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Sexualstörungen
| Sexualität hat eine wichtige
Bedeutung für unsere körperliches und seelisches Wohlbefindens
siehe
auch unter vegetatives Nervensystem
Sexualität
Sexualität
ist ein
zentraler
Aspekt
des
Menschseins
während
des
gesamten
Lebens.
Sexualität
beinhaltet
Das
Geschlecht,
die
Geschlechtsidentität,
und die
Geschlechtsrollen,
die
sexuelle
Orientierung,
Erotik,
Spaß
und
Freude,
Intimität
und
Fortpflanzung.
Sexualität
wird
erfahren
und
ausgedrückt
durch
Gedanken,
Phantasien,
Wünsche
und
Begierden,
Glauben
und
Einstellungen,
Werte,
Verhaltensweisen,
Praktiken,
Rollen
und
Beziehungen.
Während
Sexualität
alle
diese
Dimensionen
einschließen
kann,
werden
diese
nicht
immer
empfunden
oder
ausgedrückt.
Sexualität
wird
beeinflusst
durch
eine
Wechselwirkung
zwischen
biologischen,
psychologischen,
sozialen,
wirtschaftlichen,
politischen,
kulturellen,
ethischen,
gesetzlichen,
historischen,
religiösen
und
spirituellen
Faktoren.
Sexuelle
Gesundheit
Sexuelle
Gesundheit
ist ein
Zustand
des
körperlichen,
emotionalen,
geistigen
und
sozialen
Wohlbefindens
in
Bezug
auf
Sexualität,
nicht
nur ein
Fehlen
von
Krankheit
oder
Funktionsstörungen.
Sexuelle
Gesundheit
erfordert
einen
positiven
und
respektvollen
Umgang
mit
Sexualität
und
sexuellen
Beziehungen,
und die
Möglichkeit
lustvolle
und
sichere
sexuelle
Erfahrungen
zu
machen,
frei
von
Zwang
und
Gewalt,
oder
Diskriminierung.
Um
Sexuelle
Gesundheit
zu
erreichen
und
aufrecht
zu
erhalten
müssen
die
sexuellen
Rechte
von
anderen
Menschen
respektiert,
geschützt
und
erfüllt
werden.
Sexuelle
Rechte
Sexuelle
Rechte
beinhalten
die
Menscherechte,
die
auch in
den
meisten
nationalen
Gesetzen,
internationalen
Menschenrechtsdokumenten
und
anderen
Leitlinien
festgelegt
sind.
Sie
beinhalten
das
Recht
aller
Menschen
frei
von
Zwang
und
Gewalt,
oder
Diskriminierung:
-
Zugang
zum
höchsten
erreichbaren
Standard
von
sexueller
Gesundheit,
einschließlich
Zugang
zu
sexuellen
und
Fortpflanzungsmedizinischen
Gesundheitsdienstleistungen;
-
freien
Zugang
zu
Informationen
über
Sexualität;
-
Sexualerziehung;
-
Respekt
für
die
körperliche
Integrität;
-
freie
Partnerwahl;
-
freie
Entscheidung
sexuell
aktiv
zu
sein
oder
nicht;
-
sexuelle
Beziehungen
nur
im
gegenseitigen
Einvernehmen;
-
Heirat
nur
im
gegenseitigen
Einvernehmen;
-
freie
Entscheidung
ob
und
wann
Kinder
gewünscht
werden
-
ein
sicheres,
lustvolles
und
befriedigendes
Sexualleben
zu
führen;
-
die
verantwortungsvolle
Ausübung
eigener
Menschenrechte
und
sexueller
Rechte
erfordert,
dass
die
Rechte
aller
anderen
Menschen
respektiert
werden;
Eigene
nicht
offizielle
Übersetzung,
nach:
Department
of
Reproductive
Health
and
Research
(RHR),
World
Health
Organization.
These
definitions
do not
represent
an
official
WHO
position,
and
should
not be
used or
quoted
as WHO
definitions.
|
Mythen und Fakten zum
Sexualverhalten in Zeiten von AIDS: Warum Enthaltsamkeit keine
Lösung ist, weder in Industrienationen und schon gar nicht in
der dritten Welt |
| Im
Gegensatz zur Überalterung bei uns sind fast die Hälfte aller
Menschen, die auf der Erde wohnen, unter 25 Jahren.
|
|
Programme, die nur auf Enthaltsamkeit setzten vermindern das
Risiko einer HIV- Infektion in entwickelten Ländern nicht. |
Sagt eine Metaanalyse von 13 Studien an denen
15940 US- amerikanische Jugendliche beteiligt waren.
Kristen Underhill et al., doi:10.1136/bmj.39245.446586.BE; BMJ
published online 26 Jul 2007 |
| Der vermehrte
Einsatz von Kondomen in der Familienplanung in
Entwicklungsländern vermindert auch das Risiko der HIV-
Ansteckung. 340 Millionen Meschen stecken sich jährlich neu an
Gonorrhoe, Syphilis, Chlamydien, oder Trichomonaden- Infektionen
an. |
Fast 60% der Kondome
benutzenden Frauen in Sub- Sahara- Afrika taten dies aus Gründen
der Familienplanung. A Lancet 2006; 368: 1788–93 |
| jährlich haben mehr
als 120 Millionen Paare den finanziell oder aus kulturellen oder
familiären Gegebenheiten heraus nicht erfüllbaren Wunsch
nach Verhütung. Daraus resultieren 80 Millionen ungewollte
Schwangerschaften, von denen 45 Millionen in Abtreibungen enden.
|
Ungeschützter Sex
ist der zweit bedeutendste Risikofaktor für Behinderung und Tod
in armen den Ländern, in den entwickelten Ländern ist es der
neunt bedeutsamste Risikofaktor für Behinderung und Tod. Lancet
2006; 368: 1595–607 |
| Mehr als eine halbe
Million Frauen stirbt jedes Jahr an Komplikationen von Geburten,
hunderte von Millionen von Frauen bekommen durch Geburten
jährlich Behinderungen. |
Obwohl
die sexuelle Gesundheit ein ganz wesentlicher Faktor für die
Morbidität und Mortalität der Menschen ist, wird sie fast
überall zuwenig beachtet. Zunehmende Aktivitäten konservativer
Politiker und religiöser und kultureller Führer unterminieren
die Aktivitäten vernünftiger Gesundheitspolitik und machen
die Fortschritte der letzten Jahre durch die International
Conference on Population and Development (ICPD) in Kairo 1994
zunichte. |
| Gewalt gegen Frauen
ist eine der wesentlichsten Gesundheitsgefahren für Frauen
weltweit |
Wann
von einer sexuellen Funktionsstörung gesprochen wird, ist einem
kulturellen und gesellschaftlichem Wandel unterzogen. Individuelle
Ansprüche an eine erfüllte Sexualität hängen auch von Erwartungen ab,
wie sie in modernen Massenmedien geweckt werden. Der Vergleich in
Aspekten der Intimsphäre, die in früheren Zeiten Tabu war, ist
öffentlich geworden. Nicht alle Informationen, die Einfluss nehmen, sind
seriös. Sexuelle Funktionsstörungen werden nach heutiger Auffassung
überwiegend in Relation zu den Bedürfnissen des Einzelnen gesehen.
Vieles was in früheren Zeiten noch als Paraphilie galt, gilt gemeinhin
heute als Bestandteil der Normalität, und ist dennoch für den Einzelnen
noch belastend. Mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen werben
Pharmafirmen auch in öffentlich rechtlichen Sender und im Kino
inzwischen für ein Problembewusstsein bezüglich Erektionsstörungen, je
nach Interesselage und neuen Angeboten der Industrie wird man sich hier
auf weitere Themen einstellen müssen. Die Bewertung der individuellen
Paarbeziehung hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich geändert,
sie ist für viele kein selbstverständliches natürliches Lebensziel mehr,
die Erwartungen an den Partner haben sich noch mehr verändert, all dies
auch mit erheblichem Wandel in den formulierten sexuellen Bedürfnissen.
Der Einfluss der Kirchen geht gesellschaftlich zurück, vergesellschaftet
mit einem Rückgang von Tabus. AIDS scheint zwischenzeitlich einen
prägenderen Einfluss auf Werte zu haben als Institutionen.
Die
Angst
vor
dieser
Seuche
hat das
Verhalten
verändert,
wenngleich
immer
noch
nicht
so weit
wie zu
wünschen
wäre.
Immerhin
71
Prozent
der
Mädchen
und 66
Prozent
der
Jungen
schützen
sich
inzwischen
beim
ersten
Geschlechtsverkehr
mit
einem
Kondom,
1980
waren
dies in
Deutschland
noch 32
bzw.
28% (BZgA
2006).
In einer breit angelegten Untersuchung zu Gesundheit und sozialer
Situation in den USA wurden 1749 Frauen und 1410 Männer, die eine
demographisch repräsentative Stichprobe der amerikanischen Bevölkerung
darstellen, sieben Fragen zu sexuellen Funktionen und sexuellem Erleben
gestellt. Die Autoren berichten eine sehr hohe Gesamtprävalenz
sexueller Dysfunktionen, die bei Frauen höher (43%) ist als bei Männern
(31%). Bei der Frau nehmen sexuelle Probleme mit Ausnahme von
Lubrikationsstörungen mit dem Alter ab, beim Mann nehmen sie zu,
insbesondere Erektionsschwierigkeiten und fehlendes sexuelles Interesse.
Überhaupt scheint es eine zunehmende Tendenz dazu zu geben, dass Männer
über fehlendes sexuelles Interesse klagen. Alter bleibt die
wesentlichste Ursache für sexuelle Dysfunktionen, nimmt man allerdings
nicht nur den Geschlechtsverkehr als Kriterium, sondern verwendet eine
breitere Definition sexueller Dysfunktionen, die Berührungen,
Liebkosungen, und Masturbation einschließt, berichten alte Männer eher
einen Anstieg ihrer sexuellen Aktivität. Auch Übergewicht reduziert
nicht nur die allgemeine körperliche Fitness, auch die Häufigkeit einer
Impotenz oder erektilen Dysfunktion nimmt mit dem Übergewicht zu. Bei
Gewichtsreduktion und körperlichem Training bessert sich auch die
sexuelle Fitness, die Erektionsstörungen gehen zurück. JAMA.
