|
Psychopharmaka am Beispiel der Behandlung von
Panikstörungen: Medikamente gegen die Angst?
Andere Seiten zu Psychopharmaka
Eine für Laien verständliche Darstellung der medikamentösen Behandlung von
Angststörungen findet sich auch in dem Patientenratgeber:
Die Angst aus heiterem Himmel. Panikattacken und wie man sie überwinden kann.
(Patientenratgeber Link zu Amazon.de )von Christine Brasch,
Inga-Maria Richberg Goldmann (2002), Sehr empfehlenswert, die ältere
Ausgabe wurde auch von der Stiftung Warentest empfohlen.
Warum man oft nicht
ohne Medikamente auskommt.
Panikstörungen können zu massivsten Beeinträchtigungen
führen. Die möglichen Nebenwirkungen einer medikamentösen Behandlung sind im
Vergleich dazu, oft das deutlich kleinere Übel. Mit einer chemischen Substanz
die Angst zu bekämpfen ist zunächst gewöhnlicher, als die meisten Menschen
denken. Das Bier am Feierabend soll beruhigen, damit der Betroffene besser von
der Arbeit auf die Freizeit umschalten kann. Der Wein oder das Bier in
Gesellschaft soll Ängste und Hemmungen lindern und abbauen, damit wir uns
ungezwungener eben mit weniger Angst unterhalten und amüsieren können. Alkohol
wird selten wegen des Geschmacks sondern überwiegend wegen der Wirkung
konsumiert. Dabei macht er genau das selbe wie ein Beruhigungsmittel aus der
Apotheke, allerdings mit einem erheblich schlechteren Nebenwirkungsprofil.
So lange der Betroffene keine Veranlagung zur Sucht hat (die ihm meistens nicht
bekannt ist) und er es bei gelegentlichen geringen Mengen belässt, ist das
Nebenwirkungsrisiko überschaubar. Für Angstkranke ist Alkohol ein untaugliches
Beruhigungsmittel mit sehr hohem Risiko abhängig zu werden, was nicht nur die
Angstkrankheit verschlimmern kann, sonder auch weitere erhebliche Nebenwirkungen
hat. Ein Psychopharmakon mit einem ähnlichen Nebenwirkungsprofil würde nicht
zugelassen. (zu den Alkoholnebenwirkungen siehe
separate Seite) Besonders zu beachten ist, dass Alkohol auch ganz organisch
die Angstsymptome verschlimmern kann. Schon 1978 wurde der Begriff „holiday
heart syndrome“ geprägt, der Patienten beschreibt, die nach erhöhtem
Alkoholkonsum an Wochenenden oder nach Ferienzeiten mit verschiedenen
Herzrhythmusstörungen, überwiegend aber supraventrikulären Tachykardien oder
Tachyarrhythmien behandelt wurden. In Studien wurde gezeigt, dass bei vermehrtem
chronischem Alkoholkonsum (mindestens sechs Drinks pro Tag) das Risiko für
supraventrikuläre Tachykardien durch eine direkte Wirkung des Äthanols auf die
myokardialen Erregungsleitungsprozesse sowie auf das autonome Nervensystem mit
bis zu fünf Prozent erhöht ist. Auf dem Boden solcher Befunde werden
beispielsweise Reentrymechanismen als Ursache für tödliche Rhythmusstörungen bei
Patienten mit Alkoholmissbrauch diskutiert. Zahlreiche Studien konnten eindeutig
die erhöhte Inzidenz an Fällen von plötzlichem Herztod bei Patienten mit
schwerem Alkoholmissbrauchnachweisen. Also lieber Vorsicht mit diesem
Beruhigungsmittel, es ist besonders schlecht für Angstpatienten geeignet.
Manche Verhaltenstherapeuten behaupten, dass man alle Angststörungen
verhaltenstherapeutisch behandeln kann,
und dafür keine Medikamente braucht. Wahr ist, dass besonders bei noch gut
kompensierten Angststörungen, eine gute Aufklärung oft bereits die Hälfte der
Symptome beseitigt und eine Verhaltenstherapie oft schnell erfolgreich sein
kann. Manche Patienten schaffen es sogar nach entsprechender Aufklärung von ganz
alleine mit der Angst fertig zu werden. Dies trifft auch bei vielen Patienten
zu, bei denen die Angsterkrankung schon Jahre besteht. In all diesen Fällen, ist
die Psychotherapie zunächst der medikamentösen Behandlung vorzuziehen. Dennoch
gibt es sehr viele Patienten bei denen aus verschiedensten Gründen diese
Idealbedingungen nicht zutreffen. In der alltäglichen Praxis ist davon
auszugehen, dass mindestens die Hälfte der Patienten zumindest vorübergehend
einer medikamentösen Behandlung bedarf. Dies hat viele Gründe. Ein Grund ist
zunächst ganz praktisch, dass Verhaltenstherapeuten in den meisten Regionen
(zumindest für Kassenpatienten) lange Wartezeiten haben. Es ist wenig einsichtig
warum man jemanden ein halbes Jahr leiden lassen sollte, bis die Behandlung
beginnen kann. Medikamente sind sofort verfügbar. Bei vielen Patienten mit einer
Panikstörung und Agoraphobie oder einer anderen Angststörung tritt im Verlauf
der Störung eine Depression auf. Besonders wenn sich eine mittelschwere bis
schwere Depression hinzugesellt, ist die medikamentöse Behandlung der reinen
Psychotherapie überlegen. Menschen mit schweren Angststörungen sind oft in einem
so schlechten Zustand, dass sie Schwierigkeiten haben, sich auf eine
Psychotherapie einzulassen. Die üblichen 1-2x wöchentlichen Termine reichen zur
Stabilisierung dieser Patienten nicht aus. Nicht zuletzt gibt es ganz
einfach Patienten, die aus verschiedenen Gründen auf eine alleinige
Verhaltenstherapie nicht ansprechen, oder damit überfordert sind. Fazit:
Medikamente und Psychotherapie schließen sich nicht aus, Medikamente machen
sogar oft eine Psychotherapie erst möglich. In einer Metaanalyse
zeigte sich ein Vorteil der Kombination einer medikamentösen Therapie mit einer
Verhaltenstherapie gegenüber den jeweiligen Monotherapien. Die Entscheidung, ob man zu
Beginn der Verhaltenstherapie die Medikamente absetzen kann oder dies erst
während des späteren Verlaufs einer Verhaltenstherapie versucht, ist individuell
und sollte sich nach der Situation des jeweils Betroffenen richten.
Viele Angstpatienten haben besonders große
Angst vor Psychopharmaka und ihren Nebenwirkungen. Ein Teil dieser Ängste geht
auf weit verbreitete Vorurteil in der Öffentlichkeit
zurück. Diese Vorurteile erschweren oft die Aufnahme einer jeglichen Behandlung
aus der Angst heraus abgestempelt zu werden. Insbesondere Angstpatienten sind
oft überzeugt, dass sie besonders empfindlich auf alle Medikamente reagieren.
Durch die erhöhte Suggestibilität besteht eine vermehrte Neigung zu
Placebo- und damit auch Noceboreaktionen. Es
liegt in der Natur der Angsterkrankungen, dass die Einnahme eines
Psychopharmakons, Besonders ängstigt. Die Angst davor, die Kontrolle über sich
zu verlieren, verändert zu sein, nicht mehr der Alte zu sein ist besonders
verbreitet. Die Nebenwirkungen der Medikamente, die in der Regel gleich zu
Beginn auftreten können in den ersten Tagen bis zu Wochen die vorhandenen
Symptome manchmal verschlimmern, oder den Angstsymptomen ähnlich sein. Viele
sind überzeugt, dass sie besonders empfindlich auf alle Medikamente reagieren.
Oft ist diese Empfindlichkeit Teil der Angstsymptomatik, durch das generell
vermehrte in sich Hineinhören im Rahmen der Krankheit werden tatsächliche
Nebenwirkungen zu Beginn der Behandlung verstärkt wahrgenommen.
Informieren Sie sich. Wie beim Umgang mit den Angstsymptomen an sich,
ist auch beim Umgang mit den Medikamenten in der Behandlung Information die
beste Gewähr für eine erfolgreiche Therapie. Nehmen Sie bei allen Medikamenten
den Rat der Werbung "Fragen Sie Ihren Arzt" wörtlich. (Ihr Arzt
verdient nicht an den verordneten Medikamenten, er riskiert
derzeit sogar sie selbst bezahlen zu müssen)
Nicht jede Angstattacke muss gleich zu einer langfristigen
Behandlung führen. Panikattacken kommen bei 10 % - 40% aller Menschen irgendwann
im Leben oder sogar gelegentlich vor. Nur wenige von diesen entwickeln eine
eigentliche Angststörung. Wenn allerdings die Angst vor der Angst ein ständiger
Begleiter wird und der Bewegungsradius durch die Angst anfängt reduziert zu
werden, ist der Zeitpunkt über eine Behandlung nachzudenken.
