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Rückenschmerz Seite 5

Abb. aus Roche Lexikon Medizin

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wichtige mechanische Definitionen
Die Wirbelsäule besteht
aus 33 Wirbeln, weist nach ventral (nach vorne = Lordose)
und dorsal (nach hinten = Kyphose)
gerichtete Krümmungen auf. Im Wirbelkanal liegt das Rückenmark,
von dem die Nervenwurzeln und Spinalnerven austreten. Nach vorne wird
der Wirbelkanal von den Wirbelkörpern nach der Seite und hinten von den
Wirbelbogen (Arcus vertebrae) gebildet. Die Wand des Wirbelkanals
wird zusätzlich von Bändern, vorne (Richtung Bauch) dem Ligamentum.
longitudinale posterius, hinten und an der Seite von den Liggamenta.
flava gebildet. Am einzelnen Wirbel nennt
man den Wirbelkanal auch Foramen vertebrale. Zwischen den vorne
(Richtung Bauch) liegenden Wirbelkörpern (Corpus vertebrae) befinden
sich Bandscheiben. Neben den Bandscheiben sind die Wirbel sind durch
Gelenke und Bänder miteinander verbunden. Nach hinten sind die Wirbel sind durch
Zwischenwirbelgelenke beweglich miteinander verbunden. 2 Wirbel mit
dazwischen liegender Bandscheibe bilden ein Bewegungssegment.
Zwischen benachbarten Wirbeln sind Öffnungen der Wirbelsäule für
Spinalnerven, die man Foramina intervertebralia nennt. Ähnlich
wie bei einem Bandscheibenvorfall, kann auch deren Einengung eine
Nervenwurzel reizen. Die Rückenmuskulatur ermöglicht Bewegungen der Wirbelsäule mit Streckung,
Beugung, Seitwärtsbewegungen, und Rotationen, sie stabilisiert den
des Rücken zusätzlich und vermindert die Last, die Knochen, Gelenke und
Bandscheiben tragen müssen.
Bei degenerativen
Wirbelsäulenerkrankungen unterscheidet man je nach Lokalisation
Zervikal (Hals), 7 Halswirbel (Vertebrae
cervicales) (C1–C7)=Halswirbelsäule (HWS)
Thorakal
(Bereich der Brustwirbelsäule) 12 Brustwirbel (Vertebrae thoracicae)
(Th1–Th12)=Brustwirbelsäule (BWS)
und Lumbalsyndrome
(Lendenwirbelsäule) 5 Lendenwirbel (Vertebrae lumbales)
(L1–L5)=Lendenwirbelsäule (LWS). Zwei Drittel der Erkrankungen entfallen auf den
unteren Abschnitt der Lendenwirbelsäule. Bleiben die Beschwerden auf die
betroffene Wirbelsäulenregion beschränkt, spricht man von einem lokalen
Syndrom, an der Lendenwirbelsäule von einem lokalen Lumbalsyndrom.
Die je 5 Wirbel des
Kreuzbein (Os sacrum) und des Steißbeins sind jeweils miteinander
verwachsen.
Die Beweglichkeit der
Hals-Wirbelsäule ist am größten, im Brustwirbelsäulenbereich ist die
Beweglichkeit durch die Rippen geringen, dafür die Stabilität höher.
Hauptrichtungen
der Bewegungen in der Wirbelsäule sind Beugung und Streckung im Hals-
und Lendenbereich, Seitwärtsneigung und Drehung in Hals- und
Brustwirbelbereich.
Die Bandscheiben bestehen aus einem festen Kollagen-
Faserknorpelring und einem weichen Gallertkern. Diese keilförmigen
Zwischenwirkelkörper liegen als Puffer
zwischen den Wirbelknochen und ermöglichen zusammen mit den Wirbelgelenken
die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Sie machen 1/4 der Länge der
Wirbelsäule aus. Bereits im dritten Lebensjahrzehnt
zeigen die Bandscheiben Verschleißerscheinungen. Sie binden weniger
Wasser und werden dadurch weniger elastisch. Die stoßdämpfende Funktion
lässt dadurch nach, und es kommt leichter zu Rißbildungen im
Faserknorpelring. Übermäßiger
Druck, und Vibrationen begünstigen ebenso wie mangelnde Bewegungen den
Verschleiß der Bandscheiben. Sie sind die Ursache der
Bandscheibenvorfälle, die gehäuft zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr
auftreten. Im späteren Alter werden sie durch Schrumpfung des Gewebes
seltener. Wenn der Faserknorpelring einreißt, verlagert sich der
Gallertkern. Drückt er auf empfindliche Strukturen wie Bänder oder
Nerven, resultieren Schmerzen und Ausfallerscheinungen. Man unterscheidet
die Bandscheibenvorwölbung = Protrusion, von dem Vorfall = Prolaps.