2004;291:2978-2984.
ABSTRACT |
FULL TEXT |
PDF
Sexualität im Alter:
Bei einer Befragung von 3000 US- Bürgern zwischen 57 und 85
Jahren bezeichneten sich 73% der 57 -64 jährigen als sexuell aktiv, bei
den 65-74jährigen waren es noch 53%, bei den 76-85jährigen noch
26%. Die Hälfte der befragten Alten gab an mindestens ein
sexuelles Problem zu haben. Bei den Frauen war dies bei 43% mangelndes
Verlangen, bei 39% mangelnde vaginale Lubrikation und bei 34% eine
Anorgasmie. Bei den Männern bestand bei 37% eine erektile Dysfunktion,
14% der Männer setzten Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel ein um
ihre Sexualfunktion zu verbessern. Ältere Menschen, die sich krank
fühlten, waren seltener sexuell aktiv. Ganze 38% der Männer und 22% der
Frauen hatten seit ihrem 50. Lebensjahr mit ihrem Arzt über sexuelle
Schwierigkeiten gesprochen. (N Engl J Med 2007;357:762-74.). Die Diagnose einer Impotenz
wird bei Männern seit Einführung von Viagra 2-3x häufiger gestellt, was
sicherlich nicht mit einer objektiven Zunahme, sondern mit der größeren
Bereitschaft Hilfe zu suchen, aber auch mit höheren Ansprüchen an das
Sexualleben zu erklären ist. James A Kaye,
BMJ 2003;326:424-425 ( 22 February ) Verheiratete
Frauen und Männer berichteten signifikant seltener über sexuelle
Probleme als unverheiratete Personen. Je höher der Ausbildungsstand war,
desto seltener wurden sexuelle Probleme angegeben. Die Häufigkeit
sexueller Probleme nahm bei herabgesetztem körperlichem und psychischem
Allgemeinzustand zu; die Lebensqualität wurde besonders bei Frauen
durch sexuelle Probleme reduziert. Die Zahlen der
in Jama veröffentlichten Studie werden allerdings vielfach kritisiert.
Gefragt worden waren 1500 Frauen mit Fragen die sie nur
bejahen oder verneinen konnten. Die Frage war ob eines von 7 Problemen
über einen Zeitraum von 2 Monaten oder mehr im letzten Jahr auftrat,
Mangel an sexueller Lust, Angst bezüglich der sexuellen Performance,
Schwierigkeiten mit der Lubrikation. So die Frauen zu einem der Probleme
ja antworteten wurden sie der Gruppe mit sexuellen Störungen
zugeordnet. Kritisiert wird, dass hier
"Normalphänomene" nicht berücksichtigt wurden. Die Tatsache, dass
Stress, Müdigkeit, Partnerschaftsprobleme .. zu einem
vorübergehenden Nachlassen der sexuellen Lust führen, ist nach Ansicht
vieler Autoren nicht als Krankheit, sondern als gesunde Reaktion zu
verstehen. Fast jeder Kongress bei dem sexuelle Störungen definiert
werden, wird von mehreren Pharmafirmen finanziert. Dies sollten
teilweise gar die Hälfte der Teilnehmer stellen. Fast alle namhaften
Autoren auf dem Gebiet werden entsprechend gesponsert.
Allerdings
zeigen
Studien
sehr
eindeutig,
dass
niedriges
Selbstwertgefühl,
ein
negatives
Selbstbild,
Stimmungslabilität,
und
eine
Neigung
sich
Sorgen
zu
machen
oder
Angst
sehr
häufig
mit
der
Angabe
eines
wenig
befriedigenden
Sexuallebens
oder
dem
entsprechenden
subjektiven
Empfinden
einhergehen.
Bei
Angst
und
schlechter
Stimmung
lässt
auch
das
sexuelle
Verlangen
nach.
Bei
einer
Umfrage
berichteten
die
Hälfte
aller
depressiven
Frauen
je
über
eine
verminderte
Libido,
Schwierigkeiten
ein
feuchte
Scheide
zubekommen,
und
auch
beim
Sexualkontakt
erheblich
verminderte
sexuelle
Gefühle.
Hinzukommt,
dass
auch
die
in
der
Behandlung
eingesetzten
Antidepressiva
teilweise
in
einem
hohen
Prozentsatz
die
Libido
vermindern
und
auch
andere
Sexualstörungen
begünstigen
können.
Hormonelle
Störungen
in
den
Wechseljahren
können
bei
Männern
und
Frauen
das
sexuelle
Erleben
beeinträchtigen,
insbesondere
kann
der
Abfall
des
Testosteronspiegels
bei
beiden
Geschlechtern
zu
einer
Minderung
des
sexuellen
Lust
führen. Sexuelle
Bedürfnisse
werden
von
einer
Vielzahl
von
Faktoren
beeinflusst.
Am
Beginn
einer
sexuellen
Erfahrung
muss
nicht
unbedingt
das
Ziel
oder
ein
sexuelles
Bedürfnis
an
sich
stehen.
Die
Motivation
sich
auf
eine
sexuelle
Handlung
einzulassen
ist
komplex,
sie
schließt
besonders
bei
Frauen
eine
zunehmende
emotionale
Nähe
mit
dem
Partner
ebenso
ein,
wie
ein
allgemein
verbessertes
Wohlbefinden,
und
in
der
Situation
verbessertes
Selbstwertgefühl
durch
das
Gefühl
attraktiv,
weiblich/männlich
zu
sein,
begehrt,
respektiert
und
geliebt
zu
werden.
Auch
die
Abnahme
von
Gefühlen
der
Angst
oder
der
Schuldgefühle
über
ein
nicht
befriedigen
der
Wünsche
des
Partners
kann
die
Bereitschaft
zu
einer
sexuellen
Handlung
fördern.
|
Problem bei Frauen
|
% mit dem Problem
|
| Mangelndes sexuelles Interesse |
21
|
| Unfähigkeit einen Orgasmus zu erleben |
16
|
| Probleme mit der Lubrikation |
16
|
| Kein Spaß am Sex |
15
|
| Schmerzen beim Verkehr |
10
|
|
Problem bei Männern |
|
| Vorzeitige Ejakulation |
14
|
| Erektionsschwierigkeiten |
10
|
| Kein Interesse an Sex |
9
|
| Unfähigkeit einen Orgasmus zu erleben |
7
|
| Kein Spaß am Sex |
6
|
| mindestens ein Problem |
28
|
27516
weltweit befragte Menschen zwischen 40 und 80 Jahren mit einem
Durchschnittalter von 53-57 Jahren, 75-90% der befragten Männer und
50-70% der befragten Frauen hatten in den letzten 12 Monaten
Verkehr: A Nicolosi et al. Sexual behaviour and sexual
dysfunctions after age 40: the global study of sexual attitudes and
behaviours. Urology 2004 64: 991-997 .
|
H.H.J. Leliefeld, H.J. Stovelaar and J. Mcdonell , Sexual
function before and after various treatments for symptomatic benign
prostatic hyperplasia. BJU Int 89 (2002), pp. 208–213,Vahan S Kassabian,
Sexual function in patients treated for benign prostatic hyperplasia,
The Lancet, 361,9351, 4 Jan 2003, Seite60-62.)Bretschneider JG, McCoy
NL. Sexual interest and behavior in healthy 80 to 102 year olds. Arch
Sex Behav 1988; 17: 109-29.Marsigho W, Donnelly D. Sexual relations in
later life: a national study of married persons. J Gerontol 1991; 46: 5338-44. Diokno
AC, Brown MB, Herzog AR. Sexual function in the ederly. Arch Intern Med 1990; 150: 197-200.JAMA /
volume:281 (page: 537)Sexual Dysfunction in the
United States: Prevalence and Predictors Edward O. Laumann,
PhD; Anthony Paik, MA; Raymond C. Rosen, PhDFebruary 10, 1999
FULL
TEXT
PDF
(219K) und JAMA / volume:282 (page: 1229)Sexual
Dysfunction in the United States Paul G. Cohen, MD Raymond C.
Rosen, PhD; Edward O. Laumann, PhD; Anthony Paik, MA October 6, 1999
FULL TEXT
PDF
(189K) Ray MoynihanThe
making of a disease: female sexual dysfunction
BMJ 2003; 326: 45-47.
[Full text]
[PDF] Rosemary
Basson,
Women's
sexual
dysfunction:
revised
and
expanded
definitions
CMAJ
•
May
10,
2005;
172
(10).
doi:10.1503/cmaj.1020174.

Sexualstörungen lassen sich in Funktionsstörungen, Paraphilien und
Identitätsstörungen einteilen. Obwohl häufiger Gegenstand des Interesses
in den Medien, spielen Paraphilien und Identitätsstörungen nur bei einer
Minderheit von Menschen eine Rolle. Sie werden auf dieser Seite nicht
abgehandelt, näheres dazu finden Sie im Glossar (z.B.
Paraphilien,
Transsexualität).
Funktionsstörungen meinen Lustlosigkeit (Libidomangel), Erektions- und
Lubrikationsstörungen sowie Orgasmus und Ejakulationsstörungen.
Sexuelle Funktionsstörungen können viel Ursachen haben. Oft mischen
sich organische (auch eine Vielzahl
neurologischer urologischer, endokrinologischer und gynäkologischer
Erkrankungen kann mitbeteiligt sein) und psychologische Faktoren.
Selten,
dass nur ein Aspekt schuld ist.
Sexualstörungen
sind
ein
Symptom.