Neben gelegentlichen Panikattacken bei sonst gesunden
Menschen, und Menschen mit einer eigentlichen Panikstörung können Panikattacken
auch Frühsymptome oder begleitende Symptome einer anderen psychiatrischen
Erkrankung sein. Besonders häufig treten Panikattacken auch bei
depressiven Störungen auf, sie können aber auch bei vielen anderen
psychiatrischen Störungen auftreten und bedürfen dann einer anderen Behandlung
als hier aufgeführt. Selten ist die kurzfristige Gabe eines
Beruhigungsmittels die sinnvolle ausschließliche Behandlung. Meistens sind
medikamentös wie verhaltenstherapeutisch längerfristige Behandlungen
erforderlich. Das Wissen um die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten und auch
die Umsetzung dieser Möglichkeiten hat sich in den letzten Jahren verbessert,
ist aber bei weitem noch nicht optimal. Die meisten Patienten werden weiter
nicht optimal behandelt. Obwohl schon seit langem ausgesprochen gute und
allgemein anerkannte Studien zur medikamentösen Behandlung von Angststörungen
vorliegen, wird dieses Wissen kaum umgesetzt. Nach einer WHO- Studie erhalten 8%
aller Patienten mit eine Agoraphobie und/oder Panikstörung ein Antidepressivum,
eben so viele ein Anxiolytikum. Bei der generalisierten Angststörung sind es 1,7
% die ein Antidepressivum erhalten und 10% die ein Anxiolytikum erhalten. Nicht
bekannt ist, wie viele auch lange genug behandelt werden. (Lecrubier Y et
al.; Differences between prescription and consumption of antidepressants and
anxiolytics. Internat. Clin Psychopharmacol 1998; 153-60.) In einem Artikel
in der Zeitschrift Psychopharmakotherapie im Mai 2001 schreiben die Autoren
(R.J. Boerner und H.J. Möller) angesichts der Situation „die bisher völlig
unzureichende Diagnostik von Angstpatienten sei dringend verbesserungsbedürftig.
Die Vermittlung von differenzierten Kenntnissen des ICD 10 und des DSM IV sei
notwendig. Generell sollte bei allen Angsterkrankungen sowohl in der
medikamentösen als auch in der psychotherapeutischen Behandlung die
vergleichsweise hohe Wahrscheinlichkeit einer begleitenden Erkrankung an einer
Depression und die Überlappung verschiedener Angststörungen beachtet werden.
Pharmakotherapie und
psychotherapeutische Alternativen (insbesondere die Verhaltenstherapie) werden
prinzipiell gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten angesehen. Sie
ergänzen sich nicht nur, sie haben auch einen additiven Effekt. Oft ist durch
eine medikamentöse Behandlung eine psychotherapeutische Behandlung erst möglich.
Umgekehrt haben Panikstörungen ja auch biologische und reaktive Auslöser bzw.
Grundlagen.
Grundsätzlich werden überwiegend 2 Substanzklassen
von Medikamenten für die Behandlung von Angstzuständen verwendet.
- Antidepressiva (AD), sie heißen so,
weil sie überwiegend in der Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. AD
können bei den meisten Menschen problemlos zur Langzeitbehandlung eingesetzt
werden und machen nicht abhängig. Sie brauchen allerdings länger bis sie
wirken und sie wirken nur bei regelmäßiger Einnahme. Insbesondere bei
längerdauernden und schwereren Störungen und erfolgreichem Ansprechen bleiben
nur zwischen 30% und 45% der Patienten bei Absetzen nach längerer Einnahme (1-
1 1/2 Jahren) ganz frei von Panikattacken. Dies ist ein Grund warum es meisten
sinnvoll ist, nicht rein medikamentös zu behandeln, sondern mit einer
Verhaltenstherapie zu kombinieren. Allerdings ist auch der Rückfall
medikamentös behandelbar. AD sind auch häufig dann sinnvoll, wenn
Begleiterkrankungen (z.B. Depressionen, Essstörungen, bestimmte
Persönlichkeitsstörungen (40% to 50%)...) vorhanden sind, die ebenfalls auf AD
ansprechen. Viele Patienten mit Panikstörungen oder Angststörungen leiden
irgendwann im Verlauf an schweren Depressionen (11-25%) oder manisch-
depressiven Erkrankungen (11-23%), nach großen Statistiken machen sogar 20%
einen Suizidversuch. Insbesondere in diesen Fällen besteht eine dringliche
Indikation für AD. Wichtig ist dass keine Gefahr der Abhängigkeit besteht, AD
haben eine vergleichsweise Erfolgsquote, sie greifen an der Ursache der
Stoffwechselstörung im Gehirn an und bewirken keine
Persönlichkeitsveränderung. Bei sachgemäßer Einnahme und Überwachung
sind üblicherweise keine schweren körperliche oder sonstige Schäden zu
erwarten, auch nach längerer Einnahme in hoher Dosis nicht. Insbesondere
bei Paroxetin und Venlafaxin ist nach längerer Behandlung ein Ausschleichen
erforderlich um Absetzsymptome zu vermeiden.
- Benzodiazepine (BD) sind
Beruhigungsmittel. Sie wirken sofort (20min bis 1 Stunde nach der Einnahme
beginnt die Wirkung. Sie sind überwiegend für die Notfallbehandlung geeignet.
BD machen bei längerem Gebrauch manchmal abhängig. Problem ist nicht nur die
körperliche Abhängigkeit, sondern gerade bei Angstpatienten auch die Gefahr
einer psychischen Abhängigkeit. Beim Absetzen kommen bei BD die Angstzustände
wieder, manchmal (besonders bei hohen Dosen) schlimmer als zuvor. Bei
Patienten die schwere Panikattacken haben sind sie oft zu Beginn der
Behandlung sinnvoll, da es immer mehrere Wochen dauert, bis eine
Verhaltenstherapie oder Antidepressiva wirken. BD können mit Antidepressiva
kombiniert werden. Manche Patienten sind mit einer Verhaltentherapie
überfordert und sprechen nicht auf Antidepressiva an. In diesen besonderen
(sehr seltenen) Fällen, kann eine Langzeitbehandlung mit BD sinnvoll sein. Das
Suchtrisiko kann dabei manchmal im Verhältnis zu den Angstsymptomen das
kleinere Übel sein. Die Wirkungsweise der BD ist grundsätzlich der des
Alkohols
vergleichbar, bei deutlich geringeren körperlichen und psychischen
Nebenwirkungen.
Grundsätzliches zu Antidepressiva
- Antidepressiva werden oft abgelehnt, dies beruht meist auf
unbegründeten Vorurteilen und Ängsten. Viele befürchten etwa, von den
Antidepressiva abhängig zu werden oder sich in ihrer Persönlichkeit zu
verändern. Diese Ängste sind unbegründet. Die meisten Menschen werden durch
die Medikamente gerade wieder die "Alten", bekommen also ihre Persönlichkeit,
die in der Depression oder durch die dauernden Ängste abgestumpft ist wieder
zurück. Im Gegensatz zu anderen Psychopharmaka wie chemischen Schlaf-
und Beruhigungsmitteln machen Antidepressiva weder abhängig noch verändern sie
die Persönlichkeit. Die Sorge, Antidepressiva seien eine chemische
Keule, mit der sich die Ursache der Depression nicht beheben lasse, ist
unbegründet. Antidepressiva wirken gezielt auf die Veränderungen im
Hirnstoffwechsel, die mit der depressiven Erkrankung und Angstkrankheiten
einhergehen. Oft ermöglichen sie dem gebesserten Patienten erst seine Probleme
wirklich anzugehen. Antidepressiva lassen sich auch problemlos mit einer
psychotherapeutischen Behandlung kombinieren.
- Meistens verschwinden die Nebenwirkungen nach wenigen Wochen ganz, während
die Wirksamkeit im ersten Vierteljahr bis halben Jahr zunimmt und dann
erhalten bleibt.