Bei der
Vorwölbung ist der Faserknorpelring erhalten, sie kann sich vollständig
zurückbilden. Wenn die vorgefallene Bandscheibe auf Nervenwurzeln drückt,
kann es zu einer Reizung der Nervenwurzeln mit Taubheitsgefühl,
Schmerzen und Lähmungen
kommen. Die Schmerzen können die Muskelanspannung erhöhen, wodurch der
Reiz und Druck auf die Nervenwurzel verstärkt werden kann. In einfachen Röntgenaufnahmen stellt sich der
strahlendurchlässige Knorpel der Bandscheibe nicht dar.
Computertomographie und Magnetresonanztomographie lassen Bandscheibenveränderungen erkennen. |

Kernspintomograhisches Bild eines großen Bandscheibenvorfalls bei L5/S1
(häufigste Lokalisation).

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Strahlen die Schmerzen
durch Wurzelkompression oder pseudoradikuläre
Symptomatik in die unteren Extremitäten (Beine) aus, so
bezeichnet man dies als lumbales Wurzelsyndrom bzw.
Ischialgie, wobei je nach Anzahl der affizierten (betroffenen)
Nervenwurzeln weiterhin zwischen einem mono- und polyradikulären Syndrom (radix
die Wurzel hier Nervenwurzel, mono- heißt „eine“
poly- „viele“) unterschieden werden kann.
Das Kaudasyndrom
(gemeint ist hier die Druckschädigung vieler Nervenwurzeln durch einen
großen Vorfall oder das Zusammenwirken eines auch kleineren Vorfalls mit
einem engen Wirbelkanal) stellt eine besonders schwere Form des
polyradikulären lumbalen Wurzelsyndroms dar. Die resultierenden
unterschiedlichen neurologischen Ausfälle erfordern unterschiedliche
therapeutische Konsequenzen
– Chondrose:
Verschmälerung des Zwischenwirbelabstandes eines oder mehrerer
Wirbel-Segmente im Vergleich zu den restlichen ohne
Deckplattensklerosierung der Wirbelkörper.
--Osteochondrose:
Bandscheibenverschmälerung wie bei Chondrose mit Sklerose der angrenzenden
Deckplatten der Wirbelkörper.
--Spondylose:
Knöcherne Ausziehungen an den Wirbelkörpern, häufig „traction spur” des
Längsbandes als segmentales Hypermobilitätszeichen, gelegentlich auch
spondylotische Spangenbildung mit Überbrückung eines Segmentes.
Osteochondrose und Spondylose sind typische Zeichen einer Degeneration
mit dem Älterwerden. Altern ist ein natürlicher Vorgang, dem jedes
Gewebe im Organismus unterliegt. Die Alterungsvorgänge im
Zwischenwirbelraum und den Wirbeln setzen etwas schneller ein, als an
anderen Körpergeweben, da sie stark mechanisch
beansprucht werden und die Bandscheiben keine direkte Blutversorgung
haben.
Spondylolyse: Es handelt sich um eine Stressfraktur durch
die Pars interartikularis mit Defektbildung im Bereich der Wirbelbögen,
die angeboren sein kann aber auch durch sich häufig wiederholende
Flexions-Extensions- und Rotationsbewegungen, wie bei bestimmten
Sportarten oder Tätigkeiten ausgelöst sein kann. Die Lumbosakralregion ist
dafür besonders anfällig, da die bewegliche Lendenwirbelsäule in Relation
zum fixierten Becken bewegt wird. Entsprechend treten diese
Veränderungen am häufigsten an der LWS auf. Die Schmerzen sind meist lokal
und bei Extension und Rotation sowie im Liegen bei Nacht schlimmer.
Die Spondylolyse kann die
Ursache einer Spondylolisthesis sein.
