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Rückenschmerz Seite 18
Orthesen
(Stützkorsette)
An
der Lendenwirbelsäule werden Flexionsorthesen in der Vorstellung eingesetzt, dass
sie
durch intraabdominelle (im Bauchraum) Druckerhöhung das Bewegungssegment entlasten und
die Lordose (Krümmung) der Lendenwirbelsäule abflachen, um die Zwischenwirbellöcher zu
erweitern. Der Nutzen ist nicht belegt. Korsette sind bei Bandscheibenvorfällen
nicht sinnvoll, außer wenn mechanische Schmerzen infolge Listhesis oder
Mikroinstabilität hinzukommen. Der Anwendung passiver therapeutischer Maßnahmen
wie Orthesen sollte eine kritische fachärztliche Indikationsstellung vorangehen.
Unabdingbare Voraussetzung für die vorübergehende Versorgung mit einer
Rumpforthese ist
die gleichzeitige Verordnung von muskelkräftigenden Übungen im Rahmen der
Krankengymnastik. Stützkorsette haben ein ganz erhebliches Nebenwirkungsrisiko, sie
können bei unkritischer Anwendung auch zu einer Chronifizierung und Verschlimmerung der
Beschwerden auf Dauer führen. Man sollte ohne wirklich dringenden Grund darauf
verzichten. Außer nach bestimmten Operationen sollten sie immer nur
stundenweise oder zu bestimmten Belastungen getragen werden. Eine Woche Orthese
macht mehr kaputt als 4 Wochen Krankengymnastik aufbauen können.
Dies gilt in besonderem Maße auch für die HWS. Die frühfunktionelle
krankengymnastische Übungsbehandlung der akuten HWS-Distorsion ist der Therapie
mit der weichen Zervikalstütze signifikant überlegen. (Siehe auch M.
Schnabel, et al Ergebnisse der frühfunktionellen krankengymnastischen
Übungsbehandlung nach HWS-Distorsion, Der Schmerz, 16 Issue 1 (2002) pp 15-21)
Salben:
durch die Haut anwendbare Entzündungshemmer und Erwärmer
Einreibemittel
mit Salicylsäurederivaten, hyperämisierenden (überwärmend durch
Gefäßerweiterung) Stoffen und ätherischen Ölen sind sehr beliebt. Sie verbessern
möglicherweise auch durch die lokale Massagewirkung die Befindlichkeit des Patienten;
einen Beleg ihrer Wirksamkeit bei Rückenschmerzen, z. B. im Sinne einer Schmerzlinderung
oder Entzündungshemmung, gibt es jedoch nicht. Zudem sei auf unerwünschte lokale
Reaktionen, insbesondere Allergisierungen, hingewiesen.
Pharmakotherapie
(Medikamente)
Die
medikamentöse Therapie degenerativer Wirbelsäulenerkrankungen ist symptomatisch und soll
die physikomechanischen Maßnahmen unterstützen. In der akuten Phase sollten
diese Medikamente während einiger Tage regelmäßig eingenommen werden und nicht
nur beim Auftreten von Schmerzen. So lassen sich schwer zu bekämpfende starke
Schmerzschübe verhüten. In der subakuten und chronischen Phase sollten die
Medikamente hingegen nur beim Auftreten von Schmerzen eingenommen werden. Aufgrund der geringeren Nebenwirkungen
sollten zunächst Schmerzmittel (Paracetamol) angewendet werden. (beachten Sie aber auch
hier die Höchstdosis auf der Packungsbeilage, auch frei verkäufliche Schmerzmittel
können bei unsachgemäßer Anwendung tödliche Folgen haben) Nehmen sie den plichtgemäßen Rat der Pharmaindustrie ernst und fragen Sie Ihren Arzt. Bei
unzureichender Wirkung von einfachen Scherzmitteln werden nichtsteroidale (nicht
Kortisonhaltige) Antiphlogistika/ Antirheumatika (NSAR) eingesetzt werden. Hinsichtlich
ihrer Wirksamkeit zeigen die derzeit zur Anwendung kommenden NSAR keine wesentlichen
Unterschiede, während aussagefähige epidemiologische Untersuchungen darauf hinweisen,
dass bestimmte Substanzen, wie z. B. Ibuprofen und Diclofenac, über ein deutlich
geringeres gastrointestinales (Magen und Darm) Blutungsrisiko verfügen als z. B.