- Antidepressiva fangen meist erst nach 2 Wochen an zu wirken, manchmal
dauert es 4 Wochen bevor eine beginnende Wirksamkeit erkennbar ist. Bei
Angsterkrankungen sind 4 Wochen bis zum Beginn der Wirksamkeit eher die Regel.
Noch länger kann es dauern, falls das Medikament wegen mangelnder Wirksamkeit
gewechselt werden muss. Die Behandlung wird bei mangelnder Aufklärung und
Patientenführung oft in den ersten ein bis zwei Wochen abgebrochen, weil der
Patient zwar die anfänglichen Nebenwirkungen, aber noch keine Besserung der
depressiven Symptome oder der Ängste bemerkt und deswegen an der Wirksamkeit
des Medikaments zweifelt.
- Wenn sich die Angstsymptomatik oder die depressive Symptomatik gebessert
hat oder abgeklungen ist, darf das Antidepressivum nicht sofort abgesetzt
werden, es besteht sonst eine hohe Rückfallgefährdung. Bei reinen
Angststörungen kann ein Absetzen dann früher erfolgen, wenn sich der Patient
eine Verhaltenstherapie begonnen hat und der bisherige Verlauf erwarten lässt,
dass er die Symptomatik alleine mit der Psychotherapie bewältigen kann.
- Die Einnahme der Antidepressiv muss oft langsam mit steigender Dosis
begonnen werden, damit die Nebenwirkungen weniger zu Tage treten. Beim
Absetzen sollte man, besonders bei höheren Dosen ebenso langsam vorgehen.
Dabei ist das Vorgehen vom Antidepressivum und vom individuellen Patienten
abhängig. Antidepressiva mit sehr langer Halbwertszeit wie Fluoxetin kann man
schneller absetzen als solche mit kurzer Halbwertszeit wie
Citalopram. Bei
vorausgehender schwererer Störung muss man mit dem Absetzen vorsichtiger sein
als bei leichteren Störungen.
- der häufigste Fehler ist aber, dass bei fehlender Wirksamkeit nicht bis
zum Auftreten von Nebenwirkungen bzw. bis zur zulässigen Höchstdosis
therapiert wird, und dass zu früh die Behandlung beendet wird

Die Auswahl der
Medikamente
Antidepressiva werden in verschiedene Gruppen eingeteilt. Imipramin ist
das älteste Antidepressivum (45 Jahre alt) und es konnte schon sehr früh gezeigt
werden, dass es gegen Angstattacken wirkt.
Imipramin ist das älteste Antidepressivum überhaupt, unter den "alten"
trizyklischen Antidepressiva" ist es auch das Antidepressivum mit dem besten
Wirkungsnachweis in der Behandlung von Panikstörungen. Alle Antidepressiva
sind stimmungsaufhellend und langfristig antriebsnormalisieren, den Namen haben
sie von ihrem hauptsächlichen Einsatzort bei Depressionen. Ob auch alle
bei Panikstörungen wirken ist zumindest unklar. Der Begriff trizyklisch bezieht
sich auf die 3 Ringe in der chemischen Formel dieser bestimmten Antidepressiva,
zu denen Imipramin gehört und wird zB. auch im Gegensatz zu tetrazyklischen (4
Ringe) Antidepressiva verwendet. Alle trizyklischen Antidepressiva wirken über
eine Serotonin und Noradrenalin- Wiederaufnahmehemmung, sie haben dabei
unterschiedliche Schwerpunkte und wirken auch unterschiedlich auf weitere
Neurotransmittersysteme. Pardoxerweise scheint bei manchen Depressionen sogar
ein Überangebot an Serotonin und Noradrenalin vorzuliegen, auch hier scheinen
Antidepressiva zu einer Normalisierung beizutragen. Andere Einteilungen
orientieren sich am Rezeptorangriffspunkt. In der Depressionsbehandlung
wirkt zuerst aktivierend und antriebssteigernd, später stimmungsaufhellend.
Schon 1964 also vor mittlerweile fast 40 Jahren konnte der amerikanische
Psychiater Klein in einer Studie die Wirksamkeit des Antidepressivums
Imipramin (auch als Tofranil im Handel)
in der Behandlung von Panikstörungen nachweisen. Inzwischen gibt es
17 Studien, die diese Wirksamkeit bestätigten. Nach einer Behandlung mit
Imipramin bleiben 45%–70% der Patienten frei von Panikattacken, verglichen mit
15%–50% von denen die Placebo erhielten. Bei Langfristbehandlungen bleibt der
Effekt von Imipramin erhalten, während Patienten, die auf Plazebo ansprachen
häufig früh einen Rückfall erleiden. In den Behandlungsgruppen ging auch die
Angst vor der Angst zurück, auch das Vermeidungsverhalten besserte sich deutlich
im Vergleich zu den Plazebogruppen. In der Regel dauert es mindestens 4 Wochen
deutlicher Effekt eintritt, bis ein voller Antipanikeffekt vorhanden ist, dauert
es 8-12 Wochen. Die Angst vor der Angst und das Vermeidungsverhalten gehen
zurück, wenn die Panikattacken gebessert sind. Die meisten Menschen
vertragen Imipramin bei informierter stufenweiser Steigerung der Dosis in einen
wirksamen Bereich gut. Das Antidepressivum muss aber besonders bei
Angstpatienten langsam eindosiert werden. Nebenwirkungen treten besonders in den
ersten Wochen auf und gehen später meist zurück. Bei einer Prostatahypertrophie
mit Restharnbildung darf Imipramin in der Regel nicht, oder zumindest nur nach
Absprache mit dem Urologen gegeben werden. Auch bei unbehandeltem
Engwinkelglaukom (grüner Star) darf Imipramin nicht gegeben werden. Bei
bestimmten Vorschädigungen des Herzen können ebenfalls Kontraindikationen oder
die Notwendigkeit einer vorherigen Konsultation eines Kardiologen bestehen. Im
Zweifel müssen diese Erkrankungen vor Beginn der Behandlung ausgeschlossen
werden. (sonstige Kontraindikationen siehe Beipackzettel). Imipramin darf nicht
gleichzeitig mit MAO-Hemmern (Moclobemid auch Aurorix, Tranylcypromin auch
Jatrosom, Phenelzin, Selegelin auch Movergan) gegeben werden In den ersten
Wochen, ist also zunächst mit zusätzlichen Nebenwirkungen zu rechnen. Manche
dieser Nebenwirkungen ähneln den Symptomen von Angstattacken. Am häufigsten sind
dabei Schwitzen, Tremor =Zittern, Schwindel (durch Blutdruckabfall beim
schnellen Aufstehen), Verschwommensehen, Herzklopfen, innere Unruhe, oder
seltener Müdigkeit oder Schlafstörungen. Dies Nebenwirkungen treten umso weniger
auf, je langsamer die Dosis gesteigert wird und sie gehen im Verlauf zurück.
Durchhalten lohnt sich also. Obgleich manche berichten, dass bereits 10 mg
Imipramin gut wirksam seien, so ist doch davon auszugehen, dass meist unter
75-100mg keine ausreichende Wirksamkeit eintritt. Viele Studien wurden mit 200mg
durchgeführt. Die Anfangsdosis liegt in der Regel zwischen 10 und 25 mg. Die
Datenlage spricht eindeutig für langfristige Behandlungen. Die langfristig
relevanteste Nebenwirkung ist die mögliche Gewichtszunahme. Sexuelle
Funktionsstörungen spielen nach einer Studie bei der Langzeitbehandlung keine
große Rolle mehr. (Daten aus einer Studie in der mit 2.25 mg/kg/Tag also mit für
deutsche Verhältnisse relativ hohen Dosen behandelt wurde, Mavissakalian M,
Perel J, Guo S. Specific side effects of long-term imipramine management of
panic disorder. J Clin Psychopharmacol 2002 Apr;22(2):155-61)
Andere trizyklische Antidepressiva: In
einzelnen Studien zeigte sich auch Clomipramin (auch als Anafranil im Handel)
wirksam gegen Panikattacken. Ob die anderen Trizyklischen Antidepressiva wie
Amitryptilin, Doxepin, .. gegen Panikattacken wirken ist nicht ausreichend
untersucht, wird aber von vielen angenommen. Trazodon war in einer Studie
deutlich weniger wirksam als Imipramin, oder Alprazolam zeigte aber in einer
anderen Studie eine Überlegenheit gegen Plazebo, was aber auch an der
sedierenden Nebenwirkung liegen kann. Nefazodon erwies sich in 2 Studien als
wirksam, ist von der Wirkungsweise sonst dem Trazodon ähnlich, was über die
letzten Aussagen Fragen offen lässt. Maprotilin war in einer Studie den SSRI
unterlegen,
Mirtazapin ist
nicht
ausreichend
bezüglich
seiner
Wirksamkeit
untersucht. Die Ergebnisse zu Desipramin in 2 Studien widersprechen sich.