Spondylolisthesis
Eine Spondylolisthesis ("Wirbelgleiten") tritt dann auf, wenn eine
beidseitige Spondylolyse dazu führt, dass sich die Wirbel gegen einander
verschieben können. Das Wirbelgleiten ist eine häufige Erkrankung. Es existiert eine
angeborene Form sowie eine Form des höheren Lebensalters, welche aufgrund
von Abnutzungserscheinungen der Lendenwirbelsäule entsteht. Zudem können
Instabilitäten nach Wirbelsäulenoperationen mit einem Wirbelgleiten
einhergehen.
Das Wirbelgleiten beschreibt einen Zustand, in welchem ein Wirbelkörper
aus dem biomechanisch stabilen Verbund der Lendenwirbelsäule austritt und
auf dem darunter liegenden Wirbel nach vorn gleitet. Dieser Vorgang kann
langsam voranschreiten und kommt bei der angeborenen Verlaufsform von
selbst nicht zur Ruhe. Aufgrund des Gleitvorganges entstehen 2, für die
Schmerzen verantwortlichen, Situationen. Zum Einen verändert sich die
gesamte Biomechanik der Lendenwirbelsäule nachhaltig, Wirbelgelenke,
Bänder und Muskulatur sind einer enormen Belastung ausgesetzt. Zum Anderen
verengt sich durch den Gleitvorgang der Wirbelkanal, wodurch die Nerven
und das Rückenmark geschädigt werden können. Gefühlsstörungen, Schwäche
und Lähmungserscheinungen können die Folge sein. Zudem sind tiefsitzende
Kreuzschmerzen besonders im Stehen und Gehen typische Symptome.
Wird ein Wirbelgleiten zufällig diagnostiziert und ist der Patient
beschwerdefrei, ist keine spezifische Therapie notwendig. Ein konsequentes
Training der Rumpfmuskulatur, Vermeidung von Übergewicht sowie eine
angepasste Lebensführung sollten jedoch beachtet werden.
Haltungstypen:
Normalhaltung: harmonische meist wenig ausgeprägte
Krümmung mit HWS-Lordose, BWS-Kyphose und LWS- Lordose,
Rundrücken: Eine vermehrte BWS-Kyphose mit kmpensatorisch
vermehrter Lordose der LWS.
Hohlrundrücken: deutlich verstärkte Krümmungen im
BWS und LWS Bereich.
Flachrücken: deutlich verminderte Ausprägung
der physiologischen Krümmungen. |

Computertomographisches Bild eine Bandscheibenvorfalls |
--Spondylarthrose:
Spondylose und arthrotische Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke.
Spondyloarthropathien: hierunter fasst man die
entzündlichen Gelenkerkrankungen der Wirbelsäule und der
sakroiliakalen Gelenke zusammen, häufig ist auch noch eine Iritis,
Beschwerden an den Sehenansätzen und eine andere periphere Arthritis
beteiligt. Eingeschlossen wird hier auch die ankylosierende
Spondylitis (Bechterew), die reaktive, psoriatische und enteropathische
Arthritis. Meist sind zunächst die Sehenansätze betroffen, der Entzündung
folgt die Fibrose und Ossifikation. Die Betroffenen
leiden meist unter Mogensteifigkeit, Schmerzen mit Ausstrahlung in die
Gesäßregion.
Iliosakralgelenks-Syndrom,
Schmerzsyndrom, ausgehend vom Kreuzdarmbeingelenk oft dort eine Arthrose
Lumbago:
umschriebener, heftiger, drückend-ziehender Schmerz; akutes Auftreten
häufig beim Bücken, Wiederaufrichten, Körperdrehungen, Lastenheben, in 2/3
aber ohne erfragbaren Anlass; nur 1-2 % dieser Patienten entwickeln
Ischialgie oder Bandscheibenvorfall |
schematisches
Bild eines Bandscheibenvorfalls |
Lumbalgie:
langsam einsetzender, anhaltender Kreuzschmerz, sonst wie oben
Lumboischialgie: akuter oder chronischer, meist ziehend-
reißender
Schmerz mit Ausstrahlung in Gesäß und/oder Bein, verstärkt Drucksteigerung
beim Husten, Niesen, Pressen. Im Volksmund Ischias genannt.