Häufig
wird
zuwenig
bedacht,
dass
sexuelle
Funktionsstörungen
auch
ein
Hinweis
auf
eine
körperliche
Krankheit
sein
können.
Sexuelle
Funktionsstörungen
können
ein
Hinweis
auf
eine
Arteriosklerose
sein
und
einem
Herzinfarkt
um
ein
paar
Jahre
voraus
gehen.
Sexuelle
Funktionsstörungen
bessern
sich
oft
mit
Besserung
vaskulärer
Risikofaktoren,
wenn
Übergewichtige
an
Gewicht
abnehmen,
bessert
sich
häufig
auch
die
sexuelle
Funktionsstörung.
JAMA
2004;291:2978-84,
BMJ
2004;329:1366
Extract]
[Full
text Entsprechend
der
Vielzahl
der
möglichen
Ursachen sollte die
Behandlung ausgerichtet sein. Viagra® ist sicher
eine kleine Revolution der Behandlungsmöglichkeiten. Es ist weder die
einzige, noch immer die Beste. Apomorphin, (Ixsense®
und Urprima®) waren schnell folgende
Behandlungsalternativen, sind aber immer noch nicht das ideale
Therapeutikum für den Mann mit Potenzproblemen. Apomorphin ist
eigentlich ein im ZNS an den Dopaminrezeptoren wirkendes Parkinson- oder
Brechmittel, in den niedrigen Dosen, die bei Potenzstörungen
erforderlich sind, verursacht es nur selten Brechreiz. Der Markt
in der Behandlung der Orgasmusschwierigkeiten der Frau tut sich gerade
erst auf, und wird durch das intensive mediale Bemühen der
Pharmaindustrie sicherlich ähnliche Dimensionen annehmen können wie bei
Männern. Über 17 000 000 Männer haben bisher laut dem
Hersteller Pfizer Viagra verschrieben bekommen, der Verkauf hat 2001
um 13% auf 1,5 Milliarden US $ zugenommen.
Hormonersatztherapien für Männer haben weiter Auftrieb, trotz schlechter
Nachrichten bezüglich der Nebenwirkungen in der Behandlung der
Wechseljahrsprobleme der Frauen. Der Einsatz von Medikamenten zur
Verbesserung der Sexualfunktion dient genauso oft zur Kompensation
organischer Probleme, wie der Verdeckung von Versagensängsten. Letzteres
muss nicht nachteilig sein, da wenn es denn wieder mit Viagra®
funktioniert hat, manchmal auch der Teufelskreis der Versagensängste
erst einmal durchbrochen ist, und es dann auch wieder ohne medikamentöse
Hilfe funktioniert. Wesentlicher Einsatzpunkt ist zwar die Kompensation
der im Alter nachlassenden Manneskraft, gerade aber auch für junge
Männer mit chronischen Krankheiten, die Potenzstörungen bedingen können,
wie Diabetes m. oder Multiple Sklerose ermöglichen diese Medikamente oft
etwas mehr Normalität (bei allerdings hohen Kosten für den Einzelnen).
Ob die Erwartungen an die Performance durch den Einsatz dieser
Medikamente bereits allgemein gestiegen ist, ist noch nicht ausreichend
untersucht, darf aber zumindest mittelfristig erwartet werden. Ob
hieraus neue Versagensängste entstehen können, bleibt ebenfalls noch
offen. Der Eindruck, dass es sich um etwas künstliches handelt besteht
offensichtlich bei den meisten nicht. Die Akzeptanz dieser Medikamente
ist trotz anfänglich sehr kontroverser Diskussion hoch. Das Wissen über
die Nebenwirkungen ist bei Patienten meist gut, Unvernunft spielt bei
Gesunden Menschen in bestimmten Szenen durch die Benutzung von
stickstoffhaltigen "Poppern" eine größere Rolle als bei alten Männern,
die an einer chronischen Herzkranzgefäßerkrankung leiden und
Nitropräparate nehmen müssen.

Sexuelle Funktionsstörungen sind ein Symptom. Wenn psychische Aspekte
eine wesentliche Rolle spielen, kommt der Paardynamik oft eine wichtige
Rolle zu. Es gibt keine bestimmte psychische Störung, die sexuelle
Funktionsstörungen begünstigt, und man findet auch bei Patienten mit
psychogenen sexuellen Funktionsstörungen nicht notwendigerweise andere
gravierendere psychische Störungen. Bekannte organische Ursachen
schließen eine psychogene Mitbeteiligung nicht aus, hat es einmal
nicht funktioniert, aus welchem Grund auch immer, ist besonders bei
unter Erfolgsdruck stehenden Männern die Angst vor erneutem Versagen
häufig der entscheidende Grund für das weitere Versagen. Die durch die
Eltern oder die Kultur /Religion vermittelten Werte können das aktuelle
Sexualverhalten beeinträchtigen. ("Moralisten sind
Menschen, die sich dort kratzen, wo es andere juckt."). Wird z.B.
Geschlechtsverkehr als unmoralisch angesehen, ist es weniger
wahrscheinlich, dass Sexualität genossen werden kann. Wurden frühere
sexuelle Aktivitäten als beängstigend oder demütigend erlebt, wird das
spätere lustvolle Erleben von Sexualität erschwert. Unzureichende
Kenntnis des eigenen Körpers z.B. durch fehlende
Masturbationserfahrungen können zu Unsicherheiten führen,
die das Sexualverhalten beeinträchtigen. Auch die Angst von
Schwangerschaft oder einer Geschlechtskrankheit behindert oft eine
befriedigende Sexualität. Die Fixierung auf die alleinige organische
Ursache chronifiziert dieses Problem oft. Ebenso kann natürlich eine
Fixierung (auch durch den Therapeuten) auf alleine psychologische
Hintergründe unter Ablehnung von einfachen Hilfsmitteln und praktischer
sexologischer Beratung zu einer Chronifizierung beitragen. Die
Behandlung sexueller Funktionsstörungen ohne dass spezielle
sexualtherapeutische Therapiemethoden, wie sie beispielsweise von
Masters und Johnson oder Helen Kaplan Singer beschrieben wurden,
mitberücksichtigt werden ist nur selten adäquat. Andererseits ist die
zunehmende "Medikalisierung und Mechanisierung" der Sexualität nicht
unbedingt die ideale Lösung des Problems. Eine Erektionsstörung wird
immer häufiger als rein "mechanistisches" Problem betrachtet, und
Patienten verlangten vom Arzt die Spritze oder Pille dagegen. Oft reicht
jedoch schon Aufklärung vollkommen aus. So haben Frauen häufig den
Wunsch "nach einer anderen Sexualität mit mehr Abwechslung und mehr
Zärtlichkeit". Die Sexualpartner müssen sich vom "Leistungsdenken"
befreien. Noch zu wenig berücksichtigt wird bei der Behandlung von
Patienten mit Sexualstörungen der interdisziplinäre Ansatz. Frauen
sollten bei der Behandlung stärker miteinbezogen werden. Oft liegt
Sexualstörungen - sowohl männlichen als auch der weiblichen - eine
Störung der Paarbeziehung zugrunde. Die Wünsche und Vorstellungen über
eine befriedigende Sexualität sind individuell sehr unterschiedlich,:
"Von sieben Mal im Leben bis zu sieben Mal am Tag kommt alles vor."
Partnerschaften bestehen oft zwischen Menschen mit ganz
unterschiedlichen Vorstellungen und Wünschen, die in der Phase der
ersten Verliebtheit jedoch nicht wahrgenommen werden. Ursache vieler
sexueller Probleme in Partnerschaften sei die mangelnde Kommunikation
darüber. Vergleichs- und Zählzwang, von den Medien begünstigt, herrscht
zum Teil in Partnerschaften und erzeugt Leistungsdruck. Zitat:
"Ich
frage mich, warum heute hinsichtlich der Sexualität alles so sportlich
geworden ist." (Hildegard Knef). Nach einer Online Umfrage an der
13483 Männer und Frauen jeden Alterns teilnahmen hatten
17% haben in einem Zeitraum der letzten vier Wochen überhaupt keinen Sex
mit ihrem Partner. Die absolute Mehrheit der Paare hat maximal einmal
Sex pro Woche (bzw. vier mal in vier Wochen) (theratalk.
de/). In der Partnerschaft ist die Häufigkeit überwiegend bei
ungleich verteilter Lust ein Problem.
Die Vorstellung, dass bei Frauen
die Libido per se geringer sei als bei Männern, lässt sich
inzwischen nicht mehr aufrechterhalten. So klagten vor 20 Jahren Frauen
noch häufiger, ihre Partner wollten zu oft sexuellen Verkehr. Inzwischen
hat sich das Geschlechterverhältnis hier allerdings ausgeglichen. Heute
klagen ungefähr ebenso viele Frauen wie Männer über die Lustlosigkeit
ihres Partners. "Große Leidenschaften sind wie
Naturkräfte. Ob sie nutzen oder schaden, hängt nur von der Richtung ab,
die sie nehmen." |
| Ein Beispiel über das Zustandekommen psychogener Sexualstörungen
gibt das Diagramm unten .
zurück zum Seitenanfang |

| Auch Menschen, die an einer
chronischen Krankheit leiden haben Anspruch auf ein Sexualleben.
Eine
Vielzahl
von
Medikamenten
und
Genussmitteln/Drogen
beeinflussen
das
Sexualerleben.
Dies
gilt
auch
für
viele
Psychopharmaka.
Medikamente
die
den
Prolaktinspiegel
beeinflussen
aber
auch
Alpha1
adrenerge
Antagonisten
können
zu
verschiedenen
Sexualstörungen
führen.
So
sind
beispielsweise
unter
verschiedenen
atypischen
Neuroleptika
auch
retrograde
oder
ausbleibende
Ejakulationen
berichtet,
manche
Antidepressiva
verlängern
die
Zeit
bis
zur
Ejakulation,
andere
können
zu
verringerter,
wieder
andere
auch
zu
vermehrter
sexueller
Lust
führen.
