individueller Persönlichkeit und Zeitgeist.
- Im Unterschied zur Behandlung von neurotischen
Störungen geht es bei der Behandlung von Traumafolgestörungen nicht um ein
Verständnis unbewusster Wünsche, sondern um die Etablierung von Sicherheit
und Erleichterung der seelischen Verarbeitung.
- Ähnlich wie bei Fibromyalgien, MCS und ähnlichen Krankheitskonzepten
ist auch bei der PTBS (wenn auch in geringerem Maße als bei den
vorgenannten) strittig ob die Diagnosestellung nicht generell dahingehend
kontraproduktiv ist, dass sie zu einer Symptomverstärkung führt. Dies gilt
in besonderem Maße, wenn Entschädigungsbegehren mit eine Rolle spielen.
- Antidepressive Medikamente bessern nach einer Überprüfung der
Studienlage (The Cochrane Library, Issue 2, 2001) eindeutig
die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die meisten Daten
liegen hier zu Serotonin reuptake Hemmern (SSRI) vor. Für einige
Antidepressiva gibt es negative Studien (Phenelzin, Brofaromin, Desipramin
(damit möglicherweise auch Edronax und andere noradrenerge Medikamente),
Alprazolam und Inositol).. Offene Fragen bleiben dahingehend, wie lange
hier behandelt werden soll, in welcher Dosis und wie sich Psychotherapie
und bei dieser Indikation ergänzen. Ob für spezielle Untergruppen
(Kinder, alte Menschen) jeweils die selbe Aussage gilt ist ebenfalls
offen. Ob eine prophylaktische Wirkung vorhanden ist bleibt ebenfalls
offen. Möglicherweise setzt hier die Wirkung erst nach 8 bis 12 Wochen
ein. Benzodiazepine scheinen im Gegensatz zu Antidepressiva den Effekt der
Psychotherapie bei dieser Indikation abzuschwächen.
- Die psychotherapeutische Behandlung gliedert sich
meist in drei Phasen: - Stabilisierung,- Verarbeitung der traumatischen
Erinnerungen, - abschließende Neuorientierungsphase. Für verschiedenste
Verfahren werden Erfolge berichtet, eine endgültige Beurteilung ob eine
spezielle Traumatherapie besser geeignet ist, eine Besserung
herbeizuführen als allgemein eine Psychotherapie steht aus. Eine spezielle
Erfahrung des Therapeuten im Umgang mit PTBS erscheint aber
wünschenwert.
- EMDR (Eye Movement Desensitization and
Reprocessing) wurde an 200 Traumaopfern in Studien als wirksam empfunden,
ist aber noch nicht allgemein anerkannt.
- Ein schwieriges Thema sind die Krankheitsbilder im Bereich der
Bewilligung oder Ablehnung von Asylverfahren. Dabei kann es unberechtigt,
ja inhuman es sein, Trauma lediglich als "Epiphänomen" anderer,
"zugrundeliegender" Störungen abzutun. Gleichzeitig sind hier jedoch
psychologische und ärztliche Gutachter zu besonderer Wachsamkeit in
beide Richtungen verpflichte. Wenn Trauma zu einer inflationär vergebenen
"Modediagnose" wird, um bestimmte Vorteile zu erlangen, schadet dies
gerade dem Interesse der wirklich traumatisierten Menschen.
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