Bandscheiben-Protrusion: Vorwölbung
des Gallertkerns in den intakten Faserring
Bandscheiben-Prolaps oder Vorfall:
Vorwölbung des Gallertkerns in den nicht mehr intakten bzw. durchbohrten
Faserring
Bandscheiben-Sequester: abgerissene
Anteile des Gallertkerns im Wirbelkanal |
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Das Rückenmark reicht nur bis zum ersten oder zweiten
Lendenwirbel, entsprechend kann bei den häufigsten
Bandscheibenvorfällen in der unteren Lendenwirbelsäule oder bei einer
Operation dort auch keine Rückenmarksschädigung passieren. Dort können nur
die Nervenwurzeln geschädigt werden. |



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Tarlov Zysten sind Zysten, die sich meist am
Kreuzbein finden. Sie sind den meningealen Divertikeln und Meningozelen
ähnlich. Meist machen sie keine Symptome. Es sind allerdings erhebliche
neurologische Ausfallserscheinungen möglich. In einer Kernspinstudie mit
500 Patienten mit Rückenschmerzen fand sich bei 4,6% der Patienten eine
Tarlov Zyst, 21% von diesen machten Symptome. Diese entstehen durch Druck
auf die Nervenwurzeln. Typische Symptome sind Rückenschmerzen,
Hüftschmerzen, Ischialgieforme Beschwerden, Taubheitsgefühle und andere
Sensibilitätsstörungen im Bereich der betroffenen Nervenwurzeln. Manchmal
eine Claudicatio intermittens der Cauda equina. Neben dem Kernspinbefund
ist vor allem der klinisch neurologische Befund und eventuell ein EMG sowie
ein Tibialis-SSEP für die Diagnose entscheidend. Operiert wird nach der
Methode von Mummaneni et al, dabei wird Fett an die Stelle gelegt an der
die Zyste entfernt wurde um zu vermeiden, dass sich diese wieder füllt.
Rezidive kommen dennoch vor. Vor einer Entscheidung über eine Op sollte
ein Neurologe oder Neurochirurg entscheiden ob die Zyste tatsächlich
verantwortlich für die Symptome ist. Dieser weiß in der Regel auch am
besten wo in der Nähe Erfahrung mit der operativen Behandlung besteht.
http://www.tarlovcyst.net/
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Facettensyndrom:
Als
Facettengelenke bezeichnet man die kleinen an den Querfortsätzen die Wirbel
liegenden Gelenke zwischen den Wirbeln (Intervertebralgelenke). Nach
manualtherapeutische Definition entsteht hier ein pseudoradikuläres (ohne
Beeinträchtigung der Nervenwurzeln) Schmerzsyndrom durch Reizung der gut
innervierten Gelenkkapseln, ausgehend von den Gelenkfacetten der
Interpedunkulargelenke. Ursächlich soll eine vermehrte Belastung der
Facettengelenke durch Lockerung der Bänder bei verminderter Bandscheibendicke
(Altersdegeneration, Vorfall) und eine hierdurch bedingte Instabilität der
Wirbelsäule sein, die zu einer Abnutzung der kleinen Wirbelkörper führt.
Neuroanatomische Studien haben freie und eingekapselte Nervenendigungen in den
Facettengelenke nachweisen können, die Substance P und Calcitonin- Gen-related
peptide enthalten. Sehr sensible Mechanorezeptoren und mechanisch empfindliche
Nozizeptoren wurden dort ebenfalls nachgewiesen. Auch nach plötzlichen
Überdehnungen wie bei Unfällen (z.B. Schleudertraumen), kann es zu einem
Facettensyndrom kommen
(The
Journal of Bone and Joint Surgery (American). 2006;88:63-67) Das
Syndrom ist als eigenständiges Schmerzsyndrom umstritten, manche Autoren
sprechen von einem dorsalen Kompartmentsyndrom des Bewegungssegments. Die
Internationale Gesellschaft zum Studium des Schmerzes geht davon aus, dass
Facettengelenkssyndrome bei 15% - 45% der Patienten mit chronischen
Rückenschmerzen, bei 54% - 60% der Patienten mit chronischen Nackenschmerzen und
bei 42% - 48% der Patienten mit thorakalen Rückenschmerzen eine Rolle spielen.