Auch
dramatische
Symptome
wie
ein
Priapismus
(z.B.
unter
Clozapin,
Olanzapin,
Trazodon,..)
sind
als
Nebenwirkung
von
Medikamenten
möglich.
An
den
Anfang
einer
Sexualanamnese
gehört
deshalb
auch
eine
Medikamentenanamnese.
Sexualität und chronische Krankheiten
werden ein zunehmend wichtigeres Thema. Impotenz und Lustlosigkeit sind
kein Schicksaal mehr, das zwangsläufig bei einer chronischen Krankheit
dazu gehört. Die zunehmende Emanzipation von chronisch Kranken stärkt
deren Selbstwertgefühl, trägt darüber zu einem vermehrten sexuellen
Verlangen bei. Wenngleich die bessere Akzeptanz einer Krankheit an sich
bereits das Sexualleben verbessern kann, so ist doch bei vielen
körperlichen Erkrankungen eine organische Sexualstörung Teil der
Symptomatik der Grunderkrankung. Zunehmend werden Studien durchgeführt,
die den Nutzen von auch sonst üblichen Sexualtherapeutika auch bei
chronisch Kranken belegen. Beispiel: 5–10% der Männer mit
Diabetes Typ 1 leiden unter Potenzstörungen, in einer
Studie mit 188 Patienten zeigte Sidenafil bei dieser Patientengruppe
unabhängig von der Schwere der Potenzstörung einen guten Effekt.
Interessant ist, dass hier auch ein deutlicher Effekt eines Placebos
vorhanden war. Über eine verbesserte Erektion berichteten 66,6 % unter
Sidenafil und immerhin 28,6% unter Placebo, erfolgreiche Versuche eines
Geschlechtsverkehrs berichteten mit Sidenafil 63% unter Placebo 33%.
Nebenwirkungen waren meist leicht bis mäßig, Kopfschmerzen 20% unter
Viagra und. 8% unter Placebo, Flushing 18% unter Viagra und 3%
unter Placebo, und Verdauungsstörungen 8% unter Viagra und 1% unter
Placebo. Ähnliches gilt auch für andere chronische
Krankheiten wie Multiple Sklerose, ,
Polyneuropathien, ,
Schmerzkrankheiten,
Verletzungen des Rückenmarks, Nierenversagen
und Dialyse, Herzkreislaufkrankheiten, aber auch für psychische
Störungen. Es sollte dabei allerdings nicht nur auf die Wirkung von
Medikamenten vertraut werden. Bekanntermaßen kann beispielsweise Viagra
durchaus auch ernsthafte und manchmal auch tödliche Nebenwirkungen haben.
Informieren Sie sich über die Auswirkungen Ihrer speziellen Erkrankung,
ihrer Medikamente und Ihres Alters auf die Sexualität. Auch wenn Sie eine
Krankheit haben, bedenken Sie, dass auch andere Gründe für die
Funktionsstörung wichtig sein können. Monotone sexuellen Beziehungen,
Überlastung durch berufliches Engagement oder allgemeine Überbeanspruchung
kann ebenso die Lust zum Erliegen bringen wie zu reichliches Essen und
Trinken, Rauchen und allgemein nachlassende körperliche Fitness oder hohes
Alter. Erfüllte Sexualität ist von vielen Faktoren abhängig. So
lange es keine Probleme damit gibt, muss man sich um diese Faktoren keine
Gedanken machen. Wenn Probleme auftreten, ist es oft sinnvoll, sich
zunächst um die nahe liegenden allgemein gültigen Bedingungen zu kümmern.
Bronwyn G.A. et al.
Sildenafil Citrate for
Treatment of Erectile Dysfunction in Men With Type 1 Diabetes: Results of
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P.
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B.
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Sustained-Release
Bupropion
for
Selective
Serotonin
Reuptake
Inhibitor-Induced
Sexual
Dysfunction:
A
Randomized,
Double-Blind,
Placebo-Controlled,
Parallel-Group
Study
Am.
J.
Psychiatry,
May 1, 2001;
158(5):
805
-
807.
[Abstract]
[Full
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T.
TERAO
Female
Sexual
Dysfunction
and
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326-
-
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D.
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Sexual
side-effects
of
antidepressant
and
antipsychotic
drugs
Advan.
Psychiatr.
Treat.,
May 1, 2003;
9(3):
202
-
210.
[Abstract]
[Full
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[PDF]
S.
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HALLIDAY,
T.
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V.
SHARKEY,
S.
FARRINGTON,
S.
WALL,
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R.
G.
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Nithsdale
Schizophrenia
Surveys
24:
sexual
dysfunction:
Case--control
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50 -
56.
[Abstract]
[Full
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[PDF]
C.
Abbasian
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352
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SHUBULADE
SMITH,
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181:
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[Abstract]
[Full
Text
Smith,
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Henderson,
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(2000)
What
you
don't
know
won't
hurt
you.
Information
given
to
patients
about
the
side-effects
of
antipsychotic
drugs.
Psychiatric
Bulletin,
24,
172
-174. |
|
Strategien zu Verbesserung des Sexuallebens- nicht nur für chronisch
Kranke
|
|
|
|
Ursachen von Potenzstörungen
|
|
organisch
(50–80%)
davon
endokrin (ca. 3%)
Vaskulär (ca. 65%) gemeint Durchblutungsstörungen bei Diabetes m.,
Hochdruck, Rauchen u.a. (z.B.30-45% der Diabetiker)
oder auch neuropathisch, MS, traumatisch, toxisch/iatrogen |
nicht-organisch
(20–50%)
psychogen |
|
gemischt (ca.60-70%) |
| Die Gesamtzahl ergibt mehr als hundert, wegen der
Überschneidungen. Die Häufigkeitszahlen in der Literatur wechseln, je nach
Fach und Einstellung des Untersuchers. Die Wechselwirkung zwischen
organischen und psychischen Faktoren kann aus meiner Sicht nur
unterschätzt werden. Nur von einer der beiden Seiten das Problem zu
sehen und anzugehen ist nur bei raschem Erfolg einer Initialbehandlung zu
rechtfertigen. Ein typisches Beispiel für eine Kontroverse ist das Problem
ob Prostatavergrößerungen mit Sexualstörungen einhergehen. Während einige
Autoren und Untersuchungen behaupten es gäbe einen solchen Zusammenhang,
ist die überwiegende Auffassung, dass dieser Zusammenhang rein zufällig
ist. Inkontinenz ist dagegen häufig mit sexuellen Funktionsstörungen
vergesellschaftet. Wenn bei Frauen wegen einer gutartigen Erkrankung die
Gebärmutter entfernt wird, nimmt in der Regel die sexuelle Zufriedenheit
zu. Die Beseitigung des vorbestehenden Gesundheitsproblems wiegt hier
offensichtlich schwerer als das Risiko einer Verletzung von nervalen
Strukturen, die für das sexuelle Empfinden notwendig sind .
Vahan S Kassabian Sexual function in patients
treated for benign prostatic hyperplasia Lancet 2003; 361: 60-62 [Summary] [Full
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[Abstract]
[Full
text] [PDF]
Rückenmarksverletzungen,
Multiple Sklerose, Polyneuropathien, Hormonsstörungen,
Durchblutungsstörungen bei Diabetes m., Hochdruck, Alkoholismus und
Rauchen sind häufige organische Ursachen von Potenzstörungen. |
| Auch psychische Störungen gehen teilweise auf ein
organisches Korrelat zurück. Viele Forscher beschäftigen sich in
Tierversuchen vor allem an Ratten, Mäusen, Hamstern und Affen mit diesem
Thema. Geklärt sind bei den als rein organisch definierten Ursachen
hauptsächlich die peripheren. Hier hauptsächlich die
Durchblutungsstörungen (durch Diabetes, Rauchen..), die
Neuropathien und die Rückenmarksschäden.

| Menschliche Sexualität ist
komplex und wird in hohem Maße von kulturellen und gelernten
Verhaltensmustern bestimmt. Manchmal können aber auch
Hirnschädigungen die Sexualität verändern. |
| Septale Region (auch
Septum, oberer Teil des limbischen Systems mit Trennwand (Septum)
zwischen den Vorderhörnern der Seitenventrikel unterhalb des
vorderen Teils des Balkens Schließt die septalen Kerne und das
basale Vorderhirn den Nucleus basalis Meynert ein. |
Heath RG.beschrieb
1964 eine elektrische Stimulation von 54 Patienten in der
Septumregion, die Freude und sexuelle Erregung bei den Kranken
auslöste. 1992 beschrieben Gorman und Cummings zwei Männer bei
denen durch einen Shunt bei Hydrozephalus eine massive
Hypersexualität ausgelöst wurde. Der Shuntkatheter lag ím Septum.
In Affenexperimenten konnte durch eine Stimulationssonde im
Septumbereicht mit Selbststimulation ebenfalls ein Orgasmus und
ein zwanghaftes Onanieren ausgelöst werden. |
| Läsionen im
ventralen medialen Hypothalamus können das sexuelle
Verlangen vermindern. |
In einer Studie
wurde versucht dies beispielsweise bei Pädophilie durch
Zerstörung dieses Kerngebietes therapeutisch zu nutzen. Die
meisten Fallbeschreibungen beschreiben aber komplexe
Hirnschädigungen, so dass die Wechselbeziehungen im Vordergrund
stehen |
| Hypersexualität nach
Pallidotomie bei Parkinsonpatienten ist berichtet. |
Allerdings hatten
die Patienten auch weiter Parkinsonmedikamente eingenommen, die
grundsätzlich sexuell stimulierend sein können. Ob diese Wirkung
auch ohne Einnahme solcher Medikamente aufgetreten wäre, ist
fraglich. |
| Ansa lenticularis |
Fallberichte über
Libidomangel nach Schädigung |
| Schädigung der
Orbitofrontalregion des limbischen Systems |
Viele Fallberichte
über sexuell Enthemmung. Sexuelle Automatismen kommen im Rahmen
frontaler Anfälle vor. |
| Bei Schädigung des
Parietallappens sind sexuelle Anfälle beschrieben |
Die Patienten
empfinden sie sexuellen Sensationen mit erhöhtem Arousal und
Empfindungen in den Genitalien meist als persönlichkeitsfremd
und unangenehm. |
Beidseitige
Temporallappenentfernung führt zur
Klüver-Bucy-Symptomatik
|
Bei
der Entfernung des Hippokampus kommt es bei Affen unter anderem
zu einer Hypersexualität. Ähnliche Folgen sind auch bei Menschen
berichtet. Es gibt auch Berichte, nach denen bei Menschen mit
Paraphiliem wie Fetishismus gehäuft Temporallappenschäden
vorliegen. Menschen mit Temporallappenepilepsie haben häufig ein
vermindertes sexuelles Verlangen. |
|
Gorman DG ,
Cummings JL. Hypersexuality following septal injury.