Alle Trizyklischen Antidepressiva können bei Überdosierung gefährliche
Nebenwirkungen haben.
Insidon®
wird häufig verordnet, nimmt eine Zwischenstellung zwischen Antidepressiva
und Beruhigungsmitteln ein. Es hat eine sofort einsetzende beruhigende Wirkung,
die nicht so stark ist wie bei Benzodiazepinen, dafür soweit man weiß ohne
Abhängigkeitsgefahr. Die Blockierung der Panikattacken ist aber auch wesentlich
schwächer als bei andern Antidepressiva, auch wenn langfristig ein
antidepressiver Effekt und auch eine Verminderung der Zahl der Panikattacken zu
beobachten ist.
Heutzutage ist die Auswahl des Antidepressivums
meist an den Nebenwirkungen ausgerichtet. Dabei kann ein Teil der Nebenwirkungen
bei manchen Patienten erwünscht sein. Dies trifft zum Beispiel für den
sedierenden oder müde machenden Effekt bei Patienten mit Schlafstörungen oder
innerer Unruhe zu, aber auch für appetitsteigernde Wirkung mancher
Antidepressiva bei Menschen die durch ihrer Depression massiv an Gewicht
abgenommen haben, oder auch umgekehrt. Bei Depressionen ist dabei die Auswahl
angesichts der Vielzahl verschiedener Antidepressiva groß. Die Auswahl richtet
natürlich auch nach der zu erwarteten Wirksamkeit bei der Erkrankung. Dies
schränkt die Auswahl bei Panikstörungen ein, da nur für einige Antidepressiva
hier ein Wirkungsnachweise vorliegt. Ob bestimmte neuere
Antidepressiva wie Remergil®
(Mirtazapin), Nefadar
(Nefazodon)
®,
Edronax®....auch gegen Panikattacken wirksam sind,
ist bisher nicht ausreichend untersucht. Berücksichtigt
werden müssen dann aber noch eine Vielzahl anderer Gesichtspunkte wie
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Wirkdauer,
Ängste vor Nebenwirkungen, usw.
zurück zum
Seitenanfang
Serotonin- Wiederaufnahmehemmer
(SSRI) scheinen nach Meinung vieler und auch nach manchen Studien ein
günstigeres Nebenwirkungsprofil (und damit mehr Sicherheit) und eine genauso
gute Wirksamkeit zu haben. Vor allem die Stoffe Fluvoxamin, Fluoxetin
, Sertalin, Paroxetin,
Citalopram haben hier eine nachgewiesene Wirkung
bei Angststörungen. In Deutschland sind die SSRI Escitalopram, Citalopram und
Paroxetin und der SNRI Venlafaxin
hierfür
zugelassen. Es gibt aber keine Hinweise, dass Fluvoxamin,
Fluoxetin oder Sertalin bei nahezu identischem Wirkmechanismus weniger wirksam
wären,
allgemein wird
für die SSRI
von einem
Klasseneffekt
ausgegangen. Ob der Effekt genauso gut oder gar besser ist als bei Imipramin ist noch unklar. Die Datenlage ist insgesamt noch schlechter als für
trizyklische Antidepressiva. Eindeutige Unterschiede in der Wirksamkeit der
Substanzen gibt es nicht. In der Wirkung sind sie dem Imipramin ähnlich.
Auch sie machen nicht süchtig, die antipanische Wirkung tritt auch hier
mit Verzögerung ein, später als die eventuellen Nebenwirkungen (unter anderem
Angstverstärkung). Bei raschen Absetzen können besonders bei den kurz wirksamen
Absetzsymptome auftreten, die mit der ursprünglichen Symptomatik verwechselt
werden können. Also immer ausschleichen. Nebenwirkungen auf das Herz sind sehr
selten. SSRI können auch bei Menscheun mit Glaucom oder Prostatahypertrophie
gegeben werden. Bei Überdosierungen haben sie ein deutlich geringeres Risiko als
trizyklische Antidepressiva. Wesentlich für viele Patienten ist, dass sie in der
Regel keine Gewichtszunahme auslösen. SSRIs
erhöhen
das
Blutungsrisiko
auf das
1,9 bis
2,6 fache,
dies kann
nach einem
Herzinfarkt
als
blutverdünnende
Wirkung
interessant
sein, bei
vorhandenem
Magengeschwür
etc. aber
ein
erhebliches
Risiko
sein.
Arch
Intern
Med.
2004;164:2367-2370. Ein Wundermittel sind also auch die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer nicht. Nach den Anfangsnebenwirkungen, die nach
2- 3 Wochen fast immer verschwunden sind, ist die häufigste Nebenwirkung eine
Verminderung der sexuellen Lust. Wie in der Tabelle unten gezeigt scheint diese
Nebenwirkung je nach SSRI unterschiedlich ausgeprägt zu sein. Die meisten
Patienten vertragen diese Medikamente, dabei verschwinden die
Nebenwirkungen meistens nach 1-3 Wochen so, dass subjektiv keine mehr empfunden
werden. Wie bei den trizyklischen Antidepressiva ist es auch bei den SSRI
sinnvoll, diese bei Angstpatienten einzuschleichen, da Angstpatienten bezüglich
der Nebenwirkungen häufig empfindlicher sind. Auch
für SSRI gilt eine ähnlich lange Dauer bis zu einem Wirkungseintritt wie für
Imipramin. In der Regel dauert es mindestens 4 Wochen deutlicher Effekt
eintritt, bis ein voller Antipanikeffekt vorhanden ist, dauert es 8-12 Wochen.
Die Angst vor der Angst und das Vermeidungsverhalten gehen zurück, wenn die
Panikattacken gebessert sind. Zumindest
dann, wenn das Antidepressivum der wesentliche Behandlungsschwerpunkt ist, gilt
auch hier dass eine Langzeitbehandlung über mindestens ein Jahr sinnvoll ist.
Alle Antidepressiva wirken vermutlich an verschiedenen Angriffspunkten, dies
trifft auch für die SSRI zu. Vieles ist dabei noch nicht ausreichend erforscht.
Neben der Wiederaufnahmehemmung an der Synapse haben Antidepressiva auch
Wirkungen auf die Synthese und den Abbau von biogenen Aminen.
MAO- Hemmer sind nach der
Studienlage wirksam, allerdings ist die Wirksamkeit möglicherweise geringer als
für SSRI. Der reversible MAO-Hemmer Moclobemid birgt weniger Risiken als der
irreversible MAO-Hemmer Tranylcypromin, der strenge diätetischer Maßnahmen
erforderte (keine tyramin-haltigen Nahrungsmittel wie Käse, Salzheringe, Wein,
Bier, Feigen etc.). Eine Kombination mit SSRI, Segelin, Tryptophan oder
Imipramin ist nicht möglich und gefährlich, je nach Halbwertszeit müssen
therapeutische Abstände eingehalten werden.
|
|
| Für alle Medikamente gibt es
Kontraindikationen und sie können nicht beliebig kombiniert werden.
Deshalb muss die Behandlung durch einen erfahrenen Arzt überwacht und
gegebenenfalls angepasst werden. Empfehlung: Hände weg vor
Medikamentenhandel im Internet! |
|
|
Wirksubstanz |
|
|
|
|
| Nebenwirkung |
Fluvoxamin |
Fluoxetin |
Paroxetin |
Citalopram |
Sertalin |
|
|
|
|
|
|
| Übelkeit /Schwindel |
+++ |
+++ |
+++ |
+++ |
+++ |
| Schlafstörungen |
+++/ |
++(+) |
++ |
+++ |
++(+) |
| Nervosität |
++ |
++(+) |
++ |
(+) |
+(+) |
| Kopfschmerz |
++ |
++ |
+ |
+++ |
+ |
| Schwitzen |
+ |
++ |
+++ |
+++ |
++ |
| Tremor |
++ |
++ |
+++ |
+++ |
++(+) |
| Sexualstörung² |
+ |
+++ |
+++ |
++ |
++ |
| + selten unter 2% ++ gelegentlich 2-7% +++ sehr häufig. Da es sich um
neue Medikamente handelt, sind die Angaben mit Vorsicht zu bewerten. Die
meisten der hier genannten Nebenwirkungen treten zu Beginn der Behandlung
auf und verschwinden dann nach 1-3 Wochen. Ausnahme Überdosierung
(serotonerges Syndrom). Ausnahme auch die Sexualstörung die, wenn sie
auftritt manchmal während der gesammten Einnahmezeit anhaltend ist.