Gefolgert wird dies aus dem Erfolg der Lokalanästhetika in der Behandlung
dieser Schmerzen. Wobei da diese Lokalanästhetika nicht wirklich mit einem
Plazebo vergleichbar sind (Patient spürt immer die Wirkung), der Beweis aus
dieser Annahme nicht zwingend nachvollziehbar ist. Hinweisend soll eine
Schmerzlinderung bei Entlordorsierung der LWS sein. Über freie Nervenendigungen
von Gelenkkapsel, Synovia und Periost der Interpedunkulargelenke vermittelte
nozizeptive Schmerzen bei oft durch arthrotische Veränderungen begünstigten
Gelenkdistorsionen. Beschwerden: diffus-flächiger, tief empfundener, häufig
stechend-brennender Schmerz, im Bereich der LWS meist durch Hyperlordosierung
provozierbar; einschießender Charakter bei Fehlbewegungen. Neben Bewegung und
Physiotherapie werden Infiltrationstherapien mit Kortikoiden empfohlen. Ob
letztere einen Vorteil gegenüber einer oralen Einnahme haben, ist zumindest
umstritten. Eventuell sinnvoller ist eine Infiltration der versorgenden Nerven
mit Lokalanästhetika, allerdings ist diese ebenfalls nur kurz wirksam.
Angewendet wird auch eine Denervierung mit verschiedenen Techniken( z.B.
Radiofrequenzneurolyse, Kryochirurgie).
Boswell MV, Colson JD, Spillane WF.
Therapeutic facet joint interventions in chronic spinal pain: a systematic
review of effectiveness and complications.
Pain Physician. 2005 Jan;8(1):101-14. Niemistö L, Kalso E, Malmivaara A,
Seitsalo S, et al. Radiofrequency denervation for neck and back pain. A
systematic review within the framework of the Cochraine Collaboration Back
Review Group. Spine 2003;28:1877–88.
Medizinische Diagnosen haben für viele Patienten
etwas geheimnisvolles, das Latein kann die Ängste verstärken und zur
Chronifizierung der Beschwerden beitragen. Beispiele:
- Kreuzschmerz = Lumbalsyndrom, Lumbago, Lendenwirbelsäulensyndrom,
LWS-Syndrom, „Low back pain, LBP“, oft dann auch unterteilt in
akutes und chronisches Lumbalsyndrom. Lokales Lumbalsyndrom meint,
dass der Kreuzschmerz auf die Lendenwirbelsäule begrenzt ist.
- Rückenschmerz= Dorsalgie,
- Kreuzschmerz, der ins Bein zieht = Lumboischialgie oder Ischialgie,
im Volksmund Ischias oder Hexenschuss. Peudoradikulär meint in diesem
Zusammenhang, dass der ins Bein oder in den Arm ausstrahlende Schmerz,
nicht von einer Nervenwurzel ausgeht. Radikulär entsprechend dass der
Schmerz von einer Nervenwurzel ausgeht.
- Lumbales Wurzelsyndrom meint, dass sich der Schmerz auf die
Druckschädigung einer Nervenwurzel im Bereich der Lendenwirbelsäule
beziehen lässt. Dies ist zuverlässig nur möglich wenn
Ausfallserscheinungen im Versorgungsgebiet dieser Nervenwurzel
nachweisbar sind.
- degenerativ= auf Abnutzungserscheinungen zurückgehend, bzw. auf
Verschleiß zurückgehend
- Bandscheibendegeneration = natürlicher Alterungsprozess der
Bandscheibe mit Verlust an Flüssigkeit und Elastizität. Tritt
beschleunigt bei langjährigem Tragen schwerer Lasten oder ständig
vornüber gebeugter Tätigkeit auf. Wird dann auch allgemein als
Discopathie bezeichnet.
- verspannte Muskulatur = Myogelosen,
- Nackenschmerz = HWS-Syndrom, Cervikalsyndrom, oder Zervikalsyndrom
- Nackenschmerz in den Arm ziehend = Cervikobrachialgie, Zervikobrachialgie
- Nackenschmerz in den Kopf ziehend = Cervikocephalgie, Zervikozephalgie (oft
Fehldiagnose für eine Migräne etc.)