Arch Neurol
1992;49:308–10.,
Gerhard Roth und Ursula Dicke Funktionelle Neuroanatomie des
limbischen Systems. Uwe Hartmann, Armin J. Becker, Stefan Ückert,
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published online22 Dec 2006; doi:10.1136/jnnp.2006.107193
|
Sex findet im Kopf statt. - Wie Apomorphin funktioniert
Sogar kastrierte männliche Ratten zeigen bei Stimulation bestimmter
Hirngebiete sexuelle Aktivität. Die Kontrolle sexueller Aktivität findet
im Gehirn statt. Hirngebiete die bei der Kontrolle sexueller Aktivität
wesentlich sind, sind die mediale präoptische Area (MPOA), die
medialen Amygdala (AME), der mediale Hypothalamus (VMH), und die ventrale
tegmentale Area (VTA). Hauptsächliche
Neurotransmitter die in diesen Gebieten eine Rolle spielen sind
Dopamin, Noradrenalin und Serotonin, aber auch Androgene und die endogenen
Opioide. (möglicherweise spielt auch die Substanz P und GABA hier eine
Rolle) Diese Hirngebiete sind Teil des Hirnbelohnungsystems sie
belohnen bestimmtes Verhalten mit Wohlbefinden und machen es dadurch
attraktiv, bzw. fördern die Wiederholung. Wenn diese Hirngebiete in
ihrer Funktion gestört sind, lässt das sexuelle Interesse nach oder
verschwindet. Die Kenntnis der Rolle des Dopamins hat zum Einsatz von
Apomorphin gegen Potenzstörungen geführt. Apomorphin macht bei Menschen
wie bei Tieren eine Erektion wahrscheinlicher. Apomorphin greift an den D1
und D2 Rezeptoren an, ob ein selektiverer Ansatz an D1 oder D2 Rezeptoren
noch besser geeignet wäre wird noch untersucht. Möglicherweise hängt die
Bedeutung der D1 und D2 Rezeptoren aber auch vom Kontext (der Situation)
ab.
Läsionen verschiedener Gehirngebieten können ebenfalls Potenzstörungen
auslösen. Dabei scheint je nach Hirnregion der Kontext der Potenzstörung
entscheidend. Läsionen der
Medialen Präoptischen Area ( MPOA) blockieren zwar das
Koppluationsverhalten, sind aber offensichtlich nicht für die
Spontanerektionen verantwortlich, die auch bei Tieren bei denen in der
MPOA eine Läsion gesetzt wurde erhalten bleibt. Die MPOA ist Teil des
Hirnbelohnungsystems und enthält dopaminerge Neurone aus dem VTA, sie hat
hier nicht nur Einfluss auf das sexuelle Verhalten, sondern auch auf den
Appetit auf Nahrungsmittel und den Konsum von Suchtmitteln. Bei
Läsionen der medialen Amygdala (AME) lassen die Spontanerektionen nach,
während die Erektion beim Verkehr intakt bleibt. Wenn eine Läsion dort vor
der Geschlechtsreife gesetzt wird, suchen Ratten gar keinen
geschlechtlichen Kontakt, wird sie nach der Geschlechtsreife gesetzt,
suchen sie seltener Kontakt. Die AME sind auch wesentlich für die
emotionale Antwort auf Stimuli. Ohne die Funktion von MPOA und AME werden
sexuelle Reize erst gar nicht entdeckt, machen keine Freude und werden
entsprechend auch nicht ausgelebt.
Es ist anzunehmen, dass bei psychogenen sexuellen Funktionsstörungen,
funktionelle Störungen in den genannten Hirnregionen vorliegen. |

|
Medikamente, die Erektionsstörungen verursachen können (Beispiele) |
|
Art des Medikaments |
Wirkstoffe |
| Antihypertensiva |
Betablocker Chinidin, Dihydralazin, Methyldopa,
Reserpin |
| Diuretika |
Thiazide, Spironolacton |
| Kardiaka |
Digitalispräparate, Verapamil, Propafenon |
| Lipidsenker |
Clofibrate |
| Magen-Darm-Mittel |
Cimetidin, Ranitidin |
| Neuroleptika |
Butyrophenone, Phenothiazine, Thioxanthene |
| Antidepressiva |
SSRI (werden teilweise in der Behandlung von
Ejakulatio praecox eingesetzt, ohne Zulassung hierfür), trizyklische
Antidepressiva, Lithiumpräparate |
| Hypnotika, Tranquillanzien |
Barbiturate, Benzodiazepine |
| Antiepileptika |
Phenytoin |
| Psychoanaleptika, Anorektika |
Amphetamine |
| Migränemittel Antiphlogistika Opiate |
Morphinderivate Indometacin, Naproxen, ASS,
Dihydroergotamin, Methysergid |
| Antimykotika |
Diverse |
| Anthelmintika |
Diverse |
| Anticholinergika |
Diverse |
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| Beispiele für sexuelle Funktionsstörungen |
| Männer |
Frauen |
| Befriedigungsstörung |
Befriedigungsstörung |
|
|
| Libidominderung, Erregungsstörung (zu schnell, zu langsam) |
Libidominderung, Erregungsstörung (zu schnell, zu langsam) |
|
Erektionsstörung, |
Lubrikationsstörung,
Hypersekretion,
|
|
Anorgasmie ohne Ejakulation Anorgasmie mit Ejakulation
|
|
|
Ejakulatio praecox,
retardata , deficiens cum orgasmo, retrograda
,diurna spontanea ,Spermatorrhoe |
|
|
Algopareunie,Glansschmerz |
Algopareunie,
Vaginismus,
Klitorisschmerz,
Pelipathia
spastica u.a. |
|
Ejakulatio
praecox
wie
die
Nebenwirkung
einer
Medikamentengruppe
für
andere
Menschen
nützlich
sein
kann. |
|
Viele
Antidepressiva
können
die
sexuelle
Lust
vermindern
und
verzögern
gleichzeitig
die
Ejakulation.
Waldinger
und
seine
Koautoren
nehmen
an,
dass
die
Ejakulatio
praecox
ein
neurobiologisches
Phänomen
ist,
das
durch
eine
verminderte
zentrale
serotonerge
Neurotransmission,
5-HT2C
Rezeptorhyposensitivität
und//oder
5-HT1A
Hypersensitivität
bedingt
ist.
Im
Gegensatz
zu
älteren
Theorien
gehen
diese
Autoren
davon
aus,
dass
es
sich
nicht
um
eine
erworbene
Störung
oder
ein
erlerntes
Verhalten
handelt,
sondern um
eine
Normvariante
der
normalen
biologischen
Variabilität
der
unterschiedlichen
Zeitdauer
bis
es
zu
einem
Samenerguss
in
der
Scheide
kommt.
Sie
vermuten
auch
erbliche
Einflüsse.
Eine
Metaanalyse
von
79
Studien
(3034
Männern)
die
zwischen
1943
und
2003
veröffentlicht
wurden
ging
der
Frage
nach
wie
effektiv
Antidepressiva
in
der
Behandlung
der Ejakulatio
praecox
sind.
Die
Wirkung
wurde
mit
der
Stoppuhr
im
Vergleich
zu
Plazebo
oder
anderen
Techniken
gemessen.
Gemessen
wurde
dabei
die
Zunahme
der
Zeit
bis
zur
intravaginalen
Ejakulation
(=IELT
oder
Zeit
bis
zum
Samenerguss
in
der
Scheide).
Interessanterweise
unterscheiden
sich
die
verschiedenen
Antidepressiva
hinsichtlich
ihrer
Wirkung.
In
der
Regel
war
die
täglich
Einnahme
der
Antidepressiva
einer
bedarfsweisen
Einnahme
weit
überlegen.
Paroxetin
war
deutlich
wirksamer
als
die
anderen
SSRIs.
Insgesamt
ist
aber
die
Wirkung
von
Paroxetin,
Clomipramin,
Sertralin
und
Fluoxetin
vergleichbar.
Antidepressiva
sollten
immer
vom
Arzt
verschrieben
werden.
Es
sollte
vorher
immer
eine
individuelle
Abschätzung
der
Risiken
und
eine
individuelle
Aufklärung
über
den
Umgang
damit
erfolgen.
Amanda
J
Moreland
and
Eugene
H
Makela
Selective
Serotonin-Reuptake
Inhibitors
in
the
Treatment
of
Premature
Ejaculation
Ann
Pharmacother
2005;39:1296-1301.
DOI
10.1345/aph.1E069
Abstract]
[Full
Text]
[PDF]
Leitlinie
der
American
Urolgical
Association:
Premature
Ejaculation
(2004),
|
nach
Waldinger
MD,
Zwinderman
AH,
Schweitzer
DH,
Olivier
B.
Relevance
of
methodological
design
for
the
interpretation
of
efficacy
of
drug
treatment
of
premature
ejaculation:
a
systematic
review
and
meta-analysis.Int
J
Impot
Res.
2004
Aug;16(4):369-81.