² bis zu 70% aller depressiven Patienten leiden unter irgend
einer Art sexueller Dysfunction vor Beginn der Behandlung, von diesen muß
bei 2/3 diese Dysfunktion als mäßig bis schwer eingestuft werden. Häufig
bessert sichdiese Funktionsstörung mit Besserung der Depression. Diese
Tatsache und daß häufig schlecht nachgefragt wird, macht die Beurteilung
dieser Nebenwirkung der Medikamente schwierig. Nach: Assessment of
sexual dysfunction in depressed patients and reporting attitudes in
routine daily practice: Results of the postmarketing
observational studies with moclobemide, a reversible MAO-A inhibitor, G
Laux et al. International Journal of Psychiatry in Clinical Practice ISSN
1365-1501 Volume 4 ,Issue 1 : Mar 2000 |
| Nebenwirkung |
weniger
wahrscheinlich unter |
wahrscheinlicher
unter |
Kardiovaskulär
|
SSRIs
|
Imipramin
|
Sedatierung
|
SSRIs
|
Imipramin
|
Schlaflosigkeit
|
Imipramin
|
SSRIs
|
Anticholinergisch wie Mundtrockenheit, Verstopfung
|
SSRIs
|
Imipramin
|
Gewichtszunahme
|
SSRIs
|
Imipramin
|
Sexuelle
|
bestimmte SSRIs
|
Imipramin, bestimmte SSRIs
|
Bewegungsunruhe
|
Imipramin
|
SSRIs
|
Übelkeit/Durchfall
|
Imipramin
|
SSRIs
|
|
Magenblutungen |
|
SSRIs
1 Fall auf 8000 Verordnungen ähnlich wie niedrigsosiertes Indomethazin
Mechanismus beeinträchtigte Thrombozytenaggregation, (1) |
|
1)De Abajo FJ, García Rodríguez LA, Montero D. Association
between selective serotonin reuptake inhibitors and upper gastrointestinal
bleeding: population based case-control study. BMJ 1999;319:11069. |
|
Outcomes
(Abkürzungen unten erklärt) |
SSRI
weighted EER |
TCA
weighted CER |
RRR (95% CI) |
Weighted ARR |
NNT (CI) |
|
Mundtrockenheit |
21% |
55% |
61%
(54 to 66) |
34% |
3
(3 to 4) |
|
Verstopfung |
10% |
22% |
46%
(33 to 56) |
12% |
9
(7 to 13) |
|
Schwindel
|
13% |
23% |
45%
(30 to 56) |
10% |
10
(8 to 16) |
|
Übelkeit
|
22% |
12% |
83%
(53 to 119) |
10% |
11
(8 to 15) |
|
Durchfall
|
13% |
5% |
130%
(17 to 355) |
8% |
13
(8 to 59) |
|
Angst
|
13% |
7% |
77%
(18 to 165) |
6% |
16
(10 to 53) |
|
Agitation
|
14% |
8% |
66%
(-6 to 195) |
5% |
19
(10 to 437) |
|
Schlaflosigkeit
|
12% |
7% |
60%
(25 to 105) |
4% |
22
(15 to 46) |
|
Nervosität |
15% |
11% |
44%
(9 to 91) |
3% |
29
(17 to 99) |
|
Kopfschmerzen
|
17% |
14% |
31%
(12 to 53) |
|
33
(19 to 127) |
| EER=experimental group, CER= controls, Relative risk reduction is the
percent reduction in events in experimental group (EER) compared to
controls (CER), The ARR is the absolute arithmetic difference in the risk
of the adverse outcome between control group (CER) and experimental group
(EER), Confidence interval: The CI is the range within which we would
expect the true value of a statistical measure to lie. It is usually
accompanied by a percentage value that shows the level of confidence that
the true value lies within this range. For example, for an NNT of 10 with
a 95% CI of 5 to 15, we would have 95% confidence that the true NNT value
was between 5 and 15. NNT= numbers needed to treat um ein
Krankheitsereignis zu verhüten. |
Hier ein Beispiel der Auswahl von Psychopharmaka nach
den Nebenwirkungen unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen:
|
Sicherheit von Psychopharmaka bei Begeleiterkrankungen
|
| Für alle Medikamente gibt es
Kontraindikationen und sie können nicht beliebig kombiniert werden.
Deshalb muss die Behandlung durch einen erfahrenen Arzt überwacht und
gegebenenfalls angepasst werden. Empfehlung: Hände weg vor
Medikamentenhandel im Internet! |
| Manchmal
primär relativ sichere Medikamente können bei bestimmten
Begleiterkrankungen erhebliche Probleme bereiten. Hier am Beispiel
für die Probleme die im alter besonders häufig sind. |
|
Wahrscheinlichkeit von Problemen in Anlehnung
an The Expert Consensus Guideline
Series Treatment
of Agitation in Older Persons with Dementia Expert Knowledge
Systems LLC
www.psychguides.com/index.html |
+++ = zu
bevorzugen macht selten Probleme
++ = meist kein Problem aber möglich
+ = wahrscheinlicher Probleme
-- = oft Probleme |
| Problem von Seiten
einer Grunderkrankung |
Antipsychotika |
Anxiolytika |
Antiepileptika |
Antidepressiva |
|
|
RSP |
OLZ |
HP |
LP |
BSP |
BNZ |
DVP |
CBZ |
SSRIs |
TCAs |
TRZ |
| Fallneigung auf Grund von
Gangstörungen außer bei M. Parkinson |
++ |
++ |
+ |
-- |
++ |
-- |
++ |
+ |
+++ |
-- |
+ |
| Sehr schlechtes Gedächtnis |
++ |
++ |
++ |
-- |
++ |
-- |
++ |
++ |
+++ |
-- |
++ |
| Übelkeit schlechter Appetit |
++ |
++ |
++ |
++ |
++ |
++ |
++ |
+ |
+ |
++ |
++ |
| Lethargie |
++ |
+ |
+ |
-- |
++ |
-- |
+ |
+ |
++ |
+ |
-- |
| Verstopfung |
++ |
++ |
++ |
-- |
++ |
++ |
++ |
++ |
+++ |
-- |
++ |
| Angst vor Gewichtszunahme |
++ |
+ |
++ |
-- |
++ |
++ |
++ |
++ |
++ |
-- |
++ |
| Prostata Hypertrophie |
++ |
++ |
++ |
-- |
++ |
++ |
++ |
++ |
+++ |
-- |
++ |
| Abhängikeitsproblematik oder
Medikamenten- Mißbrauch |
+++ |
+++ |
++ |
++ |
++ |
-- |
++ |
++ |
++ |
++ |
++ |
| Herzinsuffizienz |
++* |
++* |
++ |
-- |
++ |
++ |
++ |
++ |
++ |
--† |
++ |
| Orthostatischer Hypotonus |
++* |
++* |
++ |
-- |
++ |
+ |
++ |
++ |
++ |
-- |
-- |
| Kardiale Überleitungsstörung
z.B. AV Block |
++* |
++* |
++ |
-- |
++ |
++ |
++ |
+ |
+++ |
-- |
+ |
| Angina pectoris |
++* |
++* |
++ |
-- |
++ |
++ |
++ |
++ |
++ |
--† |
++ |
| Lebererkrankung |
++ |
++ |
++ |
+ |
++ |
+ |
-- |
-- |
++ |
+ |
++ |
| Niereninsuffizienz |
++ |
++ |
++ |
+ |
++ |
++ |
++ |
++ |
++ |
+ |
++ |
| Epilepsie |
++ |
++ |
++ |
-- |
++ |
++ |
+++ |
+++ |
++ |
+ |
++ |
| Chronisch obstructive
Lungenerkrankung |
++ |
++ |
++ |
+ |
++ |
-- |
++ |
++ |
++ |
++ |
++ |
| Schlaflosigkeit |
+++ |
+++ |
++ |
+++ |
+ |
+++ |
+++ |
+++ |
-- |
+++ |
+++ |
| SSRIs:
selective serotonin reuptake Hemmer(wie Fuoxetin, Sertalin und andere;
TCAs: tricyclische Antidepressiva; NT: Nortriptylin; HP: Hoch potente
Neuroleptica; LP: niedrig potente Neuroleptika; Atyp: atypische
Neuroleptika; RSP: Risperidon; OLZ: Olanzapin; TRZ: Trazodon; BSP:
Buspiron; BNZ: Benzodiazepine; DVP: Vaproinsäure; CBZ: Carbamazepin; LFT:
Leber Functions Test; COPD: Chronic obstructive Lungenerkrankung |
zurück zum
Seitenanfang
|
zurück zum
Seitenanfang |
|
|
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer |
|
Seit
20 Jahren ist für die sogenannten Serotonin- Wiederaufnahmehemmer
(SSRI) eine Wirksamkeit gegen Panikattacken nachgewiesen worden
Der Name Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bedeutet, daß die präsynaptische
Wiederaufnahme des Neurotransmitters Serotonin aus dem
synaptischen
Spalt selektiv gehemmt wird. Dadurch steigt der Serotoninspiegel im
synaptischen Spalt langsam an. Das Serotoninangebot im synaptischen
Spalt und am Rezeptor wird also erhöht. Die Wirksamkeit der SSRI bei
bestimmten psychischen Störungen hat die Vermutung aufkommen lassen,
dass ein Serotoninmangel auch ursächlich an diesen Störungen beteiligt
ist. Der Neurotransmitter Serotonin spielt in der Psychiatrie seit
Jahren eine sehr große Rolle. Schon relativ früh war bekannt, daß
Serotonin bei depressiven Störungen von Bedeutung ist und zwar im Sinne
einer Verminderung des Serotoninspiegels im limbischen System. In den
letzten Jahren sind dann zuverlässige Befunde zu Angsterkrankungen,
Aggressivität, Zwangsstörungen, Impulskontrollstörungen und Suizidalität
hinzugekommen. Auch bei schizophrenen Psychosen spielt Serotonin eine
Rolle. Bei allen diesen Erkrankungen gibt es zu niedrige
Serotoninspiegel im synaptischen Spalt. Allerdings gilt dies nur für
bestimmte Regionen bzw. Regelkreise im Gehirn, die jeweils bei den
genannten Erkrankungen pathophysiologisch von Bedeutung sind. Je nach
Erkrankung ist die Störung des Serotoninstoffwechsels in einer anderen
Hirnregion angesiedelt. Eine Gruppe amerikanischer Forscher untersuchte
genauer was im Gehirn von Patienten mit Depressionen und Zwangsstörungen
im Gehirn unter der Behandlung mit einer dieser Substanzen passiert.