Azapropazon, Ketoprofen oder Piroxicam. Bevorzugt sollten daher Substanzen mit geringerer
gastrointestinaler Toxizität (Giftigkeit) in der niedrigsten wirksamen Dosis eingesetzt
werden.
"Häufig werden Schmerzmittel als intramuskuläre
Injektion (=Spritze meist in das Gesäß) mit Diclofenac oder einer verwandten
Substanz verabreicht. Man weiß heute von diesem Medikament bzw. diesen
Injektionen, dass: - Diclofenac nach 20 Minuten nahezu die selben
Wirkspiegel im Blut erreicht, egal ob als auflösbare Tablette oder Spritze
verabreicht wird - Die Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt bei Spritze und
Tablette gleich sind, weil das Medikament nicht direkt am Magen bei der Einnahme
angreift, sondern über die Blutbahn wirkt. - Durch Spritzen allgemeine
Komplikationen entstehen können, wie Blutergüsse, Abszesse und Nervenschäden -
Insbesondere Schmerz- und entzündungshemmende Mittel wie Diclofenac bei
Injektionen schwere, unter Umständen sogar lebensbedrohliche allergische
Reaktionen auslösen können. Daher wird bei einer Muskelinjektion von Diclofenac
(o.ä.) eine einstündige Nachbeobachtung in der Praxis dringend empfohlen." - Von
den intramuskulären Injektionen ist deshalb abzuraten, bei Kortisonspritzen ist
übrigens das Risiko eines Spritzenabsesses noch höher als beim reinen
Schmerzmittel. (Zitat aus:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/medizinische_klinik/Abteilung_2/Sektion_Allgemeinmedizin/forschung/pdf/patientenmerkblatt_spritze.pdf
)
In der Summe sind die häufigen Verabreichungen von
Schmerzmitteln oder Kortison als Spritzen unsinnig und gefährlich.
Spritzen führen möglicherweise manchmal zu einem rascheren Anstieg des
Wirkstoffspiegels gegenüber der Tablette. Dafür lässt die Wirkung bei i.v. Gabe
schnell nach. Bei i.m. Gabe ist die Wirkung nicht unbedingt schneller
gegenüber der Tablette. Spritzen haben keinen Vorteil gegenüber der
Einnahme des selben Wirkstoffs als Tablette. Es besteht ein deutlich höheres
Allergierisiko gegenüber der Tablette, das Risiko für Magenschmerzen ist gleich
hoch, am Injektionsort besteht die Gefahr von Hämatomen,
Nervenverletzungen, und Spritzen-Abszessen.
Muskelrelaxantien Sie können in der akuten Phase bei unspezifischen Lumbalgien
nützlich sein, um ausgeprägte Versteifungen der paravertebralen Muskulatur zu
lösen. Nebenwirkungen sind jedoch häufig, weshalb ihr Einsatz von Fall zu Fall
sorgfältig abzuwägen ist. Kortikosteroide: Es besteht keine gesicherte Evidenz
für ihre Wirksamkeit, die vorliegenden Studien sind widersprüchlich. Wichtiger
als Medikamente ist in der Regel möglichst frühzeitig die gewohnten Aktivitäten
wieder aufzunehmen und für die meisten Menschen sich generell mehr zu bewegen.