Review.
PMID:
14961051
[PubMed
-
indexed
for
MEDLINE] |
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|
|
|
gängige Begriffsdefinitionen |
in der Sexualmedizin |
| Vaginismus Scheidenkrampf; starke
Empfindlichkeit des Scheideneingangs gegenüber Berührung od. Einführen des
Fingers, des Penis beim Koitus od. des Spekulums; reflektorisch-muskulärer
Abwehrvorgang mit Kontraktion des M. bulbo-cavernosus u. des M. levator
ani sowie Innenrotation der Oberschenkel. Die Urs. sind fast stets
psychogen. Ther.: (Paar-)Beratung, evtl. Psychotherapie, unterstützend
körperl. Übungen (z.B. Einführen von Dilatatoren). |
| Geschlechtsverkehr Ist definiert als vaginale Penetration der
Partnerin (Eindringen in die Partnerin). i.w.S. jede Kommunikation*
od. Interaktion zw. Menschen, die zu einer sexuellen Handlung ermuntert
bzw. diese einschließt, insbes. Genital-, Oral-, Analverkehr od.
gegenseitige Masturbation, aber auch sadomasochist. od. fetischist.
Handlungen; 2. i.e.S. Koitus; |
| Sexuelle Aktivität Beinhaltet Geschlechtsverkehr,
Zärtlichkeiten, Vorspiel und Masturbation (Selbstbefriedigung). |
| Samenerguss Ist definiert als der Ausstoß von Samen aus dem
Penis (oder die Empfindung dessen). |
| Sexuelle Stimulation Beinhaltet Situationen wie Liebesspiele
mit der Partnerin, Betrachten erotischer Bilder usw. |
| Orgasmus (gr. òry Leidenschaft, Trieb) Höhepunkt u.
(meist) Befriedigung sexueller Erregung, i.d.R. beim Geschlechtsverkehr
od. bei der Masturbation: es handelt sich um unwillkürliche
Muskelkontraktionen insbesondere im Genitalbereich, aber auch im übrigen
Körper; daneben Steigerung der Herzfrequenz, Blutdruckanstieg, Zunahme von
Atemfrequenz u. -tiefe sowie versch. ausgeprägte Bewusstseinsveränderungen,
bei Männern gefolgt von einer Refraktärperiode mit geringer sexueller
Erregungsempfindlichkeit. Beim männl. Geschlecht sind Orgasmen mit
Eintritt der Geschlechtsreife generell von einer Ejakulation begleitet;
beim weibl. Geschlecht wird z.T. eine Sekretion paraurethraler Drüsen
beobachtet (s. Gräfenberg-Zone). |
| Anorgasmie ist die Bezeichnung für eine sexuelle
Funktionsstörung mit Fehlen des Orgasmus beim Geschlechtsverkehr od. bei
der Masturbation; Formen: 1. primäre A.: besteht seit jeher u. immer; 2.
sekundäre (situative) A.: besteht nur in best. Situationen bzw. mit best.
Partnern. Orgasmusstörungen sind bei Männern
sehr selten, bei Frauen etwas häufiger, haben aber in den letzten Jahren
abgenommen. Manche Frauen können bei nicht-koitaler Klitorisreizung einen
Orgasmus erleben, nicht aber beim Koitus ohne manuelle Stimulation der
Klitoris. Bei den meisten dieser Frauen stellt dies eine normale Variation
der Sexualreaktion dar, und rechtfertig deshalb nicht die Diagnose des
gehemmten Orgasmus. Bei einem Teil dieser Frauen wäre der Orgasmus ohne
manuelle Klitorisreizung möglich, bei ihnen kann nach genauer sexueller
Anamnese und Behandlungsversuch die Diagnose gestellt werden. Von einem
gehemmten Orgasmus des Mannes spricht man wenn Störungen der Ejakulation
vorwiegend beim Koitus auftreten, bei anderer Stimulation (Masturbation)
kommt es zum Orgasmus. Es wird dann unterschieden zwischen Ejaculatio
retarda und Ejaculatio deficiens. |
| Libidostörung ungenaue Bez. für Störung des sexuellen
Appetenzverhaltens, die sich als sexuelle Funktionsstörung od. fehlendes
sexuelles Interesse (s. Alibidinie) äußert; Vorkommen.: meist i.R.
psychischer Störungen, z.B. Konfliktreaktion, neurot. Entwicklung,
Persönlichkeitsstörung, psychosomat. Erkr., nicht-org. Psychose od. bei
Depressionen. |
| Erektion durch den Erektionsreflex ausgelöstes
Anschwellen u. Aufrichten von Penis bzw. Klitoris; Verlauf in vier Phasen:
1. Tumeszenz: Anschwellen durch Relaxation der Schwellkörpermuskulatur u.
Steigerung des Blutzuflusses; 2. Erektion: Aufrichten durch Anstieg des
intrakavernösen Drucks bis auf systol. Blutdruckwerte u. Drosselung des
Blutabflusses; 3. Rigidität: Steifwerden durch zusätzliche Kontraktion des
M. ischiocavernosus (Druckwerte im Corpus cavernosum bis 1000mmHg); 4.
Detumeszenz: Erschlaffung durch erhöhten Sympathikotonus, der zur
Kontraktion der glatten Muskulatur der Sinusoide u. Arteriolen u. zum
Blutabfluss nach Öffnung der venösen Gefäße führt. Vgl. Reaktionszyklus,
sexueller. |
| Erektionsstörung Erectio deficiens; synonym
erektile Dysfunktion, erektile Impotenz; fehlende Erektion des Penis bei
sexueller Erregung; unterschieden werden primäre (immer schon vorhandene)
u. sekundäre (spontan u. situativ auftretende) E.; während vorübergehende
in der Regel psychisch bedingt sind, ist die längerfristig bestehende E.
meist org. Ursprungs. Am häufigsten aber eine Mischform vorliegt. |
| Impotentia coeundi Unter Impotentia coeundi versteht man die
Unfähigkeit den Beischlaf auszuüben. Dazu gehört das Unvermögen eine
Erektion, d. h. die zum Beischlaf ausreichende und genügend lang
anhaltende Versteifung des Gliedes zu erreichen. Man spricht von erektiler
Impotenz. Die relative Impotenz ist eine gelegentliche Unfähigkeit zum
Beischlaf wegen einer Abneigung gegen bestimmte Umstände der sexuellen
Begegnung oder eine Abneigung gegenüber einem bestimmten Sexualpartner.
|
| Ejakulatorische Impotenz bezeichnet das Unvermögen
einen Samenerguss zu erzielen oder das Unvermögen den Zeitpunkt des
Orgasmus zu kontrollieren. Der vorzeitige Samenerguss, Ejakulatio
praecox ist häufiger als der verzögerte Erguss, Ejakulatio
retardata. Von einer Ejaculatio praecox
spricht man, wenn es schon nach minimaler sexueller Stimulation (bevor die
Person es wünscht), zum Samenerguss kommt, gemeint ist in der Regel: vor,
bei oder kurz nach der Vereinigung.
Es
handelt
sich
dabei
um
eine
subjektiven
Bewertung,
die
abhängig
von
der
gewünschten
Dauer
der
sexuellen
Stimulation
im
Kontakt
mit
der
Partnerin/dem
Partner
bis
zum
Samenerguss
ist.
Meist
wird
dies
nur
beim
sexuellen
Kontakt
mit
einer
anderen
Person
ein
Problem,
da
der
Mann
den
Zeitpunkt
des
Samenergusses
oder
des
Orgasmus
bei
der
Masturbation
in
der
Regel
gut
oder
doch
zu
eigenen
Zufriedenheit
steuern
kann. Da
das sympathische Nervensystem sowohl an Angst als auch an der Ejakulation
beteiligt ist, vermuten die Sexualtherapeuten, dass die Versuche, die
Ejakulation zurückzuhalten, Angst auslösen, die wiederum das Problem
verschlimmert.
Die
Kontrolle
über
den
Zeitpunkt
des
Orgasmus
und
damit
auch
der
Ejakulation
ist
bis
zu
einem
gewissen
Grad
auch
in
Zusammenarbeit
mit
der
Partnerin
und
ggf.
mit
Unterstützung
eines
Sexualtherapeuten
auch
erlernbar.
Zunächst
wird
bei
der
Sexualtherapie
immer
versucht
den
Druck
von
beiden
Partnern
zu
nehmen.
Erfolgsdruck
ist
der
Feind
jeden
gesunden
Sexuallebens.
In
so
genannten
Senusitätsübungen
sollen
sich
die
Partner
entspannt
zunächst
für
Tage
oder
Wochen
nur
am
ganzen
Körper
liebkosen.
Erst
später
werden
die
Genitalien
einbezogen.
Am
häufigsten
angewendet
wird
dann
die
Squeeze
Technik
(kurz
vor
dem
Orgasmus
wird
der
Penis
von
der
Partnerin
mit
3
Fingern
oberhalb
und
unterhalb
der
Kranzfurche
gequetscht),
dies
wird
in
der
Regel
mehrfach
angewendet.
Diese
Übung
wird
dann
mit
der
Start/Stoptechnik
ergänzt.
Die
Übungen
werden
in
den
Therapiesitzungen
besprochen,
der
Therapeut
bespricht
mit
den
Paaren
detailliert
Hausaufgaben
und
bespricht
in
der
nächsten
Sitzung
den
Erfolg
und
die
Schwierigkeiten
bei
den
Hausaufgaben.
Auch
bei
dieser
mechanischen
Methode
werden
gute
Erfolge
berichtet.
Als
Ejaculatio
deficiens
bezeichnet
man
das
Ausbleiben
eines
sichtbaren
Samenergusses
z.B.
bei
der
retrograden
Ejakulation
trotz
Orgasmus.