Obwohl beide Gruppen von Patienten die selbe Dosis des selben
Medikamentes über den identischen Zeitraum erhielt, zeigte sich im
Hirnstoffwechsel an ganz unterschiedlichen Stellen eine Reaktion.
Bereits vor Verabreichung zeigte der Hirnstoffwechsel wie zu erwarten in
den Patientengruppen unterschiedliche Auffälligkeiten. Patienten die an
reinen Zwangsstörungen litten zeigten eine Verminderung des
Hirnstoffwechsels im rechten Nukleus caudatus, in der rechten
ventrolateralen präfrontalen Hirnrinde und in der beidseitigen
orbitofrontalen Hirnrinde und im Thalamus. Ein Anschlagen der Behandlung
führte bei den Patienten mit Zwangsstörungen zu einer Verminderung des
striatalen Hirnstoffwechsels. Patienten mit einer Depression und
Patienten die sowohl an einer Zwangsstörung als auch eine Depression
litten zeigten eine Verminderung des Hirnstoffwechsels in der linken
ventrolateralen präfrontalen Hirnrinde und eine Steigerung des
Hirnstoffwechsels im rechten Striatum. . Patienten mit einer Depression
und Patienten die sowohl an einer Zwangsstörung als auch eine Depression
litten zeigten bei Ansprechen auf die Behandlung eine Zunahme des
striatalen Hirnsstoffwechsels. In beiden Gruppen war nur dann eine
Veränderung des Hirnstoffwechsels nachweisbar, wenn auch ein Ansprechen
der Symptome auf die Behandlung zu verzeichnen war. Sanjaya
Saxena, MD; Arthur L. Brody, MD; Matthew L. Ho, BS; Shervin Alborzian,
BS; Karron M. Maidment, RN; Narineh Zohrabi, BS; Mai K. Ho, BS;
Sung-Cheng Huang, PhD; Hsiao-Ming Wu, PhD; Lewis R. Baxter, Jr, MD
Differential Cerebral Metabolic Changes With Paroxetine Treatment of
Obsessive-Compulsive Disorder vs Major Depression http://archpsyc.ama-assn.org/issues/v59n3/abs/yoa20376.html
Der Serotoninspiegel im peripheren Blut korreliert nicht ausreichend mit
den Serotoninkonzentrationen in bestimmten Hirnregionen, auch nicht der
Serotoninspiegel im Liquor. Es ist deshalb nicht möglich, aus Blut- oder
Serumspiegel-Bestimmungen auf psychische Probleme zu schließen ! Es gibt
bisher auch sonst keine Labordiagnose von Angststörungen oder
Depressionen. Im übrigen gehen wir heute davon aus, daß nicht die
Störung eines einzelnen Neurotransmitters für die Erkrankung
verantwortlich ist, sondern vielmehr das Gleichgewicht verschiedener
Neurotransmittersysteme (z.B. Noradrenalin, Dopamin, Acetylcholin etc.).
Die Korrelation zwischen biochemischen Auffälligkeiten und klinischer
Symtomatik ist sowieso nie vollständig, da immer noch weitere Faktoren
(psychologisch, sozial) eine Rolle spielen. Auch Erlebnisse beeinflussen
eindeutig den Hirnstoffwechsel und auch den Serotoninstoffwechsel im
Besonderen. PET Untersuchungen zeigen eindeutig, dass beispielsweise
auch Psychotherapie, wenn sie hilft den Hirnstoffwechsel verändert, dort
insbesondere bei Depressionen und Angststörungen auch den
Serotoninstoffwechsel normalisiert. Die Bestimmung von zentralen
Serotonin-Konzentrationen ist einigermaßen zuverlässig nur mit
bestimmten bildgebenden Verfahren (z.B. PET) möglich. Diese Untersuchung
spielt aber bishernur in der Forschung eine Rolle. Die Kenntnis über den
Serotoninstoffwechsel hat zur Entwicklung von selektiven
Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) geführt, die heute einen
wesentlichen Teil der Therapie von Depressionen, Angst- und
Zwangserkrankungen darstellen. So einfach sind die
Erklärungsmodelle beim also Gehirn nicht: Serotonin ist keine Substanz,
der ganz bestimmte Funktionen zugeschrieben werden können, sondern es
bindet an mehrere verschiedene Rezeptorsubtypen, die je nach Typ, aber
auch Lokalisation, unterschiedliche Funktionen maßgeblich bestimmen oder
auch nur modulieren. Die einzelnen Serotoninrezeptoren können sogar
gegensinnig wirken. Serotonin ist vor allem ein Neuromodulator, der
viele Prozesse im Gehirn, auch andere Neurotransmittersysteme,
modifiziert. Je nach Ausgangslage werden überschießende Aktivitäten also
gehemmt oder schwache verstärkt. Über Interaktionen erreichen die
SSRIs also nicht nur das Serotoninsystem, sondern viele andere
Neurotransmitter und deren Funktionen. Dazu kommen die zahlreichen
sekundären Effekte bei chronischer Einnahme: Präsynaptische, die
Serotoninfreisetzung hemmende Autorezeptoren und postsynaptische
Rezeptoren werden regional verschieden in ihrer Dichte und Affinität
verändert, so daß sich als Nettoeffekt ein neues Gleichgewicht
ausbildet. All das soll nur verdeutlichen, daß SSRIs zwar im Labor unter
der Überlegung entstanden sind, ein in die Pathophysiologie gezielt
eingreifendes Mittel gegen eine "Serotoninmangeldepression" zu
entwickeln, daß der Fortschritt der neurobiologischen Forschung die
ursprüngliche Theorie aber längst überholt hat. Was geblieben ist, ist
eine hochwirksame Substanzgruppe mit anfangs nicht geahnten
Möglichkeiten, deren genaues Wirkprinzip aber wieder unscharf geworden
ist. Mit der Neuromodulatorfunktion von Serotonin ist aber die
theoretische Grundlage dafür bekannt, warum SSRIs so viele
Indikationsbereiche erobern konnten. (Teilweise zitiert nach:
Therapie mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI)
Indikationen, Nutzen und Risiken Von D. Ebert (Fortschr. Med. 114.Jg.