- Schulter-Armschmerz = Schulter-Arm-Syndrom
- Schmerzen im Arm = Brachialgie
- Blockierung= Vom Chiropraktiker getastete Einschränkung der
Beweglichkeit der Wirbelgelenke, ohne dass eine radiologisch
nachweisbare Verletzung der Gelenke vorliegt. Jeder Schmerz und jede
Schmerz auslösende oder schmerzbedingte muskuläre Anspannung führt zu
einer Einschränkung der Beweglichkeit der Wirbelsäulen nahen Muskulatur.
Dabei ist auch definitiv kein Wirbel "ausgerenkt".
Es ist also in der Regel keine anatomisch nachweisbare Veränderung
sondern eher ein subjektives Beschwerdebild gemeint, dass entsprechend
als Blockierung oder Einschränkung der Beweglichkeit der Gelenke
interpretiert wird.
- Steißbeinschmerzen = Kokzygodynie
- Schmerzen nach/trotz Bandscheibenoperation=Postdiskotomie-Syndrom,
Postdiskektomie-Syndrom, failed back Syndrom,
- Schmerzen im Bereich der Brust oder zwischen den Schulterblättern=
Brustwirbelsäulensyndrom Synonym, BWS-Syndrom, Thorakalsyndrom.
Thorakale radikuläre Neuropathie, Thorakale Radikulitis.. Im
Gegensatz zu den beiden anderen Wirbelsäulenabschnitten ist die
Brustwirbelsäule besonders stabil und wenig anfällig Schmerzen zu
verursachen. Daher besonders verdächtig auf eine Fehldiagnose, hier muss
in besonderem Maße z.B. ein Herzinfarkt, eine koronare Herzerkrankung,
Angststörungen etc. ausgeschlossen werden. Kribbeln, Taubheitsgefühl im
Arm oder der Hand, haben anatomisch definitiv allermeistens nichts mit
der Brustwirbelsäule zu tun. (einzige Ausnahme sehr seltenes Th1 Syndrom
mit Ausstrahlung an der Innenseite des Armes bis Unterarm ulnar).
Alle oben genannten lateinischen Begriffe sagen weder etwas über den
Schweregrad der Schmerzen noch über deren Ursache aus. Der
Informationsgehalt der Begriffe ist nicht größer, als der der deutschen
Übersetzung. Auch ursächlich zuordnende Begriffe wie Bandscheibenvorfall =
Prolaps, Vorwölbung = Protrusion,
Osteoarthrose,
Osteochondrose,
Spondylose,
Spondylarthrose,
Spondylolisthesis,
Spinalkanalstenose, sagen für sich alleine nichts über die
Bedeutung der anatomischen Veränderungen für den Patienten oder die daraus
resultierenden Beschwerden aus.
Einteilung eines Radiologen nach Verursachung
von Beschwerden:
Wahrscheinliche Beschwerden
bei folgenden radiologischen Befunden: Spondylolisthesis (mäßig
oder schwer), Multiple deutlich verschmälerte intervertebrale Bandscheiben,
angeborene Kyphose, schwere Skoliose, Osteoporose, Ankylosierende Spondylitis,
Lumbale Osteochondrose (M. Scheuermann)
Sehr unwahrscheinlich Beschwerden bei folgenden radiologischen Befunden:
Spina bifida occulta, einzelne verschmälerte intervertebrale Bandscheiben und
Spondylose, Fazettengelenksarthrose, Subluxation, Bandscheibenverkalkung (außer
in der thorakalen Wirbelsäule). Zusätzliche Wirbel (cervical, lumbar, oder
thorakal), Sakralisation von lumbalen Wirbeln, Lumbalisation von sakralen
Wirbeln, Hyperlordose (mäßig), Schmorl’sche Knötchen, akzessorische Knöchelchen
Fraglich Beschwerden bei folgenden radiologischen Befunden:
Spondylolyse, Spondylolisthesis (leicht), Kyphose (schwer), Skoliose (leicht bis
mäßig), Retrolisthesis von cervicalen, thorakalen oder lumbalen Wirbeln, lumbale
Skoliose(> 80°), Hyperlordose (schwer)
C. NORMAN SHEALY M.D Director (1974)
THE ROLE OF THE SPINAL FACETS IN BACK AND SCIATIC PAIN Headache:
The Journal of Head and Face Pain 14 (2), 101–104. doi:10.1111/j.1526-4610.1974.hed1402101.x
Hall FM. Back pain and the radiologist. Radiology 1980
Dec;137(3):861-3.
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Karl C. Mayer |
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