Gründe
für
eine
Ejaculatio
deficiens
können
Krankheiten,
Medikamente
aber
auch
Befürchtungen,
ein
Samenerguss
sei
"rückenmarkserweichend"
oder
"kräftezehrend". |
| Impotentia generandi Fehlt die Fähigkeit zur Fortpflanzung, so
spricht man von Sterilität oder Impotentia generandi. Die Impotentia
generandi ist von der Impotentia coeundi prinzipiell unabhängig zu
betrachten, kann aber dennoch mit ihr zugleich auftreten. |
| Impotentia satisfactionis, Impotentia concupiscentiae Die
Impotentia satisfactionis bezeichnet einen Samenerguss ohne begleitenden
Orgasmus. Ursache sind psychische Störungen. Auch die Impotentia
concupiscentiae gehört zu den psychischen Störungen. Hier fehlt jeglicher
Drang bzw. jegliche Lust zur sexuellen Betätigung. Ursächlich sind z. B.
negative frühkindliche Erfahrungen im Zusammenhang mit eigenen oder
fremden, als beängstigend empfundenen, sexuellen Erlebnissen. Auch eine
extrem sexualfeindliche Erziehung im Elternhaus, der Schule oder der
Kirche kann als Ursache in Frage kommen. |
| Lubrikationsstörung: ungenügende Transsudation der
Gleitsubstanz durch das Vaginalepithel während der sexuellen
Erregungsphase entsprechend umgekehrt bei der Hypersekretion
ein zuviel der Gleitsubstanz. |
| sexueller Reaktionszyklus, Veränderungen bei
Geschlechtsverkehr u. Masturbation, die als Abfolge von Phasen eines
Zyklus beschrieben werden; Frauen u. Männer durchlaufen trotz
grundsätzlicher Gleichartigkeit des phasenhaften Ablaufs den sexuellen
Reaktionszyklus im Geschlechtsverkehr nicht notwendig synchron; viele
sexuelle Funktionsstörungen können daher als Defizite im Umgang mit diesen
physiol. Unterschieden interpretiert werden. Trotz rel. Konstanz des
physiol. Prozesses variiert die Erlebnisqualität u. die erreichte
Befriedigung intra- u. interindividuell in Abhängigkeit von psych.
Faktoren erheblich. |
| Algopareunie Schmerzen beim Koitus; Ursache
psychogen bzw. funktionell z.B. beim Vaginismus), oder organisch z.B.
infolge von Narben, Verwachsungen, Entzündungen, Lubrikationsstörungen,
trophischen Störungen im Genitalbereich. |
| Spermatorrhoe Samenausfluss aus der Harnröhre
ohne sexuelle Erregung infolge Insuffizienz des Ductus ejaculatorius,
besonders bei Stuhlgang u. Urinieren (Defäkations-, Miktionssyndrom); |
| Glans Eichel; das etwas verdickte Ende des Penis u.
der Klitoris. |
| Hegarstäbe oder Dilatoren. Werden
in der mechanischen Behandlung des Vaginismus eingesetzt. Es handelt sich
um eine Desensibilisierungstechnik. Die Frau lernt immer dicker werdende
Stäbe in die Vagina einzuführen und sie dort zu lassen. So soll die
reflexartige Muskelverkrampfung abgebaut werden. Im Verlauf wird dann der
Partner an der Übung beteiligt |
| Vakuumpumpen werden als nebenwirkungsfreie
Hilfsmittel
in der Behandlung der Impotenz eingesetzt, dabei wird ein
Plexiglaszylinder über den Penis gestülpt und durch Unterdruck Blut in den
Schwellkörper gesaugt. Durch einen Gummiring, der über die Wurzel des
Penis gestreift wird, erhält sich die Erektion auch nach Abnehmen des
Plexiglaszylinders. Bebilderte Information Z. B. beim Viagrahersteller
Pfizer |
| Teasing = Spiel mit der Erregung;
wird in der Behandlung von Erregungsstörungen eingesetzt, der passive
Partner wird durch Streicheln erregt; das Streicheln wird dann
unterbrochen, bis sich die Erregung wieder abbaut; dann geht's wieder von
vorn los... Es soll eine bessere Kontrolle über die eigene Erregung erlernt
werden. |
|
Skat (Schwellkörperinjektionstherapie)
Der
Patient lernt, sich mit einer Nadel ein Medikament in den Schwellkörper zu
spritzen, was im Schwellkörper zu einer Entspannung der Muskelzellen
führt. Auf diese Weise erweitern sich die Arterien, und das Blut kann
rasch einströmen. Gleichzeitig wird der venöse Rückstrom des Blutes
gedrosselt, und es entsteht eine Erektion. Auch bei diesem Verfahren muss
der Arzt erst in der Praxis mehrfach testen, welche Dosis der einzelne
Patient benötigt. Im Gegensatz zu den natürlich ablaufenden Vorgängen
findet nach der Spritze eine Erektion unabhängig von einer sexuellen
Stimulation statt, sie bleibt auch nach dem Samenerguss erhalten.
Üblicherweise hält die Erektion nicht länger als eine Stunde nach
Injektion an, falls sie nach 4 Stunden (Priapismus) immer noch vorhanden
ist, muss unbedingt sofort ärztlicher Rat eingeholt werden, da sonst der
Schwellkörper für immer geschädigt werden kann. Nicht durchgeführt werden
darf sie bei
Herzrhythmusstörungen und KHK (also meist keine Alternative wenn Viagra
nicht vertragen wird), Dekompensierte Herzinsuffizienz, Dekompensierte
pulmonale Insuffizienz, Gerinnungsstörungen, Prostataadenom Stadium 2,
Dekompensierte Niereninsuffizienz, Leberschaden, Glaukom, Manifeste
Suchterkrankung, Geschlechtskrankheiten, Potentielles Priapismusrisiko
(Sichelzellanämie, Polyzythaemie, Leukämie) Debilität |
| Intraurethrale Therapie:
Alprostadil
(MUSE) Reiskorngroß wird die Substanz mit einem Aplikator
in die Harnröhre eingeführt und dort über die Schleimhaut aufgenommen,
Eine Erektion wird in 30% to 80% der Männer erreicht sie hält 30 bis60
Minuten. Nebenwirkungen können Schmerzen, Blutungen und wie bei Skat ein
Priapismus (medizinischer Notfall). |
| Yohimbin ist ein vergleichsweise billiges Medikament, das auch
zur Behandlung der Impotenz angeboten wird. Nach einer Metaanalyse der
Literatur ist es wirkungslos (schneidet so gut ab wie Placebo), hat aber
wenig Nebenwirkungen, es wurde von den Autoren der Metaanalyse wegen der
guten Verträglichkeit dennoch als lohnenswerter erster Versuch
angesehen. E.
Ernst; M. H. Pittler YOHIMBINE FOR ERECTILE
DYSFUNCTION A SYSTEMATIC REVIEW AND META-ANALYSIS OF RANDOMIZED CLINICAL
TRIALS, The Journal of Urology 1998;159:433-436,
Abstract
Article |
| Penis- Prothesenchirurgie
angewendet werden halbstarre, biegsame und
aufblasbare Prothesen die in das Corpus Cavernosum eingeführt werden. Bei
organisch bedingten irreversiblen Erektionsverlust. Auch bei traumatischen
Penisverletzungen mit Schädigung des Corpus Cavernosum. |
| Squeeze-Technik: Es wird davon
ausgegangen, dass Männer die unter einer Ejakulatio praecox leiden eine
unzureichende Kontrolle über den Orgasmusreflex erlernt haben. Durch eine
spezielle Übung soll diese Kontrolle erlernt werden. Der Mann gibt der
Frau 'kurz davor' ein Zeichen; sie drückt dann sein Glied für mindestens
20 Sekunden zusammen; die Erektion lässt darunter etwas nach, anschließend
setzt sie die Stimulation fort. Männer sollen damit lernen die Ejakulation
selbst besser zu kontrollieren. |
|
Paraphilie |
| Prostata = Vorsteherdrüse trägt zu über 50% zur
Samenflüssigkeit bei. Ihre Größe nimmt mit dem Alter zu, hormonelle
Einflüsse sind dabei entscheidend. Bei Eunuchen gibt es keine
Prostatahypertrophie. Theoretisch wäre die Kastration eine
Behandlungsmethode, die die Prostata schrumpfen ließe. Mit 60 Jahren hat
die Hälfte und mit 80 Jahren 80% aller Männer eine Prostatahypertrophie.
Die Behandlung der Prostatahypertrophie hat keine sicheren Effekt auf die
Sexualfunktion, abgesehen von der retrograden Ejakulation nach der
Operation, mit entsprechender Abnahme der Samenflüssigkeit.. |
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| Ursachensuche bei
Dyspareunie |
- Dyspareunie und/oder
andere sexuelle Dysfunktion.
- Wo tut es weh?
- Wann tut es weh? (vor, nach
dem Eindringen, vaginal, tief oder schon zu Beginn, danach)
- Schmerzqualität Ist es ein
Juckreiz, Brennen oder Stechen?
- Wie ist die Vorgeschichte?
Gibt es verschiedene Schmerzstellen, welche war zuerst
da?
- Ist der Schmerz
situationsabhängig oder positionsabhängig?
- Schon immer oder erworben?
- Gibt es andere sexuelle
Dysfunktionen wie mangelnde Libido, mangelnde
Scheidenbefeuchtung, Orgasmusschwierigkeiten?
- Welche Behandlungen wurden
bisher versucht?
- Gibt es gynäkologische
Ursachen.
- Gibt es vaginale Symptome,
Ausfluss, Brennen oder Jucken.
- Gab es
Geschlechtskrankheiten in der Vorgeschichte, HSV oder
HPV?
- Gab es Verletzungen bei
einer vorausgegangenen Geburt oder andere Traumen ?
- Gab es chirurgische
Eingriffe im Bauchraum oder Gynäkologisch?
- Gab es eine Vorgeschichte
mit Endometriose, chronische Unterbauchbeschwerden?
- Wie wird derzeit verhütet?
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- Medizinische Ursachen
- Chronische
Erkrankungen?