(1996), Nr. 18-19, S. 243-247)
Nach einer Analyse von 473 Patienten mit einer Überdosis von Selektiven
Serotonin reuptake Hemmern (SSRI) reicht für die Diagnose des
Serotoninsyndroms ein Klonus (induzierbar, spontan oder okulär),
Agitation, Schweißausbrüche, Tremor, Hypertonus, Temperaturerhöhung und
Hyperreflexie als Leitsymptome aus. (Hunter Serotonin Toxicity
Criteria) Sensitivität 84% und Spezifität 97%.
Dunkley EJ, Isbister GK, Sibbritt D, Dawson AH, Whyte IM. The Hunter
Serotonin Toxicity Criteria: simple and accurate diagnostic decision
rules for serotonin toxicity. QJM. 2003 Sep;96(9):635-642.
Whyte IM, Dawson AH, Buckley NA.Relative toxicity of venlafaxine and
selective serotonin reuptake inhibitors in overdose compared to
tricyclic antidepressants.QJM. 2003 May;96(5):369-74.
Kurze Erklärung zur Grafik: Eine
medikamentöse Behandlung soll ein im Körper gestörtes Gleichgewicht
wieder herstellen. Sie ist deshalb immer nur indiziert, wenn eine
beeinträchtigende Störung dieses Gleichgewichts vorliegt.
Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) gehören zu den sichersten
Medikamenten überhaupt, die auf dem Markt sind. SSRI enthalten kein
Serotonin, sie führen nur dazu, dass das Serotonin an der
Synapse nicht recycelt werden kann und erhöhen
so in einen Zeitraum von Tagen die Serotoninkonzentration an den
Synapsen im Gehirn. Anhaltende Schädigungen
durch diese Medikamente sind sehr selten. Dennoch sollten sie von
jemandem verordnet und überwacht werden, der die Nebenwirkungen kennt.
Auch Überdosierungen führen meist nicht zu schweren Komplikationen.
Schwere Komplikationen sind aber bei individueller Überempfindlichkeit,
und dann vor allem in Kombination mit bestimmten anderen Medikamenten
oder auch mit beispielsweise größeren Mengen Grapefruitsaft möglich.
Dabei sind auch vereinzelte Todesfälle möglich. Auftretende
Nebenwirkungen sollten deshalb mit dem Arzt besprochen werden. Es ist
davon auszugehen, dass dann immer rechtzeitig reagiert werden kann.
| Medikamente und Mechanismus der vermehrten Verfügbarkeit von Serotonin - besondere Gefahr des Serotoninsyndroms |
| Mechanismus |
Medikamente |
| Vermehrte Verfügbarkeit von Serotoninvorläufern |
L-Tryptophan |
| Vermehrte Freisetzung von Serotonin an der Synapse |
Amphetamin, Kokain, MDMA (‘‘Ecstasy’’), Fenfluramin, Reserpin, Tetrabenazin, Levodopa, Dextromethorphan, Meperidine, Opioidanalgetika |
| Serotoninwiederaufnahme- Hemmer |
Johanniskraut, bestimmte Antidepressiva*, Meperidin, Dextromethorphan, Tramadol |
| Verminderter Abbau von Serotonin |
MAO-Hemmer, Selegelin |
| Post-synaptische Serotoninrezeptoragonisten |
Buspiron, 5-HT1 Agonisten (Triptane), Lithium, Carbamazepin |
| *Besonders bei Kombination der SSRI Paroxetin, Clomipramin, Sertralin, Fluoxetin, Venlafaxin, Dothiepin, Fluvoxamin, Imipramin, Citalopram, kann aber auch bei anderen Kombinationen von SSRI mit Antidepressiva Probleme bereiten |
| Modifiziert nach
KARL J. LOOPER, M.D.Potential Medical and Surgical Complications of Serotonergic Antidepressant Medications Psychosomatics 2007; 48:1–9 |
Aktueller Artikel zum Serotonin- Syndrom:
Patrik Stephan, Fritz Ramseier, Mario
Etzensberger, Eveline Jaquenoud Sirot, Klonus, Hyperreflexie und
Agitation bei einer Patientin mit hohem Fluvoxamin-Serumspiegel:
Symptome der Serotonin-Toxizität
Schweiz Med Forum 2008;8:100–103 |
|
Reversible MAO-Hemmer ( in Deutschland im Handel,
Moclobemid,) werden ebenfalls bei Angststörungen verschrieben. Die
Risiken sind hier wesentlich geringer als bei dem früheren irreversiblen
MAO-Hemmern. Eine Wirksamkeit ist hier bisher allerdings nur für soziale
Phobien nachgewiesen. Über spezielle Verhaltensregeln und
Kontraindikationen bezüglich anderer Medikamente sollte Sie ihr Arzt
unterrichten. |
Wo Antidepressiva sonst noch eingesetzt
werden
- Depressive Syndrome aller Art oder Auslösung. Die
frühere Meinung, daß nur sogenannte endogene Depressionen auf
Antidepressiva ansprechen ist nachweislich falsch.
- posttraumatische Streßreaktion
- Somatoforme Störungen Also körperliche Symptome
verschiedener Art mit seelischem Ursprung.
- Psychosomatische Störungen
- Zwangssyndrome, Zwangsgedanken, Zwangshandlungen
(Nur für bestimmte AD wie Clomipramin und SSRI nachgewiesene Wirkung)
- Chronische Schmerzsyndrome hier besonders
Amitryptilin und Clomipramin, die anderen Antidepressiva haben hier
bisher nur wenig gesicherte Wirkungsnachweise, bei bestimmten
Schmerzkrankheiten wie beispielsweise der Fibromyalgie sind sie
Schmerzmitteln weit überlegen.
- Schlafstörungen (die sedierenden Antidepressiva wie
Trimipramin oder Doxepin) Vorteil gegen Schlafmittel kein
Abhängigkeitspotential
- Entzugssyndrome (vorübergehend zur Abmilderung der
Entzugserscheinungen und nur wenn keine Entzugsanfälle bekannt sind.)
- Eßstörungen (Anorexie, Bulimie) Ebenfalls
nur bestimmte Antidepressiva mit erwiesener Wirkung
- Affektstörungen nach einem Schlaganfall (Weinen ohne Grund auch
als Affektlabilität bezeichne ist die Häufigste davon). Sie werden
pathologisch- anatomisch der mediobasalen Temporalregion
(mesolimbisches System) zugeordnet.
Sie haben also in
unterschiedlichem Maße eine stimmungsaufhellende (thymoleptische)
entängstigende (anxiolytische, antiphobische) psychomotorisch
enthemmende ("aktivierende, antriebssteigernde") psychomotorisch
dämpfende ("sedierende") Wirkung. schmerzstillende ("analgetische")
Wirkung oder schlafanstoßende ("hypnotische") Wirkung. Ihre Auswahl bei
einer Depression berücksichtigt neben den Nebenwirkungen auch die
Notwendigkeit oder Erwünschtheit der anderen Wirkungen bei dem
speziellen Patienten. Antidepressiva haben beim Gesunden
keinen Einfluß auf die Stimmung, sie machen im Gegensatz zu
Beruhigungsmitteln nicht abhängig, sie verändern nicht die
Persönlichkeit des Menschen. sie wirken nicht "symptomverschleiernd",
sondern machen in Fällen eine effektive Psychotherapie oft erst möglich.
Antidepressiva haben in therapeutischer Dosierung eine Reihe von (meist
harmlosen) Nebenwirkungen, sie verursachen jedoch keine bleibenden,
irreversiblen Schäden. Alle Nebenwirkungen sind nach Absetzen
vollständig reversibel. |
Wie lange ist dieSubstanz im Körper (Beispiele) Die
Halbwertszeit gibt an, nach welcher Zeit noch die Hälfte der Substanz im
Körper ist.
| Für alle Medikamente gibt es
Kontraindikationen und sie können nicht beliebig kombiniert werden.