Ruhe ist meist höchsten 2–3 Tage indiziert. Zitat:" Da eine längere Ruhephase so
oft mit einer ungünstigen Entwicklung einhergeht, ist es entscheidend, mit der
Behandlung früh einzusetzen und die Patienten dazu anzuhalten, ihre
gewohnten beruflichen und persönlichen Verrichtungen weiter zu führen. In den
meisten Fällen kann es dazu beitragen, die Gefahr von chronischen Erkrankung und
Invalidität zu verringern, wenn man die Patienten zu einer Veränderung ihrer
Lebensgewohnheiten mit mehr Bewegung zu motivieren versucht"
Schweiz Med Forum 2006;6:542–548.
Schmerzen machen ungeduldig und manchmal
verzweifelt. Schmerzen drängen Patienten wie Ärzte zu invasiven Behandlungen.
Dass es damit schneller besser wird, ist in den meisten Fällen von vorneherein
unwahrscheinlich. In einer neuen Studie bei Patienten mit akuten Rückenschmerzen
wurden die Patienten in 4 Gruppen eingeteilt. Alle Patienten erhielten nach dem
gegenwärtigen Stand der Leitlinien die Anweisung aktiv zu bleiben und sich wegen
der Schmerzen nicht ins Bett zu legen.
-
Gruppe 1 Paracetamol + 2x50 mg Diclofenac
tgl. plus eine scheinbare manuelle Therapie
(Ultraschallanwendung mit ausgeschaltetem Gerät).
-
Gruppe 2 Paracetamol + echte manuelle
Therapie plus Placebomedikamente.
-
Gruppe 3 Paracetamol + Kombination aus
echter manueller Therapie und Diclofenac.
-
Gruppe 4 Paracetamol + scheinbare manuelle
Therapie und Placebo als Medikament.
Im Ergebnis trat weder durch Diclofenac noch durch manuelle
Therapie eine schneller Besserung der Beschwerden ein Paracetamol und der
Hinweis aktiv zu bleiben, waren genauso effektiv, wie die
Kombinationsbehandlungen. Intensivere Behandlugen bewirken oft nicht mehr, als
dass der Patient vermittelt bekommt, dass etwas getan wird, und dadurch die
empfundene Hilflosigkeit und Ängste auf Grund der Schmerzen besser ertragen
werden. Mark J Hancock et al., Assessment of
diclofenac or spinal manipulative therapy, or both, in addition to recommended
first-line treatment for acute low back pain: a randomised controlled trial,
Lancet 2007; 370: 1595-1596 DOI:10.1016/S0140-6736(07)61686-9
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Beispiele
ausgewählter Schmerzmittel bei Erwachsenen
|
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Substanz
|
Übliche Einzel-
Dosierung
(mg)
|
Wirkdauer der
Einzeldosis Std |
Maximaldosis
(mg/Tag)
|
|
Acetylsalizylsäure
(Aspirin, ASS) |
325–650 alle 4 Stunden |
3-6 |
3000 |
|
Paracetamol |
250-1000 |
3-6 |
3000 oder 50 mg/kg KG
|
|
Ibuprofen |
200–400 alle 4-6
Stunden |
4–6 |
2400 |
Ketoprofen
|
12,5–50 alle 4-6
Stunden |
4–8 |
250 |
|
Diclofenac |
50 |
6–8 |
150 |
|
Celecoxib |
400 initial, weitere
200 am ersten Tag, dann 200 2x täglich |
12–24 |
400 |
|
Bitte beachten Sie die Beipackzettel und
sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Medikamente, die Sie einnehmen. Für
Einzelpersonen können auch frei verkäufliche Schmerzmittel schwere
Nebenwirkungen haben. Beispielsweise kann
Acetylsalizylsäure
Asthmaanfälle und Magenblutungen auslösen, Paracetamol kann bei
Überdosierung schwere Lebenschäden auslösen...
(siehe auch unter Schmerzmedikamente) |
Weitere Literatur zur Schmerzbehandlung:
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