- Medikamente?
- Alkohol oder Drogen?
- Darm oder Blasensymptome?
- Hautveränderungen Ekzem,
Psoriasis oder eine andere Hauterkrankung?
- Psychosoziale Anamnese.
- Wie sieht die Patientin das
Problem?
- Gab es das Problem auch in
anderen Beziehungen?
- Kann in der Partnerschaft
darüber gesprochen werden, wenn ja was wurde versucht?
- Gibt es eine Vorgeschichte
eines sexuellen Missbrauchs?
- Gibt es andere
Stressfaktoren im aktuellen Leben?
- Hinweise auf eine
Depression oder Angsterkrankung
- Was ist das gewünschte
Behandlungsergebnis des Paares ?
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| HSV = Herpes
simplex Virus; HPV = Humanes Papillomvirus.
Phillips NA. The clinical
evaluation of dyspareunia. Int J Impotence Res 1998; 10:S117-20. |
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Sexueller Reaktionszyklus |
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Beide Geschlechter
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Frauen |
Männer |
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Verlangen |
Geht der
tatsächlichen physischen oder psychologischen Stimulation voraus.
Führt
dazu dass eine Person sexuelle Aktivitäten beginnt oder dafür
empfänglich ist. Physiologisch spielen hier Neurotransmitter,
Androgene und die Sinneswahrnehmung eine Rolle. Kulturelle,
psychologische, soziale und lebensgeschichtliche Faktoren spielen ein
Rolle. Sexuelles Interesse nimmt zu, häufig von erregenden
Phantasien begleitet |
Verbale
Stimuli, die Beziehung, Berührung, sind wichtige Auslöser |
visuelle
Stimuli sind wichtiger |
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Erregungsphase |
Aktivierung
des Parasympathikus, schnellerer tieferer Atem, schnellerer Puls,
Anstieg des Blutdrucks und andere Zeichen einer beginnenden Erregung,
manchmal Sexflush, sexuelle Lust und begleitenden körperlichen
Veränderungen werden auch subjektiv immer empfunden. |
Lubrikation
der Scheide, Erweiterung der Scheide, vermehrte Durchblutung des
Beckens, Höhertreten des Muttermundes, Umfangzunahme der Klitoris,
Vergrößerung der Öffnung der Schamlippen, Erektion der Brustwarzen,
Hautrötung (Sexflush). Im Alter tritt die Lubrikation später ein,
Ursache dafür ist die beginnende Atrophie der Vaginalwand.
|
Erektion des
Penis, Anhebung der Hoden, eventuell Erektion der Brustwarzen,
Hautrötung (Sexflush), eine direkte willentliche Steuerung der
Erektion ist nicht möglich.
Im Alter entwickeln sich Erektionen erst nach längerer
Stimulierung; die Erektionsstärke ist geringer.
|
|
Plateauphase |
Die sexuelle
Anspannung steigt, Zeichen verstärkter körperlicher sexueller Erregung
nehmen weiter zu und lassen erst kurz vor dem Orgasmus nach,
zunehmender Kontrollverlust. Weitere Aktivierung des Parasympathischen
Nervensystems und zunehmender Blutandrang in den Beckenorganen
steigende allgemeine Muskelanspannung, schnellerer tieferer Atem,
schnellerer Puls, Anstieg des Blutdrucks. Die Dauer der Plateauphase
hängt auch von der Wirksamkeit der sexuellen Reize ab. Die Dauer ist
auch willentlich steuerbar, wird aber eine gewisse Schwelle
überschritten, setzt die nur wenige Sekunden andauernde Orgasmusphase
überwiegend zwingend ein, |
Ausdehnung
der Scheide und Größenzunahme und hellrote Verfärbung der kleinen
Schamlippen, Verengung des Scheideneingangs, Vergrößerung der
Brustwarzen, Sekretion der Bartholinischen Drüsen. Im Alter ist
die Dehnbarkeit der Vagina eingeschränkt, sie kann sich während
der Plateauphase nur begrenzt ausdehnen. Die Labia Minora kann
leicht schrumpfen, dadurch ist die Klitoris weniger geschützt und kann
schmerzempfindlich werden. |
Sekretion der
Cowperschen Drüsen, Vergrößerung der Glans Penis, Im Alter dauert
die Plateauphase länger an. |
|
Orgasmusphase |
Aktivierung
des sympathischen Nervensystems. Höhepunkt der körperlichen Erregung,
generalisierte Muskelkontraktionen, verschieden ausgeprägte
Bewusstseinsveränderungen hohe subjektive Freude. Entladung der
sexuellen Spannung, die Wahrnehmung anderer Sinnesempfindungen ist
eingeschränkt, die Person ist mehr auf sich selbst konzentriert,
allgemeine Muskelanspannung, schnellerer tieferer Atem, schnellerer
Puls, Anstieg des Blutdrucks erreichen ihren Höhepunkt (bis zu 40
Atemzüge/Min, bis Puls 180/min, Blutdruckanstieg systolisch 30-80mmHg
und 20-40mmHg diastolisch) |
rhythmische
Kontraktion der orgiastischen Manschette, der Gebärmutter, und der
Beckenbodenmuskulatur. Im Alter ist die Orgasmusphase verkürzt, die
Rückbildung der sexuellen Erregung tritt rascher ein. |
Ejakulation
und rhythmische Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur. Im Alter ist
der Ejakulationsprozess besser kontrollierbar. Die prä-ejakulatorische
Sekretion ist stark vermindert oder bleibt aus. Weniger häufiges und
weniger starkes Ejakulieren. Abnehmende Ejakulatmenge. Im Alter wird
Koitus ohne Ejakulation von vielen durchaus als befriedigend erlebt,
das "Ejakulationsbedürfnis" nimmt ab. |
|
Rückbildungsphase |
Sympathisches
Nervensystem
der Körper kehrt zum Ausgangszustand zurück, die Blutstauung im Becken
geht zurück, Muskelanspannung, Atemfrequenz, Puls, Blutdruck beginnen
sich zu normalisieren |
Verkleinerung
der Klitoris und der Schamlippen, Herbsinken des Gebärmutterhalses
(evtl. Einsinken in das Sperma) |
Rückbildung
der Erektion, Absinken des Hodens. Im Alter schnelleres Abklingen der
Erektion und längere Refraktärzeit |
|
Refraktärperiode |
|
Bei Frauen
wenig ausgeprägt, die meisten Frauen können erneut in die Erregungs-
und Plateauphase eintreten, unmittelbar folgende sexuelle Erregung
möglich, multiple Orgasmen möglich |
Bei den
meisten Männer dauert es eine Zeit bis der Mann wieder bis zum
Orgasmus stimuliert werden kann. |
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| Seit 1954 untersuchten Willinm H. Masters
und Virginia E. Johnson in umfangreichen experimentellen Studien die
sexualphysiologischen Reaktionen von Männern und Frauen bei Petting,
Koitus und Masturbation. Basierend auf den so gewonnenen Erfahrungen haben
sie seit Patienten und Patientinnen mit sexuellen Funktionsstörungen
behandelt, wie Erektionsstörungen Ejakulatio praecox beim Mann und
Orgasmusstörungen und Vaginismus bei der Frau. Die von ihnen
angegebene Erfolgsquote ihres Behandlungsprogrammes lag bei etwa 80
% .Das Therapieprogramm von Masters u. Johnson lässt sich nicht einfach
einer bestimmten Form der Psychotherapie zuordnen. Vielmehr handelt es
sich um ein Nebeneinander von Informationsvermittlungen über sexuelles
Verhalten, Vermittlung freizügigerer sexueller Einstellungen in
den Grenzen der bestehenden Partnerschaft, Analyse von
Fehlverhalten in der Partnerschaft und Verhaltens - und
kommunikationstherapeutischen Elementen. Beziehungsstörungen stehen oft im
Vordergrund. Aber Praxis, Wissen und Technik spielen in der Behandlung
sexueller Funktionsstörungen eine wichtige Rolle. Manchmal liegt es auch
nur am Blutdruckmedikament oder am Psychopharmakon (bzw. am Alkohol) und
keiner hat daran gedacht. Nur wenn integrativ dies alles
berücksichtigt wird ist eine erfolgreiche Behandlung sexueller
Funktionsstörungen möglich, |
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Hypersexualität:
medizinischer Oberbegriff für gesteigertes sexuelles Verlangen als
eigenständiges Problem.
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Satyriasis:
medizinischer Oberbegriff für gesteigertes sexuelles Verlangen als
eigenständiges Problem bei Männern. Die Entsprechung zur Nymphomanie
bei Männern, abgeleitet von Satyrn, dem altgriechischen
Fruchtbarkeitsdämon. |
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Don- Juanismus:
ähnliche Bedeutung wie Satyriasis. Betonung mehr auf Verführung und
Promiskuität. Abgeleitet von Don Juan Tenorio im Drama des spanischen
Dichters Tirso de Molina (1630). Auch später bei Molière,
Mozart, E.T.A. Hoffman, Max Frisch. |
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Nymphomanie:
medizinischer Oberbegriff für gesteigertes sexuelles Verlangen als
eigenständiges Problem bei Frauen. In der Regel mit promiskem
Sexualverhalten. Abgeleitet von den Nymphen, sinnenfrohen
altgriechischen Naturgöttinnen. Wird heute nicht mehr als gravierender
Normverstoß betrachtet, und bereitet wohl den meisten betroffenen
keine großen moralischen Bedenken mehr. Die frühere Behauptung
hypersexuelle Menschen seien frigide ist falsch. |
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Promiskuität:
Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern. |
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Sexsucht: eher
unklarer Begriff, meinst zwanghaften Konsum von Sex und
Pornodarstellungen. |
Das Ausmaß der "Hypersexualität" ist auch ein Produkt
der kulturellen Zusammenhänge, Aids hat hier die Welt nach der „sexuellen
Revolution“ dramatisch verändert.
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