Deshalb muss die Behandlung durch einen erfahrenen Arzt überwacht und
gegebenenfalls angepasst werden. Empfehlung: Hände weg vor
Medikamentenhandel im Internet! |
|
Halbwertszeit |
Halbwertszeit des
aktiven Metabliten |
| Medikament |
|
|
| Fluvoxamin |
15-22 h |
|
| Fluoxetin |
1-3 Tage |
7-15 Tage |
| Paroxetin |
7-65 h |
|
|
Citalopram |
33 h |
33 h |
| Sertalin |
23 h |
66 h (bis 90h) |
| Amitryptilin |
8-80 |
|
| Imipramin |
4-54 |
|
| Clomipramin |
21 |
|
| Moclobemid |
2-4 |
|
| Venlafaxin |
5-11 |
|
| Trimipramin |
21,4 |
|
| Trazodon |
10-12 |
|
| Nefazodon |
2-4 |
|
| Für alle Medikamente
gibt es Kontraindikationen und sie können nicht beliebig kombiniert
werden. Deshalb muss die Behandlung durch einen erfahrenen Arzt
überwacht und gegebenenfalls angepasst werden. Empfehlung: Hände
weg vor Medikamentenhandel im Internet! |
| Problematik der
Arzneimittel-Richtlinien am Beispiel der
Behandlung der Panikstörung mit Agoraphobie
|
| Substanz |
Wirksamkeit |
Dosis in mg |
Zulassungsstatus |
Bemerkungen |
| Imipramin |
+++ |
100-200 |
keine Zulassung |
Wirksamkeit am besten belegt
im Vergleich zu allen anderen Medikamenten, internat. Standardmedikament |
| Clomipramin
|
++ |
100-200 |
Phobien und Panikstörung |
|
| Fluvoxamin |
++ |
100-200 |
Keine Zulassung für
Panikstörungen oder Phobien, zugelassen nur bei Zwangstörungen und
Depressionen |
|
| Paroxetin |
++ |
40-60 |
Phobien und Panikstörung |
|
|
Citalopram |
++ |
20-40 |
keine Zulassung |
besser verträglich als
Paroxetin |
| Fluoxetin |
++ |
20-40 |
Keine Zulassung für
Panikstörungen oder Phobien, zugelassen nur bei Zwangstörungen und
Depressionen |
|
| Alprazolam (link
zu Benzodiazepinen allg. engl |
+++ |
4-6 |
Phobien und Panikstörung |
Benzodiazepin,
Abhängigkeitsrisiko |
| Moclobemid |
+ |
300-600 |
keine Zulassung, zugelassen
für soziale Phobie |
|
|
Betablocker (link zu
engl Infos über B. |
0 |
|
keine Zulassung |
Häufig von Internisten
verwendet, in Studien unwirksam bei dieser Indikation |
| Valproat |
0 |
|
keine Zulassung |
|
| Lithium |
0 |
|
keine Zulassung |
Nebenwirkungen
| Wirksubstanz |
Anticholinerg |
Benommenheit |
Schlafstörung/ Agitation |
Orthostatische
Hypotension |
Herzrhythmus störungen |
Gastro intestinale
Störungen |
Gewichts zunahme |
| Trizyklisch |
|
|
|
|
|
|
|
| Amitriptylin |
++++ |
++++ |
o |
++++ |
+++ |
o |
++++ |
| Desipramin |
++ |
+ |
+ |
++ |
++ |
o |
+ |
| Doxepin |
+++ |
++++ |
o |
++ |
++ |
o |
+++ |
| Imipramin |
+++ |
+++ |
+ |
++++ |
+++ |
+ |
+++ |
| Clomipramin |
++++ |
++ |
+ |
+ |
+++ |
+ |
+++ |
| Nortriptylin |
++ |
+ |
o |
++ |
++ |
o |
+ |
| Trazodon (atypisches TZA) |
o |
++ |
o |
+ |
+ |
+ |
+ |
| Trimipramin |
++ |
++ |
o |
++ |
++ |
o |
+ |
| Tetrazyklisch |
|
|
|
|
|
|
|
| Maprotilin |
++ |
++++ |
o |
++ |
+ |
o |
++ |
| Mianserlin |
+ |
++ |
o |
++ |
+ |
o |
+ |
| MAO-I |
|
|
|
|
|
|
|
| Monoaminooxydase- Hemmer |
+ |
+ |
++ |
++ |
o |
+ |
++ |
| RIMA |
|
|
|
|
|
|
|
| Moclobemid |
o |
o |
+ |
o |
o |
+ |
o |
| Johanniskraut |
o |
o |
o |
o |
o |
+ |
o |
| o keine Nebenwirkungen oder selten auftretend + wenig auftretend ++
mäßig häufig auftretend +++ häufig auftretend ++++ sehr häufig
auftretend |
|
| Antidepressiva
ohne oder mit kaum sedierender Komponente für gehemmt-depressive
Symptome (+ = wirksam bei reinen Angststörungen) |
Antidepressiva mit
sedierender Komponente für agitiert-ängstliche depressive Syndrome (alle
ohne Wirkungsnachweis bei reinen Angststörungen) |
| Tranylcypromin + |
Doxepin |
| Moclobemid (+) |
Amitriptylin |
| Fluoxetin + |
Mirtazapin |
| Fluvoxamin + |
Nefazodon |
| Paroxetin + |
Amitriptylinoxid |
| Venlafaxin + |
Trimipramin |
| Viloxazin |
Mianserin |
| Desipramin + |
Trazodon |
| Nortriptylin |
Maprotilin |
| Imipramin + |
|
| Clomipramin + |
|
| Dibenzepin |
|
|
Citalopram + |
|
| Sertalin + |
|
| Reboxetin |
|
| Bei mehr als 70% der Patienten mit einer Depression
lässt die sexuelle Lust nach. Dies um so mehr je schlimmer die
Depression ist; dies in Studien ohne Medikamente. Oft wird das
Nachlassen der sexuelle Lust als eines der gravierendsten Symptome der
Depression empfunden. (Casper RC, Redmond DE, Katz MM,
Schaffer CB, Davis JM, Koslow SH. Somatic symptoms in primary affective
disorder. Presence and relationship to the classification of depression.
Arch Gen Psychiatry 1985;42:1098-104. und Schreiner-Engel P, Schiavi RC.
Lifetime psychopathology in individuals with low sexual desire. J Nerv
Ment Dis 1986;174:646-51.) Unabhängig von der Ursache bessert
sich die Stimmung, wenn sich die sexuelle Lust bessert und umgekehrt.
Eine Vielzahl von Medikamenten kann einen Negativen Einfluss auf die
Libido haben . Am bekanntesten sind hier Betablocker, die Magenmittel
Cimetidin (Tagamet), (im Gegensatz zu Ranitidin (Zantic), auch Östrogene
können obwohl sie das Wohlbefinden bei Gabe in den Wechseljahren
verbessern die sexuelle Lust vermindern. Von den Alltagsdrogen Alkohol
und Zigaretten ist ein solcher Effekt ebenfalls gut dokumentiert. Nach
Studien treten bei einen Teil (ca 30%) der Patienten die bestimmte
Antidepressiva einnehmen, durch diese Medikamente sexuelle
Funktionsstörungen auf. Wenn darüber geklagt wird, muss immer auch nach
anderen Ursachen, wie andere Drogen oder Medikamenten und nach
Partnerschaftskonflikten gefragt werden. Lässt sich keine andere Ursache
finden und ist ein Zusammenhang zum Antidepressivum wahrscheinlich, muss
ggf. umgestellt werden auf ein Substanz, die solche Funktionsstörungen
seltener oder gar nicht auslöst. |
|
Effekt verschiedener
Psychopharmaka auf die Libido |
|
Medikament |
Libidoeffekt |
anderer sexueller Effekt |
| |
|
|
| SSRIs:
Fluoxetin, Paroxetin (Tagonis, Seroxat), Fluvoxamin, Citalopram
(Cipramil, Sepram, Sertralin (Zoloft) |
Verminderung |
Anorgasmie, verzögerte Ejakulation, erektile Dysfunktion |
| Imipramin
(Tofranil), und andere Trizyklika |
Verminderung |
Erektile
Dysfunktion |
|
Bupropion |
Vermehrt |
Keiner |
| Trazodon
(Thombran) |
Vermehrt |
Priapismus (selten) |
| Nefazodon
(Nefadar) |
Unverändert |
Keiner |
|
Antipsychotika |
|
|
|
Haloperidol (Haldol) , Thioridazin (Melleril), Risperidon
(Risperdal) |
Verminderung |
Anorgasmie, erektile Dysfunktion, schmerzhafte Ejakulation |
|
SSRIs = selective serotonin reuptake
inhibitors.
- Montejo-Gonzalez AL, Llorca G, Izquierdo JA, Ledesma
A, Bousono M, Calcedo A, et al. SSRI-induced sexual dysfunction:
fluoxetine, paroxetine, sertraline, and fluvoxamine in a prospective,
multicenter, and descriptive clinical study of 344 patients. J Sex
Marital Ther 1997;23:176-94.
- Kingsberg SA. Postmenopausal sexual functioning: